Jetzt ist es also amtlich: Nico Elvedi wird Borussia Mönchengladbach nach elf Jahren verlassen. Seit 2015 stand der Defensivspieler in Gladbach unter Vertrag, über 340 Pflichtspiele absolvierte er im Trikot mit der Raute. Er war nie ein Lautsprecher, stand in den erfolgreichen Jahren immer ein wenig am Rande, obwohl er Stammspieler war. Und auch in den vergangenen fünf Jahren, als es bei Borussia kontinuierlich bergab ging, war Elvedi zwar präsent, aber er blieb ein leiser Profi.
Leistungstechnisch fügte sich Elvedi in ein Muster, das leider bei vielen Spielern zu beobachten war, die in jungen Jahren in Gladbach den Sprung geschafft haben: Nach einem hoffnungsvollen Start stagnierte die Entwicklung etwas. Bei Elvedi häuften sich Unkonzentriertheiten, und es gab immer wieder diese »Schlafmomente«, in denen er in entscheidenden Situationen plötzlich wirkte, als hätte ihm jemand den Stecker gezogen. Er spielte zwar meist solide, aber auch mit den Jahren wurde er nie zu einem wirklichen Abwehrchef.
Ein nicht mehr erwarteter Entwicklungsschritt
Den Schritt hin zu einem Innenverteidiger mit Führungsqualitäten in einem Klub mit Champions-League-Ambitionen machte Nico Elvedi nicht. Obwohl er auch in der Schweizer Nationalmannschaft Fuß fasste, geriet er nicht auf den Radar der großen Klubs. Elvedi blieb in Gladbach Stammspieler, auch weil sich sein Stellenwert festigte, je mehr die Borussia insgesamt an Qualität verlor. Im vergangenen Sommer gelang Elvedi dann ein nicht mehr erwarteter Entwicklungsschritt: Er stellte seine Ernährung um, arbeitete mit einem privaten Trainer an seiner Fitness und legte tatsächlich messbar an Tempo und Spritzigkeit zu.
Dazu kam eine mentale Frische, durch die sich seine schon als typisch bezeichneten Aussetzer in Grenzen hielten. Während um ihn herum alles ins Wanken geriet, blieb Nico Elvedi stabil und wurde zu einem entscheidenden Faktor im Abstiegskampf. Seine Erfahrung, gepaart mit der verbesserten Physis und Psyche, ließ ihn tatsächlich zu einem der wenigen echten Qualitätsspieler bei Borussia werden. Er ließ ein gutes WM-Turnier folgen und befindet sich vom Profil her auf dem Peak seiner Karriere.
Ablöse hilft, Lücke schmerzt
Entsprechend war klar: Wenn Nico Elvedi jetzt nicht seinen letzten großen Schritt wagt, dann wird er ihn wohl nie mehr gehen. Mit Leeds United und Ex-Gladbach-Coach Daniel Farke dürfte Elvedi eine gute Wahl getroffen haben. Es ist nicht das oberste Regal in der Premier League, aber ein interessanter Klub, bei dem gutes Geld gezahlt wird und er Aussicht auf Spielzeit hat. Kein Risiko-Wechsel, sondern eine Entscheidung, die zum leisen und zurückhaltenden Charakter von Nico Elvedi passt.
Borussia erhält eine akzeptable Ablöse im unteren zweistelligen Millionenbereich, sodass Elvedis Verkauf angesichts der Vertragskonstellation und der allgemeinen finanziellen Situation des Vereins als alternativlos einzuordnen ist. Es gab Jahre, da hätte man den sportlichen Verlust für Borussia als nicht so gravierend eingeordnet, doch nach der letzten Saison schmerzt Elvedis Abschied doch mehr, als gedacht. Mit Ko Itakura holt Borussia aber einen alten Bekannten zurück, der das Risiko eines krassen Qualitätsverlusts deutlich abmindert. Daher kann der Abschied von Nico Elvedi als Gewinn für beide Seiten eingeordnet werden. Und Nico Elvedi ist natürlich alles Gute bei seiner neuen Herausforderung zu wünschen - seinen Platz in der Geschichte der Borussia hat er nach elf Jahren sicher.
von Marc Basten

