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Čvančara ist wieder da: Hemmschuh oder Neustart?

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Tomáš Čvančara ist zurück bei Borussia (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Beim Kick-off ins neue Jahr stand bei Borussia Mönchengladbach mit Tomáš Čvančara ein Spieler auf dem Platz, den zuvor kaum jemand auf der Rechnung hatte. Die Tücken des Leihgeschäfts sorgten dafür, dass der Stürmer ein halbes Jahr früher zurückkehrte als geplant. Wird er zum Hemmschuh oder gelingt ein Neustart?

Leihgeschäfte sind im modernen Fußball an der Tagesordnung, was oftmals für alle Seiten zu einer Win-Win-Situation wird. Der Profi erhält Spielpraxis, der abgebende Verein profitiert von der Entwicklung des Spielers, und der aufnehmende Klub bekommt für eine gewisse Zeit einen Akteur, den er sich unter normalen Umständen finanziell nicht leisten könnte – und der bestenfalls sofort weiterhilft. Doch das Geschäft birgt einige Stolperfallen. In eine solche sind Borussia Mönchengladbach und Tomáš Čvančara getappt.

Der in Gladbach glücklos gebliebene und zum Ende als eigensinniger Störenfried im Mannschaftsgefüge gebrandmarkte Stürmer wurde im Sommer für ein Jahr in die Türkei verliehen – um wieder in die Spur zu kommen, aber auch, weil man in Gladbach keine Verwendung für ihn sah und auf diese Weise zumindest einen Teil seines Gehalts einsparen konnte. Doch Čvančara konnte sportlich zunächst nicht die Erwartungen erfüllen. Als sein Klub die Gehälter nicht mehr zahlte, kündigte Čvančara seinen Vertrag auf – und stand somit wieder im Borussia-Park auf der Matte.

Kriegt er die Kurve oder verschwindet er als Millionenflop in der Versenkung?

Dort musste man hinnehmen, dass die unplanmäßige Rückkehr des Tschechen den finanziellen Spielraum für die Rückrunde etwas einschränkt. Ab sofort müssen die Borussen wieder das volle Gehalt von Čvančara einplanen, was man sich bei dem knappen Budget gerne erspart hätte. Doch Vertrag ist Vertrag – zumindest bei einem seriösen Bundesligisten. Für Borussia gibt es daher nur zwei Möglichkeiten: Entweder Čvančara wieder normal in den Kader eingliedern oder ihn neuerlich ausleihen. Für Letzteres gibt es nach Lage der Dinge keine Interessenten. So wird Čvančara für Eugen Polanski zu so etwas wie dem ersten Neuzugang.

In dieser Konstellation liegt auch die vage Hoffnung, dass Tomáš Čvančara doch noch einmal zurück in die Spur finden kann. Mit mittlerweile 25 Jahren steht er am Scheidepunkt seiner Karriere. Bekommt er die Kurve – oder verschwindet er als Millionenflop in der Versenkung? Als er nach Gladbach kam, war er Borussias »Geschenk« an den neuen Trainer Gerardo Seoane, der sich trotz der üppigen Ablöse von über zehn Millionen Euro für die Verpflichtung des Tschechen starkgemacht hatte. Bis dahin war Borussia nicht dadurch aufgefallen, verstärkt auf dem tschechischen Spielermarkt aktiv zu sein. Im Nachhinein lässt sich festhalten, dass das Scouting dort in mancher Hinsicht etwas lückenhaft war.

Čvančara war komplett unten durch

Zwar erlebte Čvančara zu Beginn einen durchaus vielversprechenden Sommer in Gladbach, doch schon da traten einige Defizite zutage. Mit seiner technischen Limitiertheit und der Tatsache, dass er nicht der Stürmertyp ist, der mit dem Rücken zum Tor Bälle festmacht, passte er nicht wirklich ins damalige Anforderungsprofil. Da er sich zudem abseits des Platzes bei der Integration schwerer tat als die meisten anderen Neuzugänge, geriet er auch in der internen Hierarchie ins Hintertreffen. Hinzu kamen mehrere Verletzungen, wodurch er immer weniger Einsatzzeiten bekam.

Zum Ende der letzten Saison wurde bekannt, dass der Mannschaftsrat bei Seoane vorstellig geworden war und eine Nichtberücksichtigung von Čvančara forderte. Der Tscheche wurde als egoistischer Spieler bezeichnet, der in der Kabine Missstimmung verbreite. Seoane kam der Aufforderung zwar nicht nach, aber Čvančara war dennoch unten durch – insbesondere nachdem er seinen Missmut auch in der Öffentlichkeit kundgetan hatte. Das Leihgeschäft in die Türkei war letztlich die sinnvollste Option, die Wogen zu glätten und dafür zu sorgen, dass sowohl der Spieler als auch die sportliche Leitung ihr Gesicht wahren konnten.

Polanski kann unbefangen mit Čvančara arbeiten

Nun steht Čvančara also wieder auf der Matte. Die Kollegen, die sich damals gegen ihn gestellt haben, sind immer noch da – ein gewisses Konfliktpotenzial ist daher naturgemäß vorhanden. Doch gerade im Fußball weiß man, wie schnell sich Differenzen innerhalb einer Kabine regulieren, wenn man sich anständig verhält und sein Ego dem gemeinschaftlichen Ziel unterordnet. Hinzu kommt, dass Borussias neue sportliche Leitung Čvančara völlig unbefangen entgegentreten kann. Eugen Polanski hat bereits verlauten lassen, dass er Čvančara nicht als notwendiges Übel dulden werde, sondern die Fantasie habe, mit ihm etwas anzufangen.

Tatsächlich könnte Čvančara im System von Polanski eher eine Rolle spielen als zuvor. Seoane hatte ihn entweder als zentralen Stürmer oder als Rechtsaußen eingesetzt – was vom ersten Tag an überhaupt nicht funktionierte. Da Polanski mit zwei – oder anderthalb – Spitzen spielen lässt, könnte Čvančara als Alternative für die Position neben Tabaković infrage kommen. Dort könnte er seine Wucht und Dynamik vermutlich am besten einbringen, müsste aber zugleich bereit sein, aggressiv gegen den Ball zu arbeiten und weite Wege nach hinten zu machen.

Unter gewissen Umständen könnte Čvančara die Konkurrenzsituation beleben

Wenn Čvančara die Vorgaben und Vorstellungen von Polanski umsetzt, könnte der Neustart gelingen. Das würde die Konkurrenzsituation in der Offensive beleben – und vor allem für Shuto Machino bedeuten, sich stärker einzubringen. Bislang war der Japaner auf der Position neben Tabaković die einzige Alternative, wenn der verletzungsanfällige Honorat nicht zur Verfügung stand. Sollte sich also keine kurzfristige Leihe ergeben, dürfte das nächste halbe Jahr für Čvančara in Gladbach den Versuch eines Neustarts bedeuten. Ob dieser Versuch gelingt, ist dabei völlig offen.


von Marc Basten

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