Max Eberl - Burnout

»Weil ich erschöpft bin, weil ich keine Kraft mehr habe«

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Max Eberl am Freitag bei der Pressekonferenz (Foto: Christian Verheyen / Borussia Mönchengladbach)

Max Eberl ist aus gesundheitlichen Gründen ab sofort nicht mehr Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach. Auf einer emotionalen Pressekonferenz erläuterte er seine Entscheidung: »Es geht nicht um Fußball, es geht um mich«.

Es war eine Pressekonferenz, die unter die Haut gegangen ist. Zumindest wenn man den Teil nimmt, den der scheidende Sportdirektor Max Eberl bestimmt hat. Unter Tränen erklärte er, was ihn dazu bewogen hat, Borussia Mönchengladbach unmittelbar zu verlassen. »Es ist ein ganz simpler Grund, warum ich nicht mehr arbeiten kann: Weil ich einfach erschöpft bin; weil ich einfach müde bin; weil ich einfach keine Kraft mehr habe, diesen Job, so wie es der Verein benötigt, auszuüben.«.

Eberl schilderte die klassischen Symptome eines Burnouts, der ihn nach 13 Jahren als Sportdirektor übermannt hat. »Ich beende etwas, was mein Leben war, was mir sehr viel Freude und Spaß bereitet hat. Fußball ist mein Leben, Fußball ist meine Freude. Doch viele Dinge drumherum sind nicht mehr meine Freude und nicht mein Spaß. Es ist kein verletzter Stolz, keine Wut, kein Frust, keine Liebe, kein irgendwas. Sondern rein die Person Max Eberl ist erschöpft und müde. Ich habe mich wie um ein Kind hier um alles gekümmert, mit aller Kraft, die ich habe. Die Kraft ist jetzt einfach nicht mehr da.«

»Wenn irgendeiner glaubt, ich mache das, weil ich den Verein wechseln will: Vergesst es! Ich will einfach raus«

»Ich will einfach raus, ich will mit dem Fußball nichts zu tun haben. Keine Verantwortung haben, ich will einfach Max Eberl sein«, sagte er. Bereits im Oktober ist Eberl an das Präsidium herangetreten und hat seine Gedanken an einen vorzeitigen Abschied geäußert. »Der Klub hat alles versucht, mich zu überzeugen, Zeit und Ruhe zu gewinnen, um weiterzumachen«, so Eberl. »Aber ich muss einen Schlussstrich ziehen. Es geht nicht um Fußball, es geht um mich«. Mehr als klar äußerte sich Eberl dazu, wie sehr ihn der öffentliche Druck belastet hat. »Ich hatte mit dem Klub vertrauensvolle und gute Gespräche geführt über meinen Entscheid und darüber, wie es mir geht. Was dann in 24 Stunden daraus gemacht wird, was alles spekuliert wird, ist genau das, was mich tatsächlich krank macht.«

»Wenn irgendeiner glaubt, ich mache das, weil ich den Verein wechseln will: Vergesst es! Ich will einfach raus«, sagte er. In jeder Minute dieser Pressekonferenz war dem 48-Jährigen anzumerken, wie schwer ihm das Ganze fällt und gleichzeitig war unverkennbar, welche Bürde er sich da über die Jahre aufgelastet hat und wie wichtig es sein wird, dass er sich dieser schnellstmöglich entledigt. Max Eberl gebührt nicht nur Anerkennung für seine hervorragende Arbeit in den vielen Jahren, sondern auch und besonders Respekt, dass er diesen Schritt vollzieht und wie er sich der Öffentlichkeit stellt. Man kann ihm wirklich nur alles Gute wünschen und hoffen, dass er gesundheitlich wieder in die Spur findet.

Präsident Königs fiel vor allem dadurch auf, dass ihm so etwas wie Empathie offensichtlich fremd ist

Doch natürlich stand an diesem Tag auch die Frage im Raum, wie es bei Borussia ohne Max Eberl weitergeht. Dazu waren Präsident Königs, Vizepräsident Bonhof und Geschäftsführer Schippers mit auf dem Podium. Bonhof wirkte aufgewühlt, beantwortete aber Fragen ohne etwas zu sagen, Schippers zeigte sich in seinem kurzen Statement zumindest aufgeräumt und Königs fiel vor allem dadurch auf, dass ihm so etwas wie Empathie offensichtlich fremd ist. Das war angesichts der Umstände ein ziemlich misslungener Versuch, Entschlossenheit und Stärke zu demonstrieren. Immerhin wurde bekannt, dass Max Eberl bei der Nachfolgersuche zumindest angehört wurde und dass man auf einem guten Weg sei. Hinsichtlich möglicher Personalveränderungen in der Mannschaft - das Transferfenster ist noch bis Montag offen - gab es nichts zu vermelden.

 


von Marc Basten

 

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