Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Schalke 04 4:1 (2:1)

Ein deutlicher Sieg nach holprigem Start

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Rein damit - Oscar Wendt erzielt den Treffer zum 2:1 gegen Schalke (Foto: imago images / Moritz Müller)

Borussia Mönchengladbach konnte gegen Schalke 04 den zweiten Heimsieg der Saison einfahren. Der Erfolg der Fohlenelf war verdient, doch es hätte aufgrund des holprigen Starts auch anders kommen können. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Der Schlussmann war bis auf ein paar leichtere Pflichtaufgaben (z.B. dem Schuss von Uth in der Anfangsphase) kaum gefordert. Beim Gegentor gab es für den Schweizer nichts zu halten, beim Freistoß von Uth an den Außenpfosten konnte Sommer nur chancenlos dem Ball hinterblicken. Eine Hereingabe von Uth pflückte der 31-Jährige sicher - bei einem Freistoß durch Uth von halbrechts war Sommer beim Rauskommen zögerlich und ließ Ginter klären. Am Ball ordentlich und sicher, lediglich ein Pass mit links in die Mitte war risikoreich. Note 3,0.

Valentino Lazaro: In Vertretung von Lainer als Rechtsverteidiger aufgeboten. Es wurde schnell deutlich, dass die Defensive nicht sein Steckenpferd ist. Der Österreicher hatte einige Probleme beim Timing, ein-, zweimal rutschte er zudem weg. Beim Ausgleichstreffer kam Lazaro gegen Raman zu spät - er hielt sich da etwas übertrieben an die Abstandsregeln. Für ein Foul an Raman sah er berechtigterweise die Gelbe Karte, was zudem den Pfostenfreistoß zur Folge hatte. Offensiv im Kombinationsspiel ordentlich, wenn auch nicht fehlerlos. Stark war ein guter Vertikalpass auf Zakaria. Nach 65 Minuten wurde der 24-Jährige von Landsmann Lainer abgelöst. Note 3,5.

Matthias Ginter: Eine gewohnt souveräne Vorstellung des Innenverteidigers, der keine Probleme hatte, sich mit dem neuen Nebenmann Jantschke abzustimmen. Beim Gegentor orientierte sich Ginter in die Mitte in Richtung Uth, wurde von diesem jedoch gekonnt überlupft. Im Passspiel mit zwei, drei guten langen Bällen - u.a. sehr präzise auf Thuram. Vorne mit einer Kopfball-Kerze nach Herrmann-Ecke und später der Kopfballablage im Anschluss an die Freistoßhereingabe vor dem 3:1. Note 3,0.

Tony Jantschke: Kam zu seinem zweiten Startelfeinsatz in dieser Saison und löste die Aufgabe als Elvedi-Vertreter mit viel Routine. Jantschke ging in den Zweikämpfen resolut zur Sache und gab sich keine Blöße. In einer Situation übernahm er Hoppe von Ginter, konnte aber den Schuss nicht verhindern. Nach einer harten Grätsche gegen Uth revanchierte sich dieser und erhielt dafür Gelb. Im Aufbau minimierte der 30-Jährige jegliches Risiko. In einer Situation suchte er zu lange nach einer Anspielstation und spielte zu spät. Nach dem Lattenkopfball von Thuram verzog er den Rebound und vergab eine Riesenchance auf seinen ersten Treffer nach fast sechs Jahren. Note 3,0.

Oscar Wendt: Zeigte erneut, dass auf ihn als Vertreter von Bensebaini Verlass ist. Der Schwede verteidigte sehr aufmerksam und ließ nichts anbrennen. Nur einmal sah er bei einem Kopfballduell mit Skrzybski nicht gut aus. Dafür rettete Wendt mit einer richtig guten Grätsche gegen den einschussbereiten Schalker. Beim wichtigen Treffer zum 2:1 lief der 35-Jährige gut in Position und schloss humorlos mit einem Schuss ins kurze Eck ab. Wendt wirkte griffig und spritzig, korrigierte einen Neuhaus-Fehlpass und war auch weit in der zweiten Hälfte noch sehr unternehmungslustig auf dem Weg nach vorne. Note 2,0.

Denis Zakaria: Der erste Startelfeinsatz seit März für den Schweizer Nationalspieler. Beim ersten richtigen Zweikampf war er noch etwas zurückhaltend, was logisch und verständlich war, nach der komplizierten Knieverletzung. Aber er schüttelte diese ›Angst‹ schnell von sich ab und ging keinem Duell aus dem Weg. Vorne verzog Zakaria bei seinem ersten Abschluss deutlich, dann bereitete er mit einem resoluten, aber sauberen Ballgewinn gegen Uth das 1:0 vor. Seine raumgreifenden Schritte im hohen Tempo hat man in den letzten Monaten wirklich vermisst. Der 24-Jährige war passsicher und fand immer besser in den Rhythmus. 65 Minuten hielt Zakaria durch, ehe er von Kramer abgelöst wurde. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Note 2,5.

Florian Neuhaus: Im Aufbauspiel ließ er sich bevorzugt zwischen die beiden Innenverteidiger fallen und sorgte mit einem furiosen Antritt von hinten raus für Beschleunigung. Beim Führungstor hatte er etwas Glück, dass sich die drei Schalker vor dem Tor den Ball mehr oder weniger selbst über die Linie ›murmelten‹. Neuhaus spielte einen klasse Steilpass auf Plea, gab den perfekt getimten Pass auf Wendt zum 2:1 und ließ im zweiten Durchgang einen fulminanten Raketenschuss ab, den der Torwart mit den Fingerspitzen über den Kasten lenkte. Negativ fiel der 23-Jährige mit einem katastrophalen Fehlpass in der Phase auf, wo Schalke Oberwasser hatte. Note 2,5.

Patrick Herrmann: Auf der rechten Seite aufgeboten, war er mit gewohnt hohem läuferischen Aufwand unterwegs. Allerdings übte Herrmann oft zu wenig oder zu spät Druck auf den ballführenden Gegner aus, so dass mögliche Gelegenheiten zur Balleroberung verpufften. Herrmanns erste Ecke war relativ schwach, danach kamen seine Standards deutlich besser. Vor dem Freistoß zum 3:1 zeigte ihm Ginter an, wie der Ball kommen sollte. Herrmann bremste einen aussichtsreichen Konter mit einem Fehlpass aus und übersah bei einer Umschaltsituation Plea, der rechts frei vorbeilief. Im zweiten Durchgang hatte der 29-Jährige eine gute Möglichkeit, als er über links in den Strafraum lief, aber mit dem schwächeren linken Fuß ans Außennetz schoss. Hier wäre ein Abspiel in die Mitte die bessere Option gewesen. Note 3,5.

Breel Embolo: Zentral hinter Plea aufgeboten, ging Embolo gegen seinen Ex-Klub mit großem Engagement zu Werke. Mit dem einen oder anderen Ballverlust - u.a. durch ein zu spätes Abspiel direkt zu Beginn - ermöglichte er Schalker Umschaltangriffe. Andererseits forderte er die Gegenspieler mit seiner Wucht und Körperlichkeit. Startete vor dem 1:0 gut durch, scheiterte jedoch am Keeper - Neuhaus verwertete den Rebound. Nach einer Ecke von Wendt wurde Embolos Kopfball noch geblockt. Der 23-Jährige startete nach einem guten Ballgewinn zu einem vielversprechenden Dribbling, konnte die Aktion letztlich aber nicht erfolgreich abschließen. Nach einem schönen Konter spitzelte er den Ball um den Gegenspieler und wurde zu Fall gebracht - aus dem Freistoß resultierte das vorentscheidende 3:1. In der 71. Minute machte er Platz für Stindl. Note 3,5.

Marcus Thuram: Kam in seiner ihm eigenen typischen Art und Weise mehrfach durch mehrere Schalker Beine hindurch. Wie er das schafft, ist oftmals rätselhaft, aber es gelingt ihm irgendwie. Thuram holte die erste Ecke raus, spielte einen guten Ball auf Zakaria und bereitete ganz stark das 2:1 vor, als er von zwei Schalkern umringt war und trotzdem perfekt auf Neuhaus passte. Damit machte er den krassen Fehlpass wieder gut, mit dem er den Ausgleichstreffer ermöglicht hatte. Ein Schuss von Thuram wurde zur Ecke abgefälscht und im Anschluss an einen Herrmann-Eckball köpfte der Franzose an die Latte. Erstklassig das Timing und wie er beim Kopfball in der Luft stand. Nach dem Seitenwechsel sah der Franzose eine unnötige Gelbe Karte für Trikotziehen. Beim Rebound zum vorentscheidenden 3:1 schaltete er schnell. Im Anschluss an einen feinen Konter hatte der 23-Jährige das frühe 4:1 auf dem Fuß, aber sein Schieber mit links war zu lässig. In der 71. Minute wurde er von Wolf abgelöst. Note 2,5.

Alassane Plea: Startelfcomeback nach überstandener Infektion mit COVID-19. Dass der Franzose dabei gleich über die volle Distanz ging, kam sehr überraschend, spricht letztlich aber für seine körperliche Verfassung. Er war als zentraler Angreifer aufgeboten, ließ sich aber immer wieder fallen und beteiligte sich am Kombinationsspiel. Sein Zuspiel auf Thuram war schon gut, aber der Steckpass zu Embolo vor dem 1:0 war zum Zungenschnalzen. Auch wenn nicht jede Aktion gelang, brachte Plea eine Extra-Qualität auf den Platz. Schwach war allerdings sein freier Kopfball nach einer Ecke in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Vor dem 3:1 wurde sein Schuss nach der Kopfballablage von Ginter abgewehrt, wobei der Abschluss nicht schlecht war. Mehr hätte er aus der Situation herausholen müssen, als er sich zunächst im Laufduell mit Kabak abdrängen ließ, doch plötzlich freie Bahn hatte, weil der Schalker den Ball verstolperte und Plea den Torwart überlupfen wollte. Den Assist zum vierten Gladbacher Treffer spielte der 27-Jährige im exakt richtigen Moment. Note 2,5.

Christoph Kramer: Kam für Zakaria und fügte sich nahtlos ein. Er machte ein paar typische ›Kramerdinge‹ und leitete mit seinem Ballgewinn den Angriff zum 4:1 ein. Ohne Note.

Stefan Lainer: Ersetzte Lazaro und stoppte Uth beim Stand von 3:1, als es nochmal hätte brenzlig werden können. Gemeinsam mit Wolf drängte er den Schalker Schöpf ins Seitenaus - da waren die Österreicher unter sich. Ohne Note.

Lars Stindl: Wurde für Embolo eingewechselt, was gleichzeitig sein 300. Einsatz in der Bundesliga war. Stindl zeigte einmal eine ›Zidane-Drehung‹, wobei er dabei seinem Gegenspieler auf dem Fuß stand. Darüber hinaus noch mit zwei, drei gelungenen Aktionen. Ohne Note.

Hannes Wolf: Durfte für Thuram ran, machte ein paar gute Drehungen mit Ball und bediente Herrmann vor dessen Chance. Ein Kopfballduell verlor der Österreicher, bevor er kurz darauf mit einem guten Schuss ins lange Eck den Sack zumachte. Ohne Note.

László Benes: Übernahm Position und Rolle von Neuhaus in den letzten neun Minuten. Ein Freistoß von halblinks geriet zu scharf. Mit einer Grätsche an der Seitenlinie in der 90. Minute zeigte er noch vollen Einsatz(willen). Ohne Note.

 


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