Einzelkritik: Fortuna Düsseldorf - Borussia Mönchengladbach 3:1 (3:0)

Ein Offenbarungseid in allen Bereichen

von Einzelkritik: Fortuna Düsseldorf - Borussia Mönchengladbach 3:1 (3:0)

Frust pur bei den Gladbacher Borussen nach der peinlichen Abfuhr in Düsseldorf (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Der Auftritt von Borussia Mönchengladbach in Düsseldorf ist auch in der Rückschau ein großes Rätsel. Die Herangehensweise, die Mentalität und die fußballerische Leistung waren teilweise unterirdisch. Entsprechend wenig Positives gibt die Einzelkritik her.

Yann Sommer: Am Dienstag in Basel gegen Dänemark kassierte der Keeper in den letzten zehn Minuten drei Gegentore, in Düsseldorf ging es nahtlos weiter. Drei Einschläge innerhalb von sechzehn Minuten, bei denen er jeweils machtlos war - ein echter Horror. Dennoch war Sommer der einzige Nicht-Auswechselkandidat der Fohlenelf. Er hielt einen Flachschuss aus der Distanz im Nachfassen, konnte einen unmöglichen Rückpass von Elvedi nur zum Einwurf befördern und bekam ansonsten nichts mehr zu tun. Verwunderlich ist allerdings, dass er die Tore nahezu emotionslos hinnahm und keine Anstalten machte, seine schlafmützigen Vorderleute wachzurütteln. Note 3,0.

Fabian Johnson: Verteidigte nicht energisch genug gegen Stöger beim 0:2, was wie schon beim Grifo-Tor vor zwei Wochen unterstreicht, dass Johnson kein Defensivspieler ist. Vor dem 0:3 träumte er bei der Ballannahme vor sich hin und wurde vom energischen Einschreiten von Fink überrascht. Vorne fiel Johnson nur positiv mit dem Zuspiel auf Neuhaus vor dessen Lattentreffer auf. Ansonsten war es bis zu seiner Auswechslung in der 69. Minute eine reine Alibivorstellung. Note 5,0.

Matthias Ginter: Verursachte mit einem katastrophalen Fehler das 0:1. Er hätte den eigentlich schlecht gespielten Pass locker abblocken können, ließ den Ball aber durch die Beine rutschen und blieb wie verdattert stehen. Danach war er ziemlich von der Rolle, spielte mehrere blinde Pässe und dribbelte einmal planlos in die Gegenspieler hinein und verlor den Ball. Nach einem Strobl-Fehler in der zweiten Halbzeit knallte er die Kugel panisch wie bei einem Befreiungsschlag nach vorne. Ginter wirkte frustriert, genervt und nicht wie jemand, der mal von hinten heraus für Feuer sorgt. Note 5,0.

Nico Elvedi: Auch er machte punktgenau da weiter, wo er am Dienstag mit der Schweiz aufgehört hatte. Bei den Gegentoren der Eidgenossen war er mit unklaren und schläfrigen Aktionen beteiligt, genauso wie in Düsseldorf. Vor dem 0:1 verteidigte er halbherzig gegen Raman, beim 0:2 erstarrte er bei dessen Hereingabe in die Mitte und ließ den Ball passieren. Die Krönung war Elvedis Verhalten beim 0:3, als er sich von Hennings leicht wegdrücken ließ, das Gleichgewicht verlor und einfach umfiel. Ein derart transusiges Zweikampfverhalten ist für einen Innenverteidiger nicht akzeptabel. Note 5,0.

Oscar Wendt: War schon nach vorne orientiert, als Hofmann vor dem 0:2 den zu kurzen Ball auf Plea spielte und kam dann nicht mehr rechtzeitig hinterher. Sein flach geschossener Freistoß von rechts war zu schwach, um Rensing in Panik zu versetzen. Das galt auch für seine ewig fliegende Bogenflanke, die leicht zu pflücken war. Irgendwie war Wendt ein Spiegelbild der gesamten Spielweise: sorglos, ungiftig, langsam, Pässchen hier, Pässchen da - alles wird gut. Note 4,5.

Tobias Strobl: Fing fußballerisch nicht mal so schlecht an, so spielte er z.B. schön auf rechts zu Hazard, der dann seine Flanke hinters Tor setzte. Vor dem 0:1 war er im defensiven Umschaltspiel zu hüftsteif gegen Stöger, der ihn mit einer einfachen Körpertäuschung aussteigen ließ. Dennoch hätte Strobl mit etwas mehr Biss nochmal Zugriff bekommen können. Beim 0:2 schaffte er zwar Überzahl im eigenen Sechzehner, doch er blickte nur zum Ball und als er die Gefahr durch das Zuspiel in die Mitte realisierte, kam sein Klärungsversuch zu spät. In der Folgezeit der Ballverteiler im Mittelfeld, aber durch das überschaubare Tempo im Passspiel und die schwache Ballverarbeitung durch die Mitspieler verpufften auch gut gemeinte Ansätze. Sah zu Recht Gelb für eine überzogene Frust-Grätsche. Note 5,0.

Florian Neuhaus: Wirkte zu Beginn etwas überdreht, so als wolle er es seinen ehemaligen Kollegen unbedingt zeigen. Seinen prima Linksschuss nach gutem Haken lenkte Rensing noch an die Latte. Als dann das dritte Tor fiel, wirkte Neuhaus zusehends irritiert und es lief gar nichts mehr zusammen. Das gipfelte in ein Frustfoul am Rande des Feldes und des Platzverweises. Den vollzog Hecking dann in der Halbzeitpause und brachte Zakaria für Neuhaus. Note 4,5.

Jonas Hofmann: Sein schlapper Pass in Richtung Plea leitete den Düsseldorfer Umschaltangriff zum 0:2 ein. Zwar hielten sich die Fehlpässe ansonsten in Grenzen, doch in Hofmanns Spiel fehlten komplett die Schärfe und Zielstrebigkeit aus der Hinrunde. Er lief gewohnt viel (12,36 Kilometer), nennenswerte Akzente setzte er keine. Auch von der Körpersprache her wirkte er seltsam genügsam und spulte sein Pensum weitestehend emotionslos herunter. Note 4,5.

Thorgan Hazard: Bereits seine erste Aktion missriet völlig, als er ohne Druck aus dem Lauf flanken konnte, den Ball jedoch hinters Tor brachte. Danach tauchte er unter, und zwar so tief, dass man von unterirdisch sprechen könnte. Dann erlaubte er sich etwas (abwinken, abschalten, aufgeben, beschimpfen?), was Hecking auf die Palme brachte, so dass er Hazard vier Minuten vor dem Pausenpfiff auswechselte. Note 5,0.

Lars Stindl: Weiterhin das Opfer und gleichzeitig das Problem des Systems. Er bot sich zwar zentral an, konnte aber kaum einen Gegner in seinem Rücken abschütteln und weder die Bälle vernünftig festmachen, noch sie schnell weiterleiten. Als einer der wenigen machte Stindl zumindest den Eindruck, als ob er sich wehren wollte, doch aufgrund der Problematik in seinem eigenen Spiel war er nicht in der Lage, andere mitzureißen. Vor der Pause hatte er eine gute Schusschance, als er knapp verzog. Nach dem Wechsel versuchte Stindl es weiter und war an zwei, drei ordentlichen Kombinationen beteiligt, ohne selbst in Abschlussposition zu kommen. Note 4,5.

Alassane Plea: Sein Ballverlust zentral vor dem Düsseldorfer Strafraum führte zum Gegenangriff und zum 0:1. Allerdings kann man Plea hier keinen Vorwurf machen: Er hat etwas versucht und da muss er sich natürlich auf seine Hintermänner verlassen können. Wobei Pleas naiver Optimismus bei seinen Einzelaktionen schon teilweise absurde Züge annahm. Mehrfach wollte er ohne den Ansatz einer Finte geradewegs mit dem Kopf durch die Wand und schien sich zu wundern, warum die Gegenspieler partout nicht zur Seite gehen wollten. Aber man muss dem Franzosen anrechnen, dass er deutlich aktiver war als in den Vorwochen, wenn auch unter dem Strich ziemlich ungefährlich. Note 4,5.

Patrick Herrmann: Kam noch vor der Pause und hatte sofort eine gute, flotte Aktion. Wenig später unterlief ihm allerdings auch ein Ballverlust, als er sich die Butter vom Brot nehmen ließ. Kurz nach Wiederbeginn hatte Herrmann die Großchance auf den frühen Anschluss, doch sein Schuss ging knapp vorbei. Als Johnson ausgewechselt wurde, rückte er quasi auf die Rechtsverteidigerposition. Dort aber nicht gefordert, weil Fortuna das Offensivspiel schon längst eingestellt hatte. Note 3,5.

Denis Zakaria: Ersetzte den rotgefährdeten Neuhaus zur zweiten Halbzeit und zeigte einige ordentliche Ansätze, konnte aber gegen die tief stehenden Düsseldorfer nur wenige seiner raumgreifenden Läufe starten. Bei seinem Anschlusstreffer schob er den Ball geschickt und bewusst ins Eck - das Tor kam jedoch zu spät. Note 3,5.

Raffael: Kam in der 69. Minute für Johnson und ging in die zentrale Position. Aber auch Raffael interpretierte diese Rolle als hängende Spitze. Mit einer guten Einzelaktion holte er die erste Ecke heraus, aus welcher der Anschlusstreffer resultierte. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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