Moritz Nicolas: Dürfte sich stark an die letzte Saison erinnert fühlen, drei Gegentore, aber dennoch war er der beste Gladbacher. Allein seine überragenden drei Rettungstaten innerhalb weniger Sekunden im zweiten Durchgang bewahrten seine Mannschaft vor einer noch höheren Niederlage. Bei den Gegentoren war der 28-Jährige machtlos, wobei er sich beim dritten Gegentor besonders geärgert haben dürfte, dass ihm sein Exkollege Rocco Reitz durch die Beine schoss. In der ersten Halbzeit leistete sich Nicolas ein unsauberes Abspiel in die Mitte, was einen gefährlichen Leipziger Angriff zur Folge hatte. Ansonsten ließ sich der Keeper nichts zuschulden kommen. Note 2,0
Daiki Hashioka: Kam bei seinem Bundesliga-Debüt recht ordentlich in die Partie, gewann einige Zweikämpfe und strahlte auch am Ball Ruhe aus. Er verschuldete mit einem unkontrollierten Rückpass einen Eckball, den er aber anschließend selbst klärte. Als Leipzig den Druck über seine Seite erhöhte, waren Abstimmungsschwierigkeiten mit den Vorder- und Nebenleuten erkennbar. Vor dem 0:2 verpasste er die Gelegenheit, Nusa aktiv anzugreifen. Dann verletzte sich der 27-Jährige bei einem Zusammenprall unmittelbar nach einer Kopfballabwehr im eigenen Strafraum am Halswirbel und musste ausgewechselt werden. Zum Glück stellte sich die Verletzung als nicht so schwerwiegend heraus, wie zunächst zu befürchten war. Note 4,0
Ko Itakura: Strahlte bei seinem Comeback in der Bundesliga die erwartete Ruhe und Souveränität aus. Auch in den Zweikämpfen war der Japaner zunächst zur Stelle. Im weiteren Verlauf bekamen die Innenverteidiger größere Probleme mit den auf sie zulaufenden Offensivspielern von RB. Das Timing beim Herausrücken aus der letzten Reihe passte mehrfach nicht. So konnte Itakura bei allen drei Toren nicht mehr eingreifen, ohne dass ihm ein konkreter Fehler unterlief. Kurz vor dem Seitenwechsel schaltete sich der 29-Jährige einmal energisch mit in einen Angriff ein und flankte von der rechten Seite. Solche abgesicherten Vorstöße könnte es in Zukunft gerne öfter geben. Note 3,5
Kevin Diks: Auch er startete sehr ordentlich in die Partie, gewann mehrere Zweikämpfe und konnte auch im Spielaufbau mit einigen scharfen Vertikalpässen gefallen. Mit zunehmendem Druck der Leipziger geriet er wie sein Nebenmann Itakura öfter in Schwierigkeiten, auch weil er mehrfach auf die Seite ausweichen musste, um Löcher zu schließen. Dass vor allem nach der Pause die Kompaktheit verloren ging, lag am wenigsten an den Innenverteidigern. In der Spieleröffnung machte es der 29-Jährige solide, seinen langen Bällen fehlte allerdings die Präzision. Note 3,5
Lukas Ullrich: War in der Anfangsphase aufmerksam und konnte den Abstand zu den Gegenspielern gering halten. Einige Male schaltete er sich mit nach vorne ein und tauchte auch im gegnerischen Strafraum auf. Nach einer halben Stunde gab er einen nicht ungefährlichen Torschuss ab, den Leipzigs Keeper über die Latte lenkte. Defensiv bekam der 22-Jährige immer größere Schwierigkeiten mit Gruda, der ihn mehrfach mit Körpertäuschungen und Richtungsänderungen düpierte. Durch die Positionswechsel der Leipziger, die nachrückenden Außenverteidiger und die Abstimmungsprobleme mit Hack oder Mohya wurde Ullrichs Seite zusehends zum Einfallstor für Leipziger Angriffe. Beim Lattenkopfball kurz vor der Pause ließ Ullrich seinen Gegenspieler Orban zu einfach laufen. Im zweiten Durchgang führte er keinen klaren Zweikampf. Nach 64 Minuten übernahm Herold. Note 4,5
Philipp Sander: Machte als Sechser zunächst einen unaufgeregten und soliden Job. Über die gesamte Spielzeit hinweg war er sehr passsicher, was sich in einer Quote von 97% widerspiegelt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass er außer vier gelungenen langen Bällen hauptsächlich Quer- oder Rückpässe spielte. Es war auffällig, dass der 28-Jährige praktisch nie aufdrehte, um Vertikalität in sein Spiel zu bringen. Sander gab den ersten Torschuss ab, hatte dabei aber zu viel Rückenlage. Mit seinem »Grätschen-Pass« auf Bolin bereitete Sander Borussias beste Chance vor. Defensiv tackelte er einige Male erfolgreich und verzeichnete Balleroberungen, aber es mangelte ihm stellenweise an Dynamik. Sowohl in der Entstehung des 0:1 als auch beim 0:2 fehlte Sander die letzte Konsequenz. Das 0:3 verschuldete Sander, als er schlief und Reitz den fatalen Rückpass forcieren konnte. In der Schlussphase köpfte er nach Honorat-Flanke knapp am Tor vorbei. Note 4,5
Kevin Stöger: Obwohl sich Stöger redlich bemühte, in seiner Rolle als zweiter Sechser in die Zweikämpfe zu gehen, änderte das nichts an der Tatsache, dass seine Defensivqualitäten beschränkt sind. Als RB mit zunehmender Spieldauer immer druckvoller und schneller spielte, konnte sich Stöger nicht mehr behaupten. Erschwerend kam hinzu, dass der 33-Jährige seine defensiven Defizite auch nicht mit eigenen Aktionen aufwiegen konnte. Er spielte zwar den einen oder anderen guten Kurzpass und spielte klug auf Sander vor der Pfostenchance, verhedderte sich jedoch mehrfach oder passte mit Ansage in die Füße des Gegners. So war es auch vor dem vorentscheidenden 2:0, als er mit seinem schludrigen Pass den Leipziger Umschaltangriff einleitete. Nach 64 Minuten war sein Arbeitstag beendet. Note 5,0
Hugo Bolin: Kam vornehmlich über die rechte Seite und zeigte dort einige gefällige Ansätze. Mit seiner Umtriebigkeit, seinen guten Laufwegen und zielgerichteten Aktionen war er Borussias gefährlichster Offensivspieler. Bei der Großchance in der 22. Minute reagierte er blitzschnell und hatte einfach nur Pech, dass der Ball an den Pfosten ging. Bolins Position brachte es mit sich, dass er weite Wege nach hinten machen musste, und dabei wirkte er mehrfach überfordert gegen den nach vorn preschenden David Raum. Hier waren auch deutliche Abstimmungsprobleme mit Hashioka und Sander zu erkennen. Mitte der zweiten Halbzeit knickte der Schwede in einem Zweikampf mit dem rechten Sprunggelenk um, konnte aber weiterspielen. In der Schlussphase, als Borussia mehr Offensivaktionen hatte, legte der 23-Jährige nochmal zu und war präsent. Mit der letzten Aktion des Spiels erzielte er den Ehrentreffer, der jedoch wegen der knappen Abseitsstellung von Assistgeber Honorat wieder einkassiert wurde. Note 3,5
Wael Mohya: Wurde etwas überraschend in der 10er-Rolle aufgeboten, nachdem er in der Vorbereitung meist rechts gespielt hatte. Die Positionierung ersparte ihm zumindest die Defensivduelle mit Raum. Mohya war aktiv und hatte offensichtlich auch die Vorgabe, sich in Laufduelle und Dribblings zu trauen. Im Verlauf der ersten Halbzeit wich er öfter auf die linke Seite aus und Hack rückte ein. Dieses Wechselspiel führte vor dem 0:1 zu Problemen, weil Mohya erst spät nach außen lief und dem durchstartenden Baku nicht mehr folgen konnte. Nach der Pause war er nicht mehr so auffällig und wurde nach 64 Minuten ausgewechselt. Note 3,5
Robin Hack: Startete auf der linken Seite, zog aber auch immer wieder in die Mitte. So richtig in Szene setzen konnte sich Hack nicht. Er machte zwar die Wege mit zurück, war jedoch auffällig schwach im Defensivzweikampf. In zwei, drei brenzligen Situationen im eigenen Strafraum ließ er seinen Gegenspieler einfach freistehen. Glück hatte Hack, dass ihm in der 41. Minute im Anschluss an einen Kopfballwischer von Gomis kein Eigentor unterlief. Nach der Pause hatte der 28-Jährige keine nennenswerte Aktion und verließ den Platz beim Viererwechsel in der 64. Minute. Note 4,5
Tim Kleindienst: Der Kapitän gab nach weit mehr als einem Jahr sein Startelfcomeback in der Bundesliga. Dass es ihm an Rhythmus und Praxis fehlt, war in Leipzig klar zu erkennen, kam aber auch nicht überraschend. Kleindienst gefiel in der Anfangsphase mit einigen Ablagen. Als Zielspieler im Strafraum trat er jedoch nicht in Erscheinung, auch weil er selten gesucht wurde. Kleindienst warf sich mit aller Vehemenz in den Rebound nach Bolins Pfostenschuss und hatte Pech, dass Vandevoort auf der Linie so überragend reagierte. Der 31-Jährige arbeitete gegen den Ball und half in der Defensive aus, aber auch in diesen Aktionen war die lange Pause erkennbar. Weil mit der ungeplanten Einwechslung von Scally für Hashioka die Wechseloptionen aufgebraucht waren, spielte Kleindienst über die volle Distanz. In der Schlussphase hatte er noch eine Kopfballchance nach einer Honorat-Flanke. Note 4,0
Isac Lidberg (64. Minute für Hack): Blieb bei seinem Bundesligadebüt sehr unauffällig. Ein Schuss wurde geblockt, insgesamt kam er nur auf fünf Ballkontakte – obwohl Borussia in der Schlussphase das Spiel in die Leipziger Hälfte verlagern konnte. Ohne Note.
Frank Honorat (64. Minute für Mohya): Auch wenn das Spiel kurz nach seiner Einwechslung durch das dritte Gegentor entschieden war, ging Honorat motiviert zu Werke. Mehrfach spielte er sein Tempo aus und schlug einige gute Flanken. Er sammelte einige Argumente in eigener Sache. Ohne Note.
David Herold (64. Minute für Ullrich): Auch für ihn war es das Bundesligadebüt. Er zeigte sich offensivfreudig mit einigen guten Ansätzen. Defensiv war er einmal aufmerksam zur Stelle. Herold, der optisch sehr an Marcell Jansen erinnert, schlug auch die Ecken von der rechten Seite. Ohne Note.
Mathieu Nguefack (64. Minute für Stöger): Das nächste Eigengewächs aus dem Fohlenstall, das es in die Bundesliga geschafft hat. Und der 18-Jährige ragte in der halben Stunde in Leipzig mit Ballsicherheit, vertikalem Spiel, Tempo und Dynamik heraus. Allein die Passqualität war eine Augenweide. Eigentlich geht kein Weg daran vorbei, Nguefack in die Startelf zu stellen. Ohne Note.
Joe Scally (75. Minute für Hashioka): Fügte sich gut ein, zeigte einige dynamische Läufe über die rechte Seite und schoss einmal flach am langen Pfosten vorbei. Zwar unterlief ihm auch ein unforced error im Passspiel, aber insgesamt hinterließ Scally trotz der ungeklärten Zukunft keinen schlechten Eindruck. Ohne Note.
von Redaktion TORfabrik.de

