Einzelkritik: Hertha BSC - Borussia Mönchengladbach 2:4 (1:3)

Am langen Ende doch souverän

von Redaktion TORfabrik.de
Auswärtssieger (Foto: Boris Streubel / Bongarts / Getty Images)

Auswärtssieger (Foto: Boris Streubel / Bongarts / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach holte in Berlin den dritten Auswärtssieg in Folge. Nach der frühen klaren 3:0-Führung wurde es nochmals eng, doch am langen Ende gewannen die Borussen doch souverän in der Hauptstadt.

Yann Sommer: War bei den beiden Gegentoren schuldlos, stark sein Fußreflex bei der ersten Ibisevic-Chance sowie die Rettung unter Zuhilfenahme der Latte nach dem Kopfball des Bosniers. Bei der brenzligen Eckenserie blieb er konsequent auf der Linie, obwohl die Bälle mehrfach an den Fünfmeterraum geschlagen wurden und damit nicht unerreichbar waren. Eine Flanke von Plattenhardt fing Sommer sicher, in der zweiten Halbzeit klärte er einmal ausreichend mit der Faust. In der Schlusssequenz parierte er die Schüsse von Weiser und Mittelstädt sicher. Note 3,0.

Nico Elvedi: Kam gut in die Partie, gewann den ersten Zweikampf gegen Kalou und stellte im weiteren Verlauf mehrfach die Passwege geschickt zu. Auch im Spiel nach vorne war der Schweizer aktiv und holte den Freistoß vor dem 3:0 heraus. Im eigenen Strafraum sprang er beim ersten Berliner Kopfball durch Selke gemeinsam mit Ginter zu kurz, später verlor er ein weiteres Kopfballduell gegen Selke, aus dem eine Chance für Kalou entstand. Glück hatte Elvedi, dass ein Pressschlag mit Kalou Ibisevic im Abseits stehend erreichte - der hätte sonst freie Bahn gehabt. Nach dem Seitenwechsel weiter zweikampfstark und am Ball sehr auffällig. Er spielte gute Pässe und schob sich immer wieder mit nach vorne. Mit seinem Zuspiel auf Herrmann stand Elvedi an der Basis des 4:2. Note 3,0.

Matthias Ginter: Hinten zunächst nicht gefordert, fiel er zunächst nur durch einen Fehlpass im Aufbau auf. Beim ersten Torabschluss der Berliner durch den Selke-Kopfball passte gemeinsam mit Elvedi das Kopfballtiming nicht. Nach der ersten Ecke verlor er das Kopfballduell gegen Langkamp, was nur mit Glück folgenlos blieb. Im zweiten Durchgang souverän, mit einigen Ballgewinnen (u.a. gegen Ibisevic auf der rechten Seite). Startete in der 75. Minute einen Vorstoß in die gegnerische Hälfte und setzte damit auch ein Zeichen, dass man sich nach dem 2:3 nicht hinten reindrängen lassen wollte. Note 3,5.

Jannik Vestergaard: Musste in den ersten zwanzig Minuten kaum eingreifen. Als Berlin stärker wurde, funkte Vestergaard zwei-, dreimal gut dazwischen. Doch ausgerechnet in seiner Paradedisziplin patzte er. Beim Lattenkopfball von Ibisevic kam er genauso zu spät wie Augenblicke später bei der identischen Situation, als der Ball am Außenpfosten landete. Als sich die Situation nach der Pause beruhigte, hatte Vestergaard auch wieder Lufthoheit. Im Passspiel sicher, wobei lange Bälle hinten raus diesmal nicht so gefragt waren. Vorne kam Vestergaard nach der ersten Ecke zum Kopfball, bekam aber keinen Druck hinter den Ball. Note 3,5.

Oscar Wendt: Startete mit einem Fehlpass und fiel anschließend in der Offensive vor allem durch seine ruhenden Bälle auf. Gleich drei Freistöße aus dem Halbfeld von der rechten Seite brachte der Schwede mit links vors Tor. Der erste geriet zu weit, der zweite zu kurz - aber er führte zu Plattenhardts unfreiwilligem Assist für Raffaels Traumtor. Der dritte Versuch geriet wieder zu kurz - diesmal ohne Rebound. In der Defensive war Wendt gegen das schnelle Duo Esswein und Weiser aufmerksam. Allerdings entwischte ihm Selke im Rücken entscheidend vor dem ersten Berliner Treffer. Nach der Pause im Kombinationsspiel - bis auf einen unforced error - gut dabei. Hinten verursachte er den Freistoß, der zum 2:3 Anschlusstreffer führte. Note 3,5.

Christoph Kramer: Unterstrich mit einem ganz starken Auftritt seine Wertigkeit für die Mannschaft. Exemplarisch die Entstehung des ersten Tores, die Kramer mit einer starken Ballsicherung einleitete. In der Spieleröffnung überzeugte er mit klugen Pässen, defensiv mit mehreren Ballgewinnen. Die Raumaufteilung mit Zakaria passte, Kramer sicherte die Vorstöße des Kollegen aufmerksam ab. Unglücklich dagegen die versuchte Klärung vor dem 1:3, als er Weiser den Ball in die Füße spielte. Nach der Pause machte es Kramer herausragend, vor allem das energische Umschalten nach Ballgewinnen imponierte. Auch die Zahlen sprechen für sich: 12,7 Kilometer, Passquote von 94 Prozent und die meisten gewonnenen Zweikämpfe aller Akteure auf dem Platz. Note 2,0.

Denis Zakaria: Startete mit einer Balleroberung und bereitete kurz darauf mit seinem unwiderstehlichen Antritt über die linke Seite den Führungstreffer vor. Zwar hatte er bei der Ablage auf Stindl etwas Glück, die zielstrebige Aktion war gleichwohl klasse. In der Folgezeit mit mehreren sehenswerten ›Steals‹, allerdings auch der einen oder anderen Ungenauigkeit im Passspiel. In der Berliner Drangphase mit einem Hochrisikopass aus dem eigenen Strafraum zum Gegner. Unvergleichlich dagegen der Ballgewinn gegen Selke, dem er anschließend mit Ball am Fuß enteilte. Nach der Pause nicht mehr ganz so präsent, jedoch weiter mit großem Laufpensum. Note 2,5.

Thorgan Hazard: Laufstark und engagiert wie immer, doch zunächst mit einigen leichten Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung. Vor der Elfmetersituation im Strafraum mit dabei - den Strafstoß verwandelte er sicher. Danach vermehrt im Rückwärtsgang mit guter Unterstützung für Elvedi. Kurz vor der Pause schloss er nach einem Konter etwas zu mittig ab, kurz darauf holte er die erste Ecke raus. Im zweiten Durchgang im Umschaltspiel mehrfach mit exzellenter Ballverarbeitung. Zwei-, dreimal rannte er fast überfallartig nach vorne, kam jedoch nicht in Abschlussposition. Nach der Einwechslung von Herrmann rückte Hazard auf die linke Seite. Note 3,0.

Fabian Johnson: Mit einer vorzüglichen Bewegung und einem genau getimten Zuspiel beim Doppelpass mit Zakaria ebnete er den Weg zum 1:0. Danach war es ein ›typisches Johnson-Spiel‹. Er ging weite Wege, besetzte die Räume und half Wendt gegen die schnellen Esswein und Weiser. Gerade Weiser kam zunächst gar nicht zur Geltung, was am umsichtigen Verhalten von Johnson lag. Weniger vorausschauend agierte Johnson bei den Eckbällen der Berliner, wo er ohne direkten Gegenspieler zweimal gegen Ibisevic nicht hinkam und Vestergaard eher behinderte, als ihm zu helfen. Nach der Pause tauchte Johnson einmal aussichtsreich am gegnerischen Strafraum auf, doch die finale Aktion blieb aus. Machte eine Viertelstunde vor Schluss Platz für Herrmann. Note 3,5.

Raffael: Blieb in der Anfangsphase unter dem Radar und tauchte erstmals richtig vor der Elfmetersituation auf, als er zunächst gut aufpasste und dann mit Hazard zentral im Strafraum geblockt wurde. Die Erweckung folgte in der zwanzigsten Minute mit dem Traumtor zum 3:0. Die Ballannahme und der Schuss waren perfekt. Danach kam Hertha auf und Raffael arbeitete mit nach hinten - so spitzelte er Weiser den Ball in der Rückwärtsbewegung weg. So richtig in Fahrt kam Raffael nach der Pause, als er mit einigen tollen Drehungen und Ballsicherungen aufwartete. In mehreren Aktionen im Umschaltspiel sah man den ›alten‹ Raffael, u.a. beim Zuspiel in den Lauf von Hazard. Ruhig und abgezockt sorgte der Brasilianer mit seinem zweiten Treffer für die Entscheidung. Zwei Minuten vor dem Ende überließ er Grifo das Feld. Note 2,0.

Lars Stindl: Vor den Augen von Bundestrainer Löw gab Stindl nochmals eine nachdrückliche Bewerbung für den WM-Kader ab. In Mittelstürmermanier erzielte er das 1:0, dem Handelfmeter ging sein wuchtiger Schuss von der Strafraumgrenze voraus. Stindl legte unglaubliche Wege zurück, ließ sich immer wieder zentral zwischen die Sechser fallen und fungierte als Spielgestalter. Die statistischen Werte sind beeindruckend: Ob bei der Laufstrecke, den intensiven Läufen, den Torschüssen, den Ballbesitzphasen oder den Pässen - der Kapitän führt das Ranking der Gladbacher an. Seine Ballkontrolle und die schlauen Spielfortsetzungen waren überragend. So beim Doppelpass mit Herrmann vor dem entscheidenden Tor zum 4:2. Note 1,5.

Patrick Herrmann: Kam in der 74. Minute für Johnson und ging auf die rechte Seite. Er startete unglücklich mit einem Fehlpass und einem Ballverlust, biss sich dann aber ins Spiel und sorgte für Belebung auf dem Flügel. Stark seine Vorbereitung des Siegtreffers, als er zielstrebig nach innen zog und im richtigen Moment auf Raffael passte. Ohne Note.

Vincenzo Grifo: Wurde in der 88. Minute für Raffael eingewechselt - die Partie war schon entschieden. Der Italiener hatte noch zwei Ballkontakte. Ohne Note.

Josip Drmić: Comeback nach langer Leidenszeit - wenn auch nur für ein paar Augenblicke. Immerhin noch drei Ballkontakte sprangen dabei heraus. Und eine Gelbe Karte - weil er zwei Berliner ineinander rauschen ließ. Ohne Note.

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