Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Greuther Fürth 4:0 (3:0)

Borussia siegt mit abgeklärter Mannschaftsleistung

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Eine insgesamt überzeugende Leistung der Borussen (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach hat die Pflichtaufgabe Greuther Fürth mit einer abgeklärten Mannschaftsleistung erledigt. Die drei Offensivspieler und Manu Koné ragten heraus. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Behielt zum zweiten Mal in dieser Bundesligasaison die weiße Weste. Richtig gefordert wurde der Schweizer nur bei der Chance von Hrgota, die er mit einem Klasse-Reflex zunichtemachte. Allerdings hätte ein möglicher Treffer wegen einer vorangegangenen Abseitsstellung ohnehin nicht gezählt. Darüber hinaus war Sommer nahezu beschäftigungslos. Kurz vor dem Halbzeitpfiff missglückte ihm ein Abschlag, was die Fürther aber nicht ausnutzen konnten. Im zweiten Durchgang klärte er bei einer Ecke etwas unkonventionell am kurzen Pfosten, später pflückte er einen Eckball am Fünfmeterraum. Der zweite Schuss auf sein Tor in der Schlussphase war eine bessere Rückgabe, die der 32-Jährige problemlos festhalten konnte. Note 3,0.

Matthias Ginter: Der Nationalspieler spielte einmal mehr rechts in der Dreierabwehrkette und erledigte seinen Job unaufgeregt und souverän. Defensiv wurde er nur selten gefordert, so dass er sich situativ mit nach vorne einschalten konnte. Dabei spielte er einige gute Bälle in die Halbräume und auch zwei, drei gelungene lange Pässe. Nach der Pause hatte der 27-Jährige zwei Gelegenheiten zu seinem ersten Saisontreffer, doch der Fürther Schlussmann behielt die Oberhand. Note 3,0.

Denis Zakaria: Die Personalnot in der Abwehr machte es erforderlich, dass der Schweizer wieder die Rolle des zentralen Mannes in der Dreierkette übernehmen musste. Das erledigte Zakarai mit der notwendigen Sorgfalt. In drei oder vier Situationen konnte er seine Schnelligkeit ausspielen und klären, doch zumeist kamen die offensiv harmlosen Gäste gar nicht erst dazu, ihn ernsthaft zu fordern. Nach der Pause kam Zakaria in einem Zweikampf im eigenen Sechzehner zu spät und berührte auch den Gegenspieler. Dass der Schiedsrichter nach Betrachtung der Bilder am Monitor bei seiner Entscheidung blieb und keinen Elfmeter pfiff, war korrekt. Dennoch hatte Zakaria in dieser Szene auch ein wenig Glück. Zweimal schaltete er sich mit langen Schritten bis weit nach vorne mit ein, kam aber nicht zum Abschluss. An seinem 25. Geburtstag hätte sich Zakaria mit seinem dritten Saisontreffer selbst beschenken können, doch sein Distanzschuss kurz vor der Pause flog knapp am Tor vorbei. Note 3,0.

Ramy Bensebaini: Übernahm die Rolle des linken Verteidigers in der Dreierkette. Bis auf zwei, drei kleinere Unsauberkeiten erledigte der 26-Jährige seine Aufgaben verlässlich. Nach der Länderspielreise wirkte der Algerier körperlich nicht ganz frisch, was sich gegen diesen offensivschwachen Gegner aber nicht nachhaltig negativ bemerkbar machte. Einige Male zog es Bensebaini mit nach vorne, auffällig waren vor allem mehrere schöne lange Pässe aus dem Fußgelenk – einmal nahezu perfekt für Herrmann. Note 3,0.

Patrick Herrmann: Stand zum dritten Mal in dieser Saison in der Startelf und spielte im Fünfermittelfeld auf der rechten Seite. Dort war der 30-Jährige in der Anfangsphase recht auffällig und an einigen gelungenen Kombinationen beteiligt – u.a. bei der Entstehung des 1:0. Kurz darauf hatte er die Großchance zu seinem ersten Saisontreffer, als er nach Pass von Bensebaini alleine aufs Tor zulief, aber überhastet am Fürther Keeper scheiterte. Im weiteren Spielverlauf häuften sich kleinere Unsauberkeiten bei Herrmann, die aber aufgrund des früh entschiedenen Spiels nicht groß ins Gewicht fielen. Von der Einsatzbereitschaft her war es sehr ordentlich, was Herrmann zeigte. Der ‚Auswechselkönig‘ spielte erstmals in dieser Saison über die volle Distanz. Note 3,5.

Manu Koné: Es war wirklich außergewöhnlich, mit welcher Abgeklärtheit der 20-Jährige agierte. Scheinbar ungerührt übernahm er die klare Chefrolle im zentralen defensiven Mittelfeld und spielte durchweg auf einem atemberaubend hohen Niveau. Sein Timing war exzellent, er war immer zum richtigen Zeitpunkt zur Stelle und löste alle Aufgaben wie ein abgezockter Profi, der in seiner Karriere schon alles erlebt hat. Konés Technik, sein klares und sicheres Passspiel – so vor dem 1:0 –, und vor allem sein Zweikampfverhalten waren überragend. Er griff mit der richtigen Dosierung zu und eroberte Bälle, gleichzeitig ließ er sich auch von drei Gegenspielern nicht beirren, wenn er selbst den Ball führte. Die Präsenz des Franzosen war faszinierend. Note 1,5.

Florian Neuhaus: Stand wegen seiner Aussagen nach dem Mainz-Spiel natürlich unter besonderer Beobachtung. Mit einem Ballverlust, als er sich zu Beginn gegen drei Gegenspieler arg sorglos verhielt, bestätigte er zunächst seine Kritiker. Danach spielte der Nationalspieler allerdings mit wenigen Ausnahmen konzentriert und seriös. An mehreren guten Spielzügen war er mit schnellen Pässen beteiligt. Klasse, wie er beim 2:0 direkt schaltete und den Fauxpas des Fürther Keepers eiskalt ausnutze. Die Defensivarbeit von Neuhaus war in Ordnung, auch wenn er hier und da etwas zögerlich agierte. Gegen einen stärkeren Gegner hätte es in der einen oder anderen Szene brenzlig werden können. Note 3,0.

Joe Scally: Durch die Hereinnahme von Herrmann rückte der US-Amerikaner auf die linke Seite, wo er ein paar kleinere Abstimmungsprobleme mit Bensebaini hatte, die er aber schnell in den Griff bekam. Er beteiligte sich an mehreren Angriffen und hatte eine gute Schussgelegenheit, als er von halblinks im Strafraum abzog, der Torwart aber zur Stelle war. In der Rückwärtsbewegung hatte Scally hier und da leichte Probleme, was aber aufgefangen werden konnte. Mit zunehmender Spieldauer und dem klaren Vorsprung nahm sich Scally zurück und durfte in der 73. Minute verdientermaßen früher Feierabend machen. Note 3,0.

Jonas Hofmann: Erlebte einen bittersüßen Nachmittag im Borussia-Park. Bitter deshalb, weil er gleich dreimal übel einen mitbekam und sowohl links wie rechts am Fuß getroffen behandelt werden musste. Doch Hofmann lief die Schmerzen weg, auch weil er sich zu sehr über die Freiheiten freute, die ihm die Fürther ließen – wenn sie ihn gerade mal nicht traten. Hofmann hatte nicht nur beim 1:0 sehr viel Raum, als er das Tor per Doppelpass mit Stindl selbst vorbereitete und sich im Strafraum noch den Ball von rechts auf links legen konnte. Immer wieder startete er seine intelligenten Läufe in die Tiefe, die Abstimmung mit Stindl und Plea war richtig gut. Beim Treffer zum 4:0 blieb er trotz Bedrängnis ruhig und traf überlegt mit rechts. Überraschend war, dass Hütter Hofmann trotz der erwähnten Blessuren bis zur 86. Minute weiterspielen ließ, obwohl das Spiel längst entschieden war. Note 1,5.

Lars Stindl: Endlich wieder eine Partie, in der der Kapitän seine großen Qualitäten ausspielen konnte. Er war oft der erste Anläufer des gegnerischen Aufbauspiels und hatte zudem mit Hofmann und Plea spielerisch starke Partner, mit denen er fein kombinieren konnte. Da die Fürther ferner arg naiv gerade in Stindls ‚Lieblingszone‘ viel Raum ließen, war der 33-Jährige schnell in seinem Element. Drei perfekt getimte Assists zu den beiden Treffern von Hofmann und dem einen von Plea steuerte Stindl bei, er selbst hatte Pech mit einem Pfostenschuss. Die Balleroberung vor dem 4:0 war klasse und auch so gerade noch regelgerecht. Zehn Minuten nach der Pause sah er Gelb wegen Meckerns, in der 73. Minute machte er Platz für Plea. Note 2,0.

Alassane Plea: Der Franzose als nominelle zentrale Spitze harmonierte hervorragend mit Hofmann und Stindl. Die Rochaden der drei Offensivspieler stellten die Fürther Hintermannschaft immer wieder vor große Probleme. Auch wenn Plea nicht alles gelang und er hier und da hängen blieb oder sein Zuspiel nicht ankam, so waren die Ideen hinter seinen Aktionen richtig gut. Sensationell war die Direktablage für Stindl bei dessen Pfostenschuss. Ein Schuss des 28-Jährigen trudelte haarscharf am Tor vorbei, kurz darauf erzielte er mit einem sauberen Rechtsschuss nach Doppelpass mit Stindl das vorentscheidende 3:0. Nach hinten raus nahm er sich ein paar Pausen, was aber angesichts der klaren Verhältnisse verständlich war. Note 2,0.

László Bénes (74. Minute für Neuhaus): Konnte sich in der letzten Viertelstunde endlich mal wieder auf dem Platz zeigen. Ein paar Ansätze und gute Bewegungen waren dabei. Ein gezirkelter Schuss flog knapp am Winkel vorbei. Ohne Note.

Luca Netz (74. Minute für Scally): Machte über links noch einige Läufe, spielte sichere Pässe und behielt auch in den Zweikämpfen die Oberhand. Ohne Note.

Marcus Thuram (74. Minute für Stindl): Ging vorne rein, kam aber nur auf drei Ballkontakte. Seine beiden Abspiele landeten beim Gegner. Vielleicht ist er beim Derby wieder richtig auf Betriebstemperatur. Ohne Note.

Torben Müsel (86. Minute für Hofmann): Leitete bei seinem ersten Einsatz in dieser Saison direkt einen guten Angriff ein, was allerdings sein einziger Ballkontakt blieb. Ohne Note.

Conor Noß (88. Minute für Koné): Bundesligadebüt für das Gladbacher Eigengewächs. Mutig wagte er in der Schlussminute einen Schuss von halbrechts, der nur knapp über das Tor zischte. Ohne Note.

 


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