Der 18. März - Borussias Datum für Slapstick-Eigentore

Ärger auf hohem Niveau

von von Marc Basten
Håvard Nordtveit - Slapstick-Eigentore an einem 18. März (Foto: Team2 Sportphoto)

Håvard Nordtveit - Slapstick-Eigentore an einem 18. März (Foto: Team2 Sportphoto)

Das abstruse 1:2 auf Schalke zu verdauen, fällt schwer. Auch mit etwas Abstand ist es kaum möglich, dieses Ergebnis zu akzeptieren. Vielleicht hilft ein Blick in die Vergangenheit.

Noch immer gibt es keine schlüssige Antwort auf die Frage: Wie um alles in der Welt konnte Borussia dieses Spiel verlieren? Derart überlegen aufgetreten, überragend herausgespielte Chancen für ein halbes Dutzend Auswärtstore und letztlich durch ein Slapstick-Eigentor und einen abgefälschten Schuss verloren. Es ist und bleibt unerklärlich.

Da tröstet es nur wenig, dass nach Wolfsburg nun auch Schalke die Hosen gestrichen voll hatte und ein Heimspiel gegen Gladbach so bestritt, als ob ein ›Übergegner‹ der Kategorie Barcelona oder Real Madrid zu Gast wäre. Was hilft es, dass man während des Spiels vor Begeisterung nicht an sich halten konnte, als Raffael & Co. die Schalker reihenweise an die Wand spielten? Am Ende zählt das nackte Ergebnis.

Vielleicht hilft bei der Einordnung dieses Erlebnisses vom 18. März 2016 eine Besinnung auf einen Satz, der zum Standardrepertoire von Lucien Favre gehörte. »Vergessen sie nicht, wo Borussia Mönchengladbach vor ein paar Jahren war«, pflegte der Schweizer zu sagen. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Borussia an einem 18. März schon einmal ein wichtiges Spiel durch ein kurioses Eigentor verlor.

Vor fünf Jahren, auch an einem Freitagabend, faustete sich Logan Bailly im zweiten Versuch einen Eckball ins eigene Tor und Tabellenschlusslicht Borussia verlor daheim gegen den 1.FC Kaiserslautern mit 0:1. ›Eine unglaubliche Situation für das Kuriositätenkabinett, doch Lachen mochte niemand darüber‹, hieß es damals im Spielbericht.

›Der dritte Abstieg der Vereinsgeschichte dürfte unausweichlich geworden sein‹, war in der Nachberichterstattung zu lesen. An diesem 18. März 2011 lag Borussia Mönchengladbach in Trümmern. Auf den Tag genau fünf Jahre später waren alle, die es mit Borussia halten, wieder der Verzweiflung nahe. Aber nicht, weil es einen Tiefschlag im Existenzkampf gab, sondern weil man es versäumte, ein überragendes Auswärtsspiel zu krönen und etwas Boden im Kampf um die Champions -League-Plätze einbüßte.

Setzt man den berechtigten und nur verständlichen Verdruss über das Spiel auf Schalke in die richtige Relation, kann man sogar beinahe (aber nur beinahe) über das Ping-Pong-Eigentor schmunzeln.

Fünf Jahre - das mag im ersten Moment ganz weit weg sein. Doch damals wie heute stand Håvard Nordtveit auf dem Platz und Patrick Herrmann wurde gegen Lautern ebenso eingewechselt wie jetzt auf Schalke. Die aktuell verletzten Jantschke und Stranzl spielten seinerzeit, Brouwers saß, ebenso wie diesmal, 90 Minuten auf der Bank. Der heutige Schalker Neustädter trug das Gladbacher Trikot, Borussias Ersatzkeeper Tobi Sippel stand damals bei Kaiserslautern zwischen den Pfosten.

Die Vergangenheit ist also durchaus noch lebendig und die Erinnerung an die damalige Gemütslage für jeden Gladbacher greifbar. Unglaublicher als die Niederlage auf Schalke ist die Tatsache, dass sich die Borussen heute auf diesem hohen Niveau grämen dürfen. Das bringt zwar die verschenkten Punkte vom Freitag nicht zurück, doch es hilft etwas, den Ärger darüber einzuordnen und zu verdauen.

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