Borussias Trainer Eugen Polanski nahm in der Startformation eine Veränderung gegenüber dem Remis vor einer Woche gegen Bayer Leverkusen vor: Für den gelbgesperrten Kevin Diks begann Kota Takai. Frankfurt versuchte es in den ersten Minuten mit frühem Anlaufen, was die Borussen jedoch vor keine größeren Probleme stellte. Stattdessen kombinierten sie sich mehrfach gut von hinten heraus.
Die erste Möglichkeit hatten die Gastgeber nach einem langen Ball, bei dem sich Elvedi verschätzte. Kalimuendo tauchte frei vor Nicolas auf, der aber mit der Brust blockte (4.). Auf der anderen Seite wurde es erstmals gefährlich, als Honorat eine Hereingabe von rechts in den Strafraum brachte, Tabaković jedoch nicht richtig hinkam (6.). Die Borussen machten es ordentlich, doch bei eigenem Ballbesitz fehlte das notwendige Zutrauen. Angriffe wurden früh abgebrochen, und mehrfach liefen sie mit Ball am Fuß zurück in Richtung eigenes Tor. Dadurch wurden zwar Ballverluste minimiert, aber man blieb harmlos.
Frankfurt trifft aus dem Nichts
Die erste echte Torchance der Fohlen hatte Takai im Anschluss an eine Einwurfsituation. Der Japaner schoss wuchtig in Richtung kurzes Eck, doch Kaua Santos im Tor der Eintracht parierte. Der Abpraller landete wieder bei Takai, der nach einer guten Bewegung von Amenda heruntergezogen wurde. Der Schiedsrichter erkannte jedoch keine Regelwidrigkeit, sondern pfiff Handspiel von Takai, der auf den Ball gefallen war (20.). Zwei Minuten später trat Ullrich über die linke Seite an, doch statt den Ball vors Tor zu spielen, setzte er einen überhasteten Flachschuss am Tor vorbei.
Eigentlich hatten die Borussen gegen fahrig wirkende Frankfurter alles im Griff, doch mit dem ersten richtigen Angriff der Gastgeber folgte die kalte Dusche. Brown setzte sich an der Außenlinie gegen Sander und Castrop durch und bediente Bahoya, der im Rücken von Castrop losstartete. Castrop kam nicht mehr hinterher, Sander setzte gar nicht mehr nach – und so konnte Bahoya den Ball wieder auf den mitgelaufenen Brown spielen, der unbedrängt und unhaltbar für Nicolas zur Frankfurter Führung traf (24.).
0:2 nach 34 Minuten
Die Borussen mussten sich kurz schütteln, blieben aber im Spiel. Was weiterhin fehlte, war die Zielstrebigkeit im letzten Drittel. Auch die Versuche aus der Distanz waren nicht wirklich gefährlich – Sander kam mit seinem Flachschuss nach einer halben Stunde dem Tor noch am nächsten, verfehlte das Ziel aber um rund anderthalb Meter. Besser machten es die Frankfurter, die zwar weiterhin wenig vom Spiel hatten, aber dafür die Tore erzielten.
Sander sah erneut nicht gut aus im Zweikampf, sodass Bahoya über Borussias linke Seite in die gefährliche Zone kam. Er bediente Amaimouni-Echghouyab, der kurz nach innen zog und das lange Eck anvisierte. Ullrich und Stöger gingen nicht energisch genug hin, Ullrich fälschte den Ball noch entscheidend ab, sodass er unhaltbar für Nicolas mit einer sehenswerten Flugkurve im Gladbacher Tor einschlug. Borussia lag nach 34 Minuten mit 0:2 hinten – angesichts der Spielanteile absurd. Denn von der Anlage und der Bereitschaft her machten die Gladbacher ein mehr als ordentliches Auswärtsspiel.
Offensive Harmlosigkeit
Doch die offensive Harmlosigkeit blieb bestehen. Obwohl der Ball phasenweise gut lief und die Borussen mehrfach in aussichtsreiche Positionen kamen, blieben sie erschreckend ungefährlich. Sander hatte nach Vorarbeit von Stöger und Honorat freie Schussbahn, brauchte aber zu lange für den Abschluss, sodass sein Schuss geblockt wurde (41.). Wenige Momente später wurde Reitz im Strafraum angespielt, schoss aber naiv den vor ihm stehenden Frankfurter an. In der Schlussphase des ersten Durchgangs hätte Stöger fast zwei Eckbälle von rechts direkt ins lange Eck gezirkelt, doch Kaua Santos war auf dem Posten. Auch ein schnell ausgeführter Freistoß von Stöger auf Sander brachte keinen Erfolg, weil Tabaković sechs Meter vor dem Tor geblockt wurde.
So ging es mit einem absolut unverdienten 0:2-Rückstand in die Kabinen. Polanski brachte zur zweiten Halbzeit Machino für Sander. Engelhardt rückte zurück in die Kette, Castrop orientierte sich mehr in die Mitte. Nach einem schnell ausgeführten Freistoß von Stöger fand Honorat mit seiner Flanke Tabaković, dessen Kopfball von Kaua Santos zur Ecke gelenkt wurde (48.). Wer diesen schwungvollen Auftakt als Signal für eine Aufholjagd interpretiert hatte, sah sich jedoch getäuscht.
Kein Punch bei Borussia
Hatten die Borussen im ersten Durchgang wenigstens noch Torgefahr entwickelt und waren an der fehlenden Konsequenz im Abschluss gescheitert, kamen sie nun nicht einmal mehr in die Nähe einer echten Chance. Frankfurt – eine der schwächsten Defensivreihen der Liga – verteidigte die Gladbacher Bemühungen problemlos weg. Das Spiel plätscherte eine ganze Weile dahin, ehe es eine Viertelstunde vor Schluss endgültig entschieden war. Ausgangspunkt war ein langer Schlag von Kaua Santos, den Takai technisch unsauber annahm. Der Japaner hätte das eigentlich leicht korrigieren können, unterschätzte die Situation jedoch und ging nur zögerlich zum Ball. Der eingewechselte Knauff profitierte – und als Takai realisierte, dass Knauff deutlich schneller war, stand er bereits auf verlorenem Posten. Der Frankfurter lief allein aufs Tor zu, umkurvte Nicolas und vollendete zum 3:0 für die Eintracht (75.).
Damit war das Spiel gelaufen, auch wenn die Borussen in der Schlussphase noch zu Chancen kamen. Der eingewechselte Mohya hatte Borussias beste Möglichkeit, als er nach einem gelungenen Antritt aus 17 Metern abzog, Kaua Santos den Ball aber mit einer starken Parade an die Latte lenkte (83.). Der ebenfalls eingewechselte Bolin verzog drei Minuten später über den langen Pfosten, und nach einer Freistoßflanke von Reitz beförderte Engelhardt den Ball mit dem Rücken knapp über den Kasten (88.). So reichte es nicht einmal zu einer Ergebniskorrektur. Am Ende steht ein 3:0 für Frankfurt, das deutlich zu hoch ausgefallen ist. Doch die nicht erstligareife Offensivleistung und die individuellen Patzer der Gladbacher waren letztlich ausschlaggebend dafür, dass Frankfurt ein klarer Heimsieg gelang.
Kurzstatistik zum Spiel:
Eintracht Frankfurt: Kaua Santos - Kristensen (46. Collins), Koch, Amenda, Brown - Larsson (79. Skhiri). , Amaimouni-Echghouyab (79. Arrhov), Doan, Götze (70. Knauf), Bahoya - Kalimuendo (17. Dahoud)
Borussia Mönchengladbach: Nicolas - Sander (46. Machino), Elvedi, Takai - Castrop (65. Scally), Engelhardt, Reitz, Stöger (65. Bolin), Ullrich - Honorat, Tabaković (79. Mohya)
weiter im Kader: Olschowsky (ETW), Chiarodia, Friedrich, Neuhaus, Urbich
Tore: 1:0 Brown (24.), 2:0 Amaimouni-Echghouyab (34.), 3:0 Knauff (75.)
Gelbe Karten: Götze, Koch, Arrhov – Reitz (5.), Engelhardt
Schiedsrichter: Martin Petersen
Zuschauer: 59.500 (ausverkauft)
von Marc Basten

