Da sitzt er also, der neue Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach. Alexander Blessin ist es geworden, auch weil Sportchef Rouven Schröder in ihm einen Mann sieht, mit dem er »relativ schnell auf einer Wellenlänge« war. »Der Trainer brennt für seinen Job, aber auch für die Aufgabe Borussia Mönchengladbach«, sagte Schröder.
Blessin selbst hat in seiner dreimonatigen Pause nach dem Aus beim FC St. Pauli genügend Zeit gehabt, »mein Energielevel aufzuladen«. Dass die Aufgabe in Gladbach aufgrund der aktuellen Situation, aber auch aufgrund des großen Namens, den der Klub trotz allem im deutschen Fußball noch hat, eine Herausforderung darstellt, ist dem 53-Jährigen klar. »Ich brauche da niemandem etwas vom Pferd zu erzählen«, sagte er.
Disziplin gegen den Ball
Seine Aufgabe formuliert Blessin mit deutlichen Worten: »Vorneweg gehen, die Jungs mitreißen und aus einer momentanen Scheiß-Zeit eine gute Zeit machen.« Dass die Mannschaft mehr Qualität hat, als es die verheerende Bilanz der ersten vier Spieltage vermuten lässt, davon ist Blessin überzeugt. »Da kann man mehr herauskitzeln.«
Das wird natürlich nicht mit Handauflegen und guten Worten zu erreichen sein. »Es ist wie eine Treppe, und es geht Step by Step. Es geht um harte Arbeit, Prinzipien reinzubringen, und natürlich geht es um Stabilität. Das können wir nicht wegdiskutieren. Es geht um Disziplin gegen den Ball, wo jeder einfach mit muss. Das ist für mich ein Grundprinzip.«
Ein synchrones Schwarmverhalten mit und gegen den Ball
»Es geht um die Basics«, so Blessin weiter. »Die Gruppendynamik mit der Mannschaft ist wichtig. Als Trainer muss ich adaptieren, wie man das Beste herausholen kann.« Seine Prioritäten beschreibt er wie folgt: »Intensität, Umschaltmomente, mutig verteidigen und nicht zurückweichen – im Verbund ein synchrones Schwarmverhalten mit und gegen den Ball.«
»Die Qualität im Kader ist da, in der Summe und der Breite. Aber wir müssen über den Teamgedanken kommen. Nur so können wir Spiele gewinnen.« Auch intern dürften die Karten nochmals neu gemischt werden. »Ich will niemanden rasieren«, sagt Blessin. »Für jeden, der diesen Weg mitgehen will, ist die Tür geöffnet. Jeder hat die Möglichkeit, sich zu beweisen. Aber es geht um Respekt und Disziplin, das ist nicht diskutabel.«
Nicht den zweiten vor dem ersten Schritt gehen
Zunächst einmal wird es darum gehen, dass Blessin sich ein persönliches Bild macht, die Spieler richtig kennenlernt und Einzelgespräche führt. Am Mittwoch hat er sich der Mannschaft vorgestellt und dabei klargemacht, dass man nicht in die »Opferrolle gehen und einknicken« darf. Der Neuanfang soll mit Rückenwind angegangen werden – auch wenn aufgrund der Länderspielabstellungen ausgerechnet die Abwehrspieler nur wenige Tage mit dem neuen Trainer arbeiten können. »Das ist natürlich suboptimal, aber wir müssen sie dann nach ihrer Rückkehr schnell mit abholen.«
Wohin der Weg mit Blessin, der für zwei Jahre unterschrieben hat, langfristig hingehen soll, ist im Moment zweitrangig. »Die Situation ist prekär. Es geht darum, was können wir kurzfristig und mittelfristig erreichen, welchen Input wir haben und wie wir die Scharte ausmerzen können. Wir können nicht den zweiten vor dem ersten Schritt gehen. Es ist ein Prozess, den wir jetzt einleiten.«
»Ich erwarte viel von mir, und ich erwarte viel von der Mannschaft«
Beim Testspiel in Siegen am Donnerstag wird Blessin auf der Bank sitzen, aber noch eher als Beobachter. Das wird sich dann schnell ändern. »Die Emotion steckt in mir drin, das will ich auch ausleben. Ich will helfen und auch aktiv sein. Ich erwarte viel von mir, und ich erwarte viel von der Mannschaft.«
Dass sein erstes Pflichtspiel mit der Borussia ausgerechnet das Derby in Köln sein wird, sieht Blessin positiv. »Ein Derby ist etwas absolut Geiles, und da freue ich mich wahnsinnig drauf. Wir werden uns gut vorbereiten, um dort einen ersten Schritt zu machen.«
von Redaktion TORfabrik.de

