Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - AS Rom

Mit Leidenschaft zum späten Glück

von Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - AS Rom

Dieses Gladbacher Team holte den ersten Sieg in der Europa League in dieser Saison (Foto: TORfabrik.de)

Den ersten Sieg in der Gruppenphase der Europa League erspielten und erkämpften sich die Gladbacher Borussen mit viel Leidenschaft. Das späte Glück wurde erzwungen. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Ein anspruchsvolles Spiel auch für den Keeper, der zwar nicht unter Dauerbeschuss stand, aber doch in mehreren Situationen seine Klasse unter Beweis stellen musste. Einmal zögerte er bei einem langen Ball etwas beim Rauslaufen, kam dann aber doch noch rechtzeitig. Flache Distanzschüsse der Römer parierte er sicher, den Versuch von Pastore nach dessen Solo vor der Pause wehrte er ab. Nach knapp einer Stunde fischte Sommer den gut geschossenen Ball von Pastore aus dem Winkel. Beim Gegentor war er machtlos, auch wenn er noch die Finger an den Ball bekam. Doch die Distanz war zu kurz und das Geschoss zu schnell, um noch entscheidend abwehren zu können. Bei einem Klärungsversuch knallte Sommer dem Kollegen Ginter den Ball unabsichtlich an den Kopf. Note 2,0.

Tony Jantschke: Wieder rechts in der Dreierkette aufgeboten. In einer Situation ging er etwas riskant zu Werke, ansonsten war er bis zu seiner Verletzung gewohnt zuverlässig. Nach 28 Minuten musste er mit einem ›kleinen‹ Muskelfaserriss im Oberschenkel ausgewechselt werden. Ohne Note.

Matthias Ginter: Begann als zentraler Mann in der Dreierkette, nach Jantschkes Auswechslung spielte er rechts in der Kette. Zunächst gab es ein Missverständnis mit Sommer, das ohne Folgen blieb. Danach funkte der Nationalspieler mehrmals sehr gut dazwischen. Vor allem war er oft Zweikampfsieger, wenn es wirklich darum ging. Ginter antizipierte gut und machte es im Spielaufbau - u. a. ein schöner Pass auf Lainer entlang der Linie - ordentlich. Bekam in der zweiten Halbzeit den Ball von Sommer mit voller Wucht an die Schläfe geschossen, konnte aber weitermachen. Note 2,5.

Nico Elvedi: Der beste Borusse an diesem Abend, auch wenn die Schlagzeilen anderen gehörten. Elvedi verteidigte italienischer als alle Römer zusammen. Schon die erste brenzlige Situation bereinigte er und dies setzte sich während des gesamten Spiels fort. Er war bissig im Zweikampf, sehr stabil und sicher. Mehrfach kam er energisch gut vor den Mann und spielte dann auch noch den schnellen vertikalen Kurzpass. Nach der Pause erntete Elvedi sogar Sonderapplaus für eine Grätsche. Nur einmal blieb er bei einem Kopfballduell im Strafraum stehen, statt zu springen. Zum Glück war der Kopfball dann ungefährlich. Note 1,5.

Stefan Lainer: War zwar bissig wie ein Terrier, allerdings war fußballerisch viel Magerkost dabei. Viele Flanken und Hereingaben gerieten ungenau oder zu flach. Die oftmals sehr optimistisch gespielten Flachpässe in die Mitte sorgten das eine oder andere Mal für Umschaltmoente der Römer. In der ersten Halbzeit war es insgesamt noch ordentlich, nach der Pause baute er ab. Lainer verursachte den Freistoß vor dem Gegentor, wobei der Schiedsrichter den Zweikampf auch anders hätte bewerten können. Allerdings brachte sich Lainer mit einem unsauberen ersten Kontakt selbst in Bedrängnis. Als auf Viererkette umgestellt wurde, war er bei Ballbesitz zwar immer auf dem Weg nach vorne, musste bei den zahlreichen Römer Kontern aber weite und schmerzhafte Wege zurück sprinten. Note 3,5.

László Bénes: War sehr aktiv und spielte einen Klassepass auf Thuram. Dagegen missriet kurz darauf der Versuch eines Außenristpasses. Ein Distanzschuss war ordentlich, aber letztlich keine ernsthafte Gefahr für das Tor der Römer. Einen Freistoß aus guter Distanz zirkelte Bénes über den Querbalken - das kann er besser. Immer wieder bemerkenswert, welchen Blick Bénes für den Raum hat. Mit mehreren kleinen und sinnvollen Ablagen schaffte er es, den Spielfluss zu erhalten. Sah Gelb für ein taktisches Muss-Foul. Bei einem Schiedsrichter-Ball leistete er sich einen Fauxpas und spielte direkt in die Füße des vor ihm stehenden Gegners, was zu einem brandgefährlichen Konter der Römer führte. Im Offensivzweikampf gegen die robusten Gegenspieler fehlte es ihm in zwei, drei Aktionen am nötigen ›Body‹. Note 3,0.

Denis Zakaria: Begann im Mittelfeld neben Bénes und hatte ein paar auffällige Aktionen, u. a. den Distanzschuss, der haarscharf über die Latte rauschte und von Teilen des Stadions schon als Treffer bejubelt wurde. Zakaria hatte eine schlechte Ballannahme bei einem Abschlag des Torwarts. Nach der Verletzung von Jantschke rückte er als zentraler Mann in die Dreierkette. Dort mit dem nötigen Tempo gegen die schnellen Offensivspieler der Römer. Beim Gegentor sah er nicht gut aus und musste den Torschützen Fazio ziehen lassen. Danach wurde auf 4-Raute-2 umgestellt und Zakaria rückte eine Position vor. Obwohl ihn ein heftiger Tritt am Fuß erwischte, spielte er durch. In der Schlussminute der Nachspielzeit schlug er von links den Ball auf Plea. Note 2,5.

Oscar Wendt: Bot zu Beginn auf der linken Außenbahn eine solide Vorstellung, ohne große Akzente setzen zu können. Grundsätzlich ist die vorgezogene Rolle für ihn besser, weil er offensiv mehr beitragen kann und defensiv nicht so gefordert ist. Nach dem Gegentor, als auf Viererkette umgestellt wurde, kam Wendt in Bedrängnis. Bei Ballbesitz rückte er weit auf, musste dann aber bei den Kontern der Römer schnell zurück. Dabei wurden nicht nur Tempodefizite deutlich, sondern Wendt wurde mit zunehmender Spieldauer immer müder und produzierte infolgedessen mehrere einfache Fehler. Die Auswechslung in der 85. Minute kam eigentlich zu spät. Note 3,5.

Florian Neuhaus: Als Kreativspieler mit allen Freiheiten eingeplant, kam Neuhaus nie richtig in den Flow. Ein schneller Pass auf Thuram war gut und es gab auch ansprechende Momente, in denen er zwei Gegner stehen ließ. Doch insgesamt agierte Neuhaus sehr unglücklich, er vertändelte Bälle, verpasste Abspielmomente, übersah die Mitspieler und bestritt Zweikämpfe ohne richtigen Widerstand. Bénes setzte er mit einer nachlässigen Aktion unter Zugzwang und ›besorgte‹ ihm so die Gelbe Karte. Vor der Pause hatte Neuhaus eine große Chance, als er sich den Ball noch mal hinlegen wollte, anstatt es mit einer Direktabnahme zu versuchen. Neuhaus sind Intuition und Leichtigkeit verloren gegangen. Die Auswechslung in der 73. Minute war überfällig. Sah später noch Gelb, weil er beim Jubeln quer über den Platz lief. Note 4,5.

Lars Stindl: Nominell als zweite Spitze aufgeboten, aber wie gewohnt mit großem Aktionsradius unterwegs. Sowohl bei eigenem Ballbesitz als auch gegen den Ball ließ er sich kontinuierlich zurückfallen. So bot er sich pausenlos an, um Verbindungen herzustellen. Nicht alles gelang, aber Stindl war das Öl zwischen den Rädchen und mit ihm wird die fußballerische Komponente klar aufgewertet. Damit einher ging allerdings sein Fehlen in vorderster Instanz als Unterstützung von Thuram. Zum Abschluss kam Stindl einmal aus der Distanz, dann gab es noch einen schwer zu verarbeitenden Rebound kurz nach der Pause. In der Drangphase setzte er zu einem Fallrückzieher an, traf den Ball aber nicht. Note 3,0.

Marcus Thuram: Natürlich mit Assist und Tor der gefeierte Mann des Abends. Vor dem 1:0 setzte er sich stark auf der linken Seite durch. Seine Hereingabe wäre allerdings wegen der unzureichenden Strafraumbesetzung verpufft, wenn Fazio nicht den Kopf verloren hätte. Bei einer Möglichkeit in Halbzeit eins mangelte es an Entschlossenheit, dazu fehlte ab und an die Galligkeit, wenn es galt, dem Ball entgegenzukommen. Letztes mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass er oft alleine gegen die Abwehrreihe der Römer anlief. Mit seiner Präsenz, der Körperlichkeit und der eigentlich einfachen, aber durch die Geradlinigkeit schwer zu verteidigenden Spielweise, blieb Thuram ein ständiger Gefahrenherd. Der Kopfball in der 5. Minute der Nachspielzeit war perfekt. Note 2,5.

Jonas Hofmann: Kam nach einer halben Stunde für Jantschke in die Partie, übernahm aber die Rolle von Zakaria im Mittelfeld, der seinerseits in die Dreierabwehrkette rückte. Hofmann war sehr quirlig, störte die Römer effektiv und machte intelligente Läufe nach vorne. So bereitete er die Neuhaus-Chance in der ersten Halbzeit vor. Mehrfach lief Hofmann clever in die Passwege der Gegenspieler und machte das Spiel dann seinerseits schnell. Note 2,5.

Alassane Plea: Kam in der 73. Minute für Neuhaus ins Spiel und rückte auf die rechte Seite in den Dreiersturm der letzten Viertelstunde. Ein Foul an ihn wurde nicht geahndet, einige Pässe und Weiterleitungen waren gut, ehe er in der fünften Minute per Kopf den Assist auf Thuram gab. Ohne Note.

Rami Bensebaini: Kam für den platten Wendt in die Partie. Für eine Grätsche sah er die Gelbe Karte, eine Hereingabe geriet zu flach. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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