Einzelkritik: Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach 1:2 (0:0)

Am Anschlag ins Halbfinale

von Redaktion TORfabrik.de
Much fun (Photo by Stuart Franklin /Bongarts / Getty Images)

Ausgelassene Freude bei Oscar Wendt und Raffael nach dem verwandelten Elfmeter zum 2:0 in Hamburg (Photo by Stuart Franklin /Bongarts / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach wurde vom Hamburger SV beinahe aus der Bahn und damit dem Pokal geworfen. Doch nach einer schwachen ersten Halbzeit steigerten sich die Borussen und zogen letztlich verdient ins Halbfinale ein.

Yann Sommer: Ließ zu Beginn eine scharfe Hereingabe nach vorne prallen und hatte Glück, dass dort Dahoud und nicht ein gegnerischer Angreifer stand. Hielt sein Team mit der überragenden Reaktion bei der Großchance von Wood im Spiel - das war eine grandiose Rettungstat. Im weiteren Verlauf sicher, auch bei hohen Bällen mit guter Präsenz. Gegen Ende faustete er eine Hereingabe weit genug weg, obwohl der Ball beim Gegner landete. Als Spieleröffner kurz vor dem Halbzeitpfiff mit einem Pass in die Mitte direkt auf einen Hamburger. Allerdings wurde Sommer im ersten Durchgang von den Kollegen etwas zu oft genötigt, den Ball weit nach vorne zu schlagen. Beim Gegentor in der Schlusssekunde machtlos. Note 2,0.

Tony Jantschke: In der Startphase der Partie mit Orientierungsschwierigkeiten, als er einen Kopfball aus dem eigenen Strafraum direkt vor die Füße von Hunt platzierte. Der HSV veranstaltete viel über Jantschkes Seite und der hatte Probleme beim Zweikampftiming. Mit seinem Fehler leitete er die Wood-Chance ein. Später agierte er zu inkonsequent gegen Wood, der sich gefährlich an den Fünfmeterraum dribbeln konnte. Jantschke war bemüht, sich am Kombinationsspiel nach vorne zu beteiligen, es gelang aber nur wenig. Ein Annahmefehler nach Sommer-Abschlag an der Mittellinie war exemplarisch. Nach dem Seitenwechsel gelang ihm der schöne lange Ball auf Herrmann, was zur ersten Elfmetersituation führte. Im weiteren Verlauf stabilisierte sich Jantschke deutlich. Note 4,0.

Andreas Christensen: Fand zunächst nicht in die Spur und fiel vor allem durch drei ungewohnt fahrige Fehlpässe innerhalb der ersten acht Minuten auf. Auch ein Kopfballduell, mit dem der Ball weitergeleitet wurde, verlor der Däne. Er steigerte sich nach und nach und konnte einige wichtige Situationen für sich entscheiden. Mit einer beherzten Grätsche, als er aufmerksam vor den Gegenspieler kam, leitete er den Angriff ein, der zum zweiten Elfmeter führte. In der Schlussphase blockte er gegen Hunt wenige Meter vor der Torlinie. Bei der Kopfballchance von Mavraj war er nur zweiter Sieger. In der letzten Szene des Spiels konnte er Wood beim Anschlusstreffer nicht stoppen, der es allerdings auch sehr gut machte. Note 3,5.

Jannik Vestergaard: Verlor zwar zwei Kopfballduelle gegen Papadopoulos, agierte ansonsten im Zentrum sehr stabil und räumte mit Kopf und Fuß einiges weg. Herrlich, wie er einen Hamburger Angreifer einfach an sich abprallen ließ. In mehreren Situationen kam er gut vor den Gegner. Auch in der Ballbehauptung sehr stabil. Sprintete nach der Pause bei einem Konter mit nach vorne, sein Abspiel auf Hofmann geriet einen Tick zu weit. In der Endphase der Partie verschätzte er sich, als er gegen Hunt aufrückte, der in seinem Rücken entwischen konnte. Christensen bereinigte die Situation in letzter Instanz. Note 2,5.

Oscar Wendt: Auch der Schwede war im ersten Abschnitt sehr schwerfällig. Vorne zeigte er sich in der Anfangsphase einmal, als er etwas überhastet von der linken Seite flach vorbeischoss. Ansonsten verschleppte er eher das Tempo bzw. musste sich der Abwehrarbeit widmen. Hier fehlte etwas der Biss, u.a. ließ er Wood zu einfach zum Seitfallzieher von Müller flanken. Nach der Pause setzte er mit einem klugen Pass in den Strafraum Stindl vor dem zweiten Elfmeter in Szene. Nach der Vorentscheidung spulte Wendt sein Programm routiniert herunter. Note 3,5.

Christoph Kramer: Hatte zunächst wie die Kollegen seine Probleme mit dem Pressing der Hamburger. Es gab weder Zeit noch Raum, das Spiel aufzuziehen. In den wenigen ruhigeren Phasen in der ersten halben Stunde war Kramer um Struktur bemüht, was aber nur selten gelang. Mit einem bissigen Zweikampf in der 31. Minute setzte er ein Zeichen und fortan waren er und die gesamte Mannschaft präsenter. Klasse seine Vorarbeit für Stindl, als er über rechts in den Strafraum zog und mehrere Gegner umspielte. Nach der Pause ordnete Kramer das Geschehen wohlüberlegt, hielt Dahoud mehrfach gut den Rücken frei und erstickte viele Hamburger Angriffe durch fleißige Störmanöver. Note 3,0.

Mo Dahoud: Versuchte, sich gegen die früh attackierenden Hamburger mit spielerischen Mitteln zu befreien. Doch selbst wenn das gelang, blieb die Spielfortsetzung unvollendet. Gelungen der Doppelpass mit Stindl vor dessen erstem Abschluss. Aber er leistete sich auch den einen oder anderen schlampigen Pass. Bei einer Schussgelegenheit zauderte er so lange, bis ihm von hinten ein Gegenspieler störte. In der Rückwärtsbewegung bot er mehrmals nur einen Begleitservice an (u.a. gegen Wood) anstatt zuzupacken. Nach der Pause auffälliger nach vorne, aber unter Druck mit wenig Ballkontrolle. Eine gute Kontermöglichkeit vergab er durch einen schwachen Pass. Acht Minuten vor dem Ende wurde er von Strobl abgelöst. Note 4,0.

Patrick Herrmann: Ließ sich gleich im ersten Duell sehr einfach von Mavraj abdrängen. Kurz darauf mit einem guten öffnenden Pass auf Wendt, aber auch einer Menge Unzulänglichkeiten. Im Zweikampf fehlte es an Stabilität, am Ball gelang ihm wenig. Bezeichnend ein ›No-Look-Fehlpass‹ in Höhe der Mittellinie. Kurz vor der Pause verdaddelte er eine Kontermöglichkeit durch den misslungenen Versuch eines Seitenwechsels. Richtig stark der Antritt vor der ersten Elfmetersituation, als er sich den Ball beherzt zweimal vorlegte und mutig in den Strafraum lief. So provozierte er das ungestüme Einsteigen von Mavraj. Auch am zweiten Tor war Herrmann beteiligt, als er beim ›Flippern‹ im Hamburger Strafraum den Überblick behielt und auf Raffael ablegte. Danach noch bei dem einen oder anderen Konteransatz dabei, der nicht vollendet wurde. Note 4,0.

Jonas Hofmann: Auf der linken Seite aufgeboten, fand Hofmann zunächst gar nicht ins Spiel. Seine Laufwege in der Defensive wirkten nicht abgestimmt, nach vorne agierte er sehr fahrig. Ihm unterliefen mehrere leichte Ballverluste, in einer Situation lief er einen langen Ball nur halbherzig an, so dass ein Gegenspieler dazwischen ging. In direkten Duellen augenfällig zaghaft. Nach einer gelungenen Kopfballverlängerung von Jantschke folgte Hofmanns schwache Hereingabe von der rechten Seite. Mit einem missratenen Rückpass ermöglichte er eine Schusschance für Müller, kurz vor der Pause bediente er erneut einen Hamburger mit einem unkontrollierten Pass an den eigenen Strafraum. Im zweiten Durchgang bei einem überfallartigen Konter zwar nicht optimal von Vestergaard angespielt, doch mit einem ganz schwachen Abspiel, als er mehrere gute Optionen hatte. Auch der nächste Konter scheiterte an einer unpräzisen Fortsetzung von Hofmann. Wach war er bei der Elfmetersituation, als er die Berührung von Ostrzolek dankbar ausnutzte. Acht Minuten vor seiner Auswechslung verpasste er vorne den Moment für ein Abspiel und schoss dann den eigenen Mann an - aus dem Abpraller resultierte ein HSV-Konter mit einer Chance für Hunt. Note 4,5.

Raffael: Man merkte dem Brasilianer bei seinem Startelfcomeback an, dass noch einiges zur Bestform fehlt. Das frühe Attackieren der Hamburger schmeckte ihm überhaupt nicht, er konnte sich in der ersten halben Stunde unter Bedrängnis kaum einmal durchsetzen. In der Phase nach dem 1:0 war Raffael dann sehr präsent. Mit einer beherzten Grätsche hielt er den Ball vor dem Angriff zum zweiten Elfmeter in der gegnerischen Hälfte, dann legte er im Strafraum für Stindl auf. Den Strafstoß verwandelte er mit vollem Risiko in den Winkel. Mit einem Hackenzuspiel initiierte er einen Konter. Nach einem schönen Dribbling hatte er freie Bahn, verzog jedoch dermaßen, dass der Ball im Seitenaus landete. Fünf Minuten vor Schluss räumte er das Feld für Hahn. Note 3,5.

Lars Stindl: Tat sich vor der Pause genauso schwer wie die Kollegen, ein vernünftiges Angriffsspiel aufzuziehen. Nach Doppelpass mit Dahoud hatte er mit seinem nicht harten, aber dennoch tückischen Flachschuss die erste Tormöglichkeit. Kurz vor der Pause wurde sein Kullerball nach Kramer-Vorarbeit von Papadopoulos ans Außennetz geklärt. Übernahm beim ersten Elfmeter die Verantwortung und verwandelte ungeachtet seines Fehlschusses gegen Adler in der Liga souverän. Hatte das 2:0 auf dem Fuß, als er am stark reagierenden Adler scheiterte, doch der Rebound führte zum zweiten Elfmeter. In der verbleibenden Spielzeit bei mehreren Konteransätzen beteiligt, ohne dass die Angriffe abgerundet werden konnten. Note 2,5.

Fabian Johnson: Ersetzte Hofmann eine Viertelstunde vor Schluss. Der US-Nationalspieler beteiligte sich zwar an einigen Kontern, kam aber nicht wirklich zum Zuge. Das lag auch daran, dass er zweimal von Sakai abgelaufen wurde. Ohne Note.

Tobias Strobl: Kam in den letzten zehn Minuten für Dahoud, um die Zentrale zu verdichten. Strobl unterstützte Christensen bei der Klärungsaktion gegen Hunt. Ohne Note.

André Hahn: Löste Raffael in den letzten fünf Minuten ab. In der Nachspielzeit mit einem harmlosen Schuss auf Adler, der hieraus mit dem schnellen langen Abschlag den Anschlusstreffer vorbereitete. Ohne Note.

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