Nachdreher aus dem Borussia-Park

Borussia kontert Dortmund aus: »Wir sind die Fohlen!«

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Happy together - die Borussen freuen sich über den gelungenen Ausklang des Jahres 2022 (Foto: Christof Koepsel - Getty Images)

Borussia Mönchengladbach verabschiedet sich mit einem Fußball-Fest in die WM-Pause. Beim 4:2 gegen Borussia Dortmund kamen alle Gladbacher auf ihre Kosten. Auch, weil die Mannschaft sich auf die wirkliche Gladbacher DNA besann.

Es war ein fein inszenierter Jahresausklang im Borussia-Park. Als der Schiedsrichter nach 97 Minuten das Fußballjahr 2022 beendete, leuchtete auf der Anzeigetafel ein sattes 4:2 für Borussia Mönchengladbach gegen die ungeliebte Namenscousine aus Dortmund. Die Fans feierten die Mannschaft für einen mehr als verdienten Sieg, der aufgrund der Chancenverteilung sogar noch deutlicher hätte ausfallen müssen. Zu der Freude über den eigenen Triumph gesellte sich natürlich auch eine spezielle Genugtuung, dass die sich so gnadenlos selbst überschätzenden Dortmunder eine solche Schlappe einstecken mussten.

»Es war ein Top-Abend für uns«, sagte Daniel Farke im Anschluss. »Wir sind hochzufrieden, dass wir einen so hochkarätigen Gegner in dieser Art und Weise schlagen konnten. Das nehmen wir sehr gerne mit in die lange Zeit ohne Spiel«. Dass der Abend so schön werden würde, hatte sich in der ersten Halbzeit zwar angedeutet, war aber aufgrund des Spielverlaufs keineswegs logisch. Denn es war ein ganz schön wilder Ritt, den beide Mannschaften hinlegten. Borussia glückte mit dem ersten Konter der frühe Führungstreffer, Dortmund glich zeitnah aus und dann folgte ein Gladbacher Doppelschlag, auf den der BVB noch vor der Pause mit dem Anschlusstreffer reagierte.

Dortmunds Defensivstruktur war miserabel

Für die Zuschauer war es höchst unterhaltsam, was sich da auf dem Rasen abspielte. Beide Mannschaften agierten mit einem teilweise schon naiv geöffneten Visier und lieferten sich einen offenen Schlagabtausch. »Wenn man sich die Intensität und die Qualität der Offensivspieler anschaut, dann war das sicher Werbung für den deutschen Fußball«, befand Farke. »Das war eine Halbzeit auf absoluten Topniveau«. Gleichzeitig schränkte der Coach jedoch auch ein, dass es »ein Spiel mit defensiven Fehlern« war. Und davon gab es auf beiden Seiten eine ganze Menge.

Der Gladbacher Defensivverbund hatte im ersten Durchgang große Schwierigkeiten und verteidigte zwar mit viel Einsatz, aber auch einer Portion Glück. Dortmund hatte vier oder fünf sehr ordentliche Gelegenheiten und kam auch zu zwei Treffern. Das zweite Tor fiel nach einer Ecke und beim ersten war es ein Stellungsfehler von Nico Elvedi, der Julian Brandt den zwischenzeitlichen Ausgleich ermöglichte. Doch wer das Gladbacher Defensivverhalten kritisiert, der muss mit den Dortmundern noch deutlich härter verfahren. Anders ausgedrückt: Es ist in dieser Saison noch keine Mannschaft im Borussia-Park aufgekreuzt, deren Defensivstruktur so miserabel war, wie die des selbst ernannten Meisterschaftsanwärters aus Dortmund.

»Ich habe auch nichts gegen hohe Konter-Qualität«

Schon beim frühen Führungstor durch Jonas Hofmann wunderten sich die Gladbacher, wie unbedrängt sie den Konter ausspielen konnten und wie einfach Hofmann in die Mitte ziehen und abschließen konnte. Beim Treffer von Thuram war das Dortmunder Abwehrverhalten ebenfalls infantil und es gab noch ein halbes Dutzend weiterer Kontergelegenheiten für die Gladbacher, bei denen auf Dortmunder Seite Tag der offenen Tür angesagt war. Nachdem Koné unmittelbar nach der Pause mit dem 4:2 die Weichen auf Heimsieg gestellt hatte, gab es noch mehrere vielversprechende Möglichkeiten, das Ergebnis auszubauen. Die Gladbacher, die sich unter Farke als Ballbesitzmannschaft definieren, besiegten den BVB durch astreinen Konterfußball.

»Wir sind die Fohlen und in unserer Tradition steht schon, dass wir konterstark sein dürfen«, sagte Farke. »Ich habe auch nichts gegen hohe Konter-Qualität«. Für den Coach schließt das eine das andere nicht aus. »Ich fand uns auch sehr gut im eigenen Ballbesitz. Wir waren heute mutig und haben mit einer guten Laufleistung die Bälle gefordert, um das Dortmunder Pressing zu überspielen.« Borussia verzeichnete nur etwas mehr als 42 % Ballbesitz, ist dafür aber fast 10(!) Kilometer mehr gelaufen als der Gegner – die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

»Die ganze Atmosphäre war außergewöhnlich. Es war ein rundum gelungener Abend«

Dennoch herrschte auch nach dem vierten Treffer nicht die Gewissheit vor, dass das Spiel damit entschieden sei. »Natürlich hatte ich da ein wenig Sorge, da der BVB jederzeit zurückkommen kann«, bestätigte Farke. Seine Mannen ließen die Chancen auf den fünften Treffer liegen, aber sie standen dafür geordneter als vor der Pause. »Die Mannschaft hat es dann in der Defensive top gemacht«, lobte Farke. »Wir hatten die Läufe der Dortmunder Achter im Griff und haben nichts mehr zugelassen.« Tatsächlich hatte Dortmund trotz mehrerer offensiver Wechsel im zweiten Durchgang keine wirklich klare Torchance. Das war eben ein Verdienst der Gladbacher Bereitschaft, die sich in den Laufwerten widerspiegelt.

Am Ende freuten sich die Fohlen über einen hochverdienten Sieg in diesem Prestigeduell. Die Gladbacher Borussia hat geschickt das angenommen, was die Dortmunder Borussia angeboten hat. Mit dem sechsten Sieg im achten Heimspiel der laufenden Saison kann man sich relativ beruhigt in die WM-Pause verabschieden. »Vor allem aufgrund der zweiten Halbzeit ist der Sieg absolut verdient«, sagte Farke. »Die ganze Atmosphäre war außergewöhnlich. Es war ein rundum gelungener Abend.«

 


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