Einzelkritik: SC Freiburg - Borussia Mönchengladbach 2:2 (1:1)

Borussia muss sich mit Remis in Freiburg begnügen

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Ein intensiver Tanz in Freiburg (Foto: Ronald Wittek / Pool / Getty Images)

Es war nicht mehr drin für Borussia Mönchengladbach beim SC Freiburg, als der eine Punkt beim 2:2. Die Mannschaft läuft auf Reserve und in Freiburg musste improvisiert werden. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Nach zuletzt eher durchwachsenen Leistungen hielt der Schweizer in Freiburg den einen Punkt fest. Er reagierte im ersten Durchgang stark gegen Demirovic und parierte den zentralen Grifo-Schuss. In der Schlussphase hielt er mit einem starken Reflex beim Kopfball von Sallai und wehrte auch den Rebound ab - wobei der Schütze hier im Abseits stand. Darüber hinaus war der 31-Jährige sicher bei mehreren Distanzschüssen. Beim ersten Gegentor sah er nicht ganz glücklich aus, war aber letztlich chancenlos - genauso wie beim Elfmetertor von Grifo. In der Spieleröffnung machte es Sommer ordentlich. Note 2,0.

Stefan Lainer: Startete mit einer guten Grätsche gegen Günter und war auch danach gewohnt fleißig. Doch die fehlende Frische war dem Österreicher deutlich anzumerken. Man sah ihm an, dass er etwas erzwingen wollte, was aber nicht möglich war. Eine Flanke zu einer Kopfballchance von Embolo war gelungen, ein Crossball landete im Niemandsland und ein paar Vorstöße versandeten - genauso wie ein Schussversuch aus der Distanz. Kurz nach der Pause reihte sich der 28-Jährige in die Fehlerkette bei der Verteidigung gegen Höfler ein und foulte den Freiburger letztlich unglücklich, aber elfmeterreif. Nach 64 Minuten wurde er von Lazaro abgelöst. Note 4,0.

Matthias Ginter:Wurde an alter Wirkungsstätte in mehrere brenzlige Situationen verwickelt - die einige Male auch schmerzhaft waren. Nicht immer wirkte der Nationalspieler so souverän, wie man ihn kennt. Im Passspiel suchte er einige Male das Risiko, was hier und da schief ging. Allerdings leitete er mit seinem Zuspiel auf Plea den Angriff zum 1:0 ein. In der einen oder anderen Situation hätte man sich vom 26-Jährigen etwas mehr Präsenz gewünscht. Note 3,5.

Christoph Kramer: Stellte sich aufgrund der Personalprobleme in der Abwehr in den Dienst der Mannschaft und übernahm die Rolle des linken Innenverteidigers. Das machte der 29-Jährige im Rahmen seiner Möglichkeiten sehr ordentlich, wobei natürlich auch zu erkennen war, dass das nicht seine Position ist. Er kam einige Male gut vor den Gegenspieler - allerdings nicht gegen Demirovic bei dessen Vorbereitung zum Pfostenschuss von Höler - und fing in zwei, drei Situationen gekonnt einen Steilpass in den Strafraum ab. Dass Kramer trotz seiner 1,91-Meter kein Kopfballspieler ist, zeigte sich bei Duellen nach langen Bällen aus der Freiburger Hälfte, die seine Gegenspieler nahezu alle weiterleiten konnten. Kramer warf alles rein, lief für einen Innenverteidiger bemerkenswert über 11 Kilometer und machte keine großen Fehler - das verdient Respekt. Note 3,5.

Oscar Wendt: Dass der 35-Jährige in Freiburg das 5. Spiel innerhalb von 14 Tagen bestreiten musste, war seinem Auftritt über weite Strecken anzumerken. Dem Schweden fehlte deutlich die Frische und auch wenn er versuchte, einiges mit Routine ökonomisch zu lösen, gelang ihm dies nur selten. Nicht nur beim verlorenen Laufduell mit Höler vor dessen Pfostenschuss wurden Schnelligkeitsdefizite bei Wendt deutlich. Bei der Chance von Demirovic kam Wendt mit seiner Grätsche einen Tick zu spät. Seine beste Szene hatte er im zweiten Durchgang, als er mit einer wichtigen Grätsche gegen Höler klärte. Bei seiner Torchance nach einer guten Stunde im Anschluss an die scharfe Hereingabe von Embolo war die Reaktionszeit zu kurz, um den Ball kontrolliert aufs Tor zu bringen. Note 4,0.

Denis Zakaria: Nach seinem Intermezzo in der Dreierkette gegen Inter spielte er in Freiburg wieder im defensiven Mittelfeld an der Seite von Neuhaus. Zakaria begann mit einem Fehlpass im Aufbau und strahlte auch in der Folgezeit nicht die Sicherheit aus, die man von ihm kennt. Er verhaspelte sich am Ball und hatte auch Probleme bei der Raumaufteilung. So ließ er Grifo vor dessen Schusschance im ersten Durchgang unbehelligt durchs Mittelfeld spazieren. Ein gefährlicher Ballverlust vor dem eigenen Strafraum wurde zum Glück nicht bestraft. Im Spiel nach vorne kam Zakaria meist über Ansätze nicht hinaus. Die Freiburger ließen ihm kaum Platz für seine Antritte und bei den seltenen Gelegenheiten, als er es versuchte und durchkam, verdaddelten die Kollegen den Ball. Nach der Pause zeigte er einmal diesen typischen ›Zak-Run‹ an mehreren Gegenspielern vorbei mit anschließendem Abspiel auf Wendt. Das war gleichzeitig die letzte Aktion des 24-Jährigen, der in der 53. Minute von Bénes abgelöst wurde. Note 4,0.

Florian Neuhaus: Kam nur sehr schleppend in die Partie und leistete sich in der Anfangsphase gleich mehrere einfache Fehlpässe. Neuhaus wirkte behäbig und wurde teilweise sehr einfach vom Ball getrennt. Aber der 23-Jährige biss auf die Zähne und kam besser in den Rhythmus. Kurz vor der Pause sah er seine 4. Gelbe Karte für ein Allerweltsfoul. Im zweiten Durchgang war er präsent, legte Plea vor dem Ausgleich auf und machte es in der Phase bis zur 75. Minute, als Borussia das Spiel im Griff hatte, sehr anständig. In der 84. Minute spielte Neuhaus den Traumpass aus der Tiefe zur Herrmann-Großchance. Note 3,5.

Hannes Wolf: Auf der rechten offensiven Halbposition aufgeboten, tat sich der Österreicher sehr schwer. Er zeigte zwar einige Ansätze und hatte mehrfach auch einen guten ersten Ballkontakt, konnte die Aktionen aber regelmäßig nicht abschließen. Ihm versprangen die Bälle oder aber er ließ sich sehr simpel von den Freiburgern abkochen. Dem 21-Jährigen fehlt es einerseits an der Robustheit, anderseits aber auch an der Explosivität, um sich den Attacken der Gegenspieler zu entziehen. Vieles bei Wolf wirkt lasch - so wie das Verhalten vor der Elfmetersituation, als er gegen Höfler nicht konsequent verteidigte. Beim Angriff zum 2:2 war Wolf mit seinem Zuspiel auf Neuhaus beteiligt, später bereitete er die Chance für Embolo/Wendt vor. Nach 64 Minuten wurde er durch Thuram ersetzt. Note 4,5.

Lars Stindl: Rackerte mit gewohnt hohem läuferischen Aufwand in der Zentrale und erreichte dabei die Schmerzgrenze. In der Schlussphase musste der 32-Jährige sichtlich beißen. Freiburg stellte Stindl sehr gut zu, so dass dieser kaum Zeit hatte, die Bälle zu verteilen. Vor dem 1:0 trat er im Direktspiel als Doppelpasspartner für Embolo in Erscheinung. Hinten bei einer Ecke am kurzen Pfosten mit guter Kopfballabwehr, dafür beim 1:1 zu zögerlich, als er nicht rausrückte und sich auch nicht zu Lienhart orientierte. Auch bei der Elfmetersituation war Stindl involviert, als er gemeinsam mit Wolf gegen Höfler zu zaghaft hinging. Note 3,5.

Alassane Plea: Spielte diesmal auf der linken Seite und hatte zunächst nur wenig Bindung zum Geschehen. Richtig stark war der One-Touch-Pass auf Embolo, mit dem Plea den Weg zum 1:0 ebnete. In der Folgezeit bei drei, vier Kombinationen gut dabei, aber auch immer wieder mit Phasen, in denen der Franzose nicht zu sehen war. Ein spektakuläres Ausrufzeichen setzte der 27-Jährige mit seinem fulminanten Distanzschuss zum 2:2-Ausgleich - das war ein überragendes Tor. In der 76. Minute sah er die Gelbe Karte und wohl auch, weil ein gewisser Tobias Stieler die Spielleitung innehatte, wurde Plea nur drei Minuten später durch Herrmann ersetzt. Note 3,5.

Breel Embolo: Als zentraler Angreifer trat der Schweizer zwar nicht als ›Kilometerfresser‹ in Erscheinung, doch er wusste als Zielspieler zu gefallen. Mehrfach verarbeitete er Anspiele mit dem Rücken zum Tor und legte auf die nachrückenden Mitspieler ab. Der 23-Jährige forderte die Gegenspieler, ohne dabei zu wild in die Zweikämpfe zu gehen. Beim 1:0 ließ er gut auf Stindl klatschen und startete direkt durch. Beim Abschluss mit links hatte Embolo ein wenig Glück, dass Freiburgs Keeper nicht richtig reagierte. Kurz vor der Pause köpfte Embolo nach Lainer-Flanke am Tor vorbei. Im zweiten Durchgang bereitete er mit einem guten Lauf bis zur Grundlinie die Wendt-Chance vor und war in der Phase nach dem 2:2 sehr aktiv. Note 2,5.

László Bénes: Kam nach 53 Minuten für Zakaria und damit erstmals seit einem Jahr wieder zu einem längeren Einsatz. Der Slowake war engagiert, forderte den Ball und trug mit dazu bei, dass die zwanzig Minuten nach seiner Einwechslung gleichbedeutend mit der besten Gladbacher Phase im Spiel waren. Ein wenig war dem 23-Jährigen der fehlende Rhythmus anzumerken, aber nicht nur wegen seiner Standards und einer wichtigen Grätsche hinten war es ein zufriedenstellender Auftritt von Bénes. Note 3,0.

Marcus Thuram: Löste Wolf nach 64 Minuten ab, kam aber nicht so richtig auf Betriebstemperatur. Letztlich hatte der Franzose keine nennenswerte Offensivaktion. Nach einem vermeintlichen Foul im Mittelfeld ging Thuram sehr schnell zu Boden - der Schiedsrichter ließ weiterlaufen. Der 23-Jährige muss aufpassen, dass er es nicht übertreibt und bei jedem leichten Kontakt herniedersinkt. Ohne Note.

Valentino Lazaro: Kam für seinen Landsmann Lainer in der 64. Minute und ersetzte diesen als Rechtsverteidiger. Das machte Lazaro sehr seriös, mit sicherem Passspiel und saubererer Zweikampfführung. Ohne Note.

Patrick Herrmann: Ersetzte Plea in den letzten 11 Minuten und hätte der Machtwinner werden können, ja müssen. Nach perfektem Neuhaus-Zuspiel scheiterte er von halbrechts am allerdings auch sehr stark reagierenden Freiburger Keeper. In der Schlussminute kam Herrmann nach Höfler-Fehler aus identischer Position zum Abschluss, schoss aber knapp flach am linken Pfosten vorbei. Ohne Note.

 


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