Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Basaksehir Istanbul

Ein Abend zum Vergessen im Borussia-Park

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Der letzte Auftritt in der Europa League verlief etwas ungeordnet (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach musste eine unerwartete Heimpleite gegen Istanbul Başakşehir hinnehmen. Die Leistung der Borussen war unter dem Strich nicht so schlecht, aber letztlich kostete die Mischung aus fehlender Konsequenz im Abschluss und individueller Fehler den Erfolg. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Ganz klar, das erste Gegentor geht auf die Kappe des Goalies. Die Flugbahn des Balles war zwar eigentümlich und so ein Aufsetzer birgt immer Gefahren, doch Sommer hätte den Distanzschuss locker parieren können, was er ja eigentlich auch tat. Nur flutschte ihm der Ball über die Handschuhe und als er dann realisierte, was geschah, rutschte er beim Nachfassen - anders als gegen die Bayern - im Liegen komisch weg und kam nicht mehr hin. Ansonsten machte Sommer eine ordentliche Partie. Er hielt den in der Mitte verlängerten Freistoß direkt nach Wiederbeginn, was nicht so leicht war. Dann rettete er mit einem Fuß-Reflex gegen den Drehschuss von Crivelli aus fünf Metern. Beim 1:2 war er ohne Abwehrchance. Note 4,0.

Stephan Lainer: Kam gut in die Partie und war sehr griffig im Zweikampf. Kleinere Stockfehler blieben zunächst ohne Folgen. Ganz stark seine Vorarbeit zum 1:0, als er den Ball flach, präzise und mit dem nötigen Drive vors Tor brachte. Ebenfalls klasse die punktgenaue Flanke vor der Plea-Chance kurz vor Schluss. Überhaupt schob Lainer am Ende nochmal richtig mit an. Zuvor gab es allerdings auch einige Durchhänger. Vor der Pause versuchte er sich völlig untypisch mit einem misslungenen Hackentrick an der Außenlinie, dann leitete sein lasches Zuspiel auf Neuhaus den Gegenangriff vor dem Ausgleich ein. Bei der Crivelli-Chance aus der Drehung konnte Lainer den Schuss nicht blocken, dazu unterliefen ihm mehrere Unsauberkeiten im Passspiel. Note 3,5.

Matthias Ginter: Eine relativ unauffällige Partie des Innenverteidigers, was auf dieser Position grundsätzlich kein Nachteil ist. Er löste die Defensivaufgaben vernünftig und behielt die Übersicht. Bei den Gegentoren war Ginter nicht involviert. Im Aufbauspiel hatte er mehrere gute Szenen. So passte er bei der Entstehung des 1:0 auf Zakaria und vor der großen Herrmann-Chance spielte er einen ganz feinen Vertikalball zu Neuhaus. Note 3,0.

Nico Elvedi: Auch er hatte - wie Nebenmann Ginter - zunächst alles im Griff und ließ bei den zaghaften Offensivbemühungen der Türken nichts anbrennen. Zwei-, dreimal kam er gut vor den Gegenspieler und fing so das Anspiel ab. In Ansätzen traute er sich auch über die Mittellinie, einen vielversprechenden Vorstoß vor der Pause brach er jedoch ab. Beim Schuss zum 0:1 zog er den Kopf weg - wohl auch, weil er den Ball nicht abfälschen wollte. Nach der Pause hatte er deutlich mehr zu tun. Vor der Crivelli-Chance aus der Drehung leitete Elvedi mit einem Klärungsversuch vor die Füße eines Istanbulers die Situation ein. Beim Crivelli-Kopfball, der haarscharf am Tor vorbeistrich, verlor er das Luftduell. Vor dem 1:2 produzierte er im Kopfballzweikampf mit Demba Ba einen Abpraller, der vor den Füßen des Torschützen landete. Note 3,5.

Oscar Wendt: Rotierte für den Doppeltorschützen Bensebaini in die Startelf. Der Schwede hatte nach einer halben Stunde die erste Torchance, als er den Ball nach Zuspiel von Herrmann mit seinem schwächeren rechten Fuß aus Mittelstürmerposition über das Tor zwirbelte. Wendt agierte mit viel Ruhe und hatte vor der Pause defensiv keine Mühe. Eine Flanke in den Strafraum war richtig stark, Thuram verpasste knapp. Nach dem Seitenwechsel und speziell nachdem die Gäste offensiv wechselten, gab es die eine oder andere Stresssituation für Wendt. Einmal erhielt er Szenenapplaus für eine überlegte Balleroberung, ein anderes Mal gewann er ein mit Händen und Füßen geführtes Duell an der Seitenlinie mit aller Überzeugung. Aber es gab auch Situationen, in denen ihm einfache Ballverluste unterliefen und er in Laufduellen den Kürzeren zog. Note 3,5.

Denis Zakaria: In Sachen Balleroberungen und Präsenz erneut Borussias auffälligster Mittelfeldakteur. Mehrfach sicherte er das Spielgerät und behauptete sich auch in engen Duellen. Mit etwas Glück setzte sich Zakaria vor dem 1:0 gegen zwei Gegenspieler durch und passte dann auf Assistgeber Lainer. Einige Male startete er seine Antritte aus der Tiefe mit raumgreifenden Schritten. Vor dem Ausgleich blieb er gegen den Torschützen passiv - wohl weil er nicht mit dem Verzweiflungsschuss rechnete. Nach der Pause mit einigen guten Offensivansätzen, aber auch Problemen gegen den Ball. So vor der Riesenkopfballchance von Crivelli, als er an der Außenlinie gemeinsam mit Kramer und Lainer unsauber agierte. Der Freistoß, der auf Umwegen zum Siegtreffer für die Türken führte, wurde von Zakaria verursacht. Note 3,0.

Christoph Kramer: Stand nach der Niederlage bei Union erstmals wieder in der Startelf. Er war sehr aktiv und forderte viel den Ball. Sein Passspiel war ordentlich, aber gegen so einen defensiv agierenden Gegner fehlte die Tiefe. Kramer drehte mehrfach ab und spielte quer oder zurück. Damit reduzierte er zwar die Gefahr von Ballverlusten, allerdings gingen auch Rhythmus und Tempo flöten. In einer Phase kurz vor dem Führungstor drehte Kramer auf und agierte nicht nur gegen den Ball energisch, sondern auch mit der Kugel am Fuß. Nach dem Führungstor und über weite Strecken der zweiten Halbzeit beschränkte sich Kramer auf das risikolose Passspiel. Läuferisch und kämpferisch agierte Kramer wie gewohnt am Limit. Note 3,5.

Patrick Herrmann: Spielte auf der rechten Seite und konnte dort im Zusammenspiel mit Lainer - auch wenn es hier und da Missverständnisse gab - für Schwung sorgen. So bereitete Herrmann die Chance für Wendt mit einer überlegten flachen Hereingabe vor. In der zweiten Halbzeit hatte er nach Neuhaus-Zuspiel die 100%ige Chance, als er von halbrechts alleine vor dem Torwart auftauchte, diesen dann aber aus kurzer Distanz anschoss. Ein Abspiel auf Embolo in der Mitte wäre hier auch eine Option gewesen. Herrmann war sehr viel unterwegs und startete im Verlauf der zweiten Halbzeit auch einige gute Läufe aus der Tiefe über die Halbposition. In der Nachspielzeit flankte er punktgenau für Thuram, der an den Pfosten köpfte. Note 3,0.

Florian Neuhaus: Agierte in zentraler Rolle im Mittelfeld und hatte die beiden ersten Torchancen. Zunächst wurde sein Schuss nach Ablage von Thuram halblinks im Sechzehner gerade noch geblockt, kurz darauf versuchte er es mit einem Schuss aus mittlerer Distanz, den der Torwart hielt. In der Folgezeit traten bei Neuhaus jedoch wieder die Probleme zutage, die ihn in den letzten Monaten begleiten. Am Ball fehlte es ihm an Dynamik und Kreativität. Mehrfach brauchte er zu lange, bis er sich sortiert hatte. Einmal spielte er einen Querpass ins Niemandsland, in den Zweikämpfen hielt er oftmals nicht energisch genug dagegen. Keinen Vorwurf kann man ihm hinsichtlich Laufbereitschaft und Einsatzwillen machen. Dass er ein Klasse-Fußballer ist, der den Unterschied ausmachen kann, zeigte er bei dem überragenden Direktpass auf Herrmann. In der 78. Minute machte Neuhaus Platz für Stindl. Note 4,0.

Marcus Thuram: Spielte auf der linken Seite und machte dort viele Meter, weil er auch seine Defensivaufgaben ernst nahm. Einige Male tauchte er am eigenen Sechzehner auf und unterstützte Wendt. Vorne leitete er mit seiner Ablage auf Neuhaus die erste Halbchance ein, danach wurde es schwerer, sich im dichten Abwehrverbund der Türken zu behaupten. Thuram versuchte es einige Male, blieb jedoch zumeist irgendwo hängen. Freie Bahn hatte er dann nach dem Zuspiel von Lainer, als er richtig schaltete und dann keine Mühe hatte, den Ball über die Linie zu drücken. In der zweiten Halbzeit weiter aktiv, aber ohne klare Torchance. Einige Läufe in den Sechzehner versandeten. In der Nachspielzeit hatte er den Ausgleich auf dem Kopf, doch der Ball klatschte nur an den Pfosten. Note 3,0.

Breel Embolo: Als zentrale Spitze aufgeboten, ließ er sich zu Beginn einige Male gut fallen und war so mit seinem Zuspiel auf Thuram an der ersten Neuhaus-Gelegenheit beteiligt. Im weiteren Verlauf tat sich Embolo jedoch schwer. Er bekam nicht viele Bälle und hatte keinen Raum, seine Wucht zu entfalten. Mit einigen technischen Fehlern - u.a. mehrere ganz schlechte Ballannahmen und erste Kontakte - stand er sich selbst im Weg. Er kam nicht wirklich in Abschlussposition und wurde nach 78. Minuten von Plea abgelöst. Note 4,0.

Lars Stindl: Kam in der 78. Minute für Neuhaus, konnte sich aber letztlich nicht mehr entscheidend einbringen. Ohne Note.

Alassane Plea: Löste Embolo zwölf Minuten vor dem Ende ab. Plea hatte die Riesenchance zum 2:1, als er den Ball freistehend aus fünf Metern nicht am Keeper vorbei köpfte. Ramy Bensebaini hatte am gegen die Bayern gezeigt, wie man es aus fast identischer Position besser macht. Beim Siegtreffer der Türken schaltete Plea zu spät und ließ Crivelli - auch wenn Plea beim vorherigen Standard nicht gegen ihn eingeteilt war - unbeachtet. Ohne Note.

Ramy Bensebaini: Wurde als ›Brechstange‹ unmittelbar nach dem 1:2 eingewechselt. Hatte sogar noch vier Ballkontakte, konnte aber letztlich die Niederlage nicht mehr abwenden. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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