Nachdreher aus dem Borussia-Park

Borussia schlägt Hertha knapp - »Ein brutal kompliziertes Spiel«

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Noch Gesprächsbedarf - Daniel Farke und Jonas Hofmann (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach schlägt Hertha BSC knapp mit 1:0 und grüßt mit 7 Zählern aus 3 Spielen zumindest für eine Nacht als Tabellenführer. Doch die Borussen wissen die Situation richtig einzuordnen.

So richtig erlösend kam der Jubel im Borussia-Park nicht rüber, als Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck die Partie zwischen der Borussia und Hertha BSC nach sechs Minuten Nachspielzeit beendete. Das lag aber vor allem daran, dass der Referee so beiläufig abpfiff, dass die meisten Zuschauer es erst realisierten, als plötzlich das Händeschütteln begann und Ersatzspieler und Trainer auf den Platz spazierten. So wurde eher erleichtert aufgeatmet, als lautstark gejubelt.

Es war ein hartes Stück Arbeit für die Borussen und das Endergebnis von 1:0 drückt ziemlich gut aus, wie knapp es am Freitagabend war. Wie erwartet, präsentiert sich Hertha BSC gänzlich anders als noch im Frühjahr. »Das war eine extrem gute Berliner Mannschaft«, sagte Borussias Trainer Daniel Farke anschließend. Die Berliner überließen den Borussen zwar zunächst den Ball, suchten aber situativ die Pressingmomente und vor allem schalteten sie mit ihren Highspeed-Stürmern blitzschnell um.

»Von den individuellen Leistungen in der Offensive her hatten wir heute nicht unseren besten Tag«

»Sie waren nach vorne brandgefährlich in den Kontersituationen«, sagte Farke und monierte, dass seine Mannen »schon ein paar Torchancen zu viel zugelassen« haben. Zum Glück für die Gladbacher waren die Abschlüsse von Lukebakio & Co. jedoch alles andere als perfekt, so dass die Gäste letztlich torlos blieben. Aber es war einige Male schon richtig knapp. »Es war ein brutal kompliziertes Spiel«, sagte Farke.

Die Borussen waren längst nicht so ballsicher wie gewünscht und es gab die eine oder andere Ungenauigkeit. Dennoch erspielte man sich einige gute Tormöglichkeiten - wie den Pfostentreffer von Plea. »Eigentlich haben wir viele Situationen gut vorbereitet«, befand Farke. »Wir haben auch die Räume zwischen den Linien gefunden, aber von den individuellen Leistungen in der Offensive her hatten wir heute nicht unseren besten Tag«.

»Wir haben den Gegner ganz bewusst ins Pressing eingeladen und das Tempo verschleppt«

Die Führung durch den Handelfmeter von Plea war dennoch verdient und sorgte zudem dafür, dass die Gäste noch mehr Initiative ergreifen mussten. Vor allem in der Viertelstunde nach der Pause hatten die Borussen damit große Probleme, als sie kaum eigene Ballbesitzpassagen zustande brachten. Zudem quälten sie die Zuschauer mit einem sehr zögerlichen Aufbauspiel, bei dem immer wieder der Weg über Yann Sommer gesucht wurde. Das war allerdings nicht (nur) einer gewissen Einfallslosigkeit geschuldet, sondern es steckte auch Kalkül dahinter.

»Wir haben den Gegner ganz bewusst ins Pressing eingeladen und das Tempo verschleppt«, erläuterte Farke. Die Berliner sollten aus der Ordnung gelockt werden und eigentlich funktionierte das auch ganz gut. »Die Räume zwischen den Reihen waren da, aber wir haben die Momente nicht genutzt«, monierte der Coach. »Ich hätte mir gewünscht, dass wir hier effektiver gewesen wären«.

»Es schärft dann nochmal die Sinne«

Das gilt auch hinsichtlich der Treffsicherheit vom Elfmeterpunkt, denn nachdem Alassane Plea im ersten Durchgang noch erfolgreich war, scheiterte Jonas Hofmann zwanzig Minuten vor Schluss. »Stellen wir da auf 2:0, dann wäre das Spiel durch gewesen, zumal Hertha ab da in Unterzahl spielen musste«, sagte Farke. So aber wurde es eine ganz enge Kiste. »Der Gegner bekommt die zweite Luft und du fängst an zu zweifeln«. Derartige Konstellationen endeten in Gladbach in der jüngeren Vergangenheit zumeist damit, dass man noch den Ausgleich kassierte. Doch diesmal präsentierten sich die Borussen in der Arbeit gegen den Ball stabil. »Das Verteidigen in der letzten Reihe war gut«.

Am Ende brachten die Gladbacher den knappen Erfolg ohne Glanz und Gloria über die Zeit. »Manchmal ist so ein hart erkämpftes 1:0 für die Geisteshaltung der gesamten Mannschaft besser, als wenn wir 3:0 gewonnen hätten und alle auf Wolke 7 schweben«, sagte Farke. »Es schärft dann nochmal die Sinne, dass wir enge Spiele durchbringen und auch zu Null spielen«. Dass die Borussen am Freitagabend die Tabellenführung übernommen haben, ist für Farke nicht relevant. »Die Fans können sich natürlich freuen und vielleicht auch unrealistische Träume haben. Wir wissen das aber schon ganz genau einzuordnen.«

»Wir sind weit davon entfernt, uns Spitzenmannschaft nennen zu dürfen«

Fakt ist, dass Borussia mit sieben Punkten aus drei Spielen mehr als ordentlich in die neue Saison gestartet ist. »Das hilft uns bei unserem Bestreben, Stabilität in den Verein zu bekommen«, sagte Farke und erinnerte nochmals daran, dass man in der vergangenen Saison lange gegen den Abstieg gespielt hat. »Wir sind weit davon entfernt, uns Spitzenmannschaft nennen zu dürfen. Aber der Status Quo mit sieben Punkten wird uns helfen und weiter Vertrauen geben.«

 


von Redaktion - TORfabrik.de

 

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