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Borussia steht mit dem Rücken zur Wand

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Tristesse in Mönchengladbach (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach steckt wieder mitten im Existenzkampf. Der zwischenzeitliche Aufschwung ist verpufft, der Mannschaft fehlt es an Qualität und Stabilität, und dem Trainer droht zusehends seine Unerfahrenheit auf die Füße zu fallen. Die nächsten Wochen werden entscheidend sein.

Ende Oktober war es, als Eugen Polanski nach der Niederlage gegen die Bayern sagte: »Die Art und Weise war so, dass wir darauf aufbauen können. Sie ist prädestiniert für das, was wir ab morgen mit der Mannschaft vorhaben.« In der folgenden Nacht wurden die Uhren auf Winterzeit umgestellt, und wenige Tage später begann der notorisch sieglose Bundesligist Borussia Mönchengladbach mit dem Erfolg im Pokalspiel gegen Karlsruhe eine Siegesserie. Es gab unter anderem drei Ligasiege in Folge, und die Borussen, die schon fast abgeschlagen am Tabellenende standen, fanden sich im gesicherten Mittelfeld wieder.

Eugen Polanski wurde vom Übergangs- zum Cheftrainer befördert, und Rouven Schröder, der neue Sportchef in Gladbach, sorgte mit griffiger Rhetorik dafür, dass die Fangemeinde aufatmen durfte. Der freie Fall in Richtung 2. Liga war dank Polanskis Neustart mit der Mannschaft gestoppt, und das sich öffnende Wintertransferfenster bot Schröder die Gelegenheit, im Kader erste Veränderungen vorzunehmen. Man wollte und musste sich von Altlasten befreien und gleichzeitig strategisch planen, welche Zugänge notwendig wären, um die Rückrunde stabil zu absolvieren – und bestenfalls Optionen für die mittelfristige Zukunft darzustellen.

Rückfall in alte Muster

Das war der Sachstand, als sich die Borussen in die Weihnachtspause verabschiedeten. Angesichts des Horrorszenarios, das sich im Frühherbst unter der sportlichen Leitung von Roland Virkus und Gerardo Seoane – mit Ansage – angebahnt hatte, war die Situation zum Jahreswechsel absolut zufriedenstellend. Da konnte man auch darüber hinweglächeln, dass zum neuen Jahr ein „Kick-off" ausgerufen worden war, bei dem der gesamte Tross für ein verlängertes Wochenende nach Belek flog. Wenige Tage nach der Rückkehr wurde Augsburg im winterlichen Borussia-Park mit 4:0 besiegt, und manch einer schielte beim Blick auf die Tabelle schon wieder Richtung Europa.

Dabei wurde übersehen, dass die Mannschaft schon zum Jahresende immer öfter in alte Muster verfiel und auch die Leistung beim Sieg gegen Augsburg trotz des deutlichen Resultats nicht überzeugend war. Das sollte sich in den folgenden Wochen fortsetzen: Keines der nächsten sechs Spiele konnte gewonnen werden – drei Niederlagen stehen drei Remis gegenüber. Fünf der sechs Gegner waren dabei zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens alles andere als unschlagbar. Doch es ist nicht nur die magere Punkteausbeute, die Sorgen bereitet. Vor allem die Harm- und Hilflosigkeit der Mannschaft macht wenig Mut für den Abstiegskampf.

Absolutes Mittelmaß

Der Flow des Neustarts nach dem Bayern-Spiel ist längst verebbt, und auch der „Geist von Belek" hat sich angesichts des Abstiegsgespensts verflüchtigt. Die Zweifel an Eugen Polanski wachsen, weil es ihm nicht gelungen ist, aus der Unwucht im Kader eine stabile Einheit zu formen. Ob bei der Grundausrichtung oder der Positionierung einzelner Spieler – es gibt nachvollziehbare Ansätze, aber das Konstrukt bleibt fragil. Das Argument, es brauche einen erfahreneren Trainer, um aus den vielen wirr zusammengewürfelten Puzzlestücken im Kader pragmatisch das Beste herauszuholen, konnte Polanski jedenfalls nicht widerlegen.

Mittlerweile sollte bei jedem angekommen sein, dass Borussias Kader qualitativ absolutes Mittelmaß darstellt. Es gibt nicht mehr jene drei oder vier Spieler, die aufgrund ihrer individuellen Klasse herausragen. Borussias aktuelle Unterschiedsspieler sind Franck Honorat (der seit Monaten außer Form ist), Nico Elvedi (weil er die Quote seiner Aussetzer senken konnte) und mit Abstrichen Haris Tabaković wegen seiner Torquote – wenn man ihn überhaupt in Abschlussposition bringt. Dass man sich damit nicht groß von anderen Mittelklasseteams unterscheidet, dürfte einleuchten. Und doch muss sich Polanski, wie zuvor schon Seoane, den Vorwurf gefallen lassen, aus dem wenigen, was vorhanden ist, nicht genug zu machen.

Kostenreduktion statt Qualitätsverbesserung

Beim Thema Qualität und Unausgewogenheit im Kader kommt nun auch Rouven Schröder ins Spiel. Schnell wurde klar, unter welchen Umständen und mit welchen Vorgaben er seine erste Transferperiode angehen musste. An erster Stelle standen nicht die Verbesserung des Kaders und die Verpflichtung von Qualitätsspielern, um das Abstiegsrisiko zu minimieren und die Struktur in der Mannschaft zu festigen, sondern die Kostenreduktion. Zusätzliche Mittel für Verstärkungen gab es keine, und nur bei entsprechenden Einnahmen konnten auch Ausgaben getätigt werden.

Letztlich konnte Schröder einige Spieler loswerden und Kosten einsparen. Doch auf der Zugangsseite reichte es nur zur risikolosen Leihe von zwei Nachwuchsspielern sowie dem Last-Second-Transfer von Hugo Bolin. Und auch der kam nur zustande, weil unverhofft Luca Netz von der Gehaltsliste gestrichen wurde und zudem noch eine ordentliche Ablöse erzielt werden konnte. Dass Bolin dennoch zunächst nur mit Kaufverpflichtung ausgeliehen wurde, macht deutlich, auf welch dünnem Eis sich Schröder auf dem Transfermarkt bewegen muss. Es wird immer klarer, dass Borussias finanzielle Situation noch weitaus kritischer ist, als bislang angenommen. In diesem Zusammenhang muss man sich auch noch einmal vor Augen führen, wie verheerend im vergangenen Sommer die teuren Fehlgriffe mit Machino und Reyna waren.

Eine Patrone hat Schröder noch

Borussia Mönchengladbach steht Mitte Februar 2026 mit dem Rücken zur Wand. Dieser Kader muss den Klassenerhalt schaffen, und als einzige mögliche externe Stellschraube bliebe ein erneuter Trainerwechsel. Diese Patrone wird Schröder erst verschießen, wenn es nicht mehr anders geht. Das Spiel gegen Leverkusen und mit Abstrichen auch die Partie in Frankfurt haben gezeigt, dass bei Borussia auch in dieser Konstellation noch nicht alles verloren ist. Das Potenzial ist vorhanden, den Super-GAU zu vermeiden – auch weil die Konkurrenz ähnlich labil wirkt.

Dazu muss Borussia in den kommenden fünf Spielen aber dringend richtig punkten. Am Sonntag in Freiburg, die aktuell ebenfalls nicht vor Selbstvertrauen strotzen, danach daheim gegen die strauchelnden Unioner. Das folgende Auswärtsspiel in München darf man ausklammern, aber anschließend gegen St. Pauli und im Derby beim FC müssten Nägel mit Köpfen gemacht werden. Denn danach werden die Uhren wieder auf Sommerzeit umgestellt – und was das bedeutet, ist seit letztem Jahr bekannt.

 


von Marc Basten

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