Jonas Hofmann

Auf der Suche nach Zielstrebigkeit

von von Marc Basten und Nadine Basten
Jonas Hofmann (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Jonas Hofmann (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Jonas Hofmann erhielt und und nutzte unter Dieter Hecking seine Chance in Mönchengladbach. Der Wintereinkauf des letzten Jahres ist dennoch weit davon entfernt, seine Qualitäten wirklich auszunutzen. Hofmann ist auf der Suche nach Zielstrebigkeit.

Die Vorbereitung im letzten Sommer lief für Jonas Hofmann sehr vielversprechend. Nachdem er in seinem ersten halben Jahr in Mönchengladbach überhaupt keine Berücksichtigung fand, schwang er sich zu einem Gewinner der ersten Trainingswochen auf. André Schubert setzte ihn in neuer Rolle als ›Achter‹ oder ›Zehner‹ ein und Hofmann hinterließ Eindruck mit keckem, schwungvollem Spiel.

Doch je näher der Pflichtspielauftakt rückte, desto mehr büßte der Ex-Dortmunder von seinem Schwung ein. Das letzte Testspiel gegen Lazio Rom beendete schließlich alle Überlegungen von Schubert, Hofmann in die Startelf zu stellen. Stattdessen verschwand der 24-Jährige da, wo er schon im ersten halben Jahr in Gladbach war: in der Versenkung.

In der ersten Pokalrunde durfte er 90 Minuten ran, ansonsten gab es nur wenige Kurzeinsätze. Überraschend stand er beim Erfolg im Celtic Park in der Startelf und machte ein ordentliches Spiel. Schubert beließ ihn daraufhin auch in München in der Anfangsformation, nahm ihn jedoch nach schwacher Leistung zur Pause vom Platz. Nach drei Pflichtspielen ohne Einsatz begann er beim Auswärtsspiel in Berlin - das weitestgehend an ihm vorbeilief (Note 5,0). Danach wurde er noch zweimal eingewechselt und verabschiedete sich frustriert in die Weihnachtspause.

Neustart durch den Trainerwechsel

Das erste Jahr von Jonas Hofmann in Mönchengladbach war ein Reinfall, doch ihm kam zugute, dass durch den Trainerwechsel die Karten neu gemischt wurden. Er hängte sich in der kurzen Wintervorbereitung ausgesprochen rein und Dieter Hecking fand Gefallen an den Qualitäten des gebürtigen Heidelbergers.

So stand er zum Auftakt in Darmstadt genauso in der Startelf, wie eine Woche später beim Auswärtssieg in Leverkusen. Beide Male trat er auf der rechten Seite mit variablem Spiel positiv in Erscheinung und in der Einzelkritik hieß es: In der Defensivarbeit zeigte er sich deutlich verbessert gegenüber den Irrläufen bei seinen Einsätzen in der Hinrunde.

Zwar wurde Jonas Hofmann durch einen ›Faszienriss im Bereich der linken Hüfte‹ (diese Diagnose war eine Premiere bei Borussia) für die nächsten vier Pflichtspiele auf Eis gelegt, doch nach seiner Genesung spülte es ihn zurück in die Elf. Das Highlight war sicherlich der 4:2-Sieg in Florenz, bei dem Hofmann an allen vier Treffern unmittelbar beteiligt war.

Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag

In den nächsten Wochen gehörte er mehr oder weniger regelmäßig zur Startelf. Dabei variierten seine Positionen: Meist spielte er auf der rechten Seite, ab und an auch links oder zentral. Egal wo Hofmann eingesetzt wurde, er legte stets eine unglaubliche Bereitschaft an den Tag. Regelmäßig gehörte er zu den laufstärksten Spielern auf dem Platz und immer wieder brachte er sich mit Auge und Tempo ausgezeichnet in Position.

Das große Manko: Der ganze Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Ertrag. Nicht nur, dass Hofmann in letzter Konsequenz der Mumm beim Abschluss fehlte. Er machte sich zudem zigfach vielversprechende Ansätze mit flapsigen Ballverlusten zunichte. In den entscheidenden Momenten verlor er Zutrauen und Konzentration. Natürlich kam auch etwas Pech hinzu wie beim Spiel gegen Hertha, als er innerhalb weniger Minuten zweimal den Pfosten traf. Dennoch war es zum Haareraufen, wie oft Jonas Hofmann wirklich überragend erarbeitete Situationen verschluderte.

Erschwerend kam hinzu, dass sein Zweikampfverhalten - offensiv wie defensiv - oftmals nicht ausreichend war. Wenn ein Gegenspieler ihn härter bearbeitete, zeigte er oft nur halbherzige Gegenwehr. In Fifty-fifty-Duellen zog er stets zurück und auch sonst ging er Körperkontakt sehr bereitwillig aus dem Weg. Das ist zwar gesundheitsfördernd und auch schlauer, als würde er blindlings um sich treten, aber etwas mehr Widerstandsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen benötigt Hofmann dringend.

Hofmann bringt alle Anlagen mit

In gewisser Weise wurde Jonas Hofmann zum Sinnbild für die fehlende Konsequenz, die sich nahezu durch die komplette Saison von Borussia Mönchengladbach zog. Hofmann kann man einerseits als den großen Gewinner des Trainerwechsels bezeichnen, andererseits muss man bemängeln, dass er nicht viel mehr aus seinen Möglichkeiten gemacht hat.

Auf Letzteres wird es in der neuen Saison ankommen. Jonas Hofmann bringt fraglos alle Anlagen mit, ein überdurchschnittlicher Bundesligaspieler zu sein. Er kann den Unterschied ausmachen und Spiele entscheiden. Aber er muss es selbst realisieren und mit allem Nachdruck umsetzen. Sowohl bei der finalen Aktion am Ball, als auch im Zweikampf. Ansonsten wird ihm der richtige Durchbruch nicht gelingen.

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