Einwurf nach der Niederlage gegen Frankfurt

Wer selbst solche Spiele verliert ...

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Verzweiflung pur - dabei waren Hinteregger & Co. eigentlich ein dankbarer Aufbaugegner (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach muss gegen Eintracht Frankfurt die vierte Niederlage in Folge hinnehmen. Die Protagonisten wollen eine Leistungssteigerung wahrgenommen haben, beginnen jedoch, die Situation schönzufärben. Und das ist noch gefährlicher als der aktuelle Tabellenplatz.

Wie tief die Verunsicherung bei Borussia Mönchengladbach im Dezember 2021 verankert ist, hat das letzte Heimspiel des Jahres eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit Eintracht Frankfurt war eine Mannschaft im Borussia-Park, die sich eigentlich als überaus dankbarer Gast präsentierte. Oder anders ausgedrückt: Frankfurt gab sich mit der Einstellung eines Aufbaugegners die Ehre und servierte der Borussia den Befreiungsschlag mehr oder weniger auf dem Silbertablett.

Als »lethargisch« beschrieb Eintracht-Coach Oliver Glasner anschließend den Auftritt seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit und das war eher noch eine schmeichelhafte Formulierung. Denn die Eintracht ließ all das vermissen, was sie zuletzt so stark gemacht hat. Sie spielten wie Borussia Mönchengladbach in vielen Auswärtspartien dieser Saison – ohne Mumm und Zielstrebigkeit. Dazu kam, dass die Gladbacher diesmal auch das nötige ‚Match-Glück‘ auf ihrer Seite zu haben schienen – mit dem ersten Angriff gelang der frühe Führungstreffer. Endlich mussten die Fohlen mal nicht einem Rückstand hinterherlaufen.

Das kollektive Abwehrverhalten vor den beiden Gegentoren war erneut nicht bundesligatauglich

Ein frühes Tor, ein neben sich stehender Gegner – besser hätte es nicht sein können. Doch was dann passierte, zeigt sehr nachdrücklich, dass Borussia Mönchengladbach nicht in einer temporären Ergebniskrise steckt, sondern dass die Probleme tiefgründiger sind. Es mag vielleicht noch verständlich sein, dass man sich nach der Führung erst weiter Sicherheit verschaffen wollte und es vorsichtig angehen ließ. Doch als eine Reaktion der Frankfurter ausblieb, beließen es die Borussen beim Kontrollmodus, anstatt diszipliniert nachzusetzen. Nach der Führung gab es in der ersten Halbzeit nur eine wirklich nennenswerte Torchance durch Plea – das war angesichts der Angebote, die der Gegner machte, eindeutig zu wenig.

Bestraft wurden die Borussen zum vielzitierten ‚psychologisch ungünstigen Zeitpunkt‘ kurz vor dem Pausenpfiff. Frankfurt erzielte wie aus dem Nichts den Ausgleich – eingeleitet von einem irrationalen Harakiri-Dribbling von Zakaria am eigenen Strafraum und vollendet durch eine mal wieder schwammige Verteidigung. Diese ‚Kopfnuss‘ saß und die Wirkung konnte in der Pause ganz offensichtlich nicht gemindert werden. Denn nach Wiederanpfiff, als die Frankfurter mutiger und bissiger wurden, setzte prompt der Gladbacher Kontrollverlust ein. So bitter es ist, aber das kollektive Abwehrverhalten vor den beiden Gegentoren war erneut nicht bundesligatauglich.

Individuelle Fehler und mangelhafte Geschlossenheit

Drei Gegentore innerhalb von zehn Spielminuten, verursacht durch individuelle Fehler und mangelhafte Geschlossenheit – das war der Knackpunkt in diesem Spiel. Frankfurt hatte danach eine kurze Phase, indem man es verpasste, den torkelnden Borussen den endgültigen Knockout zu versetzen. Doch die Hessen präsentieren sich erneut als freundlicher Gast, ließen die Borussen leben und holten sie durch die Rote Karte für Tuta sogar zurück ins Spiel.

Während der zwanzigminütigen Überzahl kann man den Borussen bezüglich Willen und Einsatz ganz gewiss keinen Vorwurf machen. Sie liefen mit dem Mute der Verzweiflung an und es wäre sicher nicht unverdient gewesen, wenn ihnen der Ausgleich gelungen wäre. Doch wie das halt so ist, wenn man einen Negativlauf hat – die letzte Präzision im Abschluss fehlte und dann erwischte der gegnerische Torwart auch noch einen Glanztag.

Jetzt damit anzufangen, die Sache schönzureden, ist gefährlich

So steht am Ende eine unglückliche, aber irgendwie doch folgerichtige Niederlage für die Borussia. Sicher, es war kein Debakel wie gegen Freiburg und ja, die Borussen wirkten nicht so hilflos wie in Leipzig. Aber von einer Leistungssteigerung zu sprechen, ist reichlich gewagt. Wer selbst solche Spiele nicht gewinnt, der hat wirklich ein Problem. Jetzt damit anzufangen, die Sache schönzureden, ist gefährlich. Borussia steckt im Tabellenkeller fest und um da raus zu kommen, reicht das blinde Vertrauen auf vermeintliche Qualitäten nicht aus.

 


von Marc Basten

 

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