27 Millionen Euro

Die Fehleinschätzung bei Nico Schulz

von 27 Millionen Euro

Nico Schulz - in Gladbach zündete er nicht, in Hoffenheim wurde er 27 Millionen wert. (Fotos: Christof Koepsel / Simon Hofmann / Bongarts / Getty Images)

Borussia Dortmund verpflichtet Nico Schulz und zahlt an Hoffenheim kolportierte 27 Millionen Euro. Borussia Mönchengladbach wird hier anteilig partizipieren, dennoch erweist sich die Entscheidung von vor zwei Jahren, Schulz ziehen zu lassen, als klassische Fehleinschätzung.

Der Karrieresprung von Nico Schulz ist gewaltig. Innerhalb von zwei Jahren wurde er vom Bankdrücker in Gladbach in Hoffenheim zum Nationalspieler und entwickelte sich so gut, dass er Borussia Dortmund eine gepfefferte Ablösesumme von 27 Millionen Euro wert ist. Mönchengladbach ließ Schulz 2017 für 3,5 Millionen Euro ziehen. Von der Wertsteigerung profitieren die Gladbacher zwar auch, weil heutzutage Klauseln, wonach der abgebende Verein bei einem Weiterverkauf beteiligt wird, üblich sind. Dennoch bleibt festzuhalten, dass dem VfL da finanziell und sportlich ordentlich etwas durch die Lappen gegangen ist.

Dass Schulz derart durchstarten würde, konnte im Sommer 2017 niemand ahnen, auch wenn es durchaus Signale für eine positive Entwicklung gab. Noch unter Lucien Favre, unter dem Schulz in der neuen Saison wieder arbeiten wird, wurde Schulz als Last-Minute-Einkauf im Sommer 2015 aus Berlin an den Niederrhein geholt. Die Zusammenarbeit mit Favre dauerte allerdings nur wenige Wochen - der Schweizer suchte bekanntlich das Weite. Als unter André Schubert die Karten neu gemischt wurden, zog Schulz sich einen Kreuzbandriss zu und fiel die komplette Saison aus.

Als sich Schulz zeigen durfte, war es schon zu spät

In der folgenden Spielzeit war Schulz zwar wieder fit, doch Schubert gab Oscar Wendt den Vorzug. Obwohl die Verletzungssorgen parallel zur steigenden Dreifachbelastung immer größer wurden, blieb Schulz bis in den Dezember hinein so weit außen vor, dass er nicht in die Startelf rotierte. Sechs mickrige Kurzeinsätze verzeichnete er, bis er ausgerechnet im undankbaren Champions-League-Spiel beim FC Barcelona sein Comeback in der Anfangsformation geben durfte. Als wenige Wochen später der Wechsel von Schubert zu Hecking erfolgte, schien Schulz in der Wintervorbereitung Boden gutzumachen. Doch ein grippaler Infekt verhinderte sein Mitwirken beim ersten Pflichtspiel, Hecking legte sich auf Wendt fest und blieb dabei. Schulz stand im weiteren Verlauf oftmals nicht mal im 18er-Kader.

Erst als Wendt sich im Pokalhalbfinale gegen Frankfurt den Ellenbogen brach, rückte Schulz in den Fokus. Vier Tage später beim Auswärtsspiel in Mainz wurde er zum Mann des Tages. Beim Startelfdebüt unter Dieter Hecking bereitete er zunächst den Führungstreffer durch Stindl mit einem zielstrebigen Tempolauf vor und erzielte kurz nach der Pause selbst den vorentscheidenden zweiten Treffer. In den verbleibenden drei Partien zeigte er, dass die Leistung von Mainz keine Eintagsfliege war. Auch wenn Borussia sich zu drei Remis ›würgte‹, machte Schulz seine Sache sehr ordentlich und wurde so zum ›Gewinner des letzten Monats‹. Vor allem im Spiel nach vorne brachte er eine gehörige Portion Schwung und Unbefangenheit mit, agierte geradlinig und zielgerichtet. Manche Aktion geriet zwar etwas blauäugig, insgesamt war es dennoch erfrischend, was der ehemalige U21-Nationalspieler zeigte.

Borussia ließ Schulz ohne viel Widerstand ziehen

Es wäre eine plausible Überlegung gewesen, auch in der folgenden Saison auf Schulz zu bauen, zumal Oscar Wendt damals schon kurz vor seinem 32. Geburtstag stand. Doch Schulz hatte offensichtlich wenig Interesse daran, möglicherweise ein drittes Jahr in Gladbach in der zweiten Reihe zu stehen und forcierte einen Wechsel. Vonseiten der Borussen gab es nicht allzuviel Widerstand und als Schulz mit Hoffenheim klar war, ließ Gladbach den gebürtigen Berliner für eine damals angemessene Ablöse ziehen.

Als sich Schulz in Hoffenheim nach und nach zum Nationalspieler entwickelte, mussten sich Max Eberl & Co einige Kritik anhören, zumal die Position auf der linken Seite nach dem Schulz-Abgang nicht mehr adäquat besetzt wurde und dort aktuell mehr denn je dringender Bedarf herrscht. Natürlich ist niemand gefeit vor solchen Fehleinschätzungen, das gehört auch zum Geschäft. Ärgerlich ist es dennoch und die Beteiligung an der erstaunlichen Transfersumme ist für die Gladbacher Borussia allenfalls ein Trostpflaster.

 


von Marc Basten

 

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