Borussia Dortmund spielt eine ausgesprochen erfolgreiche Saison unter Niko Kovač, doch der pragmatische Ansatz des Trainers kommt im verwöhnten Dortmunder Umfeld nicht so wirklich gut an. Lucien Favre weiß ein Lied davon zu singen, dass in Dortmund Spektakel gefordert wird und ergebnisorientierter Fußball allein nicht reicht.
In Mönchengladbach hat Eugen Polanski ebenfalls einen pragmatischen Spielstil etabliert. Einige bezeichnen es als Angsthasenfußball, andere wiederum sehen eine „Safety-First-Ausrichtung" als die einzige Möglichkeit, mit diesem Kader im Existenzkampf zu bestehen. Letztlich haben sowohl Kovač als auch Polanski recht: Der eine hat schon sein Saisonziel erreicht, der andere wird es aller Voraussicht nach ebenfalls.
Eugen Polanski ist kein Gestalter auf der Trainerbank
Doch ist damit nicht gesagt, dass alles gut ist, weil Polanski mit der Mannschaft den Abstieg vermeiden wird. Im Gegenteil. Die Entwicklung in den vergangenen Monaten war deutlich rückwärtsgewandt, und ganz gewiss ist die Trainerfrage einer der zentralen Punkte der Saisonaufarbeitung, nachdem man endlich über die Ziellinie gekrochen ist. Der unvermeidliche Umbruch im Sommer benötigt neben den strategischen Fähigkeiten von Rouven Schröder und seinem Team auch einen Gestalter auf der Trainerbank. Und je länger man das Wirken von Eugen Polanski als Cheftrainer beobachtet, desto klarer wird, dass er dieses Profil nicht erfüllen kann.
Rouven Schröder hat das Trainer-Thema bislang abmoderiert, indem er auf die Saisonanalyse verweist. Er wäre auch schlecht beraten gewesen, das Fass bereits frühzeitig aufzumachen, wenn er gleichzeitig noch darauf setzt, dass Polanski mit der Mannschaft den Klassenerhalt schafft. Angesichts dessen wurde bis jetzt auch noch kein Spieler angezählt, denn dieser Kader muss das Minimalziel sichern.
Der klare Schnitt wird unausweichlich sein
Aus diesem Grund sind öffentliche Aussagen der Beteiligten in diesen Wochen nicht auf die Goldwaage zu legen. Der »klare Schnitt«, den Aufsichtsratsvorsitzender Michael Hollmann bei der Mitgliederversammlung angekündigt hat, wird unausweichlich sein. Die Saisonanalyse wird diesmal deutlich anders ausfallen als in den vergangenen Jahren, als Roland Virkus mit der Mär von den kleinen Stellschrauben um die Ecke kam.
Insofern muss man Rouven Schröder mit einem Vertrauensvorschuss in seine erste wirklich wichtige Phase als Verantwortlicher bei Borussia entlassen und abwarten, was dabei herauskommt. Zunächst einmal muss die Saison anständig zu Ende gespielt werden, und damit es nicht doch noch ein unerwartet böses Erwachen gibt, sollte in den letzten drei Spielen auch noch mal gepunktet werden. Die erste Gelegenheit ergibt sich am Sonntag im Borussen-Duell.
Einspruch gegen Castrop-Sperre erfolglos
Der BVB kann befreit aufspielen, und bis zu einem gewissen Grad können das die Gladbacher auch. Es wäre also eine gute Gelegenheit, die Fesseln zu lösen und einen etwas mutigeren Ansatz zu wählen, um vielleicht endlich mal einen der „Großen" der Liga zu schlagen. Polanski vermittelte am Donnerstag bei der Pressekonferenz allerdings nicht den Eindruck, als ob er etwas Überraschendes im Schilde führen würde.
Immerhin verfügt er über einige personelle Alternativen, nachdem Robin Hack und Nathan Ngoumou eine weitere Woche im Mannschaftstraining absolviert haben. Tim Kleindienst ist noch kein Thema, aber ansonsten steht nur Jens Castrop nicht zur Verfügung. Der 22-Jährige wurde vom DFB-Schiedsgericht nach der Roten Karte in Wolfsburg für drei Spiele gesperrt – angesichts des Fouls ein sehr hartes Strafmaß. Schröder bestätigte, dass die Borussen Einspruch eingelegt haben, doch da Castrop als Wiederholungstäter eingestuft wird, wurde die Sperre nicht verkürzt. So wird es also gezwungenermaßen zumindest eine Veränderung in der Startelf geben. Alles andere wird man am Sonntag sehen.
von Marc Basten

