Einzelkritik: RB Leipzig - Borussia Mönchengladbach 4:1 (2:0)

Borussia macht es auch Leipzig viel zu einfach

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Auch in Leipzig gerieten die Borussen ins Straucheln (Foto: Thomas Eisenhuth - Getty Images)

Borussia Mönchengladbach verliert verdient in Leipzig und rutscht immer tiefer in den Schlamassel. Bei RB gab es zwar keinen kollektiven Systemausfall wie gegen Freiburg, aber dennoch machten es die Borussen dem Gegner einmal mehr viel zu einfach. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Borussias Keeper bewahrte seine Mannschaft mit einigen blitzartigen Reaktionen - u.a. gegen Silva kurz vor dem Pausenpfiff - vor einer noch höheren Niederlage. Der 32-Jährige reagierte auch nach dem Wechsel prächtig, als er gegen Nkunku eine frühere Entscheidung verhinderte. Beim ersten Gegentor war Sommer ohne jede Abwehrchance, beim 0:2 hatte er zwar noch die Hände am Ball, konnte den Einschlag aus kurzer Distanz aber nicht mehr verhindern. Auch bei den beiden Treffern nach hinten raus war der Goalie machtlos. Glück hatte der Schweizer natürlich bei seinem krassen Fehlpass auf Nkunku, der Silva den ‘Freischuss’ ermöglichte, welcher an der Latte landete. Note 2,5.

Joe Scally: Hängte sich wie gewohnt rein, sah aber vor allem beim Positionsspiel nicht gut aus. Als rechter Außenverteidiger in der Viererkette rückte er bei eigenem Ballbesitz extrem weit nach vorne. So hatten die Leipziger bei ihren Umschaltangriffen stets auf dem Flügel viel Platz, den vor allem Angelino weidlich ausnutzte. Der 18-Jährige lief teilweise orientierungslos herum und erst im Verlauf der zweiten Halbzeit bekam Scally etwas mehr Sicherheit in seine Aktionen. Dennoch wird deutlich, dass der Youngster überspielt ist und angesichts der Verunsicherung um ihn herum deutlich an Unbekümmertheit eingebüßt hat. Note 4,5.

Matthias Ginter: Agierte etwas stabiler als zuletzt und war zunächst auch in einigen direkten Duellen präsent. Doch mit zunehmender Dauer wurde Ginter immer unentschlossener, u.a. vor dem 0:2 gegen Nkunku. In einer solch riskanten Konstellation, bei der die Außenverteidiger so weit nach vorne rücken, müssen die Innenverteidiger konsequenter abräumen, als es Ginter letztlich machte. Im Spielaufbau agierte der 27-Jährige solide, aber teilweise fehlten Klarheit und Überzeugung. Der halbgare Pass auf Sommer, der zu dessen Fauxpas führte, war so ein Beispiel. Kurz vor dem Ende lieferte der Nationalspieler mit seiner Kopfballablage den Assist zum Anschlusstor. Beim dritten Gegentor war er vorne unterwegs, den letzten Treffer konnte er ebenfalls nur als Zuschauer zur Kenntnis nehmen. Note 4,5.

Nico Elvedi: Durch die riskante Staffelung musste er von Beginn an ohne Absicherung in gefährliche Duelle mit Silva und Nkunku. Dabei sah der Schweizer mehrfach schlecht aus, weil ihm im ersten Moment die Bissigkeit für einen Zugriff fehlte und er nicht mehr hinterherkam, wenn der Gegenspieler Tempo aufgenommen hatte. So musste er Nkunku oftmals ziehen lassen und konnte sich - wie auch bei seinem Tritt über den Ball vor der Silva-Chance - bei Yann Sommer bedanken, dass dieser einige Male rettete. Vor dem 1:3 verlor Elvedi das entscheidende Kopfballduell, weil er nur halbherzig hochsprang, und auch vor dem 1:4 verschätzte sich der 25-Jährige bei dem langen Ball und hechelte vergeblich hinter Nkunku her. Note 5,0.

Ramy Bensebaini: Als linker Verteidiger aufgeboten, positionierte sich der Algerier wie sein Pendant Scally auf der anderen Seite bei eigenem Ballbesitz sehr hoch. Auch er kam mehrfach zu spät, wenn Leipzig umschaltete und in den Raum in seinem Rücken spielte. So zögerte Bensebaini beim Zurücklaufen vor dem 0:2 einen kurzen Moment, was dem Torschützen Silva den entscheidenden Vorteil verschaffte. Der 26-Jährige wirkte zusehends genervt von der schwachen Performance, was sich auch in seiner Körpersprache ausdrückte. Mit seinem Tor, als er schnell und instinktiv reagierte, entfachte er kurz Hoffnung auf einen Punktgewinn. Doch es wurde eine deutliche Niederlage, auch weil Bensebaini beim vierten Gegentor vergeblich auf Abseits reklamierte und abschaltete, anstatt Henrichs zu folgen. Note 4,5.

Denis Zakaria: Als Sechser aufgeboten, ließ er sich bei eigenem Ballbesitz zwischen die beiden Innenverteidiger fallen und baute das Spiel auf. Das Passspiel des Schweizers war fast fehlerlos. Im ersten Durchgang rückte er bei den eigenen Angriffen mit auf, kam dann aber bei Leipziger Umschaltangriffen mehrfach nicht mehr rechtzeitig in Position, um noch eingreifen zu können. Nach der Pause spielte er klarer als Absicherung vor und neben Elvedi und Ginter. Der 25-Jährige konnte in mehreren Situationen sein Tempo ausspielen, doch selbst sein Wahnsinnssprint reichte nicht, um Nkunku am entscheidenden dritten Leipziger Tor zu hindern. Note 3,5.

Manu Koné: Positionierte sich neben bzw. vor Zakaria und zeigte eine gewisse Ballfestigkeit und spielte sichere Pässe. Der 20-Jährige konnte sich gegen die körperliche Herangehensweise der Leipziger meist behaupten. Große Impulse im Spiel nach vorne vermochte der Franzose nicht zu setzen. Im defensiven Umschaltspiel bekam er mehrfach keinen Zugriff, wenn Leipzig schnell spielte. Hier war Koné einige Male nicht gut zu Ball und Gegner positioniert.. In Bezug auf Lauf- und Einsatzbereitschaft war seine Leistung in Ordnung. Note 4,0.

Jonas Hofmann: War halbrechts im Mittelfeld positioniert, wo er überhaupt kein Faktor war. Hofmann kam nie in die Lage, seine Läufe in die Tiefe zu starten. Er suchte ein paar Mal die Lücken in der Mitte, wo es aber keine gab. Eklatant seine Arbeit gegen den Ball: Sonst als ‘Balldieb’ durchaus geschickt, war sein Timing diesmal ausgesprochen schlecht. Mehrfach kam er beim ‘Pseudo-Pressing’ zu spät und ließ sich locker überspielen. In einigen Situationen, als bodenständiges Zweikampfverhalten gefragt war, wich er dem möglichen Duell einfach aus. Vor dem ersten Gegentor stand er zunächst beim Torschützen, ließ diesen nach der ‘Freistoßfinte’ aber einfach ziehen. Hofmann spielte mit einer Manschette um sein Knie, nachdem er sich am Freitag im Training das Knie verdreht hatte. Möglicherweise bereitete ihm das während des Spiels Probleme. Nach 54 Minuten musste der 28-Jährige das Spiel dann mit muskulären Beschwerden beenden. Note 5,0.

Lars Stindl: Im variablen Dreierangriff war der Kapitän engagiert und hatte viele Ballkontakte. Allerdings unterliefen Stindl dabei unter Bedrängnis einige Stockfehler - einer führte zur ersten Leipziger Großchance. Auf engem Raum tat er sich sichtlich schwer. Beim Anlaufen des gegnerischen Aufbauspiels war der 33-Jährige fleißig, wurde aber - wie die Kollegen - mehrfach zu einfach überspielt. Anfang der zweiten Halbzeit gab er den ersten Schuss aufs Tor ab. Für ein taktisches Foul an der Außenlinie sah Stindl die 5. Gelbe Karte und wird gegen Frankfurt gesperrt fehlen. Eine Viertelstunde vor Schluss räumte er den Platz für Plea. Mit 9,2 Kilometern lief Stindl nur unwesentlich weniger als Thuram und mehr als Embolo - die beide über die volle Distanz spielten. Note 4,0.

Breel Embolo: Gab sein Startelfcomeback und lieferte sich einige knackige Zweikämpfe mit den Leipziger Verteidigern. Entscheidend durchsetzen konnte sich der Schweizer jedoch nicht. Unmittelbar nach dem 0:1 hatte er nach Vorarbeit von Thuram eine Großchance, haute den Ball aber in Rücklage schon fast kläglich über das Tor. Erst in der Schlussphase hatte Embolo eine weitere Möglichkeit, als er nach Freistoß-Hereingabe von Bénes aus kurzer Distanz Gulacsi anköpfte. Vor dem Anschlusstreffer säbelte er am Elfmeterpunkt am Ball vorbei - Bensebaini war dann zur Stelle. Im Offensivpressing war Embolo kein Faktor, zumindest machte er einige Male den Weg mit zurück - vor allem nach eigenen Fehlern. Der Freistoß vor dem 0:1 ging auf seine Kappe, obwohl man die Situation nicht abpfeifen musste. Aber Embolos ungestümes Zweikampfverhalten wirkt halt oft ungeschickt. Eine gewisse Aussagekraft hat auch die Laufleistung des 24-Jährigen, für den gerade mal 8,63 Kilometer in 94 Minuten ausgewiesen werden. Note 5,0.

Marcus Thuram: Ist weiter ein ganzes Stück entfernt von seiner Topform. Der Franzose zeigte ein paar Ansätze, blieb aber zumeist irgendwo hängen. Ihm fehlte es an der letzten Konsequenz, sich körperlich und vom Tempo her durchzusetzen und zu oft lief er einfach mit Scheuklappen in von vorneherein aussichtslose Duelle. Im Kombinationsspiel war der 24-Jährige kaum ein Element - immerhin war er bei den vergleichsweise wenigen Pässen sehr sicher. Dass er vor der Embolo-Chance keinen Elfmeter erhielt, war trotz des leichten Kontakts am Knie korrekt. In der zweiten Halbzeit wollte Thuram zu offensichtlich einen Strafstoß schinden. Seine beste Aktion war der Antritt über links mit Ablage auf Plea in der Schlussphase. Vor dem entscheidenden dritten Gegentor lief er sich vorne blindlings fest. Beim Offensivpressing fehlte es Thuram an Überzeugung und er beließ es bei Alibi-Aktionen. Note 5,0.

László Bénes (54. Minute für Hofmann): Führte sich nach seiner Einwechslung mit einem feinen Pass ein. Danach hatte der Slowake kleinere Orientierungsprobleme, bis er die Position gefunden hatte. Er zeigte sich, forderte den Ball und auch wenn einige Pässe nicht ankamen, so war er wenigstens darum bemüht, etwas Kreativität einzubringen. Ein Distanzschuss war nicht schlecht angesetzt, wurde aber in der Wucht noch von einem Gegner abgebremst und war letztlich kein Problem für den Keeper. Die Standards von Bénes sind eine Waffe - so leitete er den Anschlusstreffer ein und brachte noch eine weitere sehr gefährliche Freistoßflanke. Allerdings verzockte er sich auch bei zwei Freistößen, die er zu weit schlug. Ohne Note.

Alassane Plea (77. Minute für Stindl): Ein Schussversuch von der Strafraumgrenze kam nicht durch und nach Vorarbeit von Thuram kam Plea einmal in guter Position zum Abschluss - doch der Flachschuss wurde ebenfalls geblockt. Ohne Note.

 


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