Auf den ersten Blick geht es aufwärts bei Borussia. Der Überraschungssieg beim VfB Stuttgart, das souveräne Weiterkommen im Pokal gegen den KSC trotz Unterzahl – es bewegt sich was am Niederrhein. Und auch die so schrecklich lange Verletztenliste wird peu à peu kürzer. Gegen Paderborn stehen Lidberg, Hashioka und Kühn wieder zur Verfügung. Castrop saß im Pokal schon auf der Bank, und Itakura gab gegen Karlsruhe in der Schlussphase sein Comeback.
Für Honorat kommt das Spiel noch zu früh, aber der Franzose könnte nächste Woche wieder ein Thema werden, und auch Fleck wird zumindest in der kommenden Woche wieder ins Training einsteigen können. Länger dauert es dagegen noch bei Tim Kleindienst, der nach seinem neuerlichen Muskelfaserriss frühestens nach der Länderspielpause wieder dabei sein kann. Dazu kommen gegen Paderborn noch zwei »frische« Ausfälle. Kevin Diks ist zwar wieder in Gladbach, nachdem er ein paar Tage aus persönlichen Gründen gefehlt hatte, wird aber aufgrund des Trainingsrückstands etwas überraschend nicht berücksichtigt werden. Und Hugo Bolin muss mit muskulären Problemen passen.
Jolly-Joker auf den Außenbahnen
Damit dürfte es bei der Dreierkette auf Chiarodia, Sander und Hashioka hinauslaufen, wobei Scally auch noch eine Option werden könnte. Doch der US-Amerikaner ist eigentlich als »Jolly« auf der rechten Seite vorgesehen. Diesen bislang nicht geläufigen Begriff verwendet Blessin anstelle von Schienenspieler. Jolly deshalb, weil der Weg zum Tor durch das Zentrum häufig versperrt sei und der Weg über außen als eine Art Joker dienen könne. Der Außenspieler sei in diesem Verständnis eine zusätzliche, auch risikoreiche Möglichkeit, über die sich das Tor mit einem Pass ähnlich schnell erreichen lasse, wenn der direkte Weg blockiert sei.
In der Offensive spricht nach dem Ausfall von Bolin alles für eine Besetzung mit Mohya, Machino und Hack, wobei Lidberg im Verlauf der Partie Machino ablösen könnte. Blessin verfügt über ein paar Variationsmöglichkeiten, aber bis eine echte Stammformation gefunden wird, ist weitere Improvisation angesagt. Unabhängig von der Besetzung ist die Herangehensweise für Blessin jedoch nicht verhandelbar. Er fordert die Basics und maximalen Einsatzwillen ein. »Das müssen wir wieder auf den Platz bringen, ohne den zweiten Schritt vor dem ersten machen zu wollen.«
Borussia soll sich über Intensität definieren
Das heißt: Die in der Vergangenheit stets genutzte Formulierung, Borussia Mönchengladbach sei spielerisch stark und definiere sich darüber, wird unter Realist Blessin auf den Index gesetzt – sie beruhte auf einer Verkennung der eigenen Qualitäten. »Wir wollen uns über die Intensität definieren«, stellt er klar. Was nicht bedeutet, dass in Gladbach künftig kein ansehnlicher Fußball gespielt werden soll. Für Blessin geht es aber zunächst um die Grundlagen und die Arbeit. Wenn Borussia dann im Spiel sei, verfüge die Mannschaft durchaus über spielerische Qualitäten, so der Trainer.
Mit Paderborn kommt ein Gegner in den Borussia-Park, dem die Gladbacher mit sehr viel Intensität begegnen müssen. Neben der Absicherung bei den extrem langen Schlägen von Torwart Nahuel Noll muss sich die Mannschaft auf einen sehr kompakten Gegner einstellen. Auch in den Zweikämpfen sind die Paderborner sehr unangenehm. »Das ist nicklig und ekelhaft«, weiß Blessin. »Und da müssen wir einfach genauso etwas dagegenhalten wie in den letzten beiden Spielen.«
Demütig sein und weiterarbeiten
Die Mannschaft befinde sich auf einem guten Weg, erklärte Blessin. Entscheidend sei nun, dranzubleiben und nicht nachzulassen. Die Aufgabe bleibe, demütig zu sein, weiterzuarbeiten und an den eingeschlagenen Weg zu glauben. Denn klar ist auch: Borussia ist weiterhin Tabellenletzter mit nur drei Punkten. Es wäre fatal, wenn jemand den Ernst der Lage unterschätzen würde. Mit einem Heimsieg gegen Paderborn den nächsten Schritt zu machen, ist das Ziel, auf das sich alle fokussieren müssen.
von Marc Basten

