Einwurf nach dem Spiel gegen Bayern München

Das 3:2 gegen die Bayern kann ein Startsignal sein

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Mit viel Mentalität und Einsatz das Spiel gegen die Bayern gedreht (Foto: Poolfotos / Ulrich Hufnagel / Norbert Jansen)

Borussia Mönchengladbach gewinnt gegen Bayern München nach einem 0:2-Rückstand - der Turnaround war eine großartige Willensleistung. Diesem Sieg könnte für den weiteren Saisonverlauf eine entscheidende Bedeutung zukommen.

Als Schiedsrichter Harm Osmers nach 95 Minuten die Partie zwischen Borussia und den Bayern beendete, werden nicht wenige Borussenfans beglückt und erleichtert durch ihre Wohnzimmer gehüpft sein. Ein toller Moment, der noch viel großartiger gewesen wäre, hätte man ihn ihm prall gefüllten Borussia-Park erleben können. Doch auch so schmeckte dieser Sieg im einzig wahren Klassiker der Bundesliga zuckersüß, weil die Art und Weise seines Zustandekommens außergewöhnlich war.

Marco Rose und sein Trainerteam hatten sich vor der Partie einiges überlegt. Das System wurde mit Ball auf ein 4-3-3 geändert, die Mittelfeldreihe Zakaria, Kramer und Neuhaus spielte erstmals in dieser Saison so zusammen. Vorne begann Stindl zentral, Embolo und Hofmann besetzten die Außenbahnen, wobei alles sehr flexibel angelegt war. Ziel war es, gegen den Ball kompakt zu arbeiten - das zumeist in einem 4-4-2 -, bei Ballbesitz das Pressing der Bayern mit zwei, drei Kontakten zu überspielen und dann den Pass in die Tiefe zu suchen.

Trotz des Rückstands die Contenance bewahrt

Das Vorhaben ging zu Beginn nur bedingt auf. Defensiv war alles gut, im Spiel nach vorne war es dagegen holpriger als erhofft. Die Bayern wirkten insgesamt stabiler und waren optisch überlegen, ohne allerdings richtig gefährlich zu werden. Dass nach 26 Minuten ein 0:2 von der Anzeigetafel leuchtete, hatte der Spielverlauf nun wahrlich nicht hergegeben. Ein ärgerlicher Handelfmeter, der in mehrerlei Hinsicht unnötig war, und ein Fehler im defensiven Umschaltspiel sorgten früh für vermeintlich klare Verhältnisse zugunsten des Rekordmeisters.

Realistisch gesehen war das Ding durch. Als erstes gutes Zeichen konnte gewertet werden, dass die Gladbacher die Contenance bewahrten und sich nicht in ihr Schicksal ergaben. Stattdessen machten sie unbeirrt weiter und erzielten bis zur Halbzeit zwei blitzsaubere Tore. Gemeinsam wurde der Ball erobert und zweimal spielte Stindl einen Traumpass in den Lauf des klasse in die Tiefe gestarteten Hofmann, der Neuer einmal mit links und dann mit rechts eiskalt überwand.

Über sechs Kilometer mehr gelaufen als die Bayern

Unmittelbar nach der Pause war es erneut ein Ballgewinn von Hofmann, der - auch dank des hüftsteifen Süle - nach Doppelpass mit Embolo für Neuhaus auflegte. Der wiederum schlenzte das Leder wunderbar in den Winkel und machte damit seinen Fauxpas beim Handspiel wett. In der Folgezeit verteidigten die Borussen den Vorsprung aufopferungsvoll und geschickt. Nur sieben Fouls wurden gegen die Fohlen gepfiffen, die am Ende zwar nur 33 Prozent Ballbesitz hatten, aber über sechs (!) Kilometer mehr gelaufen sind, als die Bayern. Dies unterstreicht die großartige Willensleistung, mit der sich die Borussen den Sieg letztlich auch verdienten.

Ein solcher Kraftakt wäre während der englischen Wochen im Spätherbst kaum möglich gewesen - von daher sind die Bayern wohl zum richtigen Zeitpunkt nach Mönchengladbach gekommen. Die Mannschaft kann aus diesem Spiel mehr mitnehmen, als nur die drei Punkte. Es könnte vielmehr das Signal gewesen sein, das Rennen um Platz 4 mit aller Konsequenz aufzunehmen. Wer ein 0:2 gegen Bayern in einen Sieg ummünzt, der ist auch in der Lage, die paar Punkte auf die Konkurrenz aufzuholen.

 


von Marc Basten

 

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