Borussia verschafft sich Luft

»Alle waren am Limit«

Created by von Marc Basten und Jan van Leeuwen
Yann Sommer hielt den Sieg fest (Foto: Team2 Sportphoto)

Yann Sommer hielt den Sieg fest (Foto: Team2 Sportphoto)

Kollektives Durchatmen bei Borussia Mönchengladbach. Sechs Punkte innerhalb von drei Tagen sorgen dafür, dass die größten Krisenszenarien nicht mehr akut sind. In Stuttgart erkämpfte sich die Mannschaft den wichtigen Sieg.

Es war ein Kraftakt in der Stuttgarter Arena, den Borussia Mönchengladbach absolvieren musste, um den ersten Auswärtssieg der Saison einzufahren. Zwei frühzeitige Tore, erzwungen durch eigenen Offensivdrang und begünstigt durch Stuttgarter Nachlässigkeiten, ebneten den Weg.

»Wir hätten in der Phase danach das dritte Tor nachlegen können oder sogar müssen«, sagte Max Eberl anschließend. »Dann wäre die Messe gelesen gewesen. Doch mit dem Elfmeter kurz vor der Pause holen wir den VfB zurück ins Spiel«. »Wir haben es uns dann selber schwer gemacht«, ergänzte Fabian Johnson.

Wieder mal ein Elfmeter gegen die Borussia, der dritte innerhalb von drei Tagen. Berechtigt ohne Frage, weil Nordtveit gegen Didavi zu spät kam, aber durchzog. Die Häufung der Strafstöße ist eine Mischung aus Zufall und Ungeschicklichkeit. »Ich bin froh, dass die Jungs aktiv verteidigen und lieber jemand zum Ball hingeht, als dass er das nicht macht«, sagte Interims-Coach André Schubert. »Wenn’s auch ein bisschen geschickter sein kann«.

Nach der Pause wurde es für die Borussen richtig kompliziert. »Da hat Stuttgart mit viel Tempo gespielt und mächtig Druck erzeugt«, sagte Max Eberl. »Wir mussten uns dem entgegenstellen, was Stuttgart aufzog. Das hat die Mannschaft gelöst, wenn auch das Quäntchen Glück dabei war«.

Mo Dahoud ging »auf dem Zahnfleisch«

»Stuttgart war ›on Fire‹, sagte Håvard Nordtveit. »Wir haben kämpferisch sehr gut dagegengehalten. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass wir das Spiel vor kurzen noch verloren hätten«. Der Norweger hatte zwei Stunden vor der Partie erfahren, dass es bei Álvaro Dominguez noch nicht für einen Einsatz von Beginn an reicht und er dafür in der Innenverteidigung spielen sollte. Für ›Howie‹ »kein Problem«. Zumal für ihn klar war: »Drei Skandinavier in der Viererkette - was soll da schief gehen?«

»Die Mannschaft hat unglaublich gefightet, alle waren am Limit und natürlich haben wir auch einen hervorragenden Torwart«, sagte André Schubert. Nach hinten heraus konterte seine Mannschaft gefährlich und machte letztlich durch Raffael in der Schlussminute endgültig den Sack zu. Zuvor jedoch waren alle gefordert, auch der Trainer. Der Doppelwechsel Hahn und Dominguez für Korb und Dahoud brachte gleich mehrere Verschiebungen mit sich. Johnson spielte nun Rechtsverteidiger, Nordtveit auf der Sechs und Herrmann auf der linken Seite.

»Wir mussten reagieren«, sagte André Schubert. »Mit Fabian wollten wir auf der rechten Seite mehr Stabilität reinbekommen, das ist uns gelungen. Mo ging auf dem Zahnfleisch nach dem Riesenlaufpensum. Da müssen wir gucken, wie wir das auffangen«.

Trainersuche: Qualität vor Geschwindigkeit

Der hohe physische Aufwand wird ein großes Thema in den nächsten Tagen und Wochen. Mittwoch ist schon wieder Champions League und gegen Manchester City wird man nicht im Energiesparmodus bestehen können. Samstag kommt der VfL Wolfsburg in den Borussia-Park.

»Wir müssen jetzt schnell regenerieren und dann schauen wir weiter«, so Schubert. Der Montag ist trotz des Mittwochspiels trainingsfrei. »Es ist wichtig, durchzupusten und die Köpfe frei zu bekommen«.

Das gilt auch für Schubert und die Verantwortlichen bei Borussia. Die beiden Siege nehmen gehörig Druck aus der Pipeline in Sachen Trainersuche. »Mit sechs Punkten gehen wir aus der für uns als Klub sehr intensiven Woche positiv heraus«, sagte Max Eberl. »André macht es sehr gut, er hat seine Arbeit auf der von Lucien aufgesetzt und seine Impulse gebracht, das hat die Mannschaft angenommen. Das bringt uns Ruhe für die Trainersuche. Wir arbeiten mit der nötigen Sorgfalt. Am langen Ende geht es um Qualität und nicht um Geschwindigkeit. Man hat nichts davon, ganz schnell etwas zu präsentieren, wovon man nicht überzeugt ist«.

Vize-Präsident Rainer Bonhof sprach in einem TV-Interview davon, dass es auch bis zum Sommer dauern könne, bis man einen neuen Coach präsentiert. André Schubert hat derweil das Vertrauen, wobei er weiter der Interims-Trainer bleibt. »Wir haben da eine klare Absprache«, so Schubert. »Meine absolute Fokussierung richtet sich auf das Sportliche, von Tag zu Tag und von Spiel zu Spiel. Alles andere ist Sache der Vereinsführung. Solange das so ist, genieße ich die Arbeit mit der Mannschaft. Das macht mir Riesenspaß, nicht mehr und nicht weniger«.

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