Einwurf nach der Klatsche in Leverkusen

In vielerlei Hinsicht ein ganz bitterer Abend

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Diaby und Kollegen hatten sichtlich Spaß, die Gladbacher vorzuführen (Foto: Team2 Sportphoto / imago images)

Borussia Mönchengladbach gerät in Leverkusen böse unter die Räder und hat teilweise schwer verletzte Spieler zu beklagen. Die Gründe für die deutliche Niederlage sind ernüchternd.

Man könnte es sich einfach machen und das 0:4 der Gladbacher Borussen in Leverkusen als Ausrutscher bezeichnen, als einen Abend, an dem halt alles schief läuft, was nur schieflaufen kann. Doch selbst wenn Letzteres zutrifft, war die Klatsche nicht die Folge einer unglücklichen Kombination aus Pleiten, Pech und Pannen - sondern einmal mehr hauptsächlich hausgemacht.

Vor einer Woche gegen Bayern hat die Mannschaft gezeigt, dass sie aus einer kompakten Grundordnung spielen kann. Die Zentrale verdichten, die schnellen Bayern-Spieler auf den Seiten einbremsen, indem die nominell offensiven Herrmann und Wolf intensiv die Außenverteidiger unterstützen - das war die Basis für den Punktgewinn. Die Borussen können das - wenn sie sich wirklich darauf einlassen.

Überrascht von der Leverkusener Intensität

In der BayArena war das nicht der Fall. Die Fohlen hatten sich offensichtlich auf einen gepflegten Kick zweier fußballerisch veranlagter Teams eingestellt und gingen die Partie vergleichsweise locker flockig an. Dumm nur, dass Leverkusen einen ganz anderen Plan verfolgte. Statt auf Schönspielerei setzte die Werkself von Beginn an auf Aggressivität und körperlich grenzwertiges Spiel. Die Gladbacher wirkten überrascht angesichts der Intensität, mit welcher der Gegner zu Werke ging.

Bereits nach acht Minuten lagen die Borussen mit 0:2 im Hintertreffen und es dauerte noch eine Weile, bis sie sich halbwegs sortiert hatten. Das Zweikampfverhalten war mangelhaft, das Positionsspiel ebenso. Die Abstände waren viel zu groß, das Anlaufverhalten war entweder naiv oder gar nicht vorhanden, auf der Außenbahn wurde der arme Scally gegen die Rakete Diaby alleine gelassen und Kramer und Neuhaus ließen den Abstand zur Viererkette in ihrem Rücken oftmals riesengroß werden.

Schwere Verletzungen und ein verschluderter Elfmeter

Die Leverkusener hatten derweil richtig Spaß daran gefunden, den Fohlen den Schneid abzukaufen. Die Borussenprofis litten einerseits unter der Härte, denn Tah & Co. zogen einige Male fies durch, wehrten sich andererseits aber - wieder einmal - nur unzureichend. Der frühe Ausfall von Thuram kostete Gladbach zudem die Option, vorne drin auch mal mit Körperlichkeit durchzubrechen. Dennoch hätten die Borussen durch den Elfmeter nochmals zurück ins Spiel finden können. Doch Stindl schoss ganz schwach, was natürlich wie die Faust aufs Auge passte.

Richtig tragisch war der Umstand, dass Stefan Lainer bei der Elfmetersituation so schwer gefoult wurde, dass ein Knöchelbruch wahrscheinlich ist. Die Attacke des grobschlächtigen Bakker war heftig, was durchaus eine Rote Karte hätte nach sich ziehen können. Doch der Übeltäter durfte weiterspielen, Lainer wird lange fehlen und Stindl vergab den Elfmeter. Eine wirklich ‘perfekte’ erste Halbzeit wurde somit entsprechend abgerundet.

Larifari-Fußball und keine Wehrhaftigkeit gegen eklige Gegenspieler

Nach dem Seitenwechsel wurde es nicht sonderlich besser. Die Borussen schnupperten mal kurz am Anschlusstreffer, aber nach zehn Minuten war das Ding endgültig durch. Machtlos gegen das Tempo der Leverkusener und (natürlich) mit einem halben Eigentor kassierten die Gladbacher das 0:3. Während die Borussen auch in der Folgezeit offensiv harmlos blieben, luden sie Bayer weiterhin zu Kontern ein. Die Naivität, die da teilweise an den Tag gelegt wurde, sollte Adi Hütter zu denken geben.

Am Ende setzte es dann noch den vierten Gegentreffer, der das Debakel auch ergebnistechnisch unterstrich. Dass Sommer hier erneut ein halbes Eigentor fabrizierte, war nur noch eine Randnotiz. Viel bedenklicher ist - neben den Verletzungen von Lainer, Thuram und Plea - der Gesamteindruck, den Borussia in Leverkusen hinterlassen hat. Larifari-Fußball, keine mannschaftliche Geschlossenheit und keine Wehrhaftigkeit gegen eklige Gegenspieler - so wird man auch nächste Woche bei Union Berlin nicht bestehen können.

 


von Marc Basten

 

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