Nachdreher aus Rom

»Wir haben uns diesen Punkt mehr als verdient«

von Nachdreher aus Rom

Lars Stindl jubelt über den Ausgleich in der Nachspielzeit in Rom (Foto: Paolo Bruno / Getty Images)

Am Ende der Regenschlacht von Rom feierten die Gladbacher Borussen vor den mitgereisten Fans den Last-Minute-Punkt. Dass eine krasse Fehlentscheidung des Schiedsrichters nötig war, änderte nichts an der Tatsache, dass der eine Zähler mehr als verdient war.

Bei der Pressekonferenz in den Katakomben des Stadio Olimpico sah sich Marco Rose den Fragen der italienischen Journalisten ausgesetzt, die natürlich etwas zu dem vermeintlichen Handspiel von Smalling in der 93. Minute wissen wollten. »Es war kein Handspiel und kein Elfmeter«, sagte Rose. »Aber so ist Fußball. Über das gesamte Spiel gesehen war der Punkt - unabhängig von diesem Ereignis – verdient«. Die wiederholte Nachfrage zur Szene des Tages bügelte Rose dann ab: »Ich bin nicht da um mich zu rechtfertigen, weil der Schiedsrichter eine Fehlentscheidung getroffen hat.«

Doch natürlich lag der Schotte Collum bei der Einschätzung krass daneben und da es den Videobeweis in der Europa League noch nicht gibt, konnte auch keine nachträgliche Korrektur erfolgen. »Möglicherweise war es vor der Ecke, die zum Tor für Rom führte auch abseits, die Jungs haben zudem gesagt, dass ein Foul dabei war«, so Rose leicht genervt. Und tatsächlich müssen sich die Gladbacher nicht dafür entschuldigen, dass die Regularien der UEFA sind wie sie sind.

»Besser kannst du bei einer italienischen Mannschaft nicht Fußball spielen«

Der neutrale Beobachter dieser Partie wird ohnehin zu dem Schluss gekommen sein, dass Gladbach den Punkt alles andere als unverdient mitnimmt. »Die erste halbe Stunde – besser kannst du bei einer italienischen Mannschaft nicht Fußball spielen, mit der Aktivität und dem Pressing«, schwärmte Sportdirektor Max Eberl. Auch Marco Rose hatte »top 25 Minuten« gesehen, in denen seine Mannschaft vieles richtig machte, aber die Belohnung verpasste. Bensebaini traf die Latte, weitere Gelegenheiten blieben ungenutzt.

»Es waren zwar keine Großchancen, aber trotzdem warst du immer irgendwie um den Strafraum herum«, sagte Eberl. Doch dann gab es im strömenden Regen die kalte Dusche durch einen Kopfball nach einer Ecke. »Nach dem Gegentor ist was mit uns passiert, das nicht passieren sollte«, räumte Rose ein. »Wir waren zu unsauber und haben einfache Fehler gemacht.« Nach der Pause fanden die Gladbacher wieder besser in die Spur, an die starke Anfangsphase konnten sie allerdings nicht anknüpfen. Derweil verwaltete Rom vermeintlich routiniert die Führung und wartete auf den entscheidenden Konter, was um ein Haar aufgegangen wäre. Dennoch war die Roma insgesamt sehr passiv.

»Lars hat mir als Kapitän signalisiert, er will das Ding nehmen«

Das bestrafte dann der Schiedsrichter mit seiner Fehlentscheidung – und Lars Stindl. Borussias Kapitän, der erst am Vormittag nach Rom angereist war, schnappte sich nach dem Pfiff den Ball. »Lars hat mir als Kapitän signalisiert, er will das Ding nehmen. Und wie er ihn verwandelt hat, spricht für ihn«, sagte Rose. »Ich bin einfach nur glücklich, dass ich den verwandelt habe«, meinte Lars Stindl. »In dem Stadion links unten einen Elfmeter schießen ...«, fügte er mit einem Grinsen an. »Dass das Drehbuch so ist, Lars reinkommt und das Tor macht, ist für ihn wunderschön«, ergänzte Eberl. »Wir sind mit dem Quäntchen Glück versehen, dass es keinen Videobeweis gibt. Aber von der Leistung her, das steht für mich vorweg, haben wir uns den Punkt mehr als verdient und nehmen ihn sehr gerne mit.«

 


von Marc Basten und Niklas Kirchhofer

 

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