Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - VfL Bochum 2:1 (2:0)

Ein verdienter Sieg mit unnötiger Spannung zum Schluss

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Der Herrscher im Gladbacher Mittelfeld - Denis Zakaria (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Der wichtige Heimsieg von Borussia Mönchengladbach über den VfL Bochum war völlig verdient, auch wenn er am Ende nochmal in Gefahr geriet. Die Borussen ließen nach der Pause zu sehr nach. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Hatte bei seinem 300. Pflichtspiel für die Borussia zunächst fast gar nichts zu tun. Ein Kopfball von Polter im ersten Durchgang stellte kein Problem dar. Sommer spielte nach der Pause ein paar richtig gute Pässe durch die Mitte, als der Raum dafür vorhanden war. In der 70. Minute lenkte der 32-Jährige einen Schuss von Asano über die Latte und bekam in der Schlussphase mehr zu tun, als erwartet. Der Freistoßtreffer von Blum war stark geschossen, dennoch war Sommer nicht ganz schuldlos. Dafür sicherte der Schweizer den Sieg, in dem er in der Nachspielzeit mit seinem Knie den sicher geglaubten Ausgleichstreffer verhinderte. Note 2,5.

Joe Scally: Als Rechtsverteidiger in der Viererkette aufgeboten, servierte er mit einer schön angeschnittenen Flanke für Plea zum Führungstreffer. Auch am zweiten Tor war er mit dem Einwurf auf Stindl beteiligt und nach der Pause hätte Koné fast die Scally-Hereingabe im Rutschen zum 3:0 verwertet. Auf dem Weg nach vorne machte es Scally trotz einiger Fehlpässe ordentlich, in der Defensive hatte er ein paar Probleme, weil er – wie Bensebaini auf links – auf sich allein gestellt war. Das führte dazu, dass der 18-Jährige einige Male zu weit weg vom Gegenspieler war und die Bochumer Raum zum Kontern hatten. Ein Ballverlust von Scally führte zur ersten Chance für die Gäste, welche aber verdaddelt wurde. Bei der Großchance der Bochumer ganz am Ende konnte Scally die Kopfballverlängerung auf den Schützen Pantovic nicht verhindern. Note 3,5.

Matthias Ginter: Hatte eine gute Chance nach einer Hofmann-Ecke in der Anfangsphase, konnte den Kopfball aber nicht genau genug platzieren. Bei der Entstehung des ersten Treffers konnte man deutlich erkennen, dass Ginter Scally nach außen beorderte, der auch prompt von Hofmann den Ball bekam und flanken konnte. Ginter schlug mindestens drei sehenswerte Verlagerungsbälle, die präzise ankamen. Im Zweikampfverhalten war der 27-Jährige sehr stabil und verlor kein Duell. In der Endphase, als die Borussen wackelten, war auch Ginter nicht immer auf der Höhe – ein nennenswerter Fehler unterlief ihm aber nicht. Note 2,5.

Nico Elvedi: Verlebte vor der Pause einen relativ ruhigen Abend, weil die Bochumer nicht viel zustande brachten. Nach einer guten halben Stunde setzte sich Polter im Kopfballduell gegen Elvedi durch, köpfte aber genau auf Sommer. Mit Polter hatte der Schweizer auch kurz nach Wiederanpfiff seine Probleme, als er zunächst im Laufduell abgedrängt wurde, die Situation aber dann selbst mit einem geschickten Zweikampf bereinigte und den Ball im Spiel hielt. Wenige Augenblicke später klärte Elvedi nochmals aufmerksam bei einer Hereingabe vor Polter. In der insgesamt etwas schludrigen Phase der Borussia unterliefen auch dem 25-Jährigen zwei leichte Fehlpässe. Note 3,0.

Ramy Bensebaini: Als Linksverteidiger in der Viererkette aufgeboten, entwickelte der Algerier von Beginn an seinen bekannten Offensivdrang. Da er die linke Seite offensiv wie defensiv alleine bearbeitete, war er bei Gladbacher Ballverlusten auf dem Weg nach vorne einige Male nicht schnell genug hinten, so dass die Bochumer – genauso wie auf dem rechten Flügel – einigen Raum vorfanden. Bensebaini haderte etwas mit den Fehlern der Kollegen und der ausbleibenden Hilfestellung. Der 26-Jährige hatte allerdings selbst auch einige Ungenauigkeiten im Repertoire und lief in der Endphase auf Reserve. Bensebaini setzte zwar noch den Seitfallzieher beim anschließenden Abseitstor an den Pfosten, leistete sich in der Nachspielzeit aber auch noch ein sehr ärgerliches Foul in gefährlicher Position. Eine Einwechslung von Netz wäre eigentlich naheliegend gewesen, doch Bensebaini spielte durch. Note 3,5.

Denis Zakaria: Gefiel erneut als ‚Herrscher‘ im defensiven Mittelfeld, wo die Abstimmung mit Koné immer besser passt. Zakaria fischte den Bochumern mehrfach den Ball vom Fuß und entwickelte seine ungeheure Dynamik, wenn sich der Raum für seine Antritte ergab. So in der 18. Minute, als er unwiderstehlich anzog, dann aber etwas zu früh auf Embolo passte. Kurz vor dem Seitenwechsel setzte der Schweizer einen Flachschuss zwei Meter am Tor vorbei. In der Defensive konnte er einige Male seine Schnelligkeit ausspielen – so fing er bei einem Bochumer Konter in der 43. Minute ganz hervorragend ein Zuspiel in den Strafraum ab. Auch nach der Pause mit großem Aktionsradius, allerdings machte es in der Schlussviertelstunde den Eindruck, als ob ihm der mittlerweile ausgewechselte Koné fehlen würde. Note 2,5.

Manu Koné: Nach seiner Gala gegen die Bayern, als er teilweise wie aufgedreht agierte, diesmal mit einer bodenständigen Vorstellung. Der Franzose suchte, wann immer es ging, die Vertikallösungen, übertrieb es aber nicht und handelte routiniert und besonnen. Bei der Balleroberung war der 20-Jährige konzentriert und bissig. Nach der Pause wäre er bei der Hereingabe von Scally zur Stelle gewesen, um das 3:0 zu erzielen, doch ein Bochumer verteidigte gut. Nach 69 Minuten machte er Platz für Neuhaus. Ob es Zufall war, dass der Zugriff im Mittelfeld nach seiner Auswechslung fehlte? Note 3,0.

Jonas Hofmann: In der offensiven Dreierreihe orientierte er sich gegen den Ball auf die halbrechte Seite, bei eigenem Ballbesitz flitzte Hofmann überall herum. An der Entstehung des 1:0 war er mit seinem direkten Zuspiel auf Flankengeber Scally beteiligt, das 2:0 erzielte er selbst. Da lief Hofmann gut durch und hatte schließlich nur zwei Optionen: treffen oder abspielen. Er hat aus spitzem Winkel getroffen – aber wenn nicht, hätte er sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, nicht auf Embolo in der Mitte abgespielt zu haben. Hofmanns Sprints in die Schnittstellen waren hervorragend und sorgten auch dann für Verwirrung und Unruhe, wenn er den Ball nicht zugespielt bekam. In der zweiten Halbzeit sprintete er nach Plea-Pass richtig gut in den Raum und umkurvte den Torwart, wobei er da ein wenig zu weit nach links abgedrängt wurde, so dass Soares Hofmanns Linksschuss noch mit dem Kopf klären konnte. Einige Standards verpufften, weil Hofmann die Bälle ungewohnt sanft herein schaufelte. Note 2,5.

Lars Stindl: Wie gewohnt mit großem Lauf- und Aktionsradius in der Dreierreihe hinter Embolo. Ein paar Mal wurde es sehr eng, weil alle drei Borussen in die Mitte drängten und Stindl zudem stets Losilla als ‚Klette‘ an den Hacken kleben hatte. Dennoch beteiligte sich der Kapitän an mehreren Kombinationen. Ein paar Versuche missglückten, aber die Ideen dahinter waren gut. Den Weg zum 2:0 ebnete Stindl nach dem Einwurf mit seinem langen Schlag in den Lauf von Plea. Im zweiten Durchgang setzte er Plea gut in Szene - der das Ziel knapp verfehlte. Als Stindl nach 69 Minuten den Platz verließ, lief nach vorne nicht mehr viel – das dürfte auch mit seiner Auswechslung zusammenhängen. Note 3,0.

Alassane Plea: Nominell auf halblinks hinter dem zentralen Stürmer Embolo aufgeboten, zog es den Franzosen oft in die Mitte. Er zeigte sich sowohl in hängender Rolle als Gestalter, als auch als Dribbler, der im Bochumer Abwehrverbund für Unruhe sorgte. Sein Kopfballtor erzielte er in klassischer Mittelstürmermanier. Etwas später kam Plea nach Embolo-Zuspiel im Strafraum einen Tick zu spät, als er mit einer Hochrisikogrätsche im letzten Moment noch so gerade regelkonform abgeräumt wurde. Vor dem 2:0 erfasste er die Situation bei Stindls langem Schlag blitzschnell, behauptete den Ball stark und spielte dann diesen perfekten feinfühligen Pass in den Lauf von Hofmann. Nach der Pause zielte er nach Stindl-Zuspiel flach ganz knapp am Tor vorbei und sein Pass zur Hofmann-Chance war ebenfalls erste Sahne. Mit diesem Auftritt, der nach 82 Minuten endete, hat Plea definitiv Pluspunkte gesammelt. Note 1,5.

Breel Embolo: Bochum ist nicht Bayern – das musste der Schweizer nach seinem fulminanten Auftritt im Pokal erkennen. Er hatte nicht viel Raum und konnte nur selten mit Wucht anlaufen, zweimal brachte er sich zudem selbst aus dem Tritt. Aber der Schweizer war bemüht, suchte die Zweikämpfe, zog fünf Fouls und ‚besorgte‘ Masovic die Gelbe Karte. Nach dem großartigen Zakaria-Antritt hatte Embolos Pass auf Plea nicht genug Fahrt, so dass dieser noch entscheidend gestört werden konnte. Beim Bensebaini-Pfostenschuss stand Embolo im Abseits. Dennoch bemerkenswert, dass er den Rebound aus zwei Metern vergab. Note 4,0.

Florian Neuhaus (69. Minute für Koné): Führte sich mit einem Dribbling im eigenen Strafraum ein, bei dem sein Wendekreis zu groß geraten war und prompt zu einem gefährlichen Ballverlust führte. Vorne gab er nach einer feinen Bewegung bei der Ballmitnahme einen Schuss von der Strafraumgrenze ab, dem es letztlich an Wucht fehlte. Ansonsten konnte sich der Nationalspieler nicht in Szene setzen und war auch in der Defensive keine wirkliche Hilfe. Ohne Note.

Marcus Thuram (69. Minute für Stindl): Erzielte aus dem Getümmel heraus ein Tor, welches wegen der vorangegangenen Abseitsstellung von Embolo aber nicht anerkannt wurde. Ansonsten fiel Thuram nicht sonderlich auf und es ist offensichtlich, dass er noch etwas braucht, bis er wieder der Alte ist. Ohne Note.

Hannes Wolf (82. Minute für Plea): Auch der dritte Einwechselspieler war keine Bereicherung – im Gegenteil. Im Übereifer beging Wolf das unnötige Foulspiel vor dem Anschlusstreffer. Er sah Gelb, später missglückte noch eine Ballannahme und bei einem Befreiungsangriff unterlief ihm ein Ballverlust. Ohne Note.

 


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