Nachdreher aus Wolfsburg

»Ein gravierender Unterschied zum Spiel in Berlin«

von Nachdreher aus Wolfsburg

Matthias Ginter kommt beim Treffer von Weghorst den entscheidenden Tick zu spät (Foto: Martin Rose / Bongarts / Getty Images)

Ein verdienter Punkt in Wolfsburg und dennoch war der erste Auswärtssieg der Saison zum Greifen nahe. Am Ende konnten die Borussen mit dem Remis leben, auch weil es eine klare Leistungssteigerung zum Gastspiel in Berlin gab.

Eine kurze Analyse gab es bereits in der Kabine nach dem Abpfiff der Partie in der Volkswagen Arena. Was Dieter Hecking seinen Mannen im Detail mitgegeben hat, wurde natürlich nicht verraten. Doch der Tenor war schon positiv, wie Michael Lang anschließend erklärte. Gleichzeitig sei man sich aber auch einig gewesen, dass angesichts der zweimaligen Führung mehr drin war, als dieser eine Zähler.

Der Spielverlauf glich einer Achterbahnfahrt, wobei Borussia zunächst obenauf war. »Das war ein Supertor von Alassane«, freute sich Hecking über den nächsten Treffer seines Torjägers. Doch eben dieser Plea war es, der mit seinem Fehler kurz darauf den Ausgleich ermöglichte. »Das ist schon ärgerlich, dass er den Gegenspieler da übersieht«, sagte Hecking.

Danach gab es eine Phase, in der »Wolfsburg am Drücker war und wir uns ein bisschen sortieren mussten«, führte der Trainer aus. »Wir wurden aber wieder deutlich stabilier im Verlauf der ersten Halbzeit.« Tatsächlich gewannen die Borussen sogar die Oberhand und der neuerliche Führungstreffer kurz nach Wiederbeginn war die logische Konsequenz.

»Mein Gefühl war eigentlich, dass wir es danach im Griff haben«

»So wollen wir Tore machen«, sagte Patrick Herrmann, der mit seinem Antritt und dem perfekten Abspiel auf Hazard einen großen Anteil daran hatte. »Den Ball erobern und schnell nach vorne spielen. Plea hält den Ball noch super und dann geht es sehr schnell.«

»Mein Gefühl war eigentlich, dass wir es danach im Griff haben«, so Hecking. »Es sah nicht so aus, als ob Wolfsburg nochmal richtig anlaufen würde. Umso ärgerlicher ist dann der Ausgleich«. Im Aufbau unterlief Matthias Ginter ein Fehlpass. »Das war leider ein unglücklicher Ball und dann geht der Konter ab. Wobei ich finde, dass wir immer noch genügend Leute hinter dem Ball hatten, die es auch noch hätten verteidigen können«, meinte der Trainer.

Das gelang nicht und als Weghorst einnetzte, sah Ginter erneut nicht gut aus. Der Nationalspieler verwies jedoch darauf, dass der Ball von Malli durch den Kollegen Elvedi noch die entscheidende Richtungsänderung erfahren hatte. »Wenn er nicht abgefälscht ist, bekomme ich ihn. Das war nicht vorhersehbar. Es ist sehr ärgerlich und unglücklich verlaufen.«

Nach dem Ausgleich war die Partie offen, doch keine Mannschaft ging mehr voll ins Risiko. »Am Ende haben wir nicht mehr so zwingend nach vorne gespielt, wie man es hätte machen müssen, wenn du hier noch 3:2 gewinnen möchtest«, gab Hecking zu. Da Wolfsburg vor allem durch Standards gefährlich blieb, lag der Fokus auf der Defensive. »Letztendlich haben wir es gut verteidigt«, meinte Hecking. »Mit dem Punkt kann ich gut leben.«

»Vom Gefühl her bin ich so fit, dass ich es mir zugetraut hätte«

Seine Mannschaft zeigte sich deutlich stabiler als vor Wochenfrist bei der Hertha. »Das war ein gravierender Unterschied zum Spiel in Berlin«, befand Patrick Herrmann. Die nominellen Außenstürmer ließen sich tief fallen, dazu zog sich Zakaria immer wieder zurück, so dass es im Mittelfeld sehr eng für Wolfsburg wurde.

Stabilität brachte auch Michael Lang bei seinem Debüt. »Normal hätte ich Jordan Beyer spielen lassen«, sagte Hecking. So ganz sicher war sich der Coach nicht, ob Lang schon die nötige Spielfitness haben würde. Doch der kurzfristige Ausfall von Beyer sorgte für die Lang-Premiere. »Über 70 Minuten war das sehr ordentlich für sein erstes Bundesligaspiel«, konstatierte Hecking. »Er war sehr ballsicher und präsent. Da war ich absolut mit einverstanden.«

Nicht ganz einverstanden war dagegen Jonas Hofmann mit seiner Zwangspause, der zwar mit nach Wolfsburg gereist war, aber aus Gründen der Belastungssteuerung nicht zum 18er-Aufgebot gehörte. Brauchte er wirklich diese Pause? »Nicht unbedingt«, erklärte Hofmann. »Vom Gefühl her bin ich so fit, dass ich es mir zugetraut hätte. Es ist aber die Entscheidung des Trainers.«


von Jan van Leeuwen und Marc Basten

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