Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - 1899 Hoffenheim 3:1 (2:0)

Borussia meldet sich zurück

von Redaktion TORfabrik.de
Kollektiver Jubel (Foto: Team2 Sportphoto)

Kollektiver Jubel (Foto: Team2 Sportphoto)

Beim Heimsieg über Hoffenheim zeigte Borussia Mönchengladbach die richtige Reaktion auf die beiden Auswärtspleiten zuvor. Die Mannschaft bewies Charakter, was sich auch in der Einzelkritik widerspiegelt.

Yann Sommer: Bekam im Verlauf des Spiels einiges zu tun, doch die meisten Versuche der Hoffenheimer blieben letztlich harmlos und waren Pflichtaufgaben für den Keeper. Etwas Glück hatte er bei der Uth-Chance im ersten Durchgang, weil der Stürmer sich nicht zwischen Schuss und Kopfball entscheiden konnte. In der zweiten Hälfte mit einer etwas eigenartig anmutenden ›Volleyball-Klärung‹. Der Schweizer lenkte einen Kramaric-Schuss stark zur Ecke, beim Gegentor war er ohne Abwehrchance. Die Abschläge und Pässe des 27-Jährigen waren teilweise leicht wackelig. Note 3,0.

Nico Elvedi: Kein guter Auftritt des 19-Jährigen. Er stand mit einer verunglückten Bewegung an der Basis der Uth-Chance und hatte darüber hinaus in mehreren Situationen Orientierungsprobleme. Möglicherweise hing das damit zusammen, dass er mit Traoré einen neuen ›Vordermann‹ hatte. Jedenfalls war der Schweizer nicht so stabil in den Zweikämpfen, wirkte hier und da fahrig und setzte kaum Akzente im Spiel nach vorne. Lediglich ein guter Pass in den Lauf von Hahn blieb haften. Schon kurz vor dem Anschlusstreffer mit Problemen, als er erst im dritten Versuch einen halben Querschläger korrigieren konnte. Alsdann mit dem Riesenbock, der zum 1:2 führte. Zum Glück kostete der Fehler letztlich keine Punkte. Note 4,5.

Andreas Christensen: Mr. Cool wurde nach seinem Ausflug ins defensive Mittelfeld in Hannover wieder als Abwehrchef aufgeboten und lieferte eine erstklassige Partie ab. Er war der absolute Boss, der nie in ernsthafte Probleme geriet und schon gar nicht in Panik verfiel. Der 20-Jährige verarbeitete die Bälle mit außergewöhnlicher Selbstverständlichkeit. Der Däne gewann alle Zweikämpfe und trat vorne zweimal in Erscheinung. Einmal köpfte er nach einer Ecke neben das Tor, im zweiten Durchgang war Baumann bei Christensens gut nach unten gedrückten Kopfball zur Stelle. Beim Gegentor war Christensen der Adressat von Elvedis missglücktem Zuspiel. Er hatte jedoch keine Chance, den Ball zu erreichen. Note 1,5.

Håvard Nordtveit: Lieferte eine grundsolide Partie ohne nennenswerte Schludrigkeiten ab. Abgesehen von einem Freistoß, den er lang ins Niemandsland schoss, gab es trotz einiger Streuung im Passspiel nicht viel zu bemängeln. Der 25-Jährige agierte abgeklärt und konzentriert. Der Norweger beschränkte sich auf die Basics: Bissig sein, Zweikämpfe gewinnen und den anderen das Spielen überlassen. Nordtveit köpfte kurz vor der Halbzeitpause nach einem gut gezirkelten Traoré-Freistoß in den Strafraum ziemlich freistehend neben das Tor. Sah berechtigt Gelb für ein hartes Muss-Foul in der Rückwärtsbewegung. Note 3,0.

Ibrahima Traoré: Bekam seine Chance in der Startelf in der Johnson-Rolle auf der rechten Seite. Zu Beginn war ›Ibo‹ etwas in der Findungsphase, als er beim Hoffenheimer Aufbauspiel nicht so recht wusste, wo er wen übernehmen sollte. Er war jedoch eifrig bei der Sache und machte weite Wege nach hinten. So legte er sich in einer Situation im eigenen Strafraum grätschend vor den Ball. Das war wichtig und nicht gefährlich, weil weit genug weg vom Gegner. In der Entstehung des 2:0 war Traoré im Abseits, was nicht geahndet wurde. Der 28-Jährige brachte die Freistoßflanke zu Nordtveits Kopfball und zwang später Baumann mit einem Schuss aus dem Stand zu einer Glanzparade. Ein Drehschuss flog weit daneben. Traoré unterliefen im letzten Drittel einige Fehler und falsche Entscheidungen, die seiner Verspieltheit geschuldet waren. Dennoch überwog das Positive, denn er belebte die Sache. Note 2,5.

Mo Dahoud: Blieb diesmal die komplette Spielzeit auf dem Platz und war prompt mit 12,6 Kilometern der laufstärkste Akteur. In den Zweikämpfen zwar nicht immer Sieger, doch mit einer ordentlichen ›Standfestigkeit‹. Fußballerisch und strategisch mehrfach glänzend, als er sich auch unter Bedrängnis behauptete. Der 20-Jährige spielte feine Pässe, u.a. auf Wendt. Den Schweden übersah er allerdings in einer Situation, als er selbst den Abschluss suchte. Bei seinem Treffer kurz vor der Pause vollendete er ruhig und überlegt. Ein Distanzschuss im zweiten Durchgang wurde von Baumann zur Ecke gelenkt. Dahoud eroberte aufmerksam gegen Strobl den Ball und bediente Hahn mustergültig zum vorentscheidenden 3:1. Am Ende der Partie übertrieb er es im Gefühl des sicheren Sieges ein wenig. Note 2,0.

Granit Xhaka: Der Kontrolleur im Gladbacher Spiel hatte - fast - alles im Griff. Einmal, kurz nach dem 1:0, ließ er sich zu einem kopflosen Forechecking hinreißen und augenblicklich gab es in seinem Rücken ein Loch, in das Hoffenheim - zum Glück folgenlos - stoßen konnte. Ansonsten agierte Xhaka jedoch sehr konzentriert. Der 23-Jährige lenkte das Spiel und war überlegt und überlegen in den Zweikämpfen. So beim männlichen Schultercheck gegen Volland. Aus der Tiefe des Raumes glänzte der Schweizer mit dem ›goldenen Pass‹ auf Wendt vor dem 1:0 und dem genialen ›Wolfram-Wuttke-Gedächtnispass‹ mit dem Außenrist vor dem 2:0. Note 1,5.

Oscar Wendt: Präsentierte sich eine Klasse besser als in der Vorwoche in Hannover. War sehr aktiv und mit viel Offensivdrang unterwegs und zog viele Sprints an. Seine feste Flanke zu Beginn wurde fast zu einem Eigentor der Hoffenheimer. Der 30-Jährige lieferte den Assist zum 1:0, wobei sich niemand beschweren durfte, wenn er selber den Abschluss gesucht hätte. Ein schwacher Schuss aus dem Lauf war dagegen etwas egoistisch. Nach der Pause mit der Riesenchance zum 3:1, als er freistehend kläglich vergab. Note 3,0.

Thorgan Hazard: Vor der Pause nur wenig in Erscheinung getreten. Oft einer der bisweilen vier Mann, die sich vorne auf einer Linie bewegten. Hazard lief zwar viel, richtig bemerkenswert war lediglich der präzise Pass vor dem Pfostenschuss von Hahn. Nach dem Wechsel präsenter und mit der Vorbereitung zur Chance für Raffael. Absolut lobenswert die Laufbereitschaft des 23-Jährigen, der in 84 Minuten 11,5 Kilometer zurücklegte und auch nach dem 3:1 viel nach hinten arbeitete. In den Zweikämpfen mit Problemen, dafür im Passspiel ausgesprochen sicher. Note 3,0.

André Hahn: Machte dem Namen ›Kampf-Hahn‹ alle Ehre und ackerte und rackerte, was das Zeug hielt. Beim Eigentor wäre er auch zur Stelle gewesen, bei seinem Haken und anschließenden Pfostenschuss machte er alles richtig und hatte einfach nur Pech. Eroberte bissig - und am Rande der Legalität - den Ball gegen Baumann vor dem 2:0. Beim 3:1 blieb er cool und vollendete sicher. Bis in die Schlussphase hinein warf sich Hahn in jeden Ball und ging nichts und niemandem aus dem Weg. Der 25-Jährige verlor zwar die Vielzahl seiner Duelle, doch es ist ihm hoch anzurechnen, dass er die Gegenspieler ständig beschäftigte. Note 2,0.

Raffael: Hatte ein wenig das gleiche Problem wie Hazard, wenn alle in der vordersten Linie standen. Raffael hätte sich in einigen Situationen mehr zurückfallen lassen sollen, um dann anzutreten. Allerdings bearbeitete Hoffenheim Raffael sehr aufmerksam, wenn er in diesen Bereichen auftauchte. Eine schöne Direktmitnahme sorgte für die Gelbe Karte von Rudy, sein Schuss von halblinks ging dem Ballgewinn von Hahn vor dem 2:0 voraus. Blitzsauber die Vorbereitung des 30-Jährigen zur Großchance von Wendt, als er sich freispielte und Wendt den Ball auf dem Silbertablett servierte. Raffael hatte noch eine offene Schusschance, die zur Ecke geblockt wurde. Note 3,0.

Fabian Johnson: Bekam von Schubert eine Pause verordnet und kam erst in den letzten neun Minuten für Traoré. Eine nennenswerte Aktion hatte der US-Nationalspieler nicht mehr. Ohne Note.

Patrick Herrmann: Kam in den letzten fünf Minuten für Hazard zum Einsatz, konnte sich aber nicht mehr zeigen. Ohne Note.

Jonas Hofmann: Zwei Minuten mischte der bislang untergegangene Wintereinkauf mit, nachdem er für Raffael eingewechselt wurde. Nach schöner Körpertäuschung im Sechzehner ignorierte er die mitgelaufenen Kollegen und suchte selbst den Abschluss ins kurze Eck - der Ball ging ans Außennetz. Ohne Note.

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