Moritz Nicolas: Hielt zum 13. Mal in dieser Saison seinen Kasten sauber – eine wirklich bemerkenswerte Marke. Gegen Hoffenheim hatte Nicolas zu Beginn Glück, dass Kramaric bei seiner Großchance nur eine halbe Rückgabe zustande brachte. Weitere klare Chancen hatten die Gäste nicht, und die wenigen Pflichtaufgaben – wie das Wegfausten einer Touré-Flanke – erfüllte der 28-Jährige, ohne jedoch die Souveränität der letzten Wochen auszustrahlen. In einer Situation im Spielaufbau nahm er sich sehr viel Zeit zum Überlegen, um dann einen Fehlpass zu spielen. Ein Fangfehler gegen Ende der Partie hätte fast das Gegentor bedeutet. Note 3,5.
Joe Scally: Als rechter Verteidiger in der Viererkette scheint der 23-Jährige deutlich besser aufgehoben zu sein als in der Rolle des Schienenspielers. Gegen Hoffenheim konnte er sich hauptsächlich auf die defensive Basisarbeit konzentrieren und seine offensiven »Bonus-Momente« ohne Druck wählen. Mit einer guten Einzelaktion holte Scally die erste Ecke heraus, im Eins-gegen-eins gegen Touré blieb er zumeist Sieger und geriet nie in die Situation, positionsbedingte Stellungsfehler korrigieren zu müssen. Note 3,0.
Nico Elvedi: Wenn es sein letztes Spiel für Borussia war, dann kann man festhalten, dass er auf seinem Höhepunkt in Gladbach aufgehört hat. Der Schweizer war stabil und sicher wie in weiten Teilen der Saison – positionell stark und konzentriert und auch im Spielaufbau mit einigen Akzenten, die deutlich über die über lange Zeit von ihm praktizierten Sicherheitspässe hinausgingen. Sollte der 29-Jährige eine ordentliche WM spielen, könnte er nach vielen vergeblichen Versuchen doch noch einen Karriereschritt machen und Borussia signifikante Einnahmen bescheren. Note 2,0.
Kevin Diks: Seine coole und beherzte Kopfballrückgabe auf Nicolas war das Symbolbild für ein souveränes und abgeklärtes Spiel des 29-Jährigen. Wenn es drauf ankam, war er zur Stelle – wie bei einem zur Ecke geblockten Schuss. An der etwas zu harten Gelb-Roten Karte für Lemperle war Diks nicht ganz unschuldig. Er krönte sein unaufgeregtes Spiel mit einem herrlichen Treffer – Marke Tor des Monats. Der indonesische Nationalspieler hat sich schnell zu einem Leader entwickelt und ist auf jeden Fall ein Kandidat als zweiter Kapitän in der kommenden Saison. Note 2,0.
Lukas Ullrich: Machte als Linksverteidiger ein sehr ordentliches Spiel. Der 22-Jährige war konzentriert und griffig, und auch in Situationen, in denen er eingeengt wurde, behielt er die Übersicht. Situativ schaltete er sich mit nach vorne ein, behielt aber den Fokus auf der Defensivarbeit. Ullrich sorgte dafür, dass Coufal nicht zur Entfaltung kam, und erhielt Sonderapplaus für einen Ballgewinn. Sein Selbstverständnis hat in dieser Saison stark gelitten, und er benötigt mehr Zuspruch und Vertrauen. Das Spiel gegen Hoffenheim könnte ein Schritt dahin gewesen sein. Note 3,0.
Philipp Sander: Durch den Ausfall von Reitz rückte Sander ins defensive Mittelfeld vor und agierte dort als zweiter Sechser neben Engelhardt. Er fügte sich gut ein und interpretierte die Position variabel, ohne dabei zu sehr ins Risiko zu gehen. Wenn einer der Innenverteidiger vorschob, sicherte Sander ab. Am Ball war er um zügige vertikale Lösungen bemüht. Ein etwas zu langer Pass auf Scally zeugte dennoch von gutem Vertikalspiel – genauso wie der Pass auf Tabaković vor dessen angeblichem Abseitstreffer. Schwach war dagegen die Situation, als er sich im eigenen Sechzehner überspielen ließ und Glück hatte, dass die Folge »nur« eine Ecke für Hoffenheim war. Für ein notwendiges taktisches Foul sah er die Gelbe Karte. Dass er als nicht gerade zimperlicher Defensivspieler bei 30 Einsätzen mit vier Gelben Karten ohne Sperre durch die Saison gekommen ist, ist nicht selbstverständlich. Note 3,0.
Yannick Engelhardt: Zeigte in seinem vermutlich letzten Spiel für Borussia nochmals eine ordentliche Leistung und beschloss ein insgesamt gelungenes Leihjahr. Als Teil einer Doppel-6 tat sich Engelhardt sichtlich leichter als in manchen anderen Partien, wo er sehr auf sich allein gestellt war. Bis auf eine schlechte Ballannahme ohne Gegnerdruck agierte der 25-Jährige sicher, und in einigen Situationen zeigte er auch seine Dynamik. So war er an der Entstehung des 2:0 mit der scharfen Hereingabe in den Strafraum beteiligt. Note 3,0.
Hugo Bolin: Erzielte nicht nur sein erstes Bundesligator, sondern bot eine starke Vorstellung, die für die neue Saison einiges verspricht. In vielen Situationen war seine Klasse erkennbar – sei es bei den Ballannahmen, in den Dribblings, im Antritt oder in den Laufwegen. Mindestens ein halbes Dutzend Mal startete er perfekt einen Tiefenlauf, ohne angespielt zu werden. Diese Qualität des 22-Jährigen muss künftig viel mehr genutzt werden. Zulegen muss Bolin bei der Körperlichkeit – in der einen oder anderen Situation wirkte er noch wie ein Leichtgewicht. Gegen Hoffenheim schoss er das 1:0, war in der Entstehung des 2:0 beteiligt, gab einen weiteren Knaller ab und wurde gefoult, als er blitzschnell gestartet war. Seine technische Versiertheit war bei einer Ballannahme aus der Luft in der zweiten Halbzeit zu bewundern. Note 2,0.
Kevin Stöger: Zum Saisonabschluss wartete der Routinier mit einer »unstögerischen« Leistung auf. Er machte keine Sperenzchen, unnötigen Pirouetten oder überkomplizierten Aktionen. Mit der direkten Weiterleitung auf Tabaković bereitete er den Angriff zum zweiten Treffer mit vor. Der 32-Jährige verzeichnete mehrere Ballgewinne und war sehr präsent und lauffreudig. Seine schnörkellose Vorstellung ging ein wenig unter, aber es war ein mehr als ordentliches Spiel des Österreichers. Note 2,5.
Wael Mohya: War ein belebendes Element, weil er sich immer wieder anbot und etwas initiieren wollte. Das gelang nicht immer – so brach er einmal einen Konter ab und spielte den Ball zum Gegner. Aber sein Wechselspiel mit Bolin, mit dem er immer wieder die Seiten tauschte, sorgte für Frische im Gladbacher Offensivspiel. Beide waren dann auch am ersten Tor beteiligt, als Mohya mit der Brust den Assist für Bolin lieferte. Auch beim zweiten Tor war Mohya involviert, auch wenn er den Ball nicht traf. Zu bemängeln bleibt, dass der 17-Jährige noch zu wenig Aktionen finalisiert – aber das Entwicklungspotenzial ist fraglos vorhanden. Wie er sich in den Auseinandersetzungen mit gestandenen Gegnern wie Coufal und Kabak wehrte, war bemerkenswert. Note 3,0.
Haris Tabaković: In seinem letzten Spiel für Borussia lief für den Bosnier zunächst alles nach Plan. Er erhielt Blumen und viel Applaus vor dem Spiel und erzielte dann in typischer Manier seinen 13. Saisontreffer, wobei er den Angriff mit seinem Pass auf Engelhardt selbst inszeniert hatte. Ein Kopfball nach einer Ecke war nicht schlecht, und nach der Pause erzielte der 31-Jährige seinen zweiten Treffer – soll dabei aber hauchdünn im Abseits gestanden haben. Richtig bitter wurde es dann in der 72. Minute, als er im Mittelfeld vom vorbeilaufenden Kabak unabsichtlich am Fuß getroffen wurde und dadurch so unglücklich umknickte, dass er ausgewechselt werden musste und wohl auch die WM verpassen wird. Ein tragischer Abschluss einer ansonsten so positiven Zeit für Tabaković in Gladbach. Note 2,5.
Giovanni Reyna (67. Minute für Stöger): Hatte noch einige Ballaktionen, blieb nahezu fehlerlos, konnte aber keine nennenswerten Impulse setzen. Ohne Note.
Franck Honorat (67. Minute für Mohya): Konnte sich ebenfalls nicht nachhaltig in Szene setzen. Bei zwei Flanken fehlte die Präzision. Ohne Note.
Robin Hack (67. Minute für Bolin): War präsent und sorgte für die passende Abrundung des Nachmittags, als er den Ball frech klaute, selbstbewusst aufs Tor zusprintete und zum 4:0 traf. Ohne Note.
Shuto Machino (74. Minute für Tabaković): Wirkte engagierter als zuletzt. Als Kleindienst eingewechselt wurde, übernahm Machino die Rolle als zweite Spitze, was ihm augenscheinlich besser liegt. Ohne Note.
Tim Kleindienst (86. Minute für Sander): Sprintete voller Elan aufs Feld, und man sah ihm an, wie viel Last nach den langen Monaten der Verletzungsmisere von ihm abfiel. Es bleibt zu hoffen, dass das Knie nun hält und er sich bis zum Saisonstart körperlich wieder in Form bringt. Ohne Note.
von Redaktion TORfabrik.de

