Franck Honorat blickt auf eine Saison zurück, die von einem ausgeprägten Formtief und nur gelegentlichen Lichtblicken geprägt war. Während er in den Vorjahren noch als Unterschiedsspieler galt, suchte er in dieser Spielzeit fast über die gesamte Distanz nach seiner Bindung zum Spiel und seiner gewohnten körperlichen Spritzigkeit. Bereits am 1. Spieltag gegen den HSV wirkte er blass, agierte zu oft aus dem Stand und ließ die Durchschlagskraft vermissen, die ihn zuvor ausgezeichnet hatte. Nach einer leichten Steigerung in Stuttgart folgte gegen Bremen ein Rückfall in Gehemmtheit und Mutlosigkeit.
Kurzes Aufblitzen im Sturm
Eine taktische Umstellung brachte Honorat kurzzeitig zurück in die Spur. Als variable zweite Spitze um Haris Tabaković blühte er am 9. Spieltag gegen St. Pauli auf, zeigte wieder Spielfreude und lieferte eine exzellente Vorarbeit. Auch in den folgenden Partien gegen Köln und Heidenheim blieb er ein Faktor, holte einen Elfmeter heraus und glänzte mit einem Superpass zum Derby-Sieg. Auch sein sein Tempo von bis zu 34,9 km/h blitzte wieder auf und erinnerte daran, welches Potenzial in ihm steckt. Diese kurze Phase sollte sich jedoch als Ausnahme erweisen, nicht als Trendwende.
Ab dem 17. Spieltag schlitterte Honorat in eine bedenkliche Negativserie, die seine gesamte Winter- und Frühjahrsphase überschattete. In den Spielen gegen Hoffenheim, den HSV und Stuttgart wirkte er völlig isoliert, fehlerbehaftet und körperlich nicht bei 100 Prozent. Defensive Nachlässigkeiten und ein tiefes Leistungsloch führten zu einer Reihe schlechter Bewertungen. Selbst einfachste Pässe und Flanken misslangen dem Franzosen in dieser Zeit, was von außen umso rätselhafter wirkte, als sich an seinem Umgang innerhalb der Mannschaft nichts Auffälliges veränderte. Was genau die Ursache für seine anhaltend schlechte Verfassung war, blieb letztlich unklar.
Wechselgedanken und wechselhafte Form
Für zusätzliche Irritationen sorgten im Frühjahr Äußerungen Honorats gegenüber französischen Medien, in denen er mit einem Vereinswechsel liebäugelte und offene Unzufriedenheit mit seiner Situation in Gladbach erkennen ließ. Solche Aussagen passten nicht recht zu einem Spieler, der auf dem Platz gerade um seine Form kämpfte, und befeuerten Spekulationen über seine Zukunft am Niederrhein. Sportlich blieb das letzte Saisondrittel ein Spiegelbild seiner gesamten Spielzeit: Einem engagierten Auftritt im Derby gegen Köln folgten erneut lustlose Vorstellungen, in denen er sich in eine Art Teilnahmslosigkeit flüchtete und defensiv abenteuerlich agierte. Sein Saisonhighlight lieferte er am 32. Spieltag gegen Dortmund, als er mit alter Spritzigkeit und Direktheit an drei Großchancen beteiligt war, bevor er die Saison am 34. Spieltag nur als unauffälliger Einwechselspieler beendete.
Die statistische Bilanz macht die Ausmaße der Krise deutlich. Honorat wurde in 24 Partien benotet, blieb in vier weiteren ohne Note und erreichte seine beste Bewertung von 2,5 lediglich dreimal, während gleich sieben Partien mit der Note 5,0 abgestraft wurden. Mit einer Durchschnittsnote von 4,0 lieferte er die enttäuschendste Saison seiner Gladbacher Zeit ab und wurde zum Sinnbild der Inkonstanz: An guten Tagen konnte er mit Tempo-Dribblings und Präzision Spiele entscheiden, an schlechten Tagen tauchte er völlig ab und wurde durch mangelnde Defensivarbeit selbst zum Sicherheitsrisiko.
Offene Zukunft am Niederrhein
Die Zukunft des 29-Jährigen, der noch bis zum 30.06.2029 in Gladbach unter Vertrag steht, bleibt vor diesem Hintergrund offen. Angesichts seiner Wechsel-Andeutungen und der enttäuschenden Bilanz dürfte der Klub einem Abgang im Sommer nicht grundsätzlich abgeneigt sein, zumal mit Honorat noch eine Ablöse im hohen einstelligen Millionenbereich zu erzielen wäre. Sollte er bleiben, wird es vor allem darauf ankommen, ob er zu der Konstanz zurückfindet, die ihn einst zum Unterschiedsspieler machte. Ansonsten droht er zu einem teuren Problemfall im Gladbacher Kader zu werden.
von Marc Basten

