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Die Derbyniederlage darf nicht wieder der Anfang vom Ende sein!

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Kann Kapitän Lars Stindl die Mannschaft bei der Ehre packen? (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach verliert das rheinische Derby und stürzt danach in eine heftige Krise. Dieses Szenario ist nicht neu - noch im Frühjahr war die Derbyniederlage der Anfang vom Ende. Wiederholt sich die Geschichte?

Auch mit etwas zeitlichem Abstand ist die 0:6-Demütigung gegen den SC Freiburg nicht verarbeitet. Wohl jeder Gladbach-Fan musste in den letzten Tagen Hohn und Spott ertragen und wird auf die unvermeidliche Frage, ‘was ist denn bei euch los?’ nur peinlich berührt mit den Schultern gezuckt haben. Wie soll man so etwas erklären oder gar noch schön reden?

Dass nun allenthalben Horrorszenarien aufploppen, liegt in der Natur der Sache. Aber auch mit dem Wissen, dass Panikmache mal so gar nicht hilft, muss man sich Sorgen um die Borussia machen. Zu frisch ist die Erinnerung an das Frühjahr, als mit einer Derbyniederlage das Unheil begann und Borussia zum freien Fall ansetzte. Aus den nächsten fünf Bundesligaspielen nach dem Derby holte man einen mickrigen Punkt und verabschiedete sich aus Champions League und DFB-Pokal. Kurz vor dem Crash konnte der Sturzflug zwar gestoppt werden, doch das Saisonziel internationaler Wettbewerb wurde in den Stand gesetzt.

Im Frühjahr war Rose der Sündenbock und die Spieler kamen vergleichsweise gut weg

Damals wälzte man in der Beurteilung den Großteil der Verantwortung auf die Person Marco Rose ab. Dessen Ankündigung seines Wechsels im Sommer diente vielen als Erklärung für den Leistungseinbruch und Rose wurde vollends zum Sündenbock. Die Spieler dagegen kamen vergleichsweise gut weg, weil sich der allgemeine Unmut auf die Person Rose fokussierte. Doch schon damals lag das eigentliche Übel darin begründet, dass die internen Selbstreinigungsprozesse innerhalb der Mannschaft nicht funktionierten. Auch durch die Abschottung aufgrund der Pandemie war es für Außenstehende allerdings sehr schwer, hier schlüssige Zusammenhänge zu erkennen.

Der notwendige und geplante Neustart im Sommer fand aufgrund des kollabierenden Transfermarktes nur auf der Trainerbank statt - die Mannschaft blieb gezwungenermaßen zusammen. Dieser Zustand war weder der Wunsch diverser Spieler, noch der des Vereins. Dass man es öffentlich als Erfolg darstellt, einen starken und vermeintlich begehrten Kader beisammen gehalten zu haben, darf man getrost als Ablenkungsmanöver einsortieren. Vielmehr musste man bei Borussia die eine oder andere Kröte schlucken - u.a. dass einkalkulierte Transfererlöse in zweistelliger Millionenhöhe abgeschrieben werden müssen.

Es ist ganz klar die Mannschaft, mit der etwas nicht stimmt

Der neue Trainer Adi Hütter war nicht zu beneiden. Er wusste lange nicht, mit wem er planen kann und musste vom ersten Tag an improvisieren. Verletzungspech kam hinzu und Hütter reagierte auf das, was er geboten bekam. Er stellte bald auf Dreierkette um und ordnete nach der Minus-Leistung in Augsburg die Prioritäten bei der Herangehensweise neu. Es gab immer wieder Lichtblicke (Dortmund, Bayern), aber eben auch eine Reihe von Rückschlägen. Die Wehrhaftigkeit ist unter Hütter schon besser geworden - der Trainer hat die Problemstellungen erkannt und angepackt. Dennoch passiert so etwas wie beim Kölner Doppelschlag und jetzt beim Desaster gegen Freiburg. Eine Mannschaft, die plötzlich in Lethargie verfällt und widerstandslos in alle Einzelteile zerfällt.

Die Parallelen zum Frühjahr sind unverkennbar, nur dass diesmal Rose nicht mehr als Alibi herhalten kann. Es ist ganz klar die Mannschaft, mit der etwas nicht stimmt. Ganz offensichtlich fehlen neben Lars Stindl ein paar Köpfe, die für den Spirit sorgen, den Takt vorgeben und den Laden zusammenhalten, wenn es ungemütlich wird. So, wie es vor ein paar Jahren ein Martin Stranzl vorgemacht hat. Solche Typen wachsen zwar nicht auf Bäumen, dennoch sollte Max Eberl bei seinen Personalplanungen für die Winterpause weniger die Perspektivspieler, als vielmehr gestandene Soforthilfen im Auge haben. In den verbleibenden drei Partien bis Weihnachten geht es mehr oder weniger um Schadensbegrenzung. Um nicht so gut wie jede Perspektive für die Rückrunde zu verlieren, darf die Derbyniederlage nicht wieder der Anfang vom Ende sein.

 


von Marc Basten

 

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