Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - TSG Hoffenheim 2:2 (0:1)

Ein Zufallspunkt bewahrt die Hoffnung auf Europa

von Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - TSG Hoffenheim 2:2 (0:1)

Nico Elvedi enttäuschte auch gegen Hoffenheim (Foto: Lars Baron / Bongarts / Getty Images)

Es war ein unverdienter und überaus glücklicher Punkt für Borussia Mönchengladbach gegen Hoffenheim. Die Fohlenelf trat über weite Strecken wie ein Abstiegskandidat auf, positiv war einzig die Moral am Ende. Dass fast alle Spieler weit unter ihren Möglichkeiten blieben, zeigt auch die Einzelkritik.

Yann Sommer: Ein Fehlpass zu Beginn in die Füße eines Hoffenheimers ließ nichts Gutes vermuten, doch Sommer entwickelte sich zum ›Man of the Match‹. Er parierte mehrere Unhaltbare, u.a. den Volley von Kramaric oder die Großchance von Szalai. Einige Bälle lenkte er mit den Fingerspitzen über bzw. gegen die Latte. Ohne Sommers Paraden wäre das Spiel schon zur Halbzeit klar entschieden gewesen. Bei den Gegentoren war der Schweizer genauso machtlos wie beim Lattenkracher von Schulz. Dass er der Gladbacher mit den meisten Ballkontakten war, unterstreicht die Probleme der Borussen mit dem Hoffenheimer Pressing. Note 1,5.

Nico Elvedi: Diesmal rechts in der Dreierabwehrkette aufgeboten, wo er jedoch nahtlos an die schwache Leistung von Stuttgart anknüpfte. Mehrfach ließ er sich auf die simpelste Art und Weise von Belfodil & Co narren und stand nahezu komplett neben sich. Stellungsfehler, Zweikampfschwäche, Angst und Schlafmützigkeit zogen sich bei Elvedi durch das komplette Spiel. Daran änderte auch die Umstellung auf Viererkette nach der Pause nichts. Er war ein absoluter Unsicherheitsfaktor und in dieser Verfassung - so hart es klingt - ist er nicht bundesligatauglich. Note 5,0.

Matthias Ginter: Zentraler Mann der Dreierkette und später Innenverteidiger in der Viererkette. Dort agierte er, bis auf eine Rettungstat per Grätsche bei einem Nachschuss, sehr dezent. Eine Statistik weist eine Zweikampfquote von 0% aus, bei einer anderen wurden ihm immerhin zwei gewonnene Duelle gutgeschrieben. Objektiv gesehen konnte Ginter der Abwehr zu keiner Zeit einen Halt geben, beim Treffer zum 1:2 spielte er mit seinem zu kurz geratenen Klärungsversuch per Kopf auch keine glückliche Rolle. Dafür reagierte er bei der zufällig entstandenen Situation vor dem 1:1 wachsam und behielt beim Abschluss die Ruhe. Note 4,5.

Tony Jantschke: Links in der Dreierkette aufgeboten, war der Routinier der präsenteste Abwehrspieler. Bei ihm war Willen und Widerstandsfähigkeit erkennbar. Auch wenn er sich in einer Situation wegdrücken ließ, gewann er alle seine übrigen Zweikämpfe. Einmal klärte Jantschke in höchster Not im Infight zur Ecke. Bei zwei, drei Kopfballgelegenheiten der Hoffenheimer war auch Jantschke nur Zuschauer im vollbesetzten Sechzehner. Weil er einen Schlag auf sein bereits im Training in Mitleidenschaft gezogenes Knie erhielt, musste er zur Pause draußen bleiben. Note 3,5.

Patrick Herrmann: Spielte wieder auf der rechten Außenbahn und zog sich bei gegnerischem Ballbesitz weit zurück, so dass eine Fünferabwehrkette entstand. Herrmann leistete gegen den Ex-Kollegen Schulz bei dessen Vorstößen vernünftig Widerstand. Vom Engagement her war das in Ordnung, zwei gute Grätschen brachten Herrmann Sonderapplaus ein. Im Spiel nach vorne blieb es bei Ansätzen. Immerhin gab er den ersten und einzigen Torschuss vor der Pause ab. Herrmanns Freistoßaufsetzer aus über zwanzig Metern war durchaus gefährlich. Wegen muskulärer Probleme am Oberschenkel wurde er zur Pause ausgewechselt. Note 4,0.

Florian Neuhaus: Ist mittlerweile ziemlich von der Rolle, was sich in vielen Situationen zeigte, bei denen er die falsche Entscheidung traf. Neuhaus nahm Bälle nicht richtig an, leitete sie nur unzureichend weiter und hatte die Räume kaum im Blick. Seine Dribblings stockten und in einer vielversprechenden Situation zweifelte er zwischen Abspiel und Annahme mit der Folge, dass er den Ball verlor. Neuhaus muss momentan definitiv zu viel der Last schultern. Das Potenzial kann man ihm nicht absprechen und die Laufbereitschaft (laufstärkster Borusse) stimmte. Mit dem eher zufälligen Zuspiel auf Ginter vor dem 1:1 heimste Neuhaus einen Scorerpunkt ein. Note 4,5.

Tobias Strobl: Rückte aufgrund der Gelbsperre von Kramer von der Dreierkette eine Position nach vorne. Aufgrund des permanenten Hoffenheimer Pressings wurde Strobl allerdings weit zurückgedrängt. Mit zwei guten Verlagerungspässen gelang es ihm, das Pressing zu überspielen, doch zumeist kam er nicht an den Ball, um das Spiel aufzubauen. 29 Ballkontakte in 82 Minuten sind für einen zentralen Akteur zu wenig. Das erste Hoffenheimer Tor muss Strobl auf seine Kappe nehmen - er ließ Kadarabek entwischen. Auch beim zweiten Gegentor sah er nicht gut aus, als er leicht panisch klären wollte und Elvedi anschoss. Immer wieder waren kleinere und größere Unsicherheiten auszumachen und auch Strobls Tempodefizite fielen deutlich ins Gewicht. Note 5,0.

Denis Zakaria: Ganz klar - in einer funktionierenden Mannschaft wäre er Gold wert. Zakaria versuchte etwas, wollte vorne angreifen, Verwirrung stiften und Gefahr erzeugen. Er erzwang einige Fehlpässe beim Gegner und sprintete dem Ball hinterher, auch und gerade nach eigenen Fehlern. Zeigte in einem Laufduell mit Schulz, dass er dessen Tempo toppt. Nach der Systemumstellung zur zweiten Halbzeit auf der Achterposition war Zakaria längst nicht mehr so präsent . Note 4,0.

Oscar Wendt: Ob es am fehlenden Spielrhythmus liegt, dass der Schwede nur ein Schatten seiner selbst war? Jedenfalls hatte er auf der linken Außenbahn erhebliche Probleme. Nach vorne ging so gut wie nichts und wenn er mal unverhofft Raum vor sich hatte, verließ ihn der Mut und er brach ab. Gerade von einem Mann mit seiner Erfahrung sollte man erwarten, dass er in der komplizierten Lage vorangeht. Aber Wendt wirkte besonders verunsichert. Eine Flanke landete in der Südkurve, defensiv tappte er gleich doppelt in eine Finte rein, rutschte im Strafraum aus und war bei der Riesenchance von Kramaric nach der Pause überhaupt nicht im Bilde. Die Laufleistung stimmte zwar, doch erst in der Schlussphase, als es mal zügiger nach vorne ging, zeigte sich Wendt etwas lebhafter. Note 5,0.

Thorgan Hazard: Lange wurde es erwartet und nun spielte Hazard - mit vernehmbaren Pfiffen empfangen - vorne zentral neben Plea. Allerdings stimmte weder die Abstimmung zwischen den beiden, noch waren die erzwungenen langen Bälle ein probates Mittel, um Hazard ins Spiel zu bringen. So war der Belgier vor der Pause überhaupt kein Faktor. Nach der Umstellung zur zweiten Halbzeit kam er über die linke Seite und hatte hier mehr Spielanteile, doch er wirkte weiterhin verkrampft. Nach dem 1:1 hatte Hazard die Möglichkeit zur Führung, als er nach dem verunglückten Traoré-Schuss aufs kurze Eck ballerte, doch Baumann ließ sich im Gegensatz zur Vorwoche nicht überraschen. Note 4,5.

Alassane Plea: Im ersten Durchgang gemeinsam mit Hazard auch aufgrund der schlimmen Spielanlage zumeist außen vor. Lange Bälle konnte er nicht festmachen und mehrfach sah es so aus, als ob er es gar nicht wirklich versuchen wollte. In den wenigen Momenten, als ansatzweise kombiniert wurde, deutete Plea zumindest mal etwas an. Im zweiten Durchgang in der geänderten Ausrichtung bekam er als alleinige Spitze mit dem breit gefächerten Mittelfeld dahinter mehr Zugriff. Seine beste Szene war zweifellos die Vorarbeit zum 2:2, als er den klugen Doppelpass mit Traoré spielte und uneigennützig für Drmić ablegte. Note 4,0.

Jordan Beyer: Kam zur Pause für den angeschlagenen Jantschke und übernahm in der neuen Viererkette die Rechtsverteidigerposition. Seine erste Szene war in der Offensive, als er den Ball relativ weit übers Tor schoss. Doch die Fans applaudierten dankbar, weil da endlich mal einer den Torabschluss suchte. Beyer machte seine Sache ordentlich, auch wenn ihm Schulz hier und da schon Probleme bereitete. Mit seiner Kopfballverlängerung auf Plea war Beyer an der Entstehung des 2:2 beteiligt. Jedenfalls strahlte der Youngster genügend Selbstvertrauen aus, dass man ihn in Nürnberg als ernsthafte Alternative für die Startelf sehen kann. Note 3,5.

Ibrahima Traoré: Ersetzte in den zweiten 45 Minuten den verletzten Herrmann. Traoré brachte viel Schwung, schlug ordentliche Flanken, war relativ ball- und passsicher. Seine bekannten ›Moves‹ nach innen wirkten gefährlich. Dass er zappelig wird, je näher es in Richtung Tor geht, konnte Traoré auch diesmal nicht abstellen. Aber sein ziemlich missratener Schussversuch landete bei Neuhaus und führte letztlich zum 1:1. Die Hazard-Chance entstand durch einen verunglückten Rechtsschuss von Traoré und auch beim 2:2 hatte er als Doppelpasspartner von Plea entscheidenden Anteil. Note 3,0.

Josip Drmić: Dritter Kurzeinsatz in dieser Saison, drei Ballkontakte, ein Torschuss und der war drin. Effektiv. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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