Einzelkritik: Hannover 96 - Borussia Mönchengladbach 0:1 (0:0)

Drei Punkte und viel Luft nach oben

von Einzelkritik: Hannover 96 - Borussia Mönchengladbach 0:1 (0:0)

Christoph Kramer gehörte in Hannover zu den besten Gladbachern (Foto: Martin Rose / Bongarts / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach gewinnt in Hannover und rückt bis auf einen Punkt auf Rang 4 heran. Dennoch war es keine Glanzleistung der Borussen, wie auch die Einzelkritik zeigt.

Yann Sommer: Musste bereits nach wenigen Sekunden die Kapitänsbinde überstreifen, nachdem Stindl schwer verletzt ausschied. Sommer wurde zunächst nur als mitspielender Keeper gefordert, wobei er in einer Situation den Ball zu spät schlug und den heranstürmenden Weydandt traf, was zum Glück folgenlos blieb. In einer Szene zeigte er seine fußballerische Klasse, als er einen 96er aussteigen ließ, indem er den Ball hinter seinem Standbein freispielte. Mehrere Abschläge wurden von den Hannoveranern einkassiert, was aber auch daran lag, dass die Adressaten nicht energisch genug hingingen. Auf der Linie hatte Sommer nur ein paar Pflichtaufgaben zu erledigen, bis er in der 70. Minute mit einer hervorragenden Parade den Schuss von Weydandt entschärfte und damit die Führung sicherte. Note 2,0.

Matthias Ginter: Eine eher unauffällige Partie des Nationalspielers als rechter Mann in der Dreierkette. Defensiv profitierte er vor allem davon, dass die beiden Sechser extrem gute Arbeit leisteten und Hannover kaum in die Gefahrenzone kam. Bei der Maina-Chance in der 16. Minute sah Ginter ganz schlecht aus und konnte sich bei Elvedi bedanken, dass dieser im letzten Moment klärte. Im Aufbauspiel mit einigen sehr laschen Bällen und mehreren Fehlpässen. Im zweiten Durchgang war Ginter einmal in einem Sprintduell richtig gefordert, wobei er sich nicht abschütteln ließ. Note 3,5.

Tobias Strobl: Löste als zentraler Mann in der Dreierkette vieles mit gutem Stellungsspiel, indem er vor den Mann kam und sich nicht in Zweikämpfe verwickeln ließ. Wenn er dies gegen Weydandt musste, hatte er kleinere Probleme mit dem wuchtigen Gegenspieler, kam aber ohne Foulspiele aus. Als Ballverteiler von hinten heraus mit schönen Pässen, ohne dabei unnötiges Risiko zu gehen. Als Anspielstationen fehlten, suchte Strobl auch mal den Weg über Sommer. Er schlug einen Traumpass auf Herrmann, dem er wenig später bei einer anderen Aktion einen Rüffel erteilte, weil der sich nicht richtig anbot. Note 2,5.

Nico Elvedi: Rettete nach 16 Minuten im Anschluss an einen Konter der Gastgeber gegen Maina im letzten Moment zur Ecke. Ansonsten über weite Strecken defensiv nicht ernsthaft auf die Probe gestellt. Bei zwei, drei Situationen, als Hannover gefährlich zu werden drohte, war Elvedi zur Stelle. Im Passspiel sehr bedächtig und um Fehlervermeidung bemüht. In der Phase, als man Hannover aufkommen ließ, flatterte Elvedi leicht. So führte sein Abstimmungsproblem mit Hazard zur Großchance für Weydandt. Note 3,0.

Patrick Herrmann: Zeigte sich engagiert auf der rechten Seite und war defensiv wie offensiv fast immer konzentriert. Er holte die erste Ecke raus und fuhr später einen Konter, wo jedoch die Abspielmöglichkeiten fehlten und er selber keine überraschende Aktion auf Lager hatte. Vor der Pause schlug er einige gute Flanken, über die sich ein Kopfballspezialist gefreut hätte. In der zweiten Halbzeit war Herrmann an einigen Kombinationen beteiligt, wurde aber selber nicht zwingend gefährlich. Herrmann spielte mal wieder 90 Minuten durch und war nach Kramer der laufstärkste Mann auf dem Platz. Note 3,0.

Christoph Kramer: Kämpferisch wie läuferisch ein Vorbild und in der guten Zusammenarbeit mit Zakaria der lang vermisste Stabilisator im Mittelfeld. Er sammelte überall abfallende Bälle ein und verteilte sie klug weiter. Bis auf ein, zwei überflüssige Pirouetten agierte Kramer mit Ruhe und Übersicht. Er wurde allerdings von den Hannoveranern auch nicht richtig unter Druck gesetzt. Nach der Pause unterlief ihm ein Ballverlust am Mittelkreis, woraus eine Chance für 96 resultierte. Er selbst hatte auch eine Möglichkeit, als er vor dem Strafraum relativ frei zum Schuss ansetzen konnte, jedoch überhastet abschloss. Mit dem Traumtor in Hannover wurde es diesmal nichts. Note 2,5.

Denis Zakaria: Der beste Gladbacher Feldspieler an diesem Nachmittag. Nahezu jeden Angriffsversuch der Hannoveraner erstickte er im Keim. Überall, wo sie irgendetwas starten wollten, war Zakaria schon zur Stelle. Er machte die Wege nach hinten, war schnell, stark und schlau im Zweikampf. Diesmal ging er nicht so tollkühn in die Duelle, so dass er zu keiner Zeit Gefahr lief, sich eine Verwarnung einzuhandeln. Auch offensiv trat er mit einem Schlenzer aus spitzem Winkel und einem abgefälschten Schuss kurz vor der Halbzeitpause in Erscheinung. Musste neun Minuten vor dem Ende mit Problemen an Rippe/Rücken ausgewechselt werden. Note 1,5.

Thorgan Hazard: Anfangs unglücklich bei seinen Pässen, als er zum Beispiel Neuhaus und Plea suchte, aber nicht fand. Hatte dann die Großchance zur Führung, als er freistehend zum Abschluss kam, jedoch mit dem rechten Innenrist schwach den Torwart anschoss. Etwas später kurvte er durch den Strafraum, sein Schuss wurde jedoch geblockt. Ein anderes Mal zog er nach innen und zielte über das Tor. Im 3-4-1-2-System hat Hazard einen weiteren Weg nach vorne und muss die richtige Balance zwischen Vorwärtsdrang und Positionsbesetzung finden. Defensiv passte es, vorne konnte er auch im zweiten Abschnitt den Ball in letzter Instanz nicht entscheidend zum eigenen Mann bringen. Mehrmals war der letzte Pass oder die Ablage nach einer Aktion ungenau. Vor allem im letzten Drittel der Partie arbeitete Hazard stark in der Defensive und eroberte mit Stellungsspiel und Antizipationsvermögen viele Bälle. Auch hatte er noch einige gute Kombinationen mit Hofmann, wenn es nach vorne ging. Note 3,0.

Florian Neuhaus: Wie schon gegen Bremen mit der zentralen offensiven Rolle der Mittelfeldreihe betraut. Er bewegte sich mehrfach elegant durch die gegnerischen Reihen. Durch technisch starke Ballan- und -mitnahmen löste sich Neuhaus mehrfach galant, wenn er angegriffen wurde. Zu galant war der Versuch bei seiner Großchance, den Ball ins Tor zu chippen, anstatt kompromisslos abzuziehen. Das grenzte schon an Fahrlässigkeit. Einen Volleyversuch nach einer Ecke schoss er weit übers Tor und auch ein Fernschuss mit links verfehlte das Ziel. Ein Fehlpass - für Ginter gedacht - führte zu einem Gegenstoß der Gastgeber. Mit einer guten Bewegung und einem anschließend glücklich abgefälschten Ball leistete er den Assist zum Tor des Tages. Note 3,0.

Lars Stindl: Brach sich nach einer halben Minute das Schienbein bei einem Zweikampf mit Ostrzolek. Wir wünschen gute Besserung! Ohne Note.

Alassane Plea: War in der ersten Halbzeit relativ gut eingebunden und an mehreren Kombinationen beteiligt. So leitete er den Ball geschickt zur Großchance für Hazard weiter. Ein Schlenzer von Plea aufs lange Eck wurde von Esser pariert. Nach einem Steilpass von Raffael fiel Pleas fehlende Spritzigkeit auf den ersten Metern auf. In einigen Szenen ging er nicht richtig hin, was manchmal an laissez-faire grenzt. Nach der Pause und besonders nach dem Führungstreffer trat er immer weniger in Erscheinung. Das war etwas eigenartig, weil man mehr Räume bekommen sollte, wenn man führt und der Gegner aufrückt. Kurz vor dem Ende hatte Plea noch eine gute Schusschance im Fallen - den Abpraller verzog Raffael. Note 4,0.

Raffael: Musste denkbar früh für den verletzten Stindl ins Spiel. Der Brasilianer zeigte hier und da ein paar Ansätze seiner technischen Fähigkeiten, doch es fehlte an Griffigkeit. Ein paar Mal agierte er zu sorglos und verlor den Ball. Als Abnehmer von langen Bällen ist Raffael bekanntlich nicht die Ideallösung, aber ein bisschen mehr Gegenwehr hätte auch er an den Tag legen können. Vor der Pause hatte er eine Möglichkeit, als sein Drehschuss von Felipe geblockt wurde. Später erzielte er das Tor des Tages, als der Ball beim Pressschlag mit Korb zur Bogenlampe mutierte. Am Ende hätte Raffael das 2:0 machen müssen, doch er ballerte den Rebound kläglich übers Tor. Note 4,0.

Jonas Hofmann: Ersetzte Neuhaus und ging, als Cuisance kam, auf Zakarias Position. Hofmann kombinierte ordentlich mit Hazard und fuhr ein paar Konter, hatte aber auch einen Ballverlust im Vorwärtsgang, was bei einem stärkeren Gegner bestraft hätte werden können. Ohne Note.

Michael Cuisance: Wurde für Zakaria eingewechselt und ging auf die Position hinter den Spitzen. Schon bei seiner ersten Aktion hätte er nach rechts abspielen müssen, anstatt den Abschluss aus der Ferne zu suchen. Auch danach sehr eigensinnig und kein Faktor für die Mannschaft. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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