Festtag im Borussia-Park gegen Manchester City

»Alles raushauen, was in uns steckt«

von Marc Basten und Nadine Basten
Andre Schubert am Dienstag auf der PK (Foto: Jan van Leeuwen / TORfabrik.de)

Andre Schubert am Dienstag auf der PK (Foto: Jan van Leeuwen / TORfabrik.de)

Mit viel Optimismus und Vorfreude geht Borussia Mönchengladbach in das erste Heimspiel der Champions League gegen Manchester City (Mittwoch, 20.45 Uhr). Die Gladbacher wollen die Engländer richtig fordern.

Noch immer ist es etwas gewöhnungsbedürftig, dass bei der Pressekonferenz vor einem Spiel von Borussia Mönchengladbach nicht Lucien Favre auf dem Podium sitzt. Es hatte sich eingespielt über die Jahre und da der Schweizer immer ein bestimmtes Repertoire an Standardsätzen nutzte, wussten die meisten Journalisten schon vorher, was sie später schreiben würden.

Favre lebte das Understatement, zählte die Fähigkeiten und Stärken des Gegners auf und warnte gleichzeitig, das eigene Team bloß nicht überschätzen. Von daher war es schon ein  Kontrastprogramm, was Interims-Coach André Schubert am Dienstag vor dem Champions League-Heimspiel gegen Manchester City aussprach: »ManCity ist eine sehr gute Mannschaft mit hervorragenden Spielern. Aber es ist kein übermächtiger Gegner. Wir haben unsere Qualitäten, die wollen wir zeigen und wir erstarren jetzt nicht vor Ehrfurcht«.

»Es macht überhaupt keinen Sinn, dass wir ängstlich in so eine Partie gehen«, so Schubert weiter. »Es ist kein Spiel, das die Mannschaft auf dem Jahrmarkt gewonnen hat, sondern weil sie eine überragende Saison gespielt und sich verdient für die Champions League qualifiziert hat. Also haben wir auch Qualität und wir wollen zeigen, was uns ausmacht. Das ist das Spiel nach vorne, den Weg zum Tor suchen und nicht nur zu verteidigen«.

Selbstredend ruft Schubert nicht zum Harakiri auf. »Natürlich müssen wir im Kollektiv verteidigen. Im individuellen 1 gegen 1 müssen wir sie auch bekämpfen und stellen. Das ist schwer gegen so eine Mannschaft, deshalb brauchen wir eine überragende Laufleistung, damit die Abstände sehr eng sind«.

Im Spiel nach vorne lässt Schubert die Fohlen galoppieren, setzt auf Eigeninitiative. »Ich unterscheide zwischen Offensive und Defensive«, so Schubert. »Für die Defensive gibt es klare Absprachen und Verhaltensweisen, jeder Spieler muss berechenbar sein. Im offensiven Bereich gibt es immer Handlungsoptionen. Der Spieler mit dem Ball am Fuß muss entscheiden, was er macht. Wir erarbeiten Optionen, er weiß um die Optionen aber es kann auch sein, dass ihm was anderes einfällt«.

Schubert erläutert es am Beispiel von Raffael: »Er muss Dinge im Defensivverbund leisten und das macht er. Ansonsten ist Raffa kein Spieler, den ich in irgendein Konzept presse. Er ist jemand, der unheimlich kreativ ist, der instinktiv sehr viele gute Laufwege macht und immer den Ball fordert. Da muss ich ihm nicht sagen, wo er hinzulaufen hat. Letztendlich entscheiden alle für sich, was sie in der Sekunde machen. Das macht die Qualität eines Spielers aus«.

Dass dabei auch falsche Entscheidungen getroffen werden, ist klar. Doch Schubert gesteht den Spielern Fehler ein. »Die Freiheit muss jeder Spieler haben. Natürlich besprechen wir nachträglich, was anders hätte laufen können. Aber die Entscheidung wird nicht in Frage gestellt, weil die Spieler immer nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden«.

Mit Schwung und Selbstvertrauen sollen die Borussen gegen den finanziell hochgezüchteten Gegner aus Manchester auflaufen und diesen besonderen Moment auskosten. »Es wird auf jeden Fall ein Festtag, egal wie das Spiel ausgeht«, sagt Schubert. »Was wir dazu beitragen können ist, dass wir über 90 Minuten alles abrufen, was wir drauf haben. Mehr können wir nicht tun, das Ergebnis werden wir dann am Ende sehen. Wir trauen uns sehr viel zu, aber wir können nur versprechen, dass wir alles raushauen, was in uns steckt. Wir wollen das genießen, aber auch einen großen Fight und ein großes Spiel liefern«.

Bei der Heimpremiere in der Königsklasse kann Schubert bis auf Martin Stranzl auf den kompletten Kader zurückgreifen. Tony Jantschke, der zuletzt fehlte, trainierte ohne Probleme mit und ist »grundsätzlich einsatzbereit«.

Weiter in die Karten schauen lassen wollte sich Schubert in Sachen Aufstellung nicht. Das wiederum ist etwas, was man von Lucien Favre gewohnt war. Derweil gab Alvaro Dominguez grünes Licht für einen Einsatz. »Am Samstag in Stuttgart war es etwas eng, aber jetzt habe ich mich gut erholt und bin bereit für morgen«.

Die Mannschaft ist jedenfalls richtig heiß auf Champions League im Borussia-Park. »Wir alle freuen uns auf das Spiel«, erklärte Kapitän Granit Xhaka. »In den letzten zwei Partien haben wir unsere Moral bewiesen und sind bereit für ManCity. Klar ist das nochmal ein anderes Kaliber, wir haben Respekt, aber keine Angst. Vielleicht werden sie uns ein wenig unterschätzen. Ich weiß nicht, ob jeder von denen uns kennt. Aber das werden sie dann wahrscheinlich morgen Abend spüren …«

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