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Ramy Bensebaini auf Tour: Das große Zittern

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Immer mit vollem Einsatz bei der Sache - Ramy Bensebaini (Foto: Lars Baron / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach schleppt ein dickes Päckchen an Personalsorgen durch die Länderspielpause. Ramy Bensebaini müsste man da eigentlich in Watte packen. Eigentlich.

Ramy Bensebaini ist mal wieder unterwegs mit der Nationalelf Algeriens. In der WM-Qualifikation spielt der amtierende Afrika-Meister am Freitag in Kairo gegen Dschibuti und nächsten Dienstag in Blida gegen Burkina Faso. Das sind ganz gewiss keine Partien, die den geneigten Fan von Borussia Mönchengladbach vom Hocker hauen. Und zwangsläufig stellt sich die Frage, ob es wirklich sein muss, dass Ramy Bensebaini angesichts der mehr als nur angespannten Personallage in der Gladbacher Defensive nach Afrika fliegt.

Aus Gladbacher Sicht wäre es sicherlich von Vorteil gewesen, wenn Bensebaini hiergeblieben wäre, so dass man ihn in Watte hätte packen können. Mit Jantschke, Beyer und Elvedi fallen drei Innenverteidiger längerfristig aus – da wäre es fatal, wenn sich Bensebaini in die Ausfallliste einreihen würde. Man soll den Teufel zwar nicht an die Wand malen, doch zuletzt waren die Reisen des 26-Jährigen in die Heimat nicht wirklich angenehm. Weder für den Spieler noch für die Borussia.

Bensebainis Reisen zur Nationalmannschaft standen zuletzt unter keinem guten Stern

In der Abstellungsperiode vor einem Jahr fing sich Bensebaini das Corona-Virus ein. Die Infektion erwischte ihn deutlich schwerer als viele seiner Teamkollegen in Gladbach, die im Laufe der Zeit ebenfalls coronapositiv getestet wurden. Es gab zwar nie offizielle Stellungnahmen, aber auch andere algerische Nationalspieler hatten sich infiziert und mussten anschließend wochenlang pausieren. Die Virusvariante war offensichtlich alles andere als harmlos. Entsprechend brauchte auch Bensebaini ausgesprochen lange, bis er wieder voll belastbar und einsatzfähig war. Wie zu vernehmen war, hatte er auch nach seiner offiziellen ‚Gesundschreibung‘ erhebliche Probleme.

Im ersten ‚International-Break‘ der aktuellen Saison reiste Bensebaini – obwohl gerade erst von einer Verletzung genesen – wieder nach Algerien. Prompt verletzte er sich bei seinem Länderspieleinsatz erneut und fiel wieder mehrere Wochen aus. Selbst als er von Gladbacher Seite als nicht spielfit bezeichnet wurde, erhielt er in der nächsten Länderspielpause eine Einladung und reiste auch in die Heimat – nur um unverrichteter Dinge wieder zurück zu fliegen.

Wenn Bensebaini auf dem Platz steht, dann agiert er stets mit vollem Einsatz – und vollem Risiko

Bei dieser Gelegenheit ließ Borussias Sportdirektor Max Eberl durchblicken, dass die Kommunikation mit dem algerischen Verband nicht sonderlich ergiebig sei. Im Klartext: Es wird sich nicht um Vereinsinteressen geschert und wenn der Verband den Spieler beruft, sind dem Verein die Hände gebunden. Auch wenn der Klub der Arbeitgeber des Spielers ist und letztlich darunter zu leiden hat, wenn der Spieler erkrankt oder sich verletzt. Ramy Bensebaini kommt gerade aus der erwähnten längeren Verletzung und hat bei Borussia – auch der personellen Situation geschuldet – schon mehr gespielt, als eigentlich vorgesehen. Und wenn Bensebaini auf dem Platz steht, dann agiert er stets mit vollem Einsatz – und vollem Risiko.

Das wird er immer so machen, egal ob mit Borussia gegen Bayern oder mit Algerien gegen Dschibuti und Burkina Faso. Denn Bensebaini genießt in seiner Heimat einen absoluten Star-Status und die Ehre, für sein Land zu spielen, ist bei ihm deutlich ausgeprägter als bei manch anderem Profi. Kein Wunder also, dass Bensebaini die Berufungen nicht als lästige Pflichtaufgabe abtut – oder aber im Sinne seines Klubs vorsorglich absagt, wenn er vom Fitnesslevel her nicht bei einhundert Prozent ist. Zur Wahrheit gehört auch, dass man bei Borussia diese Rahmenbedingungen mit ‚einpreisen‘ muss, wenn man einen afrikanischen Nationalspieler verpflichtet. So bleibt letztlich nur Daumen drücken und zittern, dass Ramy Bensebaini nächste Woche gesund und munter zurück nach Mönchengladbach kommt.

 


von Marc Basten

 

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