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Gegneranalyse | Forechecking: Inter Mailand

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Jubel um Martinez und Lukaku bei Inter Mailand (Foto: imago images / Insidefoto)

Zu Beginn der Gruppenphase der Champions-League geht es für Borussen zu Inter Mailand. Viele Spiele gegen die Nerazzurri gab es in der Vergangenheit nicht, doch eins ist allen Gladbachern in Erinnerung.

Mit Inter Mailand verbindet man in Mönchengladbach natürlich diesen einen Galaabend 1971, als die Fohlen die Italiener mit 7:1 vom Bökelberg fegten. Diese Partie gilt für Zeitzeugen immer noch als das beste Europacupspiel der Geschichte Borussias. Die Tragik des Abends ist ebenso fest in der Historie verankert: Wegen des angeblichen Büchsenwurfs auf Roberto Boninsegna wurde die Partie annulliert, musste wiederholt werden und Borussia schied aus.

Fast auf den Tag genau 49 Jahre nach diesem sagenumwobenen 7:1 treffen Borussia und Inter mal wieder aufeinander. Zum ersten Mal stehen sich die Traditionsklubs in der Champions League gegenüber. Die Rollen sind dabei klar verteilt. Auch wenn Inter, wie der gesamte italienische Fußball - in der jüngeren Vergangenheit eine Durststrecke erlebte, gehen sie als Favorit in das Duell mit der Borussia. Zumal sich bei Inter Mailand im letzten Jahr wieder in der internationalen Spitzenklasse eingefunden hat.

Viel Erfahrung gepaart mit offensiver Power

Bis ins Finale der Europa League schafften es die Italiener, wo sie sich Seriensieger Sevilla geschlagen geben mussten. Doch das Erreichen des Endspiels war ein Ausrufezeichen. Im Sommer hielt man die Leistungsträger der letzten Saison und verstärkte das Team nochmal punktuell. Achraf Hakimi (zuletzt Dortmund) kam von Real Madrid, Ivan Perisic kehrte nach der Leihe aus München zurück und Arturo Vidal wurde vom FC Barcelona verpflichtet.

Der Saisonstart der Mailänder verlief allerdings durchwachsen. Nach zwei Siegen zu Beginn in der Serie A folgte ein Unentschieden gegen Lazio Rom und am vergangenen Samstag eine Niederlage im Stadtderby gegen den AC Mailand. So früh in der Saison lohnt sich ein Blick auf die Tabelle kaum, doch die Tatsache, dass Inter schon fünf Punkte hinter dem großen Rivalen Milan liegt, hat schon eine gewisse Aussagekraft.

Bewährtes System mit einigen Schwächen

Ebenfalls eine Aussagekraft hat die Tordifferenz und darin spiegelt sich auch einiges wider, was im Spiel gegen den AC Mailand zu sehen war. Auf der Habenseite stehen elf erzielte Treffer, demgegenüber bereits acht Gegentore. Auch im Stadtderby konnte man die fehlende Balance zwischen Offensive und Defensive gut erkennen. Nach vorne hin entwickelt Inter stets eine enorme Wucht und kommt mit viel Dampf in den gegnerischen Strafraum. In der Rückwärtsbewegung zeigen sich aber große Lücken, was immer wieder dazu führt, dass die defensive Stabilität nicht gegeben ist. Gerade der mehrfach überfordert wirkende Danilo D’Ambrosio war eine Schwachstelle im Defensivverbund.

Trainer Antonio Conte lässt im 3-5-2 oder 3-4-1-2 spielen. Die Probleme in der Defensive haben sicherlich nicht direkt etwas mit dem System zu tun. Schaut man sich jedoch an, dass mit Stefan de Vrij nur ein gelernter Innenverteidiger gegen den AC Mailand aufgestellt wurde, so findet man erste Ansätze. D’Ambrosio und auch Kolarov sind gelernte Außenverteidiger. Aber es sind nicht nur die drei genannten Spieler - die gesamte Herangehensweise gegen den Ball stimmt oftmals nicht.

Auf Borussias Innenverteidiger kommt eine Menge zu

Offensiv sieht es da ganz anders aus. Mit den beiden Angreifern Lautaro Martinez und Romelu Lukaku verfügt Inter über zwei internationale Top-Stürmer. Nicht umsonst galt Martinez als absoluter Wunschspieler des FC Barcelona. Dass die beiden Stürmer in Europa zu den Besten gehören, beweisen sie auch in dieser Saison. Martinez konnte bereits dreimal treffen, Lukaku sogar noch einmal mehr. Die beiden bilden ein kongeniales Duo. Martinez ist ein kreativer und abschlussstarker Stürmer, der sehr beweglich agiert. Lukaku ist eine „Kante“, der aber auch über ein enormes Tempo verfügt. Physisch kommt da also eine schwere Aufgabe auf Borussias Verteidiger zu.

Im Mittelfeld verfügt Inter über extrem viel internationale Erfahrung. Aggressiv-Leader Arturo Vidal zeigt nach seinem Wechsel, wieso Inter ihn unter Vertrag genommen hat. Neben ihm spielt mit Marcelo Brozovic ein Denker und Lenker. Den kreativen Part übernimmt Nicolo Barella. Der 23-jährige Italiener verfügt eine prima Technik sowie eine hohe Laufbereitschaft und ist quasi überall zu finden.

Bereits sechs Corona-Infizierte

Inter spielt gerne mit sehr hohen Außenspielern im Mittelfeld. So kann im Spielaufbau mit langen Diagonalbällen agiert werden. Sollte dies nicht möglich sein, wird auch oft der lange Ball auf Lukaku gewählt. Mit seiner Physis kann dieser zumeist die Bälle behaupten und dann entweder Martinez in die Tiefe schicken oder aber für die nachrückenden Mittelfeldspieler ablegen. Ein Stilmittel, das Inter Mailand ebenso beherrscht, ist der Pass in die Tiefe.

Trainer Conte muss in dieser Saison bereits mehrfach auf Spieler verzichten. In den meisten Fällen lag jedoch keine Verletzung vor, sondern mehrere Spieler infizierten sich mit dem Corona Virus. Ashley Young, Ionut Radu, Roberto Gagliardini, Radja Nainggolan und zuletzt Abwehrchef Milan Skriniar mussten somit alle in Quarantäne.

Gegen Milan wirkten Inters Spieler nach 70 Minuten platt

Bei der Niederlage am vergangenen Spieltag wirkte Inter nach 70 Minuten platt und verlor die Konzentration. Aufgrund der vielen Nationalspieler und der Länderspieleinsätze wirkte das Team von Conte schon in einer so frühen Phase der Saison arg gebeutelt. Gut möglich, dass Conte somit gegen die Fohlen frischen Wind in die Startelf bringen wird. Wer dies sein wird, wird wohl erst am Spieltag selber feststehen.

Voraussichtliche Aufstellung Inter Mailand:

Handanovic - D’Ambrosio, de Vrij, Kolarov - Hakim, Brozovic, Vidal, Perisic - Barella - Martinez, Lukaku

 


von Niklas Kirchhofer

 

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