Nachdreher zum Spiel gegen Istanbul Basaksehir

Borussias Bruchlandung in Europa

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Enttäuschte und fassungslose Borussen nach dem Aus in der Europa League

Die Europacupsaison von Borussia Mönchengladbach endete, wie sie begann: Mit einer Heimniederlage, die einen fassungs- und auch etwas ratlos zurücklässt. Wie konnte das nur passieren?

Borussia Mönchengladbach ist raus aus der Europa League. Das greifbar nahe Ziel, international zu überwintern, wurde am Donnerstagabend in letzter Minute und auf eine durchaus als dramatisch zu bezeichnende Art und Weise aus der Hand gegeben. Das Endresultat von 1:2 spiegelt die Kräfteverhältnisse im kalten Borussia-Park sicherlich nicht wider, aber es ist auch nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Die Elf von Marco Rose startete sehr ordentlich in die Partie und hatte alles im Griff. Die Strategie von Istanbul Başakşehir war offensichtlich: sie wollten so lange wie möglich in Schlagdistanz bleiben und schauen, was nach hinten heraus noch drin ist. »Ihr Plan hat funktioniert«, musste Rose anschließend eingestehen. Seine Mannschaft wurde genötigt, den Defensivblock der Gäste bespielen, was ihr phasenweise schwerfiel. Viele Bälle gingen im Dickicht der Istanbuler Verteidigungslinien verloren, Tempo und Überraschungsmomente fehlten. Es entwickelte sich eines dieser typischen Geduldsspiele, bei der alle auf den Knotenlöser hoffen.

»Es gab immer wieder Situationen, in denen wir nicht sauber genug gespielt haben«

Den gab es dann tatsächlich bereits nach einer guten halben Stunde. Die scharfe und flache Hereingabe von Lainer – überraschend und simpel gleichermaßen – verwertete Thuram zur Führung. Doch so richtig löste sich der Knoten nicht. Weil Istanbul nur marginal von der Defensivtaktik abrückte und die Borussen gleichzeitig ein wenig die Spannung verloren. »Es gab immer wieder Situationen, in denen wir nicht sauber genug gespielt haben«, so Rose. »Die Fehlpässe haben dann dazu geführt, dass wir unsicher wurden. Das darf eigentlich nicht passieren.«

Der Ausgleich entstand aus einem nachlässigen Zusammenspiel zwischen Lainer und Neuhaus und einer kollektiv sorglosen Rückwärtsbewegung. Natürlich muss Sommer es auf seine Kappe nehmen, dass er sich den 30-Meter-Schuss selbst ins Tor murmelte. Doch die Mannschaft muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Istanbul zurück ins Spiel geholt zu haben.

»Wir wollten auf das zweite Tor spielen«

Die Türken machten nach der Pause in ihrer abwartenden Haltung weiter, während die Borussen sich wie zu Beginn im Geduldsspiel übten. Das Warten auf den richtigen Moment schien in der 60. Minute beendet, als Neuhaus mit einem herrlichen Direktpass Herrmann freispielte, der alleine vor dem Tor stand, jedoch am Keeper scheiterte. Kurz darauf wechselten die Gäste offensiv und gingen mehr ins Risiko, was die Borussen vor Probleme stellte. Sie zeigten eine gewisse Anfälligkeit in der Defensive – Crivelli hatte zwei Riesenchancen. Auf der anderen Seite fehlte die Konsequenz, die nun etwas größeren Räume effektiv zu nutzen.

Man konnte es bis auf die Tribüne spüren, wie es in den Köpfen der Borussen ratterte. Die Option, sich auf die Verteidigung des ja ausreichenden Remis zu konzentrieren und vielleicht defensiv zu wechseln, wurde nicht gezogen. »Wir wollten auf das zweite Tor spielen«, sagte Marco Rose. Es wäre ja auch alles gut gegangen, wenn der eingewechselte Plea drei Minuten vor dem Ende seine freie Kopfballchance aus fünf Metern genutzt hätte. Doch dann kam, was kommen musste: Istanbul erzielte in der 90. Minute den Führungstreffer, nachdem die Borussen nach einer abgewehrten Standardsituation die Orientierung verloren hatten. Und dann kam noch der Pfostenkopfball von Thuram als I-Tüpfelchen auf das Drama hinzu.

»Vielleicht hatten wir das Glück schon in den vorangangenen Partien aufgebraucht«

Kurz darauf hatten alle Gewissheit: Das war es in dieser Saison mit dem europäischen Fußball in Gladbach. »Diese Niederlage schmerzt, sie ist sehr bitter für uns«, sagte Rose. »Aber ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen«. Alle im Borussia-Park wirkten fassungslos angesichts des Ausgangs dieses Spiels. Stefan Lainer brachte es schließlich auf den Punkt: »Vielleicht hatten wir das Glück schon in den vorangegangenen Partien aufgebraucht.«

 


von Marc Basten

 

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