Es ist eine eminent gefährliche und schwierige Situation, in der sich Borussia Mönchengladbach Ende Februar befindet. Die Zahlen lügen nicht, und die Tabelle kann jeder lesen: Borussia steckt mitten in einem Negativstrudel und sucht fast schon verzweifelt den Hebel, um den Abwärtstrend endlich zu stoppen. Bislang war es eher das Prinzip Hoffnung: Wenn im nächsten Spiel die Wende eingeleitet wird, kann alles gut gehen. Nur lässt diese Wende seit Wochen auf sich warten – und angesichts der immer weniger werdenden Spieltage ist das Match gegen Union am Samstag die letzte Gelegenheit, darauf zu setzen, dass mit einem Sieg der Knoten gelöst werden kann.
In der Woche danach geht es zu den Bayern, und anschließend stehen bereits die vorgezogenen Endspiele gegen die direkten Konkurrenten St. Pauli, Köln und Heidenheim an. Um da durchzukommen und nicht alles gegen die Wand zu fahren, muss gegen Union Berlin das notwendige Lebenszeichen gesetzt werden. Noch versuchen die Verantwortlichen, mit Ruhe und Besonnenheit vorzugehen. Eugen Polanski sprach am Donnerstag bei der Pressekonferenz davon, dass »knallharte Worte an die Jungs« gerichtet worden seien. Doch alles mit Bedacht. »Es ist wichtig, trotzdem im Inhalt zu bleiben – und dann zu versuchen, Dinge aufzubrechen, die sich zurzeit eingeschliffen haben. Das sind Trainingsinhalte, Trainingszeiten oder ein Trainingsort – so wie heute Teile des Trainings im Stadion zu machen.«
»Von Anfang an zeigen, wer hier zuhause ist«
Es geht darum, Abläufe zu verändern und die Spieler aus der Komfortzone zu holen. Oder wie es Sportchef Rouven Schröder umschrieb: »Da geht's um Bewusstsein. Ich glaube, wir haben viel geredet – und ich glaube, wir müssen jetzt gar nicht mehr so viel reden. Gegen Union Berlin müssen wir mit unseren fußballerischen Komponenten – die haben wir – aber gleichzeitig auch körperlich dagegen halten. Und es wird wichtig sein, von Anfang an zu zeigen, wer hier zuhause ist. Weniger reden, einfach mehr zeigen.«
Das gilt für Mannschaft und Trainer gleichermaßen. Klar ist, dass die Abstiegsangst in Mönchengladbach angekommen ist. »Dass wir uns alle Sorgen machen, ist doch auch klar«, sagte Polanski. Es geht nur noch darum, sich irgendwie über die Ziellinie zu retten. Insofern wurde Polanski sehr deutlich: »Wir haben das Ziel, den Klassenerhalt zu schaffen – das ist das Maximale, was wir diese Saison rausholen können. Um dann vielleicht Konsequenzen zu ziehen und wirklich mal zu sagen: Jetzt müssen wir einen Cut machen, so wie Rouven sich das vorstellt, wie ich mir das vorstelle – um dann positiver in die Zukunft zu blicken.«
Die Zukunft steht auf dem Spiel
Wer die Gestaltung der Zukunft letztlich übernehmen wird, steht noch in den Sternen. Doch wenn man aus der misslichen Lage etwas Positives ziehen kann, dann die Tatsache, dass die aktuell sportlich Verantwortlichen zu der Einsicht gekommen sind, dass im Kader etwas Grundlegendes verändert und nicht nur vereinzelt an imaginären Stellschrauben gedreht werden muss. Damit der »Cut« im Sommer allerdings nicht aus dem Zwang heraus erfolgt, eine Zweitligamannschaft zusammenzustellen, muss mit dem vorhandenen Kader der Klassenerhalt geschafft werden. Und das wird schwer genug.
Der erste Schritt muss gegen Union Berlin gemacht werden – und was das bedeutet, weiß mittlerweile jeder. Es kommt eine der unangenehmsten Mannschaften der Liga in den Borussia-Park, die einen Gegner gerne zermürbt und dann mit Standardsituationen zur Strecke bringt. Hurra-Fußball gibt es bei Union nicht, dafür aber pragmatisch eingefahrene Arbeitssiege, die dafür sorgen, dass die Köpenicker sechs Punkte Vorsprung auf die vermeintlich individuell stärkere Borussia haben.
Reitz nach Sperre zurück - Sarco ein Kaderkandidat
»Die Mannschaft weiß Bescheid. Es ist bekannt, wie Union Berlin spielt«, sagt Polanski. Alle wissen, was auf sie zukommt – und doch wird es äußerst kompliziert werden, damit umzugehen. In der aktuellen Situation bleibt den Gladbachern jedoch nichts anderes übrig, als bedingungslos auf Sieg zu spielen. Personell hat Polanski durch die Rückkehr von Alejo Sarco wieder eine Alternative mehr im Aufgebot. Auch Rocco Reitz steht nach abgelaufener Sperre wieder zur Verfügung. Für Robin Hack und Giovanni Reyna, die wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen sind, dürfte eine Kadernominierung noch zu früh kommen. Daher müssen die anderen dafür sorgen, dass in Mönchengladbach nächste Woche nicht die große Panik ausbricht.
von Marc Basten

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