Sommerpause in der Schwebe

Die große Ungewissheit vor der neuen Saison

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'Ohne Fans' - nicht gewollt, aber wohl auch in der neuen Saison Realität (Foto: Poolfotos/Fohlenfoto/Norbert Jansen)

Borussia Mönchengladbach hat die ‘Corona-Saison’ sportlich erfolgreich beendet und ist finanziell bislang mit einem blauen Auge davon gekommen. Dennoch besteht eine große Ungewissheit, wie es weitergeht in der neuen Saison.

Über großen finanziellen Spielraum für Transfers verfügt Borussia Mönchengladbach aufgrund der Corona-Einbußen trotz des Einzugs in die Champions League nicht. Das machte Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers zuletzt nochmals deutlich. Zum einen, um bei den Fans keine unrealistischen Erwartungen zu wecken, zum anderen aber auch, um auf dem Markt nicht als Player mit dicker Brieftasche gesehen zu werden. Das macht bekanntlich die Preise kaputt.

Dass die Borussen einerseits die Leistungsträger halten und andererseits den Kader für die Champions League qualitativ ergänzen wollen, ist klar. Doch weil die Lage für alle Klubs angesichts der weiterhin unabsehbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie völlig offen ist, gestaltet sich die Kaderplanung schwerer denn je. Ob es beispielsweise noch ‘unmoralische Angebote’ für Zakaria & Co geben wird, bei denen Borussia schlichtweg nicht abwinken kann, ist nicht abzusehen.

Jede Krise bringt neben Risiken auch Chancen mit sich

Wobei jede Krise neben Risiken auch Chancen mit sich bringt. Für einen solide geführten Klub wie Borussia, der noch dazu in der Champions League spielt, könnten sich einige Türen öffnen. Es werden definitiv Spieler auf den Markt kommen, die bislang vom Gehaltsgefüge her als unerschwinglich galten, aber aufgrund der veränderten Gesamtsituation nunmehr auch für Borussia darstellbar wären.

Insoweit könnte die Transferperiode also durchaus interessant werden und in der Gerüchteküche dürfte es im Sommer den Umständen zum Trotz wie immer heiß hergehen. Klar ist aber auch, dass insgesamt eine große Ungewissheit vor der neuen Saison herrscht. Corona ist noch nicht vorbei, auch wenn es mancherorts so wirkt. Statt der erhofften weiteren Lockerungen könnte es auch anders laufen und sich die Rahmenbedingungen nicht nur für den Fußball komplett verändern.

Es wird unweigerlich eine Distanzierung stattfinden

Und selbst wenn es weiter in Richtung ‘Normalität’ geht, werden die Schritte klein sein. Nicht von ungefähr geht man bei Borussia davon aus, dass es in diesem Jahr keine Spiele mehr geben wird, bei denen alle Dauerkarteninhaber ihren Platz im Stadion einnehmen können. Allenfalls ‘abgespeckte’ Konzepte könnten greifen, wie auch immer die dann aussehen werden. Dennoch muss man der Realität ins Auge blicken: Einen vollen Borussia-Park wird es 2020 nicht mehr geben und dass Gladbachfans im Herbst zu Auswärtsspielen in der Champions League zugelassen sein werden, erscheint illusorisch.

Ob und wie die ‘aktive Fanszene’ sich darauf einstellen wird, ist genauso wenig vorauszusehen, wie das Verhalten der übrigen Anhänger. Das Gefühl, dass man als einzelner Fan ein Bestandteil des großen Ganzen ist, wird man bei weiteren Geisterspielen oder einer Teilöffnung des Stadions unter strengen Auflagen nicht aufrechterhalten können. Es wird unweigerlich eine Distanzierung stattfinden und je länger der Großteil der Fans außen vor bleibt, desto mehr wird sich das verfestigen.

Es hat auch seine Vorteile, sein Leben nicht nach dem Spielplan zu takten

Manch einer hat in den letzten Monaten festgestellt, dass es auch seine Vorteile hat, sein Leben nicht nach dem Spielplan zu takten. Gerade den vielen Gladbachfans, die zumeist weite Anreisen in Kauf nehmen, wurde vor Augen geführt, wie viel Zeit (und Geld) sie sparen, wenn sich so ein Spieltag auf ein Zeitfenster von 15.25 - 17.30 Uhr vor dem Fernseher beschränkt.

Nicht alle werden den ‘Wahnsinn’, den sie vorher so selbstverständlich ausgelebt haben, wieder mitmachen, wenn es irgendwann wieder möglich sein wird. Im Fußball verändert sich in diesen Wochen und Monaten auf vielen Ebenen etwas, aber eben auch bei jedem einzelnen Fan. Was am Ende dabei herauskommt ist ungewiss. Sicher scheint nur, dass es anders sein wird, als wir es jahrelang gewohnt waren.

 


von Marc Basten

 

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