Win-Win-Situation

Mit offenen Karten

von von Marc Basten
Abschied mit offenen Karten (Foto: Team2 Sportphoto)

Abschied mit offenen Karten (Foto: Team2 Sportphoto)

Normalerweise ist es keine gute Nachricht, wenn ein Verein den Abgang eines unbestrittenen Leistungsträgers verkündet. Im Fall Granit Xhaka ergibt sich eine seltene Win-Win-Situation. Auch weil immer mit offenen Karten gespielt wurde.

Granit Xhaka und Borussia Mönchengladbach - das Kapitel ist beendet. Die offizielle Vollzugsmeldung des Wechsels des 23-Jährigen zu Arsenal London hat nun wirklich niemanden überrascht. Sicher, man muss ein wenig schlucken, Granit plötzlich im Arsenal-Jersey zu sehen und ihn sagen zu hören: »It’s a dream come true and I’m happy«.

In Mönchengladbach wird man den Schweizer in den nächsten Monaten mit Sicherheit vermissen. Die Lücke, die er hinterlässt, wird nicht übergangslos zu schließen sein. Dennoch ist dieser Mittwoch, an dem der Wechsel bekanntgegeben wurde, auch für Borussia ein richtig guter Tag.

Der Rekorddeal ist eine folgerichtige Belohnung für die Gladbacher Strategie. Der blutjunge Granit Xhaka wurde für durchaus gutes Geld aus Basel geholt und bei Borussia weiterentwickelt. Seinen sportlichen Wert schöpfte die Fohlenelf in den letzten zwei Jahren ab und entlässt den zum Star gereiften Kapitän jetzt in den nächsten Karriereschritt. Und erhält nebenbei eine exorbitante Ablösesumme.

Es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Doch nicht nur deshalb hinterlässt der Transfer nicht den allgemein üblichen schalen Beigeschmack, wenn ein Spieler den Verein verlässt. Sondern auch, weil sowohl Granit Xhaka als auch Borussia stets mit offenen Karten gespielt haben. Granit verkam nicht zum ›Rautenküsser‹, der sich bei den Fans anbiederte und ewige Treue schwor. Er ließ auch keine abwertenden Sprüche folgen, als Max Kruse im letzten Sommer dem Ruf der VW-Millionen erlag. Xhaka ist und war, trotz seiner jungen Jahre, ein Vollprofi.

Er gab offen zu, dass die Premiere League irgendwann sein Ziel sei. Aber er machte keinen krummen Touren, um auf Teufel komm raus aus Gladbach zu verschwinden. Gleichzeitig beschäftigte sich Max Eberl ganz offen mit der großen Wahrscheinlichkeit, dass es Angebote für Xhaka geben werde. Und Eberl machte nicht den Max und erklärte seinen Star für unverkäuflich, sondern signalisierte Bereitschaft, dass man sich über alles unterhalten könne.

Da die Engländer in frischem Geld baden, kam das Angebot von Arsenal nicht unerwartet. Selbst Arsène Wenger, den die Fans der Gunners jahrelang wegen seiner vergleichsweise knauserigen Einkaufspolitik kritisiert haben, hat sich den neuen Möglichkeiten angepasst. Angesichts der im Raum stehenden Zahlen hatte Borussia gar keine andere Wahl, als Xhaka ziehen zu lassen.

Xhaka ist zufrieden, Borussia ist zufrieden und Arsenal wird es auch sein. Sie bekommen einen Spieler, der für die Premiere League gemacht ist. Und die Gladbachfans sind ebenfalls zufrieden, selbst wenn ein Abschied immer irgendwie schmerzt. Aber Granit Xhaka wird in Mönchengladbach in guter Erinnerung bleiben und jederzeit im Borussia-Park ein willkommener Besucher sein. Das ist etwas, was nicht jedes Ex-Fohlen von sich behaupten kann.

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