Nachdreher zum Spiel gegen AS Rom

Borussia bezwingt Rom: »Wir sind wieder da«

von Nachdreher zum Spiel gegen AS Rom

Die Erlösung in der 5. Minute der Nachspielzeit - Marcus Thuram (Foto: TORfabrik.de)

In der fünften Minute der Nachspielzeit erbebte der Borussia-Park in seinen Grundfesten: Marcus Thuram sorgte mit seinem Last-Second-Tor dafür, dass es doch noch eine magische Europapokal-Nacht wurde. Die Moral der Gladbacher ist bemerkenswert.

Der Jubel im Borussia-Park war grenzenlos, als Marcus Thuram im letzten Moment den Siegtreffer erzielt hatte. Der bereits ausgewechselte Florian Neuhaus und der ohne Einsatz gebliebene Christoph Kramer sprinteten nach Thurams Tor über den Platz, um zu den jubelnden Kollegen an der Eckfahne vor der Nordkurve zu gelangen. »Der Weg wurde dann doch etwas weiter und der Schiedsrichter hat uns Gelb gegeben«, sagte Neuhaus später. »Das ist ein bisschen ärgerlich, aber es war schön, das Tor vor der Kurve zu feiern«. Für Kramer war es die dritte Verwarnung im laufenden Wettbewerb - er ist beim Auswärtsspiel in Wolfsberg gesperrt.

Es war halt ein besonderer Moment an diesem Abend, den man durchaus differenziert betrachten kann und muss. Dass es im Stadion durch den späten Treffer richtig laut wurde und auch anschließend euphorisch gefeiert wurde, wird in Erinnerung bleiben. Die weiten Phasen der für ein Europacup-Spiel unwürdigen Stimmung dürfen allerdings nicht unterschlagen werden. Die beliebte Phrase, dass die Mannschaft von den Fans zum Sieg getragen worden sei, blieb daher an diesem Abend folgerichtig unausgesprochen.

»Wir haben vorher natürlich eine Idee entwickelt, wie wir spielen wollen«

Dabei hätten die Jungs von Marco Rose durchaus mehr spielbezogenen Support verdient gehabt. Denn die Aufgabe gegen die Roma war äußerst komplex. »Wir haben vorher natürlich eine Idee entwickelt, wie wir spielen wollen«, sagte Rose. »Wir wollten Rom nicht ins Spiel kommen lassen und Bälle gewinnen«. Auf der letzten Linie wurde mit Dreierkette verteidigt, davor gab es ein breit gefächertes Mittelfeld mit fünf Spielern. Dazu ließ sich Stindl als nominelle Spitze immer wieder weit zurückfallen, so dass Borussia extrem kompakt auftrat. »Rom hatte richtig Probleme im Spielaufbau«, sagte Rose.

Auf der anderen Seite gelang es den Gladbachern im ersten Durchgang mit zunehmender Spieldauer, selbst Druck zu entwickeln. Man brachte die Römer in die ein oder andere Verlegenheit, was im Eigentor durch Fazio gipfelte. Dass der routinierte Argentinier den Überblick verlor, lag auch an den von den Borussen erzwungenen Stresssituationen in der Phase zuvor. »Wir hatten unsere Möglichkeiten und hätten vielleicht auch schon höher in Führung gehen können«, sagte Rose. Doch insgesamt entsprach die knappe Pausenführung den gezeigten Leistungen. In den zehn Minuten nach dem Seitenwechsel sah es so aus, als ob der zweite Gladbacher Treffer nur eine Frage der Zeit wäre.

Es wurde ein Tanz auf der Rasierklinge

Doch mehrere richtig gute Ansätze führten letztlich nur zu Halbchancen. »Da hätten wir klarer spielen müssen«, zeigte sich Lars Stindl einsichtig. »Danach haben wir etwas den Zugriff verloren«, ergänzte Rose. Die Römer wurden stärker ohne dabei viele Räume herzugeben und die Borussen teilweise sehr tief zurückgedrängt. Der Ausgleich hatte sich abgezeichnet, auch wenn er nicht aus dem Spiel heraus fiel. Fazio traf nach einer Freistoßhereingabe und trug sich zum zweiten Mal an diesem Abend in die Torschützenliste ein.

Danach wurde es eine komplizierte Gemengelage. Die Gäste zogen sich wieder in die eher defensive Grundhaltung zurück und spekulierten auf den vorentscheidenden Konter. Die Borussen wiederum bemühten sich, das Spiel nach vorne zu verlagern, aber nicht komplett ins Risiko zu gehen. Ein zweites Gegentor wäre gleichbedeutend mit dem Ausscheiden gewesen. So wurde es ein Tanz auf der Rasierklinge, der in einigen Situationen hätte schief gehen können. Dass die Roma im Ruf steht, eine der besten Kontermannschaften Europas zu sein, hat schon ihren Grund. Mehrfach wurde es kribbelig für die Gladbacher, Kluivert vergab eine Großchance.

»Heute haben wir uns wieder für diese intensive Leistung belohnt«

Auf der anderen Seite blieben die Borussen unermüdlich. »Es ist momentan unser großes Gut, dass wir nie aufstecken und immer an uns glauben«, sagte Jonas Hofmann. Als der Vierte Offizielle eine Nachspielzeit von 5 Minuten signalisierte, ging nochmal ein Ruck durch Mannschaft und Stadion. Und am Ende standen alle Kopf: »Es ist unglaublich«, stammelte Lars Stindl. »Wir haben es wieder in der letzten Minute geschafft - das setzt Emotionen frei«.

Zum dritten Mal in Folge trafen die Gladbacher in der Europa League in der Nachspielzeit entscheidend. Zufall ist das schon längst nicht mehr, gerade auch im Kontext der vielen Energieleistungen in der Liga. »Wir glauben immer bis zum Ende an uns«, sagte Stindl. »Heute haben wir uns wieder für diese intensive Leistung belohnt.« Damit sind die Borussen in der Gruppe J wieder voll im Geschäft. »Wir sind wieder da«, sagte Marco Rose. »Aber wir haben noch nichts gewonnen.«

Klar ist jedoch, dass solch ein Erfolg dabei hilft, weiter an die gemeinsame Idee zu glauben. »Wir haben uns wieder ein gutes Gefühl geholt«, weiß Rose. Das sollte dabei helfen, die körperlichen Strapazen wegzustecken und am Sonntagmittag gegen Werder Bremen mit Rückenwind in das letzte Spiel vor der Länderspielpause zu gehen.

 


von Marc Basten und Jan van Leeuwen

 

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