Nachdreher aus dem Borussia-Park

»Wir haben uns jetzt da oben festgebissen«

von Nachdreher aus dem Borussia-Park

Mamadou Doucouré spielt Bundesliga! (Foto: Poolfoto/Fohlenfoto/Norbert Jansen)

Zufrieden waren die Protagonisten im Borussia-Park am Pfingstsonntag nach dem überzeugenden 4:1-Erfolg über Union Berlin. Aufkommende Zweifel wurden weggewischt und schließlich gab es auch noch ein emotionales Highlight.

Dass sich die Spieler von Borussia Mönchengladbach nach dem Spiel gegen Union Berlin berechtigterweise als Sieger von den 15.000 Pappfiguren im Borussia-Park verabschieden durften, zog im Nachlauf der Partie niemand in Zweifel. »Ich finde, wir haben verdient gewonnen«, sagte zum Beispiel Sportdirektor Max Eberl. Ins gleiche Horn stieß Matthias Ginter: »Nach dem 2:1 war es ein bisschen enger, aber ich glaube, dass wir trotzdem verdient gewonnen haben«.

Tatsächlich hatten die Borussen den Aufsteiger aus der Hauptstadt fast über die ganze Distanz im Griff. Max Eberl hatte die zuletzt etwas vermisste Griffigkeit ausgemacht. »Wir haben Laufintensivität auf den Platz gebracht, auch die Zweikampfhärte. Darüber hinaus haben wir aber unsere fußballerischen Qualitäten gezeigt.«

»Eins davon wird in die Europa League müssen und wir hoffen, dass wir es nicht sind«

Daraus resultierte eine 2:0-Pausenführung, bei der die Mannschaft zwar kein Feuerwerk abbrannte, aber genau das machte, was ein Topteam gegen einen Gegner vom Schlage dieser ‘Intensivfußballer’ von Union machen muss. Der Führungstreffer von Florian Neuhaus war insoweit ein wichtiger Baustein, weil wirkliche Zweifel erst gar nicht aufkommen konnten. Zudem war der Treffer auch einer für die Geschichtsbücher: Es war Borussias 3.000 Tor in der Bundesliga.

»Das ist natürlich eine schöne Zahl und es freut mich, so ein besonderes Tor erzielt zu haben«, sagte der Mittelfeldspieler, der einer der auffälligsten Akteure an diesem Nachmittag war. »Aber noch mehr freue ich mich über den Sieg heute, denn der war wichtig im Kampf um die Champions League«. Dieses Ziel formulieren die Borussen nun sehr offensiv. Gemeinsam mit Dortmund, Leipzig und Leverkusen kämpft Borussia um die Plätze 2 bis 4. »Das sind gute Teams«, sagte Matthias Ginter. »Eins davon wird in die Europa League müssen und wir hoffen, dass wir es nicht sind.«

»Alles ist gut, wir müssen es dann auch nur umsetzen und das auf den Platz bringen«

Rechnerisch fehlt den Gladbachern noch ein Zähler, um die Europa League perfekt zu machen, doch alle wollen mehr. »Wir haben in den letzten Wochen immer mehr davon geredet, dass wir das Maximale rausholen wollen«, sagte Marco Rose. »Und ich habe eben gehört, wie Flo Neuhaus über die Champions League redet. Alles ist gut, wir müssen es dann auch nur umsetzen und das auf den Platz bringen.«

Gegen Union gelang dies, auch wenn es unmittelbar nach der Pause den Dämpfer in Form des Anschlusstreffers gab. »Wir standen da zu tief und nicht auf einer Höhe«, monierte Matthias Ginter. »Das ist sehr wichtig, gerade bei Union, die fünf, sechs Spieler über 1,90m haben. Da müssen wir hoch stehen und gemeinsam einlaufen. Beim Gegentor waren wir aber nicht auf der Höhe.«

Rose sieht bei Thuram »noch Luft nach oben«

Zum Glück blieb die Mannschaft in der Spur und legte nach knapp einer Stunde den dritten Treffer nach. Marcus Thuram erzielte sein zweites Tor an diesem Nachmittag - nach seinem ersten Torerfolg stellte er das linke Knie auf den Boden und senkte den Kopf - die bekannte Geste gegen Rassismus anlässlich der jüngsten Vorfälle den USA. »Wenn man sich öffentlich gegen Rassismus stellt, ist das schwer in Ordnung«, sagte Marco Rose später.

Thuram war mit seinen beiden Treffern natürlich der Mann des Tages, wobei Marco Rose die Entwicklung des Franzosen noch längst nicht als abgeschlossen betrachtet. »Ich traue ihm sehr viel zu, weil er großes Potential hat. Wir sehen immer wieder seine Qualität und trotzdem sehe ich auch noch Luft nach oben. Daran werden wir immer wieder arbeiten das auch kritisch aufarbeiten. Weil er will ja europäischer Topstürmer werden.«

Das Debüt von Mamadou Doucouré: »Ein emotionales Erlebnis für uns alle«

»Mit der Leistung heute bin ich sehr einverstanden«, sagte Rose in Bezug auf die gesamte Mannschaft. »Als Trainer hast du natürlich immer was zu meckern, das möchte ich aber heute nicht. Wir haben das gemacht, was wir uns vorgenommen haben und das Spiel von Union sehr gut angenommen. Wir haben uns gewehrt, sind auf die ersten und zweiten Bälle gegangen und haben auch mit Ball eine gewisse Dominanz ausgestrahlt. Vielleicht haben wir den einen oder anderen kleinen Fehler zu viel gemacht, aber dafür sehr schöne Tore geschossen.«

»Wir haben uns jetzt da oben festgebissen«, freute sich Max Eberl. »Aber es war nicht nur ein wertvoller Sieg, sondern auch ein emotionales Erlebnis für uns alle«. Damit sprach Eberl die 90. Minute an, als Mamadou Doucouré eingewechselt wurde. Dass der mittlerweile 22-jährige Franzose wirklich mal auf dem Platz stehen würde, musste angesichts der Leidenszeit ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Und wer die ehrliche Freude bei den Mitspielern gesehen hat, der kann erahnen, was diese paar Minuten für Mamadou Doucouré bedeutet haben.

 


von Nadine Basten und Marc Basten

 

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