Borussias Trainer Eugen Polanski nahm zwei Veränderungen gegenüber dem Heimsieg gegen Union Berlin vor einer Woche vor: Engelhardt (Gelbsperre) und Mohya (Bank) wurden durch Stöger und Bolin ersetzt. In einer 5-4-1-Ausrichtung starteten die Borussen ins Spiel und zeigten sich dabei in den ersten fünf bis acht Minuten erstaunlich aktiv am Ball. Reitz gab nach zwei Minuten im Anschluss an eine abgewehrte Ecke den ersten Torschuss ab – der Ball landete in den Armen von Neuer.
Doch nach und nach entwickelte sich das Spiel so, wie es zu erwarten war: Die Gladbacher wurden tief in die eigene Hälfte gedrängt, die Bayern ließen den Ball zirkulieren und suchten die Lücke. Obwohl die Borussen intensive Zweikämpfe führten und läuferisch auf der Höhe waren, kamen die Münchener zu Abschlüssen. Karl erzielte ein Tor, stand aber im Abseits (10.), danach gab es noch zwei, drei weitere Chancen für den Rekordmeister, die jedoch nicht zwingend genug waren.
Luis Diaz trifft nach Lupferpass von Goretzka
Den Borussen gelang es dann, sich etwas zu befreien, und sie erspielten sich eine gute Torchance: Bolin dribbelte bis zur Grundlinie und brachte den Ball in den Fünfmeterraum, wo Tabaković eigentlich gut positioniert war, den Ball beim Versuch einer Direktabnahme mit links aber nicht traf (24.). Zwei Minuten später verpasste Bolin eine abgefälschte Hereingabe von Honorat nur knapp. Zwischendurch hatte Karl Nicolas mit einem feinen Schlenzer zu einer Flugeinlage genötigt.
Nach etwas mehr als einer halben Stunde schlug die Dominanz der Bayern dann auch auf der Anzeigetafel durch. Goretzka durfte zentral vor dem Gladbacher Strafraum einen schönen Lupferpass spielen, den Luis Diaz unhaltbar für Nicolas zur Führung der Münchener verwertete (33.). Der Zwischenstand war aufgrund der Spielanteile natürlich verdient, und auch in den nächsten Minuten blieben die Bayern das klar tonangebende Team. Nicolas parierte einen Schuss von Jackson mit dem Schienbein (36.), kurz darauf schoss Jackson aus spitzem Winkel knapp über das Tor.
Kalte Dusche in der Nachspielzeit
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit folgte die nächste kalte Dusche für die Fohlen. Man hatte sich in die gegnerische Hälfte getraut, doch Bolin verlor den Ball gegen den grenzwertig resolut einsteigenden Laimer. Der Schiedsrichter ließ weiterlaufen, und der aufgerückte Diks konnte die Bayern ebenfalls nicht stoppen, sodass diese einen blitzsauberen Konter fahren konnten – an dessen Ende drosch Laimer den Ball an Nicolas vorbei zum 2:0-Pausenstand unter die Latte.
Dieses zweite Gegentor war bereits mehr als die Vorentscheidung. Etwaige Restzweifel zerstreuten sich in den ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff. Die Bayern blieben dominant, Laimer schoss aus der Distanz haarscharf am Tor vorbei (52.). Dann wurde es richtig bitter für die Gladbacher: Reitz stand im eigenen Strafraum ungünstig zu Jackson und versuchte, den Angreifer im Gerangel zu stoppen. Reitz ging zu Boden, Jackson blieb auf den Beinen – und scheiterte mit seinem Schuss an Nicolas. Schiedsrichter Schröder wertete die Aktion von Reitz nicht nur als Foul, sondern auch als Notbremse und entschied auf Elfmeter für Bayern sowie Rote Karte für Borussias Kapitän.
Umstrittener Platzverweis für Reitz
Es war eine Regelauslegung zum Kopfschütteln, aber der Schiedsrichter blieb bei seiner Entscheidung, und auch der VAR sah keinen Grund, den Kollegen zumindest vor den Bildschirm zu bitten. Reitz schlich geknickt vom Platz, Musiala verwandelte den Elfmeter sicher zum 3:0 (57.). Danach ging es für Borussia endgültig nur noch um Schadensbegrenzung. Die Bayern, die ohnehin kräftig rotiert hatten, wechselten munter durch und schalteten weitgehend in den Schongang.
Die Gladbacher machten es in Unterzahl den Umständen entsprechend ordentlich. Auflösungserscheinungen gab es keine, und der eingewechselte Machino versuchte sich sogar mit einem Kopfballaufsetzer nach einer Scally-Flanke, der für Bayerns Keeper Urbich – er hatte den wohl frierenden Neuer zur Pause abgelöst – kein Problem darstellte (71.). Auf der anderen Seite verpasste Goretzka nach einer Freistoßvariante um wenige Zentimeter (74.), ehe Jackson eine scharfe Hereingabe von Karl mit einem Kontakt unhaltbar für Nicolas zum 4:0 unter die Latte prallen ließ (79.).
Mohya sorgt für Ergebniskorrektur
Ein klares Ergebnis, eine selbst gegen Bayern II chancenlose Borussia und neben der Roten Karte für Reitz auch noch mit Castrop und Bolin zwei angeschlagene Spieler – beide mussten mit muskulären Problemen ausgewechselt werden. Es war der erwartet unangenehme Abend in München. Einen kleinen Stimmungsaufheller gab es aber doch noch: In der 89. Minute führte Stöger einen Freistoß schnell aus, der eingewechselte Chiarodia schoss an den Pfosten, und der ebenfalls neu eingewechselte Mohya verwertete den Abpraller zu seinem ersten Bundesligator.
Kurzstatistik zum Spiel:
Bayern München: Neuer (46. Urbich) - Laimer (61. Maycon Cardozo), Upamecano (61. Stanisic), M.-J. Kim, Bischof - Kimmich (81. Santos), Goretzka, Karl, Musiala, Luis Diaz (61. Guerreiro) - Jackson
Borussia Mönchengladbach: Nicolas - Scally, Sander, Elvedi, Diks, Castrop (67. Ullrich) - Honorat (61. Machino), Reitz, Stöger, Bolin (84. Mohya) - Tabaković (61. Chiarodia)
weiter im Kader: Olschowsky (ETW), Friedrich, Neuhaus, Reyna, Sarco
Tore: 1:0 Luis Diaz (33.), 2:0 Laimer (45+1), 3:0 Musiala (57./FE), 4:0 Jackson (79.), 4:1 Mohya (89.)
Gelbe Karten: Jackson -
Rote Karte: Reitz (56.)
Schiedsrichter: Robert Schröder
Zuschauer: 75.024 (ausverkauft)
von Marc Basten

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