Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 1:2 (0:0)

Das war es wohl für Borussia mit dem Anschluss nach oben

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Luca Netz sah oft nur die Hacken von Frimpong (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Durch die Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen verpasste Borussia Mönchengladbach die wohl letzte Chance, den Anschluss an die wirklich begehrten Plätze zu finden. Viel Kampf, aber sehr wenig Fußball prägten den Auftritt der Fohlen. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Parierte gleich zwei Elfmeter, was in der Schweiz wahrscheinlich mit einem kurzen Kopfnicken registriert wird, in Mönchengladbach aber einer Sensation gleichkommt. Umso ärgerlicher, dass die beiden stark gehaltenen Elfer nicht ausreichten, wenigstens einen Punkt zu behalten. Auch darüber hinaus war Sommer ein überragender Rückhalt: Vor der Pause blockte er gut gegen Diaby, später war er aufmerksam vor Wirtz am Ball, als dieser völlig frei war. Alle Pflichtaufgaben erfüllte Sommer sicher und mit einem Triple-Save in der Nachspielzeit gegen Adli hielt er sein Team im Spiel. Bei den Gegentoren war der 33-Jährige machtlos. Note 1,0.

Marvin Friedrich: Gab sein Debüt als rechter Mann in der Dreierkette und startete direkt mit einem hohen Ballgewinn und einem mutigen Lauf nach vorne. Ein Gewaltschuss des 26-Jährigen wurde zur Ecke gelenkt, nach einem Bénes-Freistoß köpfte er am Tor vorbei. Seine Defensivaufgaben erfüllte der Neuzugang solide und konsequent. In einigen Laufduellen mit den schnellen Leverkusener Spielern wurde deutlich, dass Friedrich wie erwartet keine Rakete ist. Dass er vor der Elfmetersituation nachstocherte, war überflüssig, weil Bellarabi sich vom Tor weg bewegte. Auch wenn der Strafstoß eine Fehlentscheidung war, so war der unzweifelhaft vorhandene leichte Kontakt unnötig. Friedrich verursachte den Freistoß vor dem 0:2 gegen Diaby und konnte anschließend den Treffer von Schick nicht verhindern, wobei er noch als Letzter am Ball war. Im Spielaufbau war der Ex-Unioner solide, aber unauffällig. Note 3,5.

Nico Elvedi: Spielte wieder zentral in der Dreierkette und hatte ein paar gute Aktionen, als er aufmerksam und klärend eingriff. Allerdings ließ er Wirtz in einer Situation fast ohne Gegenwehr nach innen ziehen. Im Duell mit Schick mit einigen guten Szenen, aber Elvedi ließ sich auch einmal sehr einfach vernaschen. Beim 0:1 hätte er möglicherweise gegen Andrich noch stören können, aber er reagierte nicht mehr. Der Schweizer hatte eine Kopfballchance nach einer Ecke und sorgte dann für den Anschlusstreffer, als er den Ball resolut unter die Latte drosch. Note 3,5.

Tony Jantschke: Erneut links in der Dreierkette aufgeboten, auch um Netz etwas den Rücken zu stärken, wie Hütter vor dem Spiel erklärte. Das klappte nur bedingt, denn Leverkusen sorgte mit Frimpong und Bellarabi für jede Menge Verwirrung auf Borussias linker Seite. Jantschke stand seinen Mann so gut es ging, doch in einigen Laufduellen waren die Tempounterschiede einfach zu groß. Auch in den Kopfballduellen hatte er einige Schwierigkeiten. Hier und da schob er nach Ballgewinnen gut mit an und nach einem abgewehrten Freistoß von Bénes hatte der 31-Jährige eine gute Schussmöglichkeit, traf aber leider einen Leverkusener. Beim 0:1 leistete sich Jantschke den entscheidenden Fehler, als er Andrich die Tür öffnete und nicht mehr korrigieren konnte. Bei einem Tackling torpedierte er Ball und Bellarabi gleichzeitig. Zwanzig Minuten vor Schluss machte Jantschke Platz für Beyer. Note 4,0.

Stefan Lainer: Spielte wieder auf der rechten Bahn im Mittelfeld. Das machte er mit der gewohnten Einsatz- und Laufbereitschaft. Er lieferte sich einige knackige Duelle mit Bakker, der ihm im Hinspiel den Knöchel gebrochen hatte. Mit seinem fleißigen Defensivverhalten sorgte Lainer dafür, dass die rechte deutlich weniger anfällig war als die linke Seite. Lainers Manko in dieser Rolle ist und bleibt das Offensivspiel. Er schaltete sich zwar emsig mit ein, war aber letztlich in seinen Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Eine flache direkte Hereingabe kam nicht an und wenn es unter Druck schnell gehen musste, unterliefen ihm technische Unsauberkeiten. Lainer machte keine entscheidenden Fehler, trug aber auch nur bedingt etwas bei. In der 79. Minute wurde er von Herrmann abgelöst. Note 3,5.

Manu Koné: War im Aufbauspiel der Fixpunkt und hatte viele Ballkontakte. Wie Koné den Ball abschirmt und sichert, ist wirklich großartig. Dass er nach Ballannahmen fast immer mit einer Drehung startete, war allerdings nicht unbedingt nötig. Auch gegen Leverkusen löste sich der Franzose mehrfach sehr gut, verdaddelte dann aber die Spielfortsetzung. Entweder suchte er vergeblich nach einer Abspieloption und lief sich dann fest, oder aber ihm unterlief ein unforced error. Konés wirklich sehr starke Ballbeherrschung ist eine Qualität, die viel mehr genutzt werden muss. Vorne hatte er einen schwachen Abschluss in Rücklage, defensiv war Koné fleißig, aber auch mit ein paar schläfrigen Momenten. Note 4,0.

Laszlo Bénes: Rückte durch die Ausfälle von Zakaria in die Startelf, konnte die Chance aber nicht nachhaltig nutzen. Er spielte eher wie jemand, der Fehler minimieren will und nicht wie einer, der die Gelegenheit beim Schopf packen möchte. Der 24-Jährige war sehr laufstark, hielt solide mit und dagegen, konnte aber bis auf wenige Ausnahmen keine spielerischen Impulse setzen. Auffällig waren seine Standards, die allesamt gut angeschnitten waren. Einen Freistoß in ansprechender Position holte er selbst heraus, schoss aber leider in die Mauer. Nach einer Stunde wurde er für Thuram ausgewechselt. Note 4,5.

Luca Netz: Wieder als der linke ‘Schienenspieler’ unterwegs, wo er allerdings extreme Probleme hatte. Bis auf wenige Ausnahmen war sein Anlaufverhalten ganz schwach, ständig wurde er zum leichten ‘Doppelpassopfer’ der Leverkusener. Der Youngster ließ sich viel zu simpel ausspielen, sowohl per Doppelpass, als auch mit einfachen Haken. Netz hatte Schwierigkeiten, sobald er einen Richtungswechsel vollziehen musste. Er kam eigentlich überhaupt nicht in die Gänge. Ordentlich war das Passspiel des Ex-Herthaners, aber es fehlte ihm nicht nur im Vergleich zu den Leverkusener Außenspielern an Explosivität. In der 61. Minute übernahm Scally. Note 5,0.

Florian Neuhaus: In offensiver Rolle meist halbrechts hinter Embolo platziert, blieb der 24-Jährige unter seinen Möglichkeiten. Auch wenn er die erste richtig gute Chance im Spiel hatte, die Hradecky mit einem Reflex zur Ecke lenkte. Doch darüber hinaus trat Neuhaus nicht nachhaltig in Erscheinung. Seine Ideen verpufften, auch weil er mehrere arg lässige Pässe spielte. Einen Freistoß aus aussichtsreicher Position schoss er schwach und flach. Nach der Auswechslung von Bénes und der Hereinnahme von Thuram rückte Neuhaus auf die Sechserposition. Er war letztlich immerhin der laufstärkste Borusse. Note 4,5.

Lars Stindl: Wie immer unermüdlich unterwegs, fleißig und engagiert - aber leider uneffektiv. Stindls Passspiel war zwar sehr sicher, aber bis auf ein richtig gutes Anspiel auf Neuhaus kam wenig dabei herum. Der Kapitän hatte eine gute Schussmöglichkeit aus knapp zwanzig Metern mit der Innenseite, aber Hradecky war rechtzeitig im Eck. Mit Schiedsrichter Stegemann kollidierte Stindl im Mittelfeld, kurz darauf wurde er für einen unabsichtlichen Tritt auf den Knöchel von Andrich mit Gelb verwarnt. In der 79. Minute wurde der 33-Jährige für Plea ausgewechselt. Note 4,5.

Breel Embolo: Als zentraler Angreifer blieb Embolo ohne Torschuss und seine Laufleistung von 8,63 Kilometern in 90 Minuten unterstreicht den Eindruck, dass er sich phasenweise in den Standy-Modus verabschiedete. Dass der Schweizer dennoch der beste Offensivspieler der Borussia war, spricht weniger für ihn, als vielmehr gegen die Kollegen. Embolo sorgte immerhin für etwas Bedrohung, löste sich einige Male gut und zog Fouls - für eines sah Tah Gelb. Gleichwohl hatte Embolo in der Folgezeit kaum die Gelegenheit, davon zu profitieren und die Leverkusener Abwehr zu stressen. Das lag weniger an ihm, sondern an der fehlenden Unterstützung - Embolo stand quasi alleine auf einer Insel. So blieben letztlich nur der starke Einsatz haften, mit dem er die Neuhaus-Chance erkämpfte sowie das Zuspiel zum Abschluss von Stindl. Note 3,5.

Joe Scally (61. Minute für Netz): Übernahm die Position auf der linken Seite. Spielte einen zu steilen Pass für Embolo. Einem guten Haken folgte ein guter Schuss, den Hradecky mit einem Reflex zur Ecke beförderte, aus welcher der Anschlusstreffer resultierte. Scally brachte - wenn auch auf der falschen Seite - eine kleine Brise frischen Wind. Ohne Note.

Marcus Thuram (61. Minute für Bénes): Spielte auf der Neuhaus-Position und zeigte sich zumindest etwas engagierter als zuletzt. Der Franzose holte einen Freistoß heraus und startete zwei Dribblings über links. Richtig gefährlich wurde er nicht. Ohne Note.

Jordan Beyer (70. Minute für Jantschke): Brachte etwas mehr Geschwindigkeit in die Kette, sah Gelb für ein Handspiel bei einer Grätsche und vermochte einen Kopfball von Schick nach einer Freistoßflanke nicht zu verhindern. Traf bei seinem Einsatz im Strafraum Wirtz klar, deshalb war die Elfmeterentscheidung berechtigt. Ohne Note.

Patrick Herrmann (79. Minute für Lainer): Versuchte noch etwas anzukurbeln und schlug auch die Standards. Sein erster Freistoß geriet zu niedrig, da schenkte er eine gute Möglichkeit her. Der zweite Freistoß war besser, aber letztlich mit zu wenig Druck. Ohne Note.

Alassane Plea (79. Minute für Stindl): Gab den Assist zum Anschlusstreffer, als er den verlängerten Eckball im Fallen Richtung Elvedi beförderte. Ansonsten konnte er sich nicht in Szene setzen. Ohne Note.

 


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