Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - VfB Stuttgart 1:1 (1:1)

Am Ende war es zu wenig für den Heimsieg

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Erneut mit einer stabilen Leistung - Denis Zakaria gegen den VfB Stuttgart (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach muss sich mit dem Remis gegen den VfB Stuttgart begnügen. Es war mehr drin für die Fohlenelf, doch unter dem Strich erspielte man sich zu wenig klare Chancen, um den Heimsieg zu fixieren. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Verlebte einen ruhigen, aber letztlich unbefriedigenden Abend im Borussia-Park. Der erste Schuss auf seinen Kasten war gleich drin. Einen Vorwurf kann man dem 32-Jährigen nur bedingt machen. Möglicherweise wäre ein Zwischenschritt möglich gewesen, aber im Grunde genommen waren es wohl ein paar Zentimeter Körperlänge, die dem Goalie fehlten. Ansonsten bekam der Schweizer erst in der Schlussphase etwas zu tun, was er souverän erledigte. Im Spielaufbau mit etwas Streuung – ein Pass in Richtung Koné war unnötig riskant. Note 3,0.

Matthias Ginter: Ein auffälliges Spiel als rechter Mann in der Dreierkette. Vor allem, weil er sich – nachdem Stuttgart das anfängliche Pressing aufgegeben hatte und sich zurückzog – immer wieder mit nach vorne schob. Sein Schuss von der rechten Strafraumecke flog knapp am Tor vorbei, zu Beginn der zweiten Halbzeit eroberte er den Ball stark und trieb ihn dann nach vorne. Kurz darauf setzte er Hofmann mit einem schönen Zuspiel ein, ehe er es mit einem Schuss probierte, der zur Vorlage für den etwas überraschten Stindl geriet. Defensiv arbeitete der 27-Jährige konsequent – in der Anfangsphase erhielt er Szenenapplaus für eine gelungene Grätsche im Mittelfeld. Schwach war dagegen sein Freistoß in der 88. Minute, den er von der Strafraumgrenze über das Tor löffelte. Note 2,5.

Nico Elvedi: Wieder als zentraler Mann der Abwehrkette aufgeboten, machte der Schweizer ein seriöses, aber weitestgehend unauffälliges Spiel. Das hatte natürlich auch mit der Übersichtlichkeit der Stuttgarter Angriffsbemühungen zu tun. Im Spielaufbau unter Druck hatte Elvedi zwei, drei Wackler und als er einmal über die Mittellinie kam, wirkte er richtiggehend ängstlich. Ansonsten spulte er sein Programm ungerührt ab. Im ersten Durchgang rückte der 25-Jährige einmal rechts an die Mittellinie, um zu klären, wurde aber überlaufen. Zakaria bereinigte die Situation. Note 3,0.

Jordan Beyer: Erneut links in der Dreierkette agierend. Er lieferte sich ein paar Laufduelle mit Coulibaly, bei denen er vom Tempo her mithalten konnte. Anfang der zweiten Halbzeit gewann Beyer zwei wichtige Zweikämpfe und verhinderte so aufkommende Gefahr. Vorne mischte der 21-Jährige nach Standards im Strafraum mit und hatte drei Halbchancen, u.a. ein Kopfball nach Hofmann-Ecke. Beim Passspiel machte es Beyer sehr ordentlich und blieb fast fehlerlos. In zwei, drei Situationen schaltete er zu spät - so wie beim Querpass von Koné, woraus Coulibalys ‚Lupfer-Chance‘ resultierte. Bei der einzig nennenswerten VfB-Chance im zweiten Durchgang ließ Beyer Führich etwas zu einfach durchlaufen. Note 3,5.

Joe Scally: Auf der rechten Seite mit einer stabilen und reifen Leistung. Er agierte sehr überlegt und spielte sichere Pässe (94% Passquote). Dafür hielt sich der US-Boy diesmal mit draufgängerischen Risikoaktionen zurück. Erstaunlich, wie robust er im Zweikampf dagegenhielt und auch unter Druck nicht kopflos agierte. Als Netz nach etwas mehr als einer Stunde den Platz verließ, rückte Scally auf die linke Seite. Dort tauchte er dann etwas ab. In der 81. Minute wurde er von Bennetts abgelöst. Note 3,0.

Manu Koné: Stand zum dritten Mal in Folge in der Startelf. Die Raum- und Aufgabenteilung mit Zakaria klappt immer besser. Der Franzose hatte die erste Torchance, sein Schuss von der Strafraumgrenze flog knapp über den Querbalken. Nach zehn Minuten im zweiten Durchgang schoss Koné nach einem doppelten Übersteiger erneut über das Tor. Auf dem Weg nach vorne traf der 20-Jährige zwei-, dreimal die falsche Entscheidung, lief zu lange mit Ball und verpasste ein Abspiel. Bei der Defensivarbeit war er bissig und setzte nach, wenn ein Stuttgarter durchbrechen wollte. Glück hatte Koné bei seinem eher halbgaren Querpass in Richtung Beyer, als Coulibaly profitierte, aber nichts aus dem Geschenk machte. Vier Minuten vor dem Ende machte er Platz für Neuhaus. Note 3,0.

Denis Zakaria: Ist mittlerweile die zentrale Figur im Mittelfeld der Borussia. Defensiv als Abfangjäger und Libero vor der Abwehr, am Ball als agiler Antreiber. In mehreren Situationen drehte Zakaria hervorragend auf und entfaltete seine Dynamik. Leider konnte sich der Schweizer in letzter Instanz vor dem gegnerischen Tor nicht durchsetzen. Klasse dagegen seine Ballsicherheit – nur 3 seiner 76 Pässe fanden nicht den eigenen Mitspieler. Note 2,5.

Luca Netz: Wieder links im Mittelfeld unterwegs. Der Youngster machte seine Wege und rückte auch bis ganz nach vorne durch. So wurde sein Torschussversuch fast von der Grundlinie aus spitzem Winkel vom Torwart geblockt, kurz darauf zog er nach Koné-Zuspiel von halblinks flach, aber nicht wuchtig genug ab, so dass Stuttgarts Keeper per Fußbabwehr klären konnte. Darüber hinaus wurde allerdings in mehreren Situationen deutlich, dass es dem 18-Jährigen noch an Handlungsschnelligkeit mangelt. Das zeigte sich sowohl bei Aktionen mit Ball als auch im Defensivzweikampf. Nach 66 Minuten war der Arbeitstag für Netz beendet und Herrmann übernahm. Note 4,0.

Jonas Hofmann: Kam etwas schwer in die Partie und hatte ein paar Situationen, in denen es an der nötigen Körperspannung fehlte. Aber mit zunehmender Spieldauer biss sich der Nationalspieler rein und avancierte einmal mehr zum Schlüsselspieler der Borussia. Mit seinem ‚Querschläger-Schuss‘ erzwang er fast das Eigentor von Mavropanos, drei Minuten vor der Pause verwertete er seine nicht optimale Ballannahme per präzisem und sehenswertem Schuss zum Ausgleich ins lange Eck. Nach der Pause kam Hofmann mehr zentral aus der Tiefe und gerade zu Beginn der zweiten Halbzeit spielte er einige ganz hervorragende Bälle. Situativ startete er mehrfach zu seinen gefährlichen Schnittstellenläufen, wo er allerdings von den Mitspielern nicht erreicht wurde. Hofmanns Standards waren gefährlich und am Ende hatte er mit 12,36 Kilometern mal wieder die größte Distanz zurückgelegt. Note 2,5.

Lars Stindl: Hängt in den letzten Wochen etwas durch, was auch daran liegen mag, dass er aufgrund der zurückgefahrenen Ballzirkulation und des direkteren Spiels in die Spitze weniger eingebunden ist. Der Kapitän war zwar wie gewohnt laufstark und auch bissig in den Zweikämpfen, aber im Kombinationsspiel nur selten ein Faktor. Nach dem Seitenwechsel zunächst mit einer Gelegenheit nach Vorarbeit von Hofmann, aber sein Schuss war nicht scharf genug. Kurz darauf war der 33-Jährige zu überrascht, um den Ginter-Schuss, der zu einer Vorlage geriet, präzise aufs Tor zu bringen. Das war eigentlich eine Großchance. Glück hatte Stindl im ersten Durchgang, dass er nach einem klaren Frustfoul kein Gelb sah. Das war eine Konzessionsentscheidung von Dr. Brych, der zuvor sämtliche taktische Fouls der Stuttgarter durchgewunken hatte. Nach 66 Minuten wurde Stindl von Plea abgelöst. Note 4,0.

Breel Embolo: Konnte die zuletzt gezeigte Form nur in Ansätzen bestätigen. Zwei-, dreimal setzte er sich wuchtig durch, mehrfach blieb er aber am körperlich ebenfalls robusten Marvropanos hängen oder aber Embolo brachte sich mit technischen Fehlern bei der Ballverarbeitung selbst in die Bredouille. Ganz offensichtlich war beim 24-Jährigen nach der langen Verletzungspause und jetzt den vielen Spielen innerhalb kurzer Zeit auch der Tank etwas leer. Wobei sich Embolo in der Schlussphase nochmal zeigte, als er zunächst den Freistoß an der Strafraumgrenze erzwang und in der Nachspielzeit im Infight mit Keeper Bredlow fast noch erfolgreich gewesen wäre. Note 4,0.

Alassane Plea (66. Minute für Stindl): Wirkte motiviert und spritzig und hatte nach einem starken Tempolauf eine Großchance, die Mavropanos im letzten Moment zunichtemachte. Der Franzose hatte weitere vielversprechende Ansätze, doch am Strafraum agierte er mehrfach unglücklich. Bei einem Luftzweikampf wurde Plea böse am Kopf getroffen, spielte nach kurzer Behandlung jedoch weiter. Ohne Note.

Patrick Herrmann (66. Minute für Netz): Rückte auf die rechte Seite und fiel zunächst nur bei der Aktion auf, als er als Balljunge fungierend gleich zweimal einen im Spielfeld herumliegenden Ball wegräumte. Danach hatte er zwei, drei ordentliche Szenen auf dem Weg nach vorne, ohne dass diese letztlich zum Erfolg führten. Hinten erhielt er Szenenapplaus für eine perfekte Grätsche. Herrmann sah noch Gelb für ein taktisches Foul. Ohne Note.

Keanan Bennetts (81. Minute für Scally): Übernahm die Position auf der linken Seite, wirkte aber ausgesprochen orientierungslos. Er konnte sich nicht durchsetzen, spielte mehrere Fehlpässe und holte sich eine Gelbe Karte ab. Ohne Note.

Florian Neuhaus (86. Minute für Koné): Ordnete sich im Mittelfeld ein, konnte sich aber in der kurzen Spielzeit nicht mehr nachhaltig in Szene setzen. Ohne Note.

 


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