Moritz Nicolas: Wurde mit dem ersten konkreten Torschuss der Stuttgarter aus relativ kurzer Distanz überwunden und war machtlos. Ernsthaft geprüft wurde der 28-Jährige im ersten Durchgang nicht. Im Spielaufbau mit einigen Bällen auf die Seiten, die er nicht mit der letzten Überzeugung schlug. Oftmals wurde er zum langen Schlag in Richtung Tabaković genötigt, was überhaupt nichts brachte. Dass diese Variante dennoch immer wieder gewählt werden musste, hatte weniger mit dem Spielverständnis von Nicolas, als vielmehr mit der eindimensionalen Spielanlage zu tun. Nach der Pause war Nicolas gefordert und parierte dreimal gut, ehe er das Eigentor von Scally hinnehmen musste – hier war er ohne jede Abwehrchance. Das 0:3 muss sich Nicolas dann jedoch mit ankreiden lassen: Der Schuss von Undav war haltbar. Note 3,5.
Joe Scally: Hatte es als Rechtsverteidiger mit dem schnellen Leweling zu tun, den er über weite Strecken im Griff hatte. Scally war nah genug am Gegenspieler, fiel nicht auf Finten herein und wirkte stabil. Doch dann legte ausgerechnet er für Lewelings Führungstreffer auf, als er am eigenen Fünfer unzureichend per Brust klären wollte und dann nicht mehr hinkam, um den Schuss noch zu blocken. Danach verlor Scally die Mehrzahl seiner Zweikämpfe, war im Passspiel schwach und seine zwei Flanken waren unbrauchbar. In der 67. Minute sorgte der 23-Jährige dann für die Entscheidung, als er Führichs Eckball mit dem Rücken unglücklich ins eigene Tor abfälschte. Note 5,0.
Kota Takai: Gab sein Startelfdebüt als rechter Innenverteidiger in der Viererkette. Dass es noch kleinere Missverständnisse gab, war keine Überraschung. Dennoch wirkte der Japaner sehr unaufgeregt und keineswegs ängstlich. Sein Stellungsspiel war mehr als ordentlich, in den direkten Duellen zögerte er nicht und mit Ball traute er sich auch etwas zu. Selbst wenn nicht alle seiner Vertikalpässe ankamen, so war es schon erstaunlich, wie wenig sich der 21-Jährige von der spürbaren Verunsicherung der Mitspieler anstecken ließ. Dass Takai letztlich der beste Feldspieler bei Borussia war, sagt alles über dieses Spiel aus. Note 3,5.
Nico Elvedi: Links in der Innenverteidigung aufgeboten, machte er ein unauffälliges Spiel ohne grobe Fehler. Einige Male klärte er aufmerksam, einmal wirkte er bei einer Stuttgarter Chance aber extrem schwerfällig, als ob er bei seiner Drehung im Treibsand stehen würde. Bei der Ballbehandlung mit einigen technischen Problemen, wenn es mal etwas schneller gehen musste. Elvedis Passspiel war weitestgehend in Ordnung, doch wirklich etwas gestalten konnte der 29-Jährige nicht. Ein echter Achsenspieler, der einer verunsicherten Mannschaft Halt geben und an dem sich andere aufrichten können, ist Elvedi trotz seiner 350 Pflichtspiele für Borussia nicht. Note 4,0.
Lukas Ullrich: Als Linksverteidiger zunächst mit einigen griffigen Aktionen, bei denen er sich erfolgreich gegen seine Kontrahenten wehrte. Vor dem 0:1 geriet Ullrich im Strafraum etwas eigenartig ins Straucheln und ging zu Boden. Das sorgte dafür, dass er nicht mehr rechtzeitig zur Stelle war, um die Flanke zu verhindern. Weder im Spielaufbau noch mit eigenen Offensivaktionen konnte der 21-Jährige etwas Nachhaltiges beitragen. Eine Flanke missglückte und bei einem versuchten Dribbling blieb Ullrich in der gegnerischen Hälfte sehr einfach hängen. In der 85. Minute sah er Gelb, direkt danach machte er Platz für Chiarodia. Note 4,5.
Philipp Sander: Spielte neben Neuhaus und unterstützt von Reitz als rechter Sechser im 4-2-3-1. Beim möglichen Rebound beim verschossenen Elfmeter fehlte es ihm an der letzten Entschlossenheit. So war es auch beim 0:1, als er den Schuss von Leweling nicht mehr verhindern konnte. Sander führte zwar einige Zweikämpfe, wurde aber auch mehrfach sehr einfach ausgespielt. Im Aufbauspiel oder gar als Spielgestalter war der 27-Jährige kein Faktor. Gerade unter Druck wirkte Sander überfordert, sein Ballverlust stand an der Basis des Stuttgarter Angriffs zum 0:3. Note 5,0.
Florian Neuhaus: Wurde als linker Sechser aufgeboten. Vermutlich sollte er als Bindeglied im Aufbau zwischen Abwehrkette und dem Offensivtrio fungieren, was aber nicht aufging. Im engen Mittelfeld lief das Spiel weitestgehend an Neuhaus vorbei. Ein Mann für die Eroberung zweiter Bälle ist der 28-Jährige ohnehin nicht. Dass er als defensiver Sechser keine Idealbesetzung ist, wurde auch gegen den VfB deutlich, wobei sich Neuhaus keine groben Schnitzer leistete. Mit seinem Ballverlust am eigenen Strafraum hätte er allerdings fast das frühe 0:2 verschuldet. Lediglich zweimal trat Neuhaus offensiv in Erscheinung, als er innerhalb kurzer Zeit zwei Distanzschüsse abgab. Einmal zielte er zentral auf den Torwart, dann in Rücklage schwach in Richtung Oberrang. Eine Viertelstunde vor dem Ende wurde er von Stöger abgelöst. Note 5,0.
Franck Honorat: Holte mit seiner Flanke an den Arm von Leweling den Elfmeter heraus. Er zog zwar vereinzelt einen Sprint an, blieb aber wirkungslos. Honorat ist meilenweit von seiner Bestform entfernt und es fehlt ihm offensichtlich an Inspiration. Das ist einerseits verständlich, wenn man als ambitionierter Offensivspieler von so wenig fußballerischer Klasse umgeben ist und ständig nach hinten laufen muss. Andererseits muss er mit seinen Fähigkeiten auch als Solist mehr zeigen, als in den 65 Minuten gegen den VfB. Note 5,0.
Rocco Reitz: War in eher zentraler Rolle mit Blickrichtung offensives Mittelfeld unterwegs. So war es zumindest zu Beginn. Mit zunehmender Stuttgarter Dominanz rückte Reitz zwischen Sander und Neuhaus. Das sorgte immerhin dafür, dass es vor der Abwehrkette keine großen Löcher gab. Allerdings wirkte Reitz in der Rolle als Kapitän, Balleroberer, Antreiber und kreativer Spielgestalter sichtlich überfordert. Ihm gelang so gut wie gar nichts und das nagte deutlich an ihm. Der Frust war greifbar und wurde in der Szene für alle offensichtlich, als er sich den Ball abnehmen ließ und völlig desillusioniert stehen blieb und nicht nachsetzte. Eine solche Körpersprache ist – bei allem Verständnis für seine Frustration – ein Unding. Es ist längst überfällig einzusehen, dass Reitz nicht der Kapitän und Führungsspieler ist, den man in ihm sehen wollte. Er muss entlastet und auch in gewisser Hinsicht vor sich selbst geschützt werden. Die Auswechslung in der 65. Minute kann man insoweit als einen ersten Schritt einordnen. Note 5,0.
Shuto Machino: Eingerückt auf der linken Seite spielend, war der Japaner in der Offensive nahezu unsichtbar. Er erscheint immer noch wie ein Fremdkörper und sowohl seine Laufwege als auch seine Ballaktionen wirken zufällig. Dazu leistet sich der Japaner immer mal wieder richtige Aussetzer – so wie den Fehlpass vor dem eigenen Strafraum, den Stuttgart zur Inszenierung des Angriffs zum 0:1 nutzte. Im Gegensatz zu vorherigen Spielen war Machino dieses Mal nicht ganz so passiv, wenn es um die Arbeit gegen den Ball ging. Die Laufleistung war ordentlich, auch wenn dem 26-Jährigen anzusehen war, dass ihm die Kräfte schwanden. Seinen beiden Abschlüssen in der Endphase fehlte die Präzision. Note 5,0.
Haris Tabaković: Hätte dem Spiel möglicherweise eine andere Richtung geben können, wenn er den Elfmeter in der 13. Minute verwandelt hätte. Sein Schuss war zwar nicht ganz so schlecht, aber Nübel hatte die richtige Ecke. Mit seinem zweiten Fehlschuss vom Punkt dürfte sich Tabaković aus dem Kreis der potenziellen Elfmeterschützen verabschiedet haben. Ansonsten fiel der Mittelstürmer nur dadurch auf, dass er zwar als Abnehmer für lange Bälle ständig gesucht wurde, er aber gegen Chabot keinen Stich machte. Das Bemühen konnte man Tabaković keinesfalls absprechen, aber seine körperliche Robustheit wog die technischen Mängel in der Ballbehandlung unter Druck nicht auf. Der 31-Jährige gab neben dem Elfmeter keinen einzigen Torschuss ab, bekam aber auch kein einziges brauchbares Zuspiel oder gar eine Flanke. Note 5,0.
Wael Mohya (65. Minute für Honorat): War gerade auf dem Platz, als das 0:2 fiel und die Partie entschieden war. Der Youngster versuchte sich mit ein paar Aktionen zu zeigen, blieb aber letztlich wirkungslos. Ohne Note.
Alejo Sarco (65. Minute für Reitz): Der Leihspieler aus Leverkusen gab sein Debüt für Borussia. Auch er stand gerade auf dem Platz, als das Spiel mit dem 0:2 entschieden war. Der Argentinier kam nur auf fünf Ballkontakte. Ohne Note.
Kevin Stöger (75. Minute für Neuhaus): War noch oft am Ball, machte nicht viel falsch, hatte aber auch keine nennenswerte Aktion. Ohne Note.
Fabio Chiarodia (86. Minute für Ullrich): Zeigte noch einen unerwartet energischen Vorstoß über die linke Seite und eine Direktabnahme mit links, die das Tor deutlich verfehlte. Ohne Note.
Yannick Engelhardt (86. Minute für Sander): Brachte noch zwei Pässe zum eigenen Mann. Ohne Note.
von Redaktion TORfabrik.de

