Einwurf nach dem Saisonfinale gegen Hertha BSC

Borussia hat den vierten Platz absolut verdient

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Geschafft! Borussia sichert sich Platz Vier und damit die Champions League (Foto: Poolfotos/Fohlenfoto/Norbert Jansen)

Es ist vollbracht - Borussia Mönchengladbach schließt die Saison als Tabellenvierter ab und spielt in der kommenden Saison - wann und wie auch immer - in der Champions League. Das ist absolut verdient.

Als Deniz Aytekin am Samtsagnachmittag im Borussia-Park das Spiel gegen Hertha BSC und damit auch die Saison für Borussia Mönchengladbach beendete, da wurde einem die ganze Absurdität nochmals vor Augen geführt, die den Fußball in den letzten Monaten zwangsweise begleitet hat. Statt unter ekstatischem Jubel von 50.000 Menschen im Stadion hüpfte da eine kleine geschlossene Gesellschaft über den Rasen und freute sich vor einer Pappkulisse über den Einzug in die Champions League.

So wurde die Freude über den großartigen sportlichen Erfolg dann doch etwas getrübt. Der Gedanke, was hier unter normalen Umständen losgewesen wäre, ließ sich nicht so einfach beiseite wischen. Doch andererseits macht es auch keinen Sinn, den Triumph abzuwerten, denn schließlich hat es niemand der Beteiligten zu verantworten, dass die Saison unter diesen Umständen beendet werden musste. Der Klub Borussia Mönchengladbach, die sportlich Verantwortlichen und die Spieler haben ihren Job gemacht - und das auf eine beeindruckende Art und Weise.

Über die gesamte Saison eindrucksvoll stabil

Angefangen hat es vor einem Jahr, als Max Eberl die im Kontext sehr mutige Entscheidung traf, einen Schnitt zu machen und mit Marco Rose einen Trainer zu holen, der eine neue Stilrichtung etablieren sollte. Passend dazu gesellten sich vier Neuverpflichtungen (Lainer, Embolo, Thuram und Bensebaini), die sich als absolute Volltreffer erwiesen. Der ›neue‹ Fußball unter Rose funktionierte erstaunlich schnell - auch weil aus dem bestehenden Kader viele Spieler die neue Art überraschend zügig umsetzten. Trotz Rückschlägen in der Europa League blieb die Mannschaft über die gesamte Saison eindrucksvoll stabil - inklusive acht Wochen als Tabellenführer in der Bundesliga.

Die Corona-Zwangspause und der Re-Start wurden zu einem echten Härtetest. Eigentlich hatten sich Mannschaft und Trainerteam gerade erst gefunden und nun galt es, völlig unvorbereitet mit dieser außergewöhnlichen Situation umzugehen. So etwas hatte es noch nie gegeben, es war ein absoluter Blindflug. Doch die Mannschaft funktionierte den Umständen entsprechend außerordentlich gut. Auch wenn es Schlappen gab, wie das verlorene Sechs-Punkte-Spiel gegen Leverkusen oder die übliche Pleite in Freiburg mit der anschließenden Niederlage in München. Da schien Platz Vier verloren, zumal mit Zakaria, Plea und Thuram drei absolute Leistungsträger im ›Geisterfinale‹ fehlten.

In Mönchengladbach kann etwas gedeihen

Doch wie Trainer und Mannschaft bei sich geblieben sind und ihr Ding durchgezogen haben, verdient allerhöchsten Respekt und zeugt davon, welche Entwicklung Borussia in diesem ersten Jahr unter Marco Rose vollzogen hat. Selbst ganz am Ende, als es wieder etwas zu verlieren gab, blieb das ›gladbachtypische‹ Scheitern kurz vor dem Ziel aus. Die Selbstverständlichkeit, mit der alle in den letzten drei Spielen aufgetreten sind, verdeutlicht den Schritt hin zu einer echten Spitzenmannschaft. Mit punktuellen Veränderungen im Kader, die man sich trotz der Corona-Krise dank der Champions-League-Einnahmen wird leisten können, kann in Mönchengladbach etwas gedeihen.

Gleichzeitig gilt es gerade in diesen Zeiten die Bodenhaftung zu bewahren. Nicht nur für viele Fans ist die Zukunft des Fußballs - trotz des sportlichen Erfolgs der Borussia - mit großen Fragezeichen behaftet. Auch für die Vereinsverantwortlichen ist die Lage komplizierter denn je. Unerwartete Entwicklungen könnten dafür sorgen, dass gut gemeinte Entscheidungen plötzlich existenzgefährdend sind. Deshalb wird auch bei Borussia viel Fingerspitzengefühl notwendig sein, wobei die handelnden Personen gezeigt haben, dass man ihnen diesbezüglich vertrauen kann.

Endlich ist diese Saison vorbei

Somit kann man jetzt zunächst einmal durchatmen. Endlich ist diese Saison vorbei, zum Glück ist es für Borussia gut ausgegangen. Nächste Saison geht es in die Champions League, auch wenn niemand weiß, wann und wie dieser und alle anderen Wettbewerbe ausgetragen werden. Über den verdienten sportlichen Erfolg der Borussia darf man sich vorbehaltlos freuen. Bei allem anderen muss man - mit einer gewaltigen Portion Skepsis - die Entwicklung abwarten.

 


von Marc Basten

 

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