Einzelkritik: Wolfsberger AC - Borussia Mönchengladbach

Viel Mühe und wenig Glanz - aber dennoch gewonnen

von Einzelkritik: Wolfsberger AC - Borussia Mönchengladbach

Es gab eine Phase bei der Partie in Graz gegen den WAC, in der Borussia Mönchengladbach ähnlich dem Hinspiel die Kontrolle zu verlieren schien. Doch diesmal konnte das abgewendet und nach hinten raus ein verdienter Arbeitssieg eingefahren werden. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Am Abend vor seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2023 hinterließ der Goalie den gewohnt souveränen und sicheren EIndruck. Bei der Möglichkeit von Niangbo sah er nicht ganz glücklich aus - Strobl rettete vor der Linie. Die weiteren Prüfungen wie einen Schuss von Schmid oder in der Endphase den Kopfball von Leitgeb bestand er problemlos. Eine Flanke pflückte Sommer sicher. Im Aufbau war er sehr bemüht, mit Kurzpässen das Kombinationsspiel zu eröffnen, was angesichts des gegnerischen Pressings nicht immer aufging. Note 3,0.

Denis Zakaria: Spielte erstmals den rechten Part in der Dreierkette. Zu Beginn hinterließ er dabei einen guten Eindruck, doch als Wolfsberg umstellte und mehr ins Pressing kam, verlor Zakaria etwas die Übersicht. Er schien nicht ganz sicher, wie er sich bei eigenem Ballbesitz verhalten sollte. Defensiv war seine Schnelligkeit ein Pluspunkt, so dass er mehrfach noch irgendwie störend dazwischen kam, nachdem die Wolfsberger ins Umschaltspiel gekommen waren. Als im zweiten Durchgang das Pressing des WAC zurückgefahren wurde und es allgemein mehr Luft zum Atmen gab, spielte es Zakaria souverän herunter und sorgte mit mehreren Ballgewinnen dafür, dass Wolfsberg gar nicht erst in die gefährliche Zone kam. Es ist anzunehmen, dass die Rolle rechts hinten in der Dreierkette eine Ausnahme bleibt. Wenn schon in der Kette, dann sollte Zakaria besser zentral spielen, weil er aus dieser Position heraus punktuell seine Läufe mit Ball starten kann. Die wurden in Graz vermisst. Note 3,5.

Tobias Strobl: Spielte als zentraler Mann in der neu formierten Dreierkette. Kleinere Abstimmungsprobleme zu Beginn summierten sich im Verlauf der ersten Halbzeit zu mehreren brenzligen Situationen. Der Versuch, trotz des Pressings des WAC mit Kurzpässen aufzubauen, ging einige Male schief. So Strobls Anspiel auf Bénes, der vor dem Strafraum den Ball verlor und es eine sehr gute Möglichkeit für Wolfsberg gab - Strobl lenkte den Schuss zur Ecke. Bei der Großchance von Niangbo rettete Strobl kurz vor der Torlinie. Wenig später ließ er sich im Aufbau zu einem Ballverlust an der Seitenlinie ‘stressen‘, kurz vor dem Pausenpfiff unterband er einen sich anbahnenden gefährlichen Angriff, indem er beherzt vor den Gegenspieler rückte und den Ball sicherte. Unmittelbar nach Wiederanpfiff hatte Strobl Glück, dass der Schiedsrichter nicht auf Elfmeter entschied, nachdem er Schmid unbeabsichtigt auf den Unterschenkel gestiegen war. Souverän leitete Strobl im Strafraum einen Ball per Hinterkopf zu Sommer weiter und auch in der halben Stunde nach dem Führungstor erledigte er seinen Job seriös und aufmerksam. Note 3,0.

Ramy Bensebaini: Links in der Dreierkette aufgestellt, konnte er Weissmann bereits nach zwei Minuten nicht am Kopfball hindern. Bensebaini tat sich von den drei ‘Kettenspielern’ im Aufbau gegen das Pressing des WAC am schwersten. Sein Fehler ermöglichte Schmid eine Chance und auch der großen Gelegenheit von Niangbo ging ein Ballverlust von Bensebaini voraus. Die Abstimmung mit Wendt passte mehrfach nicht. Dafür punktete der Algerier mit seinem Tempo und seinem kantigen Zweikampfverhalten. Nach dem Seitenwechsel ließ er sich einmal von Schmid vernaschen, kurz darauf unterlief ihm ein ärgerlicher Fehlpass im Aufbau. Nach dem Führungstor nahmen die Stresssituationen deutlich ab und Bensebaini löste die Aufgaben alsdann weitestgehend souverän. Note 4,0.

Stefan Lainer: Rechts im Mittelfeld aufgeboten. Er wirkte dabei im Aufbau etwas gehemmt, besonders als der WAC das Pressing anzog. Unter Druck verfiel Lainer zu sehr in Hektik, was mehrere ungenaue Abspiele zur Folge hatte. Ungewohnt einfach ließ er sich in zwei, drei Situationen den Ball abnehmen. Im Spiel nach vorne war er so gut wie kein Faktor und sehr unauffällig. Nach dem Seitenwechsel wurde Lainer zunächst unter Druck abgekocht, dann tauchte er erstmals erwähnenswert vorne auf und spielte einen Flachpass in die Mitte auf Plea. Etwas später versuchte er sich mit einem unzulänglichen Hackentrick aus einer Pressingsituation zu befreien. Wie alle anderen tat sich auch Lainer nach dem Führungstreffer leichter, konnte aber keine nennenswerte Akzente setzen. Note 4,0.

László Bénes: Auf der Halbposition im Mittelfeld unterwegs, hatte Bénes große Probleme gegen das aggressive Pressing der Wolfsberger. Fatal die Aktion nach Anspiel von Strobl, als er den Ball gegen zwei Gegenspieler vertändelte, woraus eine Großchance für den WAC entstand. Unter Bedrängnis unterliefen ihm mehrere technische Fehler, die man sonst bei ihm eher selten sieht. Seine Standards waren zwar nicht wirklich schlecht, aber es fehlte die Präzision. Bénes biss sich jedoch durch und blühte förmlich auf, als es nach dem Führungstor mehr Räume gab. Da bekam er die zweite Luft und hatte einige gute Aktionen. In der 77. Minute spitzelte er den Ball nach Pass von Herrmann haarscharf am Tor vorbei. Note 4,0.

Jonas Hofmann: Zeigte sich erstmals nach vier Minuten mit einem guten Antritt, bei dem er sich jedoch zu spät vom Ball trennte. Danach flog er im Mittelfeld weitestgehend unter dem Radar. Als Anspielstation unter dem Pressingdruck gelang ihm wenig, er selbst zögerte mehrfach im Defensivzweikampf. Zweimal köpfte er den Ball unbedrängt zu einem Gegenspieler. Kurz vor der Pause ‘verschenkte’ er einen kurz ausgeführten Freistoß von Bénes. In der zweiten Halbzeit steigerte sich Hofmann deutlich. Angefangen mit einem mit Auge abgefangenen Pass, ging es über einen Ballgewinn im Zweikampf weiter zu dem blitzgescheiten Pass auf Wendt vor dem 1:0. In der Folgezeit machte es Hofmann sehr gut, besetzte den richtigen Raum, eroberte mehrfach den Ball und setzte die Kollegen mit klugen Zuspielen in Szene. Hofmann ließ sich geschickt zurückfallen und verteilte die Bälle äußerst intelligent, was besonders in der Endphase auffällig war. Note 3,0.

Oscar Wendt: Übernahm die Position links im Mittelfeld. Wie gewohnt löste Wendt einige Situationen mit Ruhe, allerdings unterliefen ihm in kurzer Zeit zwei Handspiele, die Freistoßflanken zur Folge hatten. Er ließ sich vom Pressing nicht so sehr beeindrucken, fand am Ball aber auch kaum Lösungen. In einer Situation, als er mal viel Raum vor sich hatte, nahm er zu sehr den Fuß vom Gaspedal und spielte ungenau in Richtung Plea. Nach dem Seitenwechsel sah er bei einer weiten Hereingabe an den zweiten Pfosten schlecht aus, weil er nicht richtig ins Kopfballduell kam. Herausragend die Vorbereitung des Tores, als Wendt den Ball perfekt und mit genau der richtigen Schärfe spielte. In der Folgezeit beteiligte er sich munter an der ‘Abwicklung’ der Partie. Note 3,5.

Lars Stindl: Zentral hinter den beiden Spitzen unterwegs, hatte der Kapitän nach neun Minuten einen ersten Torabschluss. Er war gewohnt viel unterwegs, verhedderte sich jedoch oftmals im Dickicht der Wolfsberger. Unter Bedrängnis offenbarte Stindl ungewohnte Schwächen bei der Ballbehandlung. Nach der Pause wirkte er griffiger und hatte mit einem abgefälschten Schuss eine erste Möglichkeit. Alsdann sorgte er mit dem 1:0 für das Tor des Tages. Beim Abschluss blieb er cool und kontrolliert. Danach bereitete er die Großchance für Plea mustergültig mit vor, ehe er in der 73. Minute von Embolo abgelöst wurde. Note 3,0.

Alassane Plea: Ein erster Schuss im Strafraum wurde in der 6. Minute geblockt, danach versuchte es der Franzose von der Strafraumgrenze, zielte jedoch über den Kasten. Alsdann haderte er einige Male zurecht mit den ungenauen Anspielen der Kollegen. In der Hochphase des Wolfsberger Pressings war Plea fast vollständig abgeschnitten von brauchbaren Zuspielen. Am Führungstreffer war Plea mit einer Ablage im Mittelfeld auf Hofmann beteiligt. Nach dem Tor hätte Plea nachlegen können, köpfte jedoch nach Hofmann-Freistoß aufs Tornetz. Danach hatte er eine 100%ige Chance, als er ein Thuram-Zuspiel nicht verwertete. Zwar kam der Torwart ihm mit vollem Risiko entgegen, dennoch hätte Plea hier zwingend treffen müssen. Unmittelbar darauf bediente er Thuram mit einem schönen Pass, aber auch der vergab die Möglichkeit. Nach 77 Minuten machte Plea etwas missmutig Platz für Herrmann. Note 3,5.

Marcus Thuram: Startete mit einer Flanke, die er zu nah ans Tor zog. Danach fiel er zunächst nur durch gutes Kopfballspiel im eigenen Strafraum bei gegnerischen Ecken auf. Ansonsten konnte er als Anspielstation langer Bälle kaum etwas bewegen und hatte vor der Pause keinen Torabschluss. Zwei Minuten vor dem Seitenwechsel verschenkte Thuram eine gute Kontersituation durch einen technischen Fehler. Vor dem 1:0 überließ er den Hofmann-Pass klugerweise Wendt und ging nicht hin, weil er wohl im Abseits gewesen wäre. Erst als sich die Statik des Spiels nach dem Führungstreffer entzerrte, wurde Thuram auffälliger. So bereitete er die Großchance von Plea mit einem starken Zuspiel vor und scheiterte nach Vorarbeit von Plea mit einem Schuss per Außenrist am gegnerischen Torwart. Als Herrmann eingewechselt wurde, kam Thuram vermehrt über die rechte Seite. Eine Minute vor Schluss wurde er von Raffael abgelöst. Note 4,0.

Breel Embolo: Kam in der 73. Minute für Stindl in die Partie und übernahm dessen Position. Er konnte sich allerdings nur ansatzweise mit seiner körperlichen Präsenz in Szene setzen. Eine Direktabnahme nach Herrmann-Flanke verfehlte das Tor zwar deutlich, dennoch war es richtig von Embolo, es zu probieren. Ohne Note.

Patrick Herrmann: Ersetzte Plea ab der 77. Minute. Er tauschte mit Thuram mehrfach die Seite, kam aber hauptsächlich über links. Zwar spielte er einen Pass unbedrängt ins Seitenaus, aber er leitete mit einer starken Bewegung und genauem Zuspiel auch die Großchance für Bénes ein. Herrmann selbst hatte noch eine gute Möglichkeit, scheiterte aber am Keeper. Dennoch war es durchaus belebend, was Herrmann in der kurzen Zeit zeigte. Ohne Note.

Raffael: Wurde in der 89. Minute für Thuram eingewechselt. Zeigte noch ein gutes Dribbling, bei dem er sich in letzter Instanz am Strafraum festlief. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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