Stand der Dinge nach 17 Pflichtspielen

Borussia ist auf einem richtig guten Weg

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Marco Rose hat die ersten 17 Pflichtspiele als Trainer von Borussia Mönchengladbach erfolgreich hinter sich gebracht (Foto: TORfabrik.de)

17 Pflichtspiele hat Marco Rose bislang als Trainer von Borussia Mönchengladbach absolviert. Die Bilanz von 10 Siegen, 3 Remis und 4 Niederlagen kann sich sehen lassen. Noch wichtiger als die Zahlen sind die Umstände, unter denen sie zustande gekommen sind.

Es ist ein ziemlich komplexes Projekt, das Max Eberl und Marco Rose da im Sommer in Mönchengladbach angestoßen haben. Ein Verein soll sich fußballerisch neu ausrichten, es soll ein veränderter Spielstil etabliert und gleichzeitig das über Jahre gefestigte Fundament genutzt werden. Bei solch einer Aufgabenstellung kann vieles schiefgehen. Der Trainer könnte zu schnell zu viel wollen, die Spieler nicht mit der nötigen Überzeugung mitziehen und das Umfeld bei den ersten ausbleibenden Ergebnissen in Unruhe geraten.

Mitte November und nach 17 Pflichtspielen kann man attestieren, dass das Projekt in Mönchengladbach erstaunlich schnell ins Rollen gekommen ist. Der ‚neue‘ Fußball wird angenommen und ist erfolgreich, auch weil Marco Rose ein gutes Gespür zeigt, sich den gegebenen Umständen anzupassen. Schon zu Beginn erklärte er, dass es ‚den speziellen Marco-Rose-Fußball‘ nicht gibt. Und tatsächlich versucht Rose nicht, einen starren Stil oder ein festes System durchzuprügeln. Stattdessen gibt es zwar eine eindeutige Richtungsvorgabe, aber die Umsetzung ist flexibel. Rose schafft es dabei, die Spieler mitzunehmen.

Ob Rose nun ein ‚Menschenfänger‘ wie Jürgen Klopp ist, wie manche behaupten, oder einfach nur ein gutes Gespür hat, seine Vorstellungen zu vermitteln, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass seine Art funktioniert und es nicht den Eindruck macht, als ob Rose nur ein Strohfeuer entfacht hätte. Die Tabellenführung mag eine (wunderschöne) Momentaufnahme sein, doch weitaus mehr zählt die langfristige (Neu-)Entwicklung. Und hier sind Marco Rose und Borussia Mönchengladbach auf einem richtig guten Weg.

Bislang geriet das Gebilde nur einmal kurzzeitig ins Wanken

Dass es bereits so gut läuft, hat auch mit der gelungenen Transferpolitik zu tun. Alle Neuzugänge bringen Komponenten mit, die bislang in dieser Form nicht vorhanden waren, die aber auf Strecke den Fußball unter Marco Rose ausmachen sollen. Gleichzeitig ist es gelungen, die vorhandenen Spieler einzubinden. Teilweise haben sie einen deutlichen Sprung gemacht (Zakaria, Bénes) oder leben in veränderter Rolle auf (Herrmann). Dass der eine oder andere noch fremdelt (Neuhaus) oder altbewährte Kräfte nur noch eine Nebenrolle spielen (Raffael), kommt nicht unerwartet. Überraschend ist, dass sich die Mannschaft mit der Mischung aus anerkannten Stammkräften und Neuzugängen so schnell als Einheit präsentiert.

Natürlich tragen die Ergebnisse dazu bei, dass sich der Prozess so harmonisch zu vollziehen scheint. Bislang geriet das Gebilde nur einmal kurzzeitig ins Wanken. Die unerwartete 0:4-Heimniederlage gegen Wolfsberg und drei Tage später die erste Halbzeit gegen Düsseldorf – da drohten die Borussen in ein tiefes Loch zu fallen, was quasi die bisherige Arbeit unter Rose auf Null gestellt hätte. Doch mit einer moralischen Energieleistung wurde das Spiel gegen die Fortuna gedreht und fortan folgte ein Entwicklungsschritt nach dem anderen.

Es werden unterschiedliche Systeme gespielt und sich flexibel den Umständen wie Stärken des Gegners, Belastungssteuerung oder verletzungsbedingten Ausfällen angepasst. Selbst in der extremen Phase zuletzt mit dem Block aus sieben Spielen in drei Wochen gab es keinen Bruch. Das alles unterstreicht die Entwicklung, die Borussia seit dem Sommer genommen hat. Gleichwohl wäre es töricht zu glauben, dass es nun automatisch so weitergeht. Im Laufe einer Saison gibt es immer die eine oder andere Leistungs- oder Ergebnisdelle. Wie Marco Rose und sein Team damit umgehen, wird sich zeigen. In der letzten Saison wurde aus einer Delle fast ein Totalschaden - das gilt es diesmal tunlichst zu vermeiden.

 


von Marc Basten

 

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