Eine gute Viertelstunde war das erste Training, das der interimsmäßig vom Co- zum Cheftrainer für ein Spiel beförderte Jan-Moritz Lichte am Dienstag leitete, für Zaungäste und Journalisten zugänglich. Danach wurde die Trainingsanlage geräumt, und die weiteren Einheiten in dieser Woche werden hinter verschlossenen Türen absolviert. In Mönchengladbach ist man sich der Lage offensichtlich bewusst und weiß, dass es Zeit wird, den Ernst der Situation anzuerkennen.
Die klare Kommunikation, dass Lichte nur für dieses eine Spiel gegen seinen Ex-Klub Mainz befördert wird, erstickt Spekulationen in diese Richtung zum Glück im Keim. Doch spekuliert wird natürlich in und um Mönchengladbach eine ganze Menge. Wenn die Situation nicht so unangenehm wäre, könnte man sich darüber amüsieren, wer alles in diesen Tagen aus den Löchern gekrochen kommt und ganz plötzlich eine fundierte Meinung über Borussias Krise, Schröder und die Trainerfrage zu haben glaubt.
Stratege mit Visionen oder doch nur eine bessere Luftnummer?
Klar ist aber, dass Schröder nun gefordert ist. Er hat zwei Transferperioden zu verantworten, hat sich mit dem Festhalten an Polanski sehenden Auges auf dünnes Eis begeben und muss jetzt beweisen, dass er eine Lösung findet, um den kompletten Einbruch zu verhindern. Jetzt wird sich zeigen, ob Schröder wirklich der Stratege mit Visionen ist, oder ob sein ganzes Konzept doch nur eine bessere Luftnummer ist.
Die Verpflichtung eines neuen Trainers hat natürlich für Schröder Priorität, für alle anderen geht es aktuell nur um das Spiel gegen Mainz. Trotz »Geheimtrainings« ist nicht davon auszugehen, dass Lichte in drei Tagen alles umkrempelt. Das muss dem neuen Trainer vorbehalten bleiben. Lichte wird aber sicher mehr einbringen als das Polanski-Konzept, das aus einem »einfach individuelle Fehler abstellen und alles wird gut« bestand. Wobei er das alles als Co-Trainer auch mitgetragen und damit auch seinen Anteil am Fehlstart hat.
Bolin setzt mit muskulären Problemen aus
Am Dienstag dauerte das Training zwei Stunden, und es gab die gute Nachricht, dass Konoplia und Hashioka wieder auf dem Platz stehen und schrittweise ins Mannschaftstraining integriert werden. Mit Konoplia wird nach der Länderspielpause geplant, und bei Hashioka besteht noch die kleine Möglichkeit, dass er es am Samstag in den Kader schaffen könnte. Nicht auf dem Trainingsplatz war Wael Mohya, der aus Gründen der Belastungssteuerung fehlte.
Auch Hugo Bolin trainierte nicht mit der Mannschaft, sondern absolvierte eine individuelle Einheit. Der Schwede war in Freiburg zur Pause ausgewechselt worden, ohne dass im Nachhinein ein genauer Grund kommuniziert wurde. Angesichts der Pleite im Breisgau und der anstehenden Trainerentlassung war das etwas untergegangen. Nunmehr heißt es, Bolin habe muskuläre Probleme, die dann vermutlich auch der Grund für den frühen Wechsel waren. Dass zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison bereits wieder viele Spieler mit muskulären Problemen zu kämpfen haben, ist auch ein Thema, das der neue Cheftrainer wird angehen müssen.
von Marc Basten

