Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt 2:3 (1:1)

Auch gegen Frankfurt verloren die Borussen die Kontrolle

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Frust pur bei Alassane Plea und den Gladbacher Borussen (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Erneut drei Gegentore für Borussia Mönchengladbach – der Kontrollverlust wiederholte sich auch gegen Eintracht Frankfurt. Die Mannschaft verteidigt weiter nur unzureichend gemeinsam und rutscht so immer tiefer in den Schlamassel. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Der Schweizer löste Oscar Wendt als ‚Rekord-Ausländer‘ bei Borussia ab, hatte aber wenig Grund, sich darüber zu freuen. Erneut kassierte er zu viele Gegentore, wobei ihn keine direkte Schuld traf. Bei den ersten beiden Treffern war er machtlos, beim dritten Tor rutschte ihm der Schuss von Kamada unter der Hand hindurch. Ansonsten wurde der 32-Jährige kaum geprüft - eine Kostic-Hereingabe fing er gut ab und am Ende war er bei einem Frankfurter Konter zur Stelle. Im Spielaufbau sehr oft eingebunden, was ein Zeichen der Hilflosigkeit der Kollegen war. Von den langen Bällen landeten einige beim Gegner. Note 3,0.

Matthias Ginter: Der rechte Mann in der Dreierkette hatte ein paar Probleme im Positionsspiel, die zunächst keine Folgen hatten, weil Frankfurt offensiv harmlos war. Beim 1:1 hob der Nationalspieler etwas unglücklich das Abseits auf – einen Vorwurf kann man ihm aber nicht machen. Anders verhielt es sich beim 1:2, denn da rückte Ginter raus, unterschätzte den Antritt von Ndicka und beließ es bei einem alibihaften Störungsversuch. Auch beim 1:3 war der Nationalspieler entscheidend involviert. Im Mittelkreis ging er gegen Kamada nicht richtig hin, der ihm nach einem Doppelpass davonlief. Zwar wäre Ginter ganz am Ende fast mit langem Bein noch herangekommen, doch es reichte nicht. In der Schlussphase hatte der 27-Jährige seine besten Szenen in der Offensive. Eine Flanke zum Kopfball von Kramer war gelungen, ebenso wurde sein Kopfball nach Kramer-Flanke gefährlich. Auch Ginters Schuss von der Strafraumgrenze war nicht schlecht, doch Trapp reagierte stark. Note 4,5.

Denis Zakaria: Musste aufgrund des Ausfalls von Elvedi und der Umstellung auf Dreierkette wieder als zentraler Mann in der letzten Reihe ran. Das machte er im ersten Durchgang defensiv ordentlich, wobei er in der Spieleröffnung etwas wackelig agierte. Der ‚Dreickeckaufbau‘ mit Zakaria, Ginter und Sommer war ziemlich einfallslos. Mit seinem völlig unnötigen ‚Harakiri-Dribbling‘ und anschließendem Ballverlust gegen Sow leitete Zakaria das Ausgleichstor ein. Auch beim dritten Gegentor sah der 25-Jährige nicht gut aus, als er aufrückte und den Doppelpass nicht verhindern konnte, wodurch die Mitte komplett geöffnet wurde. Auch mit positiver Zweikampfbilanz und einer Passquote von 94% war es letztlich zu dünn, was Zakaria zeigte. Note 4,5.

Ramy Bensebaini: Links in der Dreierkette aufgeboten, hatte er zunächst wenig Probleme bei den wenig inspirierenden Frankfurter Angriffen. Als es vor dem 1:1 drauf ankam, verteidigte Bensebaini allerdings zu zögerlich und mit zu wenig Druck gegen Passgeber Lindström. Beim zweiten Gegentor versuchte Bensebaini noch zu retten, kam aber nicht mehr hin. Den Elfmeter verwandelte der 26-Jährige eiskalt. Später in Überzahl versuchte der Algerier nochmal eine Schippe draufzupacken, hatte dabei aber ein paar unglückliche Aktionen, so dass er sichtlich mit sich und der Welt haderte. Note 4,5.

Joe Scally: Rechts im Mittelfeld eingesetzt, hatte er in der Rückwärtsbewegung die wenig dankbare Aufgabe, sich um Kostic zu kümmern. Das machte der US-Amerikaner bis auf wenige Ausnahmen recht ordentlich. Auf dem Weg nach nach vorne zunächst mit einem guten Lauf und der überlegten Kopfballablage auf Neuhaus vor dem 1:0. Im weiteren Verlauf fehlte ihm - bei allem löblichen Engagement – zusehends die Bindung. Auch die Zweikampfführung des 18-Jährigen war nicht optimal. Beim dritten Gegentor musste er gegen Kamada zurückziehen, weil er einen Elfmeter bzw. möglicherweise sogar eine Notbremse riskiert hätte. In der 76. Minute machte er Platz für Herrmann. Note 4,5.

Manu Koné: Machte ein ordentliches Spiel und war der beste Gladbacher Feldspieler an diesem Abend. Der Franzose agierte relativ unbeeindruckt von der Gesamtsituation und traute sich etwas zu. So war die Einleitung des Angriffs vor dem 1:0 sehr stark, als er sich behauptete und dann Netz in Szene setze. In zwei, drei weiteren Situationen deutete der 20-Jährige an, wozu er fähig ist. Auch der Move in den Sechzehner, bei dem er den Elfmeter herausholte, war sehr gut. Koné sah die 5. Gelbe Karte und wird damit im letzten Spiel des Jahres gegen Hoffenheim fehlen. Note 3,0.

László Bénes: Kam erstmals seit einem Jahr wieder zu einem Startelfeinsatz in der Bundesliga. Zu Beginn hatte der Slowake einige gute Szenen mit dem Ball und wusste auch mit der einen oder anderen Balleroberung zu gefallen. Des Weiteren musste er einen schmerzhaften Tritt einstecken. Mit zunehmender Spieldauer wurden seine Aktionen weniger und in der starken Frankfurter Phase nach der Pause sah auch Bénes kein Land. Vor dem 1:2 hatte er zunächst Sow im Blick und erkannte die Gefahr zu spät, so dass er nicht mehr rechtzeitig gegen Lindström nachrücken konnte. Nach 64 Minuten wurde der 24-Jährige von Thuram abgelöst. Note 4,0.

Luca Netz: Der 18-Jährige spielte auf der linken Seite im Mittelfeld und erwischte einen guten Start, als er mit seiner Flanke auf Scally den Führungstreffer mit vorbereitete. Auch etwas später behauptete er sich bei einem Angriff sehenswert. In einigen Situationen war Netz robust und konnte sich durchsetzen, hier und da ließ er sich allerdings auch etwas einfach den Schneid abkaufen. Beim zweiten Gegentor traf den Ex-Berliner eine Mitschuld, weil er den Torschützen eigentlich klar auf dem Schirm hatte, aber erst reagierte, als es zu spät war. Am Ende war Netz platt und wurde von Krämpfen geplagt – in der 89. Minute durfte er runter und Bennetts kam. Note 4,0.

Florian Neuhaus: Begann mit einem unbedrängten Fehlpass ins Seitenaus, zeigte dann aber bei seinem Tor seine Klasse, als er den Ball stark verarbeitete und trocken vollendete. In der Folgezeit wechselten Licht und Schatten beim 24-Jährigen. Er spielte einige gute Pässe und hatte ein paar vernünftige Ideen – auch wenn er diese nicht immer umsetzen konnte. Aber er hatte auch wieder einige dieser unpassend lässigen Aktionen im Repertoire, die gerade in diesen Krisenzeiten extrem nerven. Vor dem 1:1 versuchte Neuhaus im eigenen Strafraum noch mit langem Bein zu retten, kam aber nicht mehr hin. In der Phase nach der Pause, als Borussia taumelte, war von Neuhaus nichts zu sehen. Nach 64 Minuten räumte er seinen Platz für Kramer. Note 4,0.

Alassane Plea: Brachte sich in etwas hängender Rolle immer mal wieder in Position und versuchte sich im Kombinationsspiel. Einige gute Ideen des Franzosen verpufften, weil der Ball noch irgendwo hängenblieb. Er hatte eine gute Schussmöglichkeit, rutschte aber aus und verzog. Sein Schuss aufs kurze Eck war neben dem Treffer von Neuhaus die einzige nennenswerte Chance der Borussen im ersten Durchgang. Phasenweise tauchte der 28-Jährige ab und fand überhaupt keine Bindung. Erst in der Schlusssequenz, als die Borussen vehement alles nach vorne warfen, hatte er wieder einige Aktionen. Ein Abschluss wollte ihm aber nicht gelingen. Note 4,0.

Breel Embolo: Versuchte sich in vorderster Front zu behaupten, hatte aber seine besten Szenen, als er im Mittelfeld den Ball sicherte und weiterspielte, obwohl er grenzwertig angegangen wurde. Embolo selbst sah eine eher fragwürdige Gelbe Karte. Seine Körperlichkeit im Zweikampf konnte allerdings nicht die Stockfehler aufwiegen, die sich immer wieder einschlichen. Zu einem richtigen Abschluss kam der Schweizer auch in der Endphase in Überzahl nicht. Wie schon in Leipzig macht der Blick auf die Laufleistung des 24-Jährigen stutzig: Die 8,36 Kilometer waren erneut weit unter dem Durchschnitt. Note 4,0.

Markus Thuram (65. Minute für Neuhaus): Wirkte etwas stabiler und griffiger als zuletzt, obwohl er von da Costas Fuß im Gesicht erwischt wurde. Der Franzose war ein paar Mal gefährlich vor dem Tor, doch zu einer Großchance kam er nicht. Ohne Note.

Christoph Kramer (65. Minute für Bénes): Gab sein Comeback und führte sich zunächst gestenreich ein, um die Bälle zu fordern – und spielte Sicherheitspässe. Doch dann legte der 30-Jährige auch den Vorwärtsgang ein. Er hatte eine Kopfballchance nach Ginter-Flanke, als er den Ball nicht platzieren konnte. Seine Flanke von links zum Kopfball von Ginter war gelungen. Ohne Note.

Patrick Herrmann (76. Minute für Scally): Hängte sich mit dem ihm bekannten Engagement rein, wobei er ein, zwei eher unglückliche Situationen hatte. Er war vielbeschäftigt mit Standards, wobei die nicht schlecht kamen – aber eben auch nicht richtig gut. In der Nachspielzeit hatte Herrmann von halbrechts die Ausgleichschance mit einem wuchtigen Schuss, doch Trapp parierte. Ohne Note.

Keanan Bennetts (89. Minute für Netz): Hatte in der kurzen Spielzeit zwei Ballkontakte, dazu unterlief ihm ein Foul, als er sich etwas zu ungestüm einsetzte. Ohne Note.

 


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