Einwurf nach dem Spiel in Düsseldorf

Die fatale Überheblichkeit bei der Selbsteinschätzung

von Einwurf nach dem Spiel in Düsseldorf

Mal wieder bedröppelte Borussen nach dem misslungenen Ausflug nach Düsseldorf (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Es war ein unterirdischer Auftritt von Borussia Mönchengladbach in Düsseldorf, der einen ratlos zurücklässt. Die Mannschaft hat auf ganzer Linie enttäuscht, weil sie mal wieder blindlings ins Verderben schlenderte.

Die Leistung von Borussia Mönchengladbach bei Fortuna Düsseldorf sorgt für blankes Entsetzen. Die Gladbacher liefen herum, als ob sie sich mal eben zum Frühlingskick auf Nachbars Wiese getroffen hätten, um nach ein paarmal Ballhochalten den Grill anzuwerfen, die Bierflaschen kreisen zu lassen und zum gemütlichen Teil überzugehen. Als sie merkten, dass diese Einstellung vielleicht doch nicht ganz so passend war, lagen sie bereits mit 0:3 im Hintertreffen.

Trotz des Negativtrends der letzten Wochen und vielen Warnsignalen hatten die Borussen zuletzt fast gebetsmühlenartig wiederholt, dass man den in der Vorrunde so erfolgreichen Weg bedingungslos weitergehen werde. Von Krise oder ähnlichen Gefährdungen wollte niemand etwas wissen - im Gegenteil. Die Statements während der Länderspielpause strotzten nur so vor Selbstüberzeugung.

Die Borussen erliegen dem irrigen Glauben, einfach den Status quo beibehalten zu können, weil es ja in der Hinrunde funktioniert hat

Auf dem Platz war davon nichts zu sehen. Das 0:3 nach sechzehn Minuten hatte nichts damit zu tun, dass Düsseldorf etwas völlig Überraschendes geboten und die Gladbacher auf dem falschen Fuß erwischt hätte. Vielmehr fielen die Düsseldorfer Tore mit Ankündigung, was die Sache umso schlimmer macht. Nicht zum ersten Mal ließen sich die Borussen vom Gegner mit genau den Mitteln überrumpeln, vor denen Dieter Hecking im Vorfeld explizit gewarnt hat. Die Frage, wer und warum da nicht zuhören will oder kann, muss erlaubt sein.

Fast genauso beschämend wie das kollektive Verhalten in den ersten 16 Minuten war der Rest der Partie. Eine Mannschaft, die sich selbst über das ›Fußballerische‹ definiert, reihte Stockfehler an Stockfehler, spielte ohne Tempo und so einfallslos, dass es wirklich peinlich war. Schon längst haben die Gegner das Gladbacher 4-3-3 entschlüsselt, doch die Borussen erliegen dem irrigen Glauben, einfach den Status quo beibehalten zu können, weil es ja in der Hinrunde funktioniert hat.

Der vermeintlich alternativlose Weg wird auf diese Art und Weise geradewegs am Ziel vorbeiführen

Derweil lachen sich die Gegner ins Fäustchen, weil Gladbach so schrecklich berechenbar geworden ist. Selbst für die Düsseldorfer, bei allem Respekt, waren die Aufgaben, vor die sie die Borussen stellten, keine nennenswerten Hürden. Diese Mischung aus fataler Überheblichkeit bei der Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten gepaart mit tempobefreiten und technisch unsauberen Fußball führt geradewegs dahin, eine vielversprechende Saison kläglich in den Sand zu setzen.

Angesichts des Restprogramms war es ein Desaster, dieses so wichtige Spiel derart leichtfertig abzuschenken. Natürlich ist noch immer alles möglich, aber spätestens seit Düsseldorf muss allen klar sein, dass der vermeintlich alternativlose Weg auf diese Art und Weise geradewegs am Ziel vorbeiführen wird.

 


von Marc Basten

 

Copyright © 2019 TORfabrik.de [Marc Basten] Nachdruck und Weiterverbreitung,
auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.

TORfabrik.de ist ein offiziell eingetragenes Magazin bei der
Deutschen Nationalbibliothek (ISSN 1610 - 4919)
Herausgegeben von Marc Basten, Altenkleusheimer Str. 12, 57462 Olpe

Unterstützt durch unseren Sponsor & Partner: tops.net GmbH & Co. KG