Der 34. Spieltag

Nicht überdrehen

von von Marc Basten
Fußball und Show verschmelzen immer mehr (Foto: Alexander Hassenstein / Bognarts / Getty Images)

Fußball und Show verschmelzen immer mehr (Foto: Alexander Hassenstein / Bognarts / Getty Images)

Die Bundesligasaison 2016/2017 ist (fast) Geschichte, manche möchten sie ganz schnell aus dem Gedächtnis streichen. Welche Erkenntnisse brachte der 34. Spieltag?

»Wir müssen aufpassen, dass wir es nicht überdrehen«, sagte Freiburgs Trainer Christian Streich, nachdem die Partie Bayern München gegen Freiburg endlich abgepfiffen wurde. Zuvor und danach gab es in der Allianz-Arena eine ‚Meister-Show‘ mit Sponsor-Choreo, Anastacia in der Pause und Konfettifeuerwerk nebst Bierduschen mit Kameras an den Gläsern. Von Spontanität keine Spur, sondern alles wirkte derart gestellt, dass es selbst den Bayern-Spielern peinlich war.

Der Fußball, um den es eigentlich geht, war nur ein lästiges Beiwerk. Dieser Eindruck schwebt über der nun abgelaufenen Saison, die viel Brimborium brachte, aber fußballerisch eher ein Rückschritt war. Allein der internationale Vergleich zeigt, dass es gefährlich ist, wenn sich alle ständig einreden, die Bundesliga sei mit die stärkste Liga der Welt.

Bayern reichte oftmals biederer Durchschnittsfußball, um mit 15 Punkten Vorsprung Meister zu werden. Leipzig und Hoffenheim haben sich die Champions League verdient, weil sie fußballerisch überzeugen konnten. Auch wenn die Klubs aufgrund ihrer Geschäftsmodelle nicht gemocht werden und die wirklichen Herausforderungen erst noch auf sie zukommen.

Dass Köln, Hertha und möglicherweise Freiburg im nächsten Jahr in der Europa League antreten werden, haben sich diese Klubs mit ihrer Punktausbeute verdient. Der Fußball, den vor allem der FC und Hertha dabei zeigten, darf allenfalls als pragmatisch bezeichnet werden. Das ist keine Herabwürdigung der Leistung dieser Klubs, sondern vielmehr ein fast schon alarmierender Hinweis darauf, wie es um die Qualität in der Liga bestellt ist.

In Gladbach, Schalke und Leverkusen möchte man die Saison ganz schnell aus dem Gedächtnis streichen. Doch eine kritische Aufarbeitung wird nötig sein. Das gilt auch (und mal wieder) für den HSV, der sich in letzter Sekunde rettete. Damit gaben die Hamburger den Titel der ‚Enttäuschung der Saison‘ an den VfL Wolfsburg weiter. Der selbsternannte Bayern-Jäger von 2015 muss in die Relegation.

Unter dem Strich bleibt eine Saison, in der viel Wind um relativ wenig gemacht wurde. Jedenfalls auf den Fußball bezogen. Denn in Sachen Show und Vermarktung ging es für die Liga weiter voran. Und diesbezüglich gibt es weiter keine Grenzen, wie Marketingstrategen frohlocken. Daran wird leider auch ein Mahner wie Christian Streich nichts ändern können.

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