Vor dem Spiel in Freiburg

Borussia in Freiburg: »Mit der Mannschaft passiert gerade etwas«

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Startelfdebüt steht an: Hugo Bolin (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach tritt am Sonntag (15.30 Uhr) beim „Lieblingsgegner" SC Freiburg an. Die Fohlen wollen im Breisgau nicht nur eine ewige Durststrecke beenden, sondern müssen im Abstiegskampf dringend punkten. Trotz der misslichen Lage geben sich die Verantwortlichen optimistisch.

The same procedure as every year: Es ist erneut Zeit, die Geschichte aus dem Jahr 2002 aufzuwärmen, als Arie van Lent zum 1:0-Sieg der Gladbacher Borussia in Freiburg traf. Das ist jetzt fast unglaubliche 24 Jahre her – und noch unglaublicher ist, dass die Fohlenelf seitdem kein einziges Bundesligaspiel im Breisgau gewinnen konnte. Lediglich zu gemeinsamen Zweitligazeiten glückte Borussia ein Dreier beim SC – in der Bundesliga musste man sich stets maximal mit einem Punkt begnügen.

Trainer war damals Hans Meyer, und ein gewisser Eugen Polanski aus Borussias Jugendteams hatte wenige Tage zuvor seinen 16. Geburtstag gefeiert. Nun ist es an eben diesem Eugen Polanski, das herbeizuführen, was Ewald Lienen, Holger Fach, Michael Frontzeck, Lucien Favre (vier vergebliche Anläufe!), André Schubert, Dieter Hecking, Marco Rose, Adi Hütter, Daniel Farke und Gerardo Seoane nicht gelang – ein Bundesligasieg mit Borussia in Freiburg.

»Ruhe heißt, in sich gestärkt zu sein, an den Fehlern zu arbeiten und im Prozess zu bleiben«

Doch am Sonntag geht es für Polanski und Borussia um mehr, als diese mittlerweile schon als peinlich zu bezeichnende Serie zu beenden und die 2002er-Geschichte endlich in der Mottenkiste verschwinden zu lassen. Borussia muss punkten, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, auch im nächsten Jahr in Freiburg zu einem Bundesligaspiel antreten zu können. »Wir sind da, wo wir sind, und keiner unterschätzt die Situation«, sagte Sportchef Rouven Schröder vor der Abreise in den Breisgau. »Das Wichtigste ist, dass wir nur an Freiburg denken und keine anderen Szenarien aufmachen.«

Panikmache hat in solchen Situationen noch nie geholfen, und insofern setzt auch Schröder auf Besonnenheit: »Für uns wird die Ruhe wichtig sein – und Ruhe heißt nicht, dass man nichts macht oder etwas schönredet. Ruhe heißt, in sich gestärkt zu sein, an den Fehlern zu arbeiten und im Prozess zu bleiben.« Eugen Polanski bekräftigt derweil, dass dieser Prozess den ausbleibenden Ergebnissen zum Trotz in den richtigen Bahnen verläuft. »Ich nehme die Mannschaft trotz der wenigen Punkte positiv wahr – wenn ich die letzten drei Trainingswochen sehe, stellt man sich das als Trainer genauso vor. Trotz unruhiger Zeiten sind wir sehr konzentriert – mit der Mannschaft passiert gerade etwas.«

»Ich will von jedem Spieler diese letzten fünf bis zehn Prozent mehr«

Polanski hat eine positive Entwicklung in Richtung Ballbesitz und Torgefahr ausgemacht. »Es geht darum, mit dieser Art Fußball die letzten paar Prozent Gier zu haben, um Spiele zu gewinnen – das sind kleine Details im eigenen und gegnerischen Sechzehner. Ich will von jedem Spieler diese letzten fünf bis zehn Prozent mehr.« Diese Ansage hat der Trainer seinen Spielern mit auf den Weg nach Freiburg gegeben. Wie sie es umsetzen werden, bleibt abzuwarten. Klar ist zumindest, dass Polanski für das Spiel im Breisgau wieder mit Kevin Diks nach dessen Gelbsperre planen kann, aber aus gleichem Grund diesmal auf Kapitän Rocco Reitz verzichten muss.

»Was Laufpensum, Zweikampfhärte, Agilität und Dynamik angeht, ist Rocco schwer eins zu eins zu ersetzen«, sagte Polanski. »Du hast nicht zweimal die exakt gleiche Komponente im Kader. Aber wir denken über zwei bis drei Spieler nach, und das ist ein sehr positives Zeichen.« Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, Philipp Sander aus der Dreierkette ins Mittelfeld zu verschieben. Für die Abwehrkette sollte ohnehin das Trio Takai, Elvedi und Diks die erste Wahl sein. In der Offensive dürfte kein Weg am Startelfdebüt von Hugo Bolin vorbeigehen, der nach zwei Kurzeinsätzen nunmehr so weit sein müsste, der Mannschaft von Beginn an zu helfen – und vielleicht auch ein neues Kapitel zu schreiben, damit das Jahr 2002 und Arie van Lent vor dem nächsten Spiel in Freiburg nicht wieder als Aufhänger herhalten müssen.


von Marc Basten

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