Einzelkritik: FC Augsburg - Borussia Mönchengladbach 3:1 (2:0)

Träge und unmotiviert statt frisch und befreit

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Ein unerwarteter Lichtblick: Giovanni Reyna (Foto: Leonhard Simon - Getty Images)

Borussia Mönchengladbach enttäuschte bei der 1:3-Niederlage in Augsburg nahezu auf ganzer Linie. Anstatt befreit aufspielen, spulten die Borussen ihr Pensum träge und unmotiviert ab. Der einzige Lichtblick war die überraschend gute Leistung von Giovanni Reyna. Die Einzelkritik:

Moritz Nicolas: Der 28-Jährige erlebte einen Nachmittag, an dem ihn das Glück gleich zweimal verließ. Beim ersten Gegentreffer lenkte er einen Schuss von Fellhauer aus spitzem Winkel unglücklich vor die Füße des einschussbereiten Gregoritsch – eine Aktion, die ihm niemand ernsthaft ankreiden kann. Auch beim dritten Treffer sah er den Kullerschuss zu spät und bugsierte den Ball erneut zu Gregoritsch. Hier wäre eine bessere Lösung zumindest denkbar gewesen. Dass der Rückstand nicht noch höher ausfiel, hatte die Mannschaft nicht zuletzt ihm zu verdanken: Mit mehreren aufmerksamen Paraden hielt Nicolas die Borussen im Spiel. Ein Spiel zwischen Pech und kleinen Unzulänglichkeiten – beides lag diesmal nah beieinander. Note 3,5.

Philipp Sander: Der 28-Jährige begann die Partie noch mit der nötigen Körperlichkeit – ein kantiger Zweikampfgewinn in der Anfangsphase ließ Stabilität vermuten. Doch schon bald häuften sich Ballverluste und Positionsfehler, die das Bild grundlegend veränderten. Vor dem 0:1 war Sander ins Mittelfeld aufgerückt, verlor dort den entscheidenden Zweikampf und fehlte anschließend genau dort, wo er gebraucht wurde: rechts in der Abwehrkette. Dass Honorat auf der Seite defensiv kaum Unterstützung bot, war offensichtlich – doch gerade deshalb hätte Sander seine Position konsequenter halten müssen, statt bei Augsburgs zahlreichen Angriffen über diese Seite regelmäßig irgendwo anders zu stehen. Vor dem 0:2 ließ er sich gemeinsam mit Honorat von Wolf an der Außenlinie anfängerhaft ausspielen, und auch nach der Umstellung auf eine Viererkette fand er nie wirklich in die Partie: Beim 0:3 zog Kömür viel zu ungestört nach innen und kam zum Abschluss, weil Sander den Weg schlicht nicht versperrte. Ein Auftritt, der in nahezu allen Belangen zu wenig war. Note 5,0.

Kevin Diks: Nach seiner Rolle als Einwechselspieler in der Vorwoche kehrte der 29-Jährige in die Startelf zurück und übernahm als zentraler Innenverteidiger der Dreierkette die Position des gesperrten Elvedi. Gleich in den Anfangssekunden hatte er dabei erhebliches Glück: Ein Kontakt mit Kade im Strafraum wurde in vergleichbaren Situationen durchaus als Elfmeter geahndet – diesmal blieb die Pfeife stumm und auch der VAR schaltete sich nicht ein. In der für ihn etwas ungewohnten Rolle bot Diks kein makelloses Stellungsspiel, fand aber insgesamt ausreichend Orientierung, um entscheidende Fehler zu vermeiden. Kleinere Unsau­berkeiten im Aufbau und in der Absicherung blieben folgenlos und bei den Gegentoren traf Diks kein unmittelbares Verschulden. Kein überzeugender, aber ein solider Auftritt unter schwierigen Vorzeichen. Note 3,5.

Fabio Chiarodia: Zum dritten Mal in Folge stand der 20-Jährige in der Startelf und begann die Partie unauffällig und ohne größere Fehler. Beim 0:1 verlor er jedoch kurz die Orientierung und kam zu spät, um noch eingreifen zu können. In mehreren weiteren Augsburger Angriffsszenen entstand der Eindruck, dass das Tempo des Spiels ihn bisweilen an seine Grenzen brachte – Klärungsaktionen gelangen zwar in zwei oder drei Situationen ordentlich, doch die nötige Grundstabilität fehlte über weite Strecken. Nach knapp einer Stunde wurde er ausgewechselt. Diesmal waren es offensichtlich keine körperlichen Probleme, die zur Auswechslung führten. Note 4,0.

Frank Honorat: Was der 29-Jährige in dieser Partie zeigte, war das genaue Gegenteil seiner Leistung aus der Vorwoche. Offensiv kam von ihm so gut wie nichts – ein einziger Antritt war ordentlich, ansonsten war er passiv und leistete sich Ballverluste in Serie. Defensiv war sein Verhalten schlicht abenteuerlich: Die Räume auf seiner Seite ließ er derart großzügig offen, dass Augsburg diese Einladungen wiederholt und dankend annahm. Erschwerend hinzu kam, dass von der Seitenlinie keine Reaktion kam – keine Umstellung, kein sichtbares Eingreifen, obwohl das Muster früh erkennbar war. Die Auswechslung zur Pause war nach dieser indiskutablen Leistung folgerichtig, aber da war das Spiel bereits vorentschieden. Note 5,0.

Rocco Reitz: Es war sein letztes Auswärtsspiel im Borussia-Trikot, und der 23-Jährige zeigte zumindest in puncto Einsatz mehr als viele seiner Kollegen – Bissigkeit im Zweikampf und eine spürbare Bereitschaft, das Spiel anzutreiben, hoben ihn aus einer insgesamt fahrigen Mannschaftsleistung heraus. Als Kapitän versuchte er zu führen, doch die Nachlässigkeit im Team ließ sich an diesem Tag nicht wegorganisieren. Mit Ball blieb er hingegen zu oft hinter seinen Möglichkeiten: Seine Aktionen waren häufig zu vorhersehbar, und die Entscheidungsfindung ließ zu wünschen übrig – den freien Mohya übersah er zugunsten des ungünstiger postierten Machino, und in aussichtsreicher Schussposition im Strafraum entschied er sich fürs Querlegen statt für den Abschluss. Die Vorlage nach guter Ballverarbeitung zum Ehrentreffer für Reyna war ein kleiner Lichtblick. Note 4,0.

Yannik Engelhardt: Schon früh fiel dem 25-Jährigen die Rolle des Taktgebers schwer – bei Ballbesitz fehlte die nötige Vertikalität, das Spiel kam über ihn nicht in Fahrt. Mit zunehmender Spieldauer schlichen sich Unsauberkeiten ein: Mehrere Fehlpässe ohne nennenswerten Gegnerdruck zeigten, dass Engelhardt nicht in seinem besten Rhythmus war. Immerhin ließ er sich nicht hängen und versuchte, eigene Fehler aktiv zu korrigieren – allerdings um den Preis mehrerer Fouls. Dem Spiel eine Struktur zu verleihen, gelang ihm zu keinem Zeitpunkt der ersten Halbzeit. Nach der taktischen Umstellung nach einer Stunde wirkte er etwas gefestigter, ohne jedoch nennenswerte Impulse setzen zu können. Note 4,5.

Kevin Stöger: Der 32-Jährige war einer der wenigen Gladbacher, der zumindest den Mut zum Abschluss mitbrachte. Seine erste Direktabnahme verfehlte das Tor zwar deutlich, doch die Bereitschaft, es sofort zu versuchen, war grundsätzlich richtig. Deutlich gefährlicher wurde sein zweiter Versuch: Ein angeschnittener Distanzschuss drehte sich präzise aufs Tor und strich nur haarscharf am Pfosten vorbei – das war über weite Strecken Borussias klarste Torchance. Spielerisch lieferte er einige brauchbare Ansätze, ohne jedoch die entscheidende Aktion herauszuspielen, die dem Spiel eine andere Richtung gegeben hätte. Nach einer Stunde wurde er für Reyna ausgewechselt. Note 4,0.

Joe Scally: Der 23-Jährige startete noch mit erkennbarer Energie – er suchte früh den Weg nach vorne und zeigte sich sogar im gegnerischen Strafraum. Doch schon bald überwog ein anderes Bild: Sein Passspiel war über weite Strecken fahrig und ungenau, eine Passquote von lediglich 66 Prozent am Ende des Spiels spricht eine deutliche Sprache. Immerhin leistete Scally defensiv solide Mitarbeit – anders als sein Pendant Honorat auf der anderen Seite zeigte er zumindest die Bereitschaft, konsequent zurückzuarbeiten. Dass er beim 0:1 gegen Gregoritsch nicht mehr rechtzeitig eingreifen konnte, war ihm nicht anzulasten. Im Laufe der Partie übernahm er gleich drei verschiedene Positionen – zunächst links, dann rechts als Reaktion auf Honorats Auswechslung, schließlich Rechtsverteidiger in der Viererkette – ohne auf einer davon wirklich zu überzeugen. Scallys Flexibilität half dem Team strukturell kaum. Note 4,5.

Wael Mohya: Der 17-Jährige präsentierte sich in puncto Passgenauigkeit makellos – alle 17 seiner Zuspiele kamen beim Mitspieler an. Der Querpass auf Stöger, der zur besten Gladbacher Chance der ersten Halbzeit führte, war eine saubere Aktion. Zur Wahrheit gehört jedoch, dass der Großteil seiner Pässe rückwärtsgewandt war und kaum Druck auf die Augsburger Defensive erzeugte. Mohyas eigentliche Stärke liegt im Dribbling und im direkten Spiel nach vorne – doch davon war wenig zu sehen, als ob Fehlervermeidung die klare Vorgabe gewesen wäre. Ein Offensivspieler seines Typs benötigt jedoch die Freiheit, permanent ins Dribbling zu gehen und Ballverluste in Kauf zu nehmen, sonst beraubt man sich seiner wirksamsten Waffe. Nach einer Stunde wurde er für Hack ausgewechselt – ein Auftritt ohne Fehler, aber auch ohne den Mut, der ihn eigentlich auszeichnet. Note 4,0.

Shuto Machino: Der 26-Jährige rückte kurzfristig für den ausgefallenen Tabaković in die Startelf und übernahm erneut die Rolle des zentralen Stürmers – eine Position, die nicht seine ist, was längst kein Geheimnis mehr ist. Dass er dort ohne nennenswerte taktische Anpassungen aufgestellt wurde, ist schwer nachzuvollziehen und fällt in erster Linie auf den Trainer zurück. Machino selbst hing mit Ansage in der Luft: kein Einbinden ins Kombinationsspiel, keine gefährliche Aktion, kein Moment, in dem er das Spiel auch nur ansatzweise beeinflusst hätte. Die Körpersprache war dabei abermals ein Thema – passive Grundhaltung, wenig Engagement gegen den Ball –, auch wenn das bei ihm inzwischen ein bekanntes Muster ist. Dass der Japaner dennoch bis zur 87. Minute auf dem Platz stand, ohne erkennbaren Nutzen für die Mannschaft, war eine der rätselhaftesten Entscheidungen dieses Tages. Note 5,0.

Lukas Ullrich (46. Minute für Honorat): Rückte auf die linke Seite, während Scally nach rechts wechselte. Ullrich konnte seine sichtbare Verunsicherung weder als Schienenspieler noch später als Linksverteidiger in der Viererkette ablegen. Er blieb blass und ohne Wirkung. Note 4,5. 

Hugo Bolin (58. Minute für Chiarodia): Kam im Zuge des Dreifachwechsels und der Umstellung auf Viererkette ins Spiel. Der Schwede hatte einige gute Momente, ein Linksschuss verfehlte das Tor. In der letzten Viertelstunde agierte der 22-Jährige dann unauffällig. Ohne Note. 

Robin Hack (58. Minute für Mohya): Brachte ebenfalls etwas Schwung ins Offensivspiel. Ein Torschuss war allerdings ungefährlich, ein weiterer Versuch blieb hängen. Die fehlende Spielpraxis war Hack vor allem in den direkten Duellen anzumerken. Mit seinem gelungenen hohen Diagonalball auf Reitz bereitete er den Ehrentreffer vor. Ohne Note. 

Giovanni Reyna (58. Minute für Stöger): Zeigte seine mit Abstand beste Leistung im Gladbacher Trikot. Reyna war sehr aktiv und vor allem zielgerichtet am Ball. Er trieb das Spiel an, bereitete sechs Torschüsse vor und erzielte in der Nachspielzeit mit einem trockenen Schuss sein erstes Tor für die Borussia. Ohne Note, aber ganz klar ein Lichtblick.

Alejo Sarco (87. Minute für Machino): Bekam noch ein paar Minuten, in denen er einmal über das Tor schoss. Ohne Note. 


von Redaktion TORfabrik.de

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