Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 3:2 (1:0)

In vielen Belangen ein wertvoller Sieg für Borussia

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Die Zusammenarbeit passte bei der Borussia gegen Augsburg (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Das 3:2 von Borussia Mönchengladbach über den FC Augsburg war kein Glanzstück, aber ein verdienter und immens wichtiger Sieg im Abstiegskampf. Dass es Luft nach oben gibt, erklärt sich von selbst und das zeigt auch die Einzelkritik.

Yann Sommer: Obwohl er keinesfalls beschäftigungslos war, hatte Sommer diesmal nicht die Gelegenheit, sich wirklich auszuzeichnen. Richtig knifflig war lediglich der Flugkopfball von Hahn, bei dem er schnell reagierte. Die anderen Aufgaben waren überschaubar und keine wirklichen Herausforderungen. Sommer machte einen soliden Job, packte zu und auch bei hohen bzw. langen Bällen war er auf dem Posten. Den zweiten Hahn-Kopfball konnte er nur regungslos auf seinem Weg am Tor vorbei verfolgen, ebenso hatte er beim Finnbogason-Treffer in der Nachspielzeit nichts zu bestellen. Beim ersten Augsburger Tor war er noch leicht dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern. Bis auf einen etwas panisch in die Mitte geschlagenen Ball waren auch die Abschläge des 33-Jährigen in Ordnung. Note 3,0.

Matthias Ginter: Wie schon in Bielefeld der aktivste der drei ‘Kettenspieler’. Der 28-Jährige rückte oft auf und war der Aufbauspieler, wenn sich nicht einer der Sechser darum kümmerte. Ginter spielte ein paar richtig gute Bälle - u.a. eine starke Verlagerung auf Bensebaini. Zwei, drei Pässe waren etwas fahrig. Im Defensivzweikampf hatte der Nationalspieler etwas Mühe, konnte sich aber letztlich - bis auf Hahns erste Kopfballchance - in den wichtigen Duellen behaupten. Mit einem unsauberen Schlag aus dem eigenen Strafraum leitete er unfreiwillig den ersten Augsburger Treffer ein, bei dem er zunächst gegen Vargas nicht klären konnte und schließlich auch den Schuss von Iago nicht mehr von der Linie kratzen konnte. Vor dem zweiten Augsburger Tor war Ginter rausgerückt, verlor aber den entscheidenden Zweikampf. Note 3,0.

Marvin Friedrich: Begann mit einem Querschläger im Aufbau gegen Gregoritsch, als er zu lange gewartet hatte. Das blieb jedoch die einzige Unachtsamkeit des Ex-Unioners, der wieder zentral in der Dreierkette spielte. Er war sehr stabil in den Zweikämpfen, die er ohne Schnörkel und sehr seriös bestritt. Klasse, wie er innerhalb weniger Momente erst gegen Gregoritsch resolut eine Konterchance vereitelte und dann knallhart gegen Niederlechner klärte. Mit solch klaren und kompromisslosen Duellen verschafft man sich Respekt. Beim zweiten Augsburger Tor war er zwar in der Nähe, hatte aber Finnbogason überhaupt nicht auf dem Schirm. Im Spielaufbau war der 26-Jährige erneut kein nennenswerter Faktor - er beschränkte sich zumeist auf den risikolosen Pass. Note 3,0.

Nico Elvedi: Nach den vielen Schlafmützigkeiten in den letzten Wochen wartete der Schweizer diesmal mit einer soliden Vorstellung auf. Einmal war er zu zögerlich gegen Vargas und konnte sich bei Plea bedanken, der die Situation bereinigte und nach der Pause eröffnete er den Gästen mit einem panikartigen Kopfball eine Konterchance. Darüber hinaus machte es der 25-Jährige weitestgehend ordentlich - zwei-, dreimal kam er gut vor den Gegenspieler und klärte. Im Spielaufbau war er zeitweise ein wenig risikofreudiger unterwegs als üblich. In der Schlussphase sah Elvedi Gelb für ein Foul im Mittelfeld. Note 3,5.

Stefan Lainer: Lief wieder unermüdlich die rechte Bahn auf und ab. Der Eifer des Österreichers war vorbildlich, an der Umsetzung scheiden sich einmal mehr die Geister. Einerseits sind Willen und Einsatzbereitschaft herausragend, andererseits ist die fußballerische Limitiertheit im Offensivspiel ein Manko. Bezeichnend für Lainers Spiel war eine Aktion kurz nach der Pause, als er seinen technischen Fehler bei der Ballannahme mit einem beherzten Ballgewinn wieder wett machte. Ein einfacher Ballverlust des 28-Jährigen ermöglichte die erste Hahn-Chance, beim zweiten Kopfball von Hahn kam Lainer einen Schritt zu spät. Dafür war er bei mehreren Gladbacher Gelegenheiten im Vorfeld involviert - u.a. bei der Embolo-Chance (25.) oder beim 3:1, als er auf Assistgeber Neuhaus ablegte. Fünf Minuten vor dem Ende räumte er das Feld für Herrmann. Note 3,5.

Manu Koné: Mit Licht und Schatten in seinem Spiel. Einige sehr gute Ballgewinne wechselten sich mit lässigen Aktionen ab. So resultierte aus einem einfachen Ballverlust von Koné die Chance für Hahn in der 18. Minute. In zwei, drei Situationen spielte er mit dem Feuer, doch es ging gut. Dennoch würde dem 20-Jährigen insgesamt etwas mehr Klarheit in der Spielfortsetzung gut tun. Die Ansätze waren jedenfalls auch gegen Augsburg vielversprechend. Bei seinem Tor machte er vom Laufweg bis hin zum Kopfballwischer alles richtig. Das 2:0 bereitete er als Doppelpasspartner für Bensebaini mit vor. Bei seiner eigenen Möglichkeit in der 23. Minute schoss er in Rücklage über den Kasten. In der 85. Minute machte er Platz für Kramer. Note 3,0.

Florian Neuhaus: Durfte - oder musste - wieder als zweiter Sechser ran. Diese Aufgabe nahm der 24-Jährige an, selbst wenn er in dem einen oder anderen Duell eben nicht die Standfestigkeit an den Tag legte, die ein Sechser eigentlich benötigt. Dafür war er in der Spieleröffnung aus der Tiefe ein belebendes Element mit einigen feinen und klugen Pässen. Auch wenn er drei- oder viermal etwas arg lässig spielte, so war seine Kreativität im Offensivspiel ein wichtiger Faktor. Sein Ballgewinn gegen Dorsch führte zur ersten Chance von Hofmann, kurz darauf kam er im Strafraum zu Fall, als er von Gouweleeuw kurz gehalten wurde. Nach 13 Minuten zirkelte Neuhaus einen freien Schuss ans Außennetz, mit seiner butterweichen Flanke lieferte er den Assist für das 3:1 und in der Schlussphase scheiterte er nach Plea-Zuspiel alleine vor dem Augsburger Keeper. Note 3,0.

Ramy Bensebaini: War auf seiner Seite von Beginn an ein Aktivposten auf dem Weg nach vorne. Hier und da agierte der Algerier etwas kopflos, aber er war gleichzeitig ein schwer auszurechnender Unruheherd für die Augsburger. So bereitete er mit seinem angetäuschten Schuss und der Weiterleitung auf Plea den Führungstreffer mit vor und beim zweiten Tor war er mit seiner Vorarbeit entscheidend beteiligt, als er den Ball von der Grundlinie mustergültig für Hofmann servierte. Defensiv war der 26-Jährige nicht immer auf der Höhe - so ließ er Framberger zweimal zu einfach für Hahn flanken. Fünf Minuten vor Schluss wurde Bensebaini von Netz abgelöst. Note 2,5.

Jonas Hofmann: Als ‘rechter Zehner’ wieder mit einem großen Aktionsradius. Er ließ sich zurückfallen, wich auf die Flügel aus und machte seine Läufe in die Tiefe. Der Nationalspieler hatte die erste Torchance, als er von halbrechts abschloss, den Ball aber nicht voll traf. Die Neuhaus-Chance bereitete er mit einer klugen Ablage vor, nachdem sein eigener Schuss zuvor geblockt wurde. Hofmann lief über 12 Kilometer und harmonierte gut mit Plea. Bei seinem Treffer zum 2:0 schloss er überlegt und sauber per Direktabnahme aus elf Metern ab. Auch an der Entstehung des dritten Gladbacher Tores war Hofmann mit seinem Rückpass auf Lainer beteiligt. In der zweiten Minute der Nachspielzeit legte der 29-Jährige für Thuram auf. Eher durchschnittlich waren Hofmanns Standards - die kamen schon mal gefährlicher. Note 2,5.

Alassane Plea: Borussias bester Mann an diesem Nachmittag. Der Franzose überzeugte in der Rolle als zweiter Zehner mit spielerischer Intelligenz, aber auch großer Laufbereitschaft. So rettete er bei einem Augsburger Angriff am eigenen Fünfer gegen Gregoritsch und mehrfach ging er weit mit zurück und führte Zweikämpfe mit großer Bissigkeit. Große Klasse, wie er mit Dynamik und Technik mehrere Angriffe gestaltete. So bereitete er Hofmanns erste Chance vor, der Direktpass auf Embolo zu dessen großer Möglichkeit kam von Plea und die Lupfer-Flanke auf Koné zum 1:0 war perfekt. Mit seinem öffnenden Pass auf Hofmann ebnete der 28-Jährige den Weg zum dritten Gladbacher Tor. In der 89. Minute scheiterte Plea mit seinem Schuss an Gikiewicz, spielte aber unmittelbar darauf einen perfekten Steckpass auf Neuhaus. In der ersten Minute der Nachspielzeit verließ er den Platz für Scally. Note 2,0.

Breel Embolo: War der einzige Gladbacher, der an diesem Nachmittag enttäuschte. Der Schweizer war als einzige Spitze nahezu ein Ausfall. Mit einer ganz schlechten Ballannahme im Strafraum machte er sich eine vielversprechende Chance selbst zunichte (19.) und als er kurz darauf nach dem Blitzpass von Plea halbrechts im Sechzehner die gute Möglichkeit bekam, missglückte sein Versuch, den Ball per Außenrist am Torwart vorbei zu spitzeln. Bis auf zwei, drei Aktionen, in denen er die Augsburger Aufbauspieler mit Körperkontakt unter Druck setzte, trug der Schweizer nichts bei. Er schaffte es nur selten, Bälle zu sichern und agierte mehrfach unglücklich - u.a. ‘klaute’ er einmal dem besser postierten Lainer den Ball, um diesen dann gleich wieder zu verlieren. Zehn Minuten vor dem Ende wurde der 24-Jährige durch Thuram ersetzt. Note 4,5.

Marcus Thuram (80. Minute für Embolo): Versuchte sich als zentrale Spitze und hatte in der Nachspielzeit noch einen Abschluss, als er den Ball nach Hofmann-Zuspiel bedrängt von Oxford über das Tor schoss. Ohne Note.

Patrick Herrmann (85. Minute für Lainer): Übernahm die Lainer-Position auf rechts und startete mit einem guten Lauf an der Seitenlinie entlang nach vorne. Einen schmerzhaften Tritt musste er an seinem 31. Geburtstag einstecken und in der Nachspielzeit, als Scally kam, rückte er für die verbleibenden Minuten auf die linke Seite. Ohne Note.

Christoph Kramer (85. Minute für Koné): Borussias Erfolgsgarant - zuletzt stand er beim Sieg in München auf dem Platz, nun beim Sieg gegen Augsburg. Die Corona-Infektion hat Kramer hinter sich und in den letzten Minuten der Partie konnte er etwas Spielpraxis sammeln. Bei der Neuhaus-Chance am Ende war Kramer mit seiner Ablage auf Plea involviert. Ohne Note.

Luca Netz (85. Minute für Bensebaini): Konnte in den wenigen Minuten nicht auf sich aufmerksam machen. Ein Fehlpass des Youngsters ermöglichte Augsburg noch den letzten Angriff des Spiels. Ohne Note.

Joe Scally (90.+1 für Plea): Durfte noch ein paar Minuten mitlaufen - ohne dabei den Ball zu berühren. Das Zuspiel auf Finnbogason vor dem 2:3 konnte er nicht blocken. Ohne Note.


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