Borussias Trainer Eugen Polanski nahm gegenüber der Heimniederlage gegen Stuttgart drei Veränderungen in der Startelf vor: Kota Takai (kurzfristig erkrankt), Lukas Ullrich und Shuto Machino (beide Bank) wurden durch Fabio Chiarodia, Luca Netz und Yannik Engelhardt ersetzt. Zudem stellte Polanski wieder von der Vierer- auf eine Dreier- bzw. Fünferabwehrkette um.
Beide Mannschaften starteten sehr verhalten in die Partie. Den Gastgebern war die Verunsicherung deutlich anzumerken und die Borussen schienen zunächst einmal damit zufrieden zu sein, nicht gleich unter Druck zu geraten. Sie arbeiteten sehr aufmerksam gegen den Ball, halfen sich gegenseitig und waren wach in den Zweikämpfen. Die Haltung, von der Polanski im Vorfeld gesprochen hatte, war zweifelsohne vorhanden.
Ein Abnutzungskampf ohne Highlights
Es waren auch die Fohlen, die den ersten Schuss in Richtung Tor abgaben. Reitz zielte nach einer abgewehrten Ecke aus dem Rückraum drei Meter am Tor vorbei (14.). Nach einer weiteren, zu schnell ausgeführten Gladbacher Ecke, ergab sich für Werder die erste und einzige Chance im ersten Durchgang durch einen Konter. Nijnmah scheiterte letztlich mit seinem Schuss von halbrechts an Nicolas, der mit dem Bein abwehrte (20.). Ansonsten passierte in beiden Strafräumen bis zum Pausenpfiff nichts Nennenswertes.
Die Borussen standen gut, waren fleißig – aber fußballerisch war es arg dünn, was sie zeigten. Die Bremer waren allerdings ihrerseits genauso limitiert, sodass sich ein Abnutzungskampf entwickelte, der nicht besonders schön anzusehen war. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Werder dann deutlich die Schlagzahl. Sugawara prüfte Nicolas mit einem halbhohen Schuss aufs lange Eck (47.) und wenige Augenblicke später kam Coulibaly nach einer Ecke am kurzen Pfosten zum Kopfball. Der Ball flog durch den Fünfmeterraum, wo Sugawara ihn um eine Fußspitze verpasste.
Borussia führt aus dem Nichts
Werder gab nun den Ton an, ohne aber in letzter Instanz wirklich gefährlich zu werden. Weil das Tempo nun höher war, hatten die Borussen deutliche Schwierigkeiten, eigenen Ballbesitz zu kreieren. Wie in den letzten Wochen oft gesehen, wirkte das Offensivspiel sehr eindimensional und es gab weder entlastende Phasen der Spielkontrolle noch gefährliche Konter. Es war schon sehr enttäuschend, was die Fohlen in der Offensive boten. Umso überraschender war es, dass ihnen in der 62. Minute der Führungstreffer glückte.
Es wurde vernünftig hinten herausgespielt und Engelhardt passte auf Reitz. Der spielte aus der Drehung an der Mittellinie einen starken Pass in den Lauf von Honorat. Der Franzose entwischte im Rücken von Coulibaly, zog über rechts in den Strafraum und passte in die Mitte, wo der mitgelaufene Tabaković aus sechs Metern vollendete (62.). Borussia führte also plötzlich – auch wenn niemand genau sagen konnte, warum.
Machino lässt die Entscheidung liegen
Das Tor brachte den Gladbachern aber allenfalls im Ansatz etwas Ballsicherheit. Sie konnten die Gunst der Stunde nicht nutzen und legten nicht nach. Derweil waren die Bremer sehr mit sich selbst beschäftigt, was dazu führte, dass sie zwar etwas versuchten, sich aber wenig geschickt anstellten. Die Borussen verteidigten ordentlich, hatten aber auch Glück. Dem eingewechselten Stöger wurde im eigenen Strafraum aus kurzer Distanz an die Hand geschossen, aber ein Elfmeterpfiff blieb aus und auch der VAR griff nicht ein. In vergleichbaren Situationen wurde schon des Öfteren auf Handelfmeter entschieden.
In der 82. Minute machte Nicolas bei einem Schuss von Schmidt die kurze Ecke wirkungsvoll zu, wenige Sekunden später hatte Borussias Schlussmann Glück, dass ein Distanzschuss von Lynen nur an den Pfosten klatschte. Die Gladbacher waren nur noch im Verteidigungsmodus und konnten sich in der 87. Minute erneut bei Nicolas bedanken, der mit einer hervorragenden Reaktion einen Treffer durch Deman verhinderte. Entlastung gab es für die Borussen keine – bis zur ersten Minute der fünfminütigen Nachspielzeit. Da dribbelte der eingewechselte Castrop von rechts nach links die Mittellinie entlang und passte auf Netz. Der brachte den Ball nach einem kurzen Antritt mit einer punktgenauen Hereingabe auf den freien Machino im Strafraum, doch der für Tabaković gekommene Japaner ließ die Entscheidung liegen, weil er Werder-Keeper Backhaus anschoss.
Borussen lassen sich zwei Punkte vom Silbertablett nehmen
Und so kam, was kommen musste: Werder gelang in der vierten Minute der Nachspielzeit noch der Ausgleichstreffer. Eine schon abgewehrte Bremer Ecke blieb gefährlich, weil die Borussen den Ball nicht geklärt bekamen und Deman in Richtung Strafraumgrenze köpfen konnte. Dort nahm sich Topp ein Herz und traf mit einem starken Linksschuss unhaltbar für Nicolas ins rechte obere Eck. Der Ausgleich war ohne Zweifel mehr als verdient für Werder und dennoch extrem ärgerlich für die Gladbacher, die sich in den letzten Sekunden zwei Punkte vom Silbertablett nehmen ließen.
Kurzstatistik zum Spiel:
Werder Bremen: Backhaus - Malatini (75. Schmidt), Friedl, Coulibaly - Sugawara (64. Grüll), Lynen, Deman, Schmid, Stage - Njinmah (64. Milosevic), Mbangula (88. Topp)
Borussia Mönchengladbach: Nicolas - Sander (69. Friedrich), Elvedi, Chiarodia – Scally (84. Castrop), Reitz, Engelhardt, Netz - Honorat, Neuhaus (57. Stöger) - Tabaković (84. Machino)
weiter im Kader: Olschowsky (ETW), Ullrich, Mohya, Sarco, Urbich
Tore: 0:1 Tabaković (62.), 1:1 Topp (90.+4)
Gelbe Karten: - Reitz
Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 41.800 (ausverkauft)
von Marc Basten

Zurück