Moritz Nicolas: Startete unglücklich in die Partie, denn das frühe Gegentor zum 0:1 ging auf seine Kappe. Den Distanzschuss von Demirovic hätte er ohne Mühe über die Latte lenken können, stattdessen senkte sich der Ball ins Tor. Danach lenkte er einen Schuss von Assignon gut zur Ecke und war im weiteren Verlauf lange Zeit kaum gefordert. Einen Freistoß von Stiller aus 20 Metern in der Schlussphase wehrte er sicher ab. Beim zweiten Stuttgarter Treffer sah Nicolas erneut schlecht aus. Er blieb auf der Linie kleben, statt im Fünfmeterraum Präsenz zu zeigen und die Flanke abzufangen. In der vierten Minute der Nachspielzeit versuchte er es bei einer fast identischen Situation, doch der Ball rutschte ihm durch die Finger. Das blieb zum Glück folgenlos. Seine beste Parade zeigte der 29-Jährige zwei Minuten zuvor, als er den Flachschuss von El Khannouss mit einem Klasse-Reflex um den Pfosten lenkte.Im Spielaufbau schlug er viele lange Bälle, ein Großteil davon kam nicht an (Passquote: 35 Prozent). Dagegen war ein langer Abwurf bis zur Mittellinie ordentlich. Dieses Stilmittel könnte er künftig öfter nutzen. Borussia hat aktuell viele Baustellen, und es sieht danach aus, als könnte im Tor eine weitere dazukommen. Note 4,5.
Daiki Hashioka: Kehrte in die Startelf zurück und gab den rechten Innenverteidiger. In der Anfangsphase leistete er sich zwei, drei kleinere Unsicherheiten im Stellungsspiel, die aber folgenlos blieben. Danach wurde der Japaner deutlich stabiler. Das lag auch an Scally, der ihn anders als zuletzt in Köln aufmerksam in der Defensivarbeit unterstützte. Hashioka ging mit der nötigen Konsequenz in die Zweikämpfe und räumte entschlossen ab. Am Ball beschränkte er sich auf die einfachen Dinge, und das war genau richtig. Auffällig war sein Laufpensum: Über 11 Kilometer sind für einen Innenverteidiger bemerkenswert. Note 3,0.
Philipp Sander: Führte die Mannschaft in Abwesenheit von Kevin Diks als Kapitän aufs Feld und spielte zudem die für ihn ungewohnte Rolle als zentraler Innenverteidiger. Beim frühen Gegentor sah er unglücklich aus. Er rückte auf, verlor das Kopfballduell und konnte in der Folge nicht mehr eingreifen. Kurz darauf kam er bei einer guten Stuttgarter Chance am kurzen Pfosten zu spät, und mit einem verunglückten Rückpass verursachte er eine Ecke. Das war die wacklige Phase, in der auch der Kapitän mittendrin steckte. Als sich die Mannschaft stabilisierte, fand auch Sander besser ins Spiel. Mit einem hohen Ballgewinn in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit leitete er den Angriff ein, der im Lattentreffer von Moja gipfelte. Im zweiten Durchgang warf sich der 28-Jährige mit viel Einsatz in die Zweikämpfe. In der 65. Minute störte er Demirovic so entscheidend, dass dieser aus kurzer Distanz nicht traf. Mit über zwölf Kilometern auf dem Tacho unterstrich er zudem seine Laufbereitschaft. Note 3,5.
Fabio Chiarodia: Blieb wegen der personellen Engpässe in der Startelf und spielte als linker Innenverteidiger. Vor dem frühen Gegentreffer rückte er auf und öffnete damit den Raum in seinem Rücken für Demirovic. Gemeinsam mit Neuhaus konnte er die Vorarbeit von Pejcinovic nicht unterbinden, Demirovic kam so in Abschlussposition. Mit der allgemeinen Stabilisierung des Teams fand auch Chiarodia besser ins Spiel. In der 37. Minute kam er zum Abschluss, doch der Schuss landete genau in den Armen des Torwarts. Im zweiten Durchgang klärte der 21-Jährige einige Situationen im eigenen Strafraum ordentlich, in der einen oder anderen Szene hätte es aber konsequenteres Einschreiten gebraucht. Sein Passspiel war solide. In der 76. Minute ersetzte ihn Herold. Note 4,0.
Joe Scally: Zu Beginn wirkte der US-Amerikaner etwas unsicher, fand aber mit zunehmender Spieldauer in einen guten Rhythmus. Das galt für die Wege nach vorne, vor allem aber für die Arbeit nach hinten: Er unterstützte Hashioka mit Intensität und großem Laufaufwand. Anders als zuletzt in Köln stimmte diesmal die Balance zwischen Defensive und Offensive. Belohnt wurde der engagierte Auftritt in der 39. Minute, als er den Ball mit der Hacke gewollt zum Ausgleich ins Tor verlängerte. Auch danach überzeugte Scally mit einigen intensiven Antritten. Überragend war sein Assist zum dritten Treffer, als er den Ball im Getümmel perfekt vor das Tor chippte. Das war ganz großes Kino. Unmittelbar danach musste der 23-Jährige mit Problemen am Oberschenkel raus. Es bleibt zu hoffen, dass nicht der nächste Ausfall ins Haus steht. Note 2,0.
Zento Uno: Benötigte bei seinem zweiten Startelfeinsatz eine gewisse Anlaufzeit. Zwar holte er zu Beginn die erste Ecke für Borussia heraus, danach misslang ihm aber ein Kurzpass auf Neuhaus und einen freien Ball in Richtung Scally spielte er ins Seitenaus. Nach und nach fand der Japaner besser in die Partie und bekam mehr Zugriff auf Ball und Gegner. Seine Laufbereitschaft war enorm und blieb es über die gesamte Distanz: Am Ende standen laut Statistik über 12 Kilometer für ihn zu Buche. Den Angriff zum Ausgleichstor leitete Uno mit einem Ballgewinn ein und er war dann mit seinem Schuss von der Strafraumgrenze beteiligt, den Scally per Hacke ins Tor verlängerte. Auch der Chance von Neuhaus in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs ging ein Ballgewinn von Uno voraus. Nach der Pause sah er nach einem Tackling gegen Stiller die Gelbe Karte und musste sich fortan im Zweikampfverhalten vorsehen. Ernsthafte Schwierigkeiten bekam er dadurch nicht mehr. In den letzten Minuten ging der 22-Jährige kräftemäßig bis zum Anschlag und sank nach dem Schlusspfiff zunächst völlig geschafft auf den Rasen. Note 3,0.
Florian Neuhaus: Auch im dritten Spiel unter Alexander Blessin begann Neuhaus als zweiter Sechser, kam aber überhaupt nicht in die Partie. Schon in der zweiten Minute verlor er den ersten Zweikampf im Mittelfeld. Vor dem Führungstreffer des VfB verschätzte er sich im Duell mit Pejcinovic. Das bekannte Problem im Zweikampftiming wurde in Stuttgart früh offensichtlich. Mit der allgemeinen Stabilisierung der Borussia wurde auch Neuhaus besser. In den Ballbesitzphasen hatte er seinen Anteil, unter anderem bereitete er die Chance von Chiarodia vor. In der fünften Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte zog er selbst aus der Distanz ab. Der Schuss war sehr ordentlich, der Stuttgarter Torwart lenkte ihn noch zur Ecke. Nach der Pause leitete Neuhaus weitere Angriffe mit ein und verbuchte die eine oder andere Balleroberung. Er ging nun deutlich energischer in die Zweikämpfe und überraschte mit seiner Bissigkeit. In der Schlussphase verlängerte er eine Ecke am kurzen Pfosten mit der Hacke, doch der Ball flog am Tor vorbei. Am Ende plagten den 29-Jährigen Krämpfe, er biss sich aber durch und half mit viel Engagement, den Sieg über die Zeit zu bringen. Note 3,5.
Lukas Ullrich: Beim frühen Gegentor kam Ulrich einen halben Schritt zu spät, um Demirovic noch beim Abschluss zu behindern. In der 19. Minute verteidigte er nach einer Stuttgarter Ecke schwach gegen Hendriks, der sich viel zu einfach von ihm löste, aber zum Glück über das Tor schoss. Danach fing sich Ulrich und überzeugte mit mehreren energischen Antritten. Zweimal konnte Stuttgart ihn nur per Foul stoppen, beide Male gab es Gelb. Auch im weiteren Verlauf ackerte er unermüdlich über die linke Seite, offensiv wie defensiv. Mit seiner Flanke Richtung Scally war er am Ausgleichstor beteiligt. Vor dem dritten Gladbacher Tor verteidigte er hervorragend nach vorne und leitete damit den Angriff ein. Dann lief er konsequent mit in den Strafraum und kam zwar nicht mehr an den Ball, band aber die Stuttgarter so, dass diese nicht sauber klären konnten. In der Schlussphase ging der 22-Jährige beim Anschlusstreffer nicht energisch genug gegen Flankengeber Leweling zu Werke. Zwei kleinere Unsicherheiten danach blieben folgenlos. Unterm Strich war es dennoch eine der besten Leistungen Ulrichs in den vergangenen Wochen und Monaten. Note 3,0.
Hugo Bolin: Nach zuletzt unauffälligen Auftritten legte der Schwede in Stuttgart deutlich zu. Im ersten Durchgang war er an nahezu allen Angriffen beteiligt und trieb den Ball mit Zielstrebigkeit und Energie nach vorne. Er leitete u.a. die Aktion zu Mohyas Lattenschuss ein. Beim Abpraller hätte er per Kopf zur Führung ins leere Tor einnetzen können, wirkte aber überrascht und setzte den Ball am Kasten vorbei. Bolins Standards blieben ohne Schärfe und Präzision – hier muss er nachjustieren. Nach der Pause blieb der 23-Jährige aktiv, arbeitete aufmerksam nach hinten mit und war vor allem laufstark: Bis zu seiner Auswechslung in der 83. Minute kam er auf weit über elf Kilometer. Note 2,5.
Wael Mohya: Hatte in der Anfangsphase eine gute Szene, als er Bolin mit einer Ablage in Szene setzte. Danach tauchte der Youngster ab, ehe er zum Mann des Spiels avancierte. Mit seinem starken Dribbling leitete er den Ausgleichstreffer mit ein und kurz vor dem Halbzeitspfiff hatte er großes Pech bei seinem fulminanten Lattenschuss. Nach der Pause bereitete der 17-Jährige den Führungstreffer grandios vor, als er sich bei seinem Dribbling an der Grundlinie gegen zwei Stuttgarter durchsetzte und Machino mustergültig bediente. Bei einer vielversprechenden Kontersituation traf er mit einem zu tiefen Pass nach links die falsche Entscheidung. Das 3:1 erzielte Mohya per Kopf selbst, wobei er den Angriff zuvor mit einem weiteren guten Dribbling und einem Schuss initiiert hatte. Bemerkenswert neben den 26 Sprints war ebenso die unermüdliche Arbeit nach hinten. Nach 69 Minuten musste er jedoch mit Oberschenkelproblemen runter. Note 1,5.
Shuto Machino: Ersetzte die verletzten Kleindienst und Lidberg in zentraler Rolle. Zu Beginn hatte er nach einer Ecke die erste Chance per Kopf, danach war vom Japaner wenig zu sehen. Nach einer halben Stunde ließ er den Ball nach einem technischen Fehler ins Seitenaus laufen, kurz darauf verpasste er eine Bolin-Hereingabe im Strafraum knapp und in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs flog sein überhasteter Distanzschuss deutlich über das Tor. In der 52. Minute war Machino dann zur Stelle, um nach Vorarbeit von Mohya mit einem wuchtigen Schuss unter die Latte in echter Stürmermanier zu vollenden. Auch beim dritten Tor wäre er zur Stelle gewesen, wenn Mohya den Ball nicht zuvor ins Tor geköpft hätte. Positiv hervorzuheben waren Machinos Körpersprache und seine Laufbereitschaft. Er machte viele Wege zurück und half auch im eigenen Strafraum mit aus - beim Anschlusstreffer der Stuttgarter aber im Verbund mit Herold nur unzureichend. Dennoch eine klare Leistungssteigerung und das wohl beste Spiel des 27-Jährigen für Borussia. Note 3,0.
Yukhym Konoplia (70. Minute für Scally): Übernahm Scallys Position, war aber vor allem in der Defensive gefragt. Letztlich kam er nur auf sechs Ballkontakte, die wenig darüber aussagen, wie weit der 27-Jährige ist. Ohne Note.
Robin Hack (70. Minute für Mohya): Wirkte engagiert, wenn auch in der einen oder anderen Situation etwas überhastet. Hack hängte sich rein und half mit, den Sieg über die Zeit zu bringen. Ohne Note.
David Herold (76. Minute für Chiarodia): Musste mangels Alternativen als Notlösung links in der Innenverteidigung spielen und hatte nur vier Ballkontakte. Dass er kein gelernter Innenverteidiger ist, zeigte sich beim Anschlusstor, als er im Kopfballduell mit Demirovic unterlegen war. Ohne Note.
Mathieu Nguefack (84. Minute für Bolin): Wurde als zusätzliche Kraft im Mittelfeld eingesetzt und attackierte einige Male im Sprinttempo. Ohne Note.
Lion Schweers (84. Minute für Machino): Die Personalnot macht’s möglich: Schweers aus Borussias Regionalligateam kam mit 30 Jahren zu seinem Bundesligadebüt. Er half mit seiner Körpergröße, die beim VfB eingewechselte “Brechstange” Chabot zu bearbeiten, und durfte sich schließlich gemeinsam mit Hashioka, Uno, Konoplia, Herold und Nguefack über ihren jeweils ersten Bundesligasieg freuen. Ohne Note.
von Redaktion TORfabrik.de

