Einwurf nach dem Heimspiel gegen Union Berlin

Die letzte Entschlossenheit fehlte den Borussen

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Ernüchterung nach dem Remis gegen Union Berlin (Foto: TORfabrik.de)

Das 1:1 gegen Union Berlin ist aus Gladbacher Sicht enttäuschend. Sowohl das nackte Resultat, als auch die Art und Weise, wie es zustande kam. Den Borussen fehlte die letzte Entschlossenheit.

Ein Punkt nach zwei Spieltagen für Borussia Mönchengladbach - man könnte es als Fehlstart bezeichnen oder zumindest als Stotterstart. Doch es geht weniger darum, den richtigen Begriff zu finden, als vielmehr um eine ehrliche Bestandsaufnahme. Und insoweit muss man attestieren, dass bei Borussia zum Start in die neue Saison überraschend wenig zusammenläuft.

Natürlich ist es ein Faktor, wenn Stützen wie Zakaria, Plea, Thuram oder Embolo nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Das mag sogar beim Auftaktspiel in Dortmund letztlich ausschlaggebend für die Niederlage gewesen sein. Doch gegen Union Berlin - bei allem Respekt vor dem Aufsteiger des Vorjahrs - läuft diese Argumentation ins Leere.

Die zahlreichen einfachen Ballverluste sorgten ständig für Sand im Getriebe

Vielmehr wurde deutlich, dass die Borussen Schwierigkeiten haben, die vielzitierten ›Basics‹ kontinuierlich abzurufen. In Ansätzen war vieles vorhanden, aber bei der Umsetzung fehlte an allen Stellen die Griffigkeit. Auf dem Weg nach vorne war vieles Stückwerk, vor allem die zahlreichen einfachen Ballverluste sorgten ständig für Sand im Getriebe. In der Rückwärtsbewegung gingen die Borussen in mehreren Situationen nicht so rigoros wie nötig zur Sache.

Zwar ist es normal, dass es in einem Spiel immer mal Phasen gibt, in denen die Rädchen nicht greifen und logischerweise spielt auch die Performance des Gegners eine Rolle. Union machte es dabei nach Kräften sehr ordentlich, präsentierte sich aber weder als unüberwindliches Bollwerk, noch als effektive Kontermannschaft. Insoweit schien es auszureichen, dass die Borussen nach der Pause für eine knappe Viertelstunde Tempo und Druck erhöhten und den Führungstreffer herausholten.

Nach der Führung verloren die Borussen den zuvor mühsam aufgenommen Faden

Es sah aus, als ob damit alles bereitet sei für den Heimsieg. Union musste zwangsläufig aktiver werden, was den Borussen Räume offerierte und dazu führen sollte, mit dem zweiten oder dritten Treffer einen letztlich ungefährdeten Dreier einzufahren. Doch anstatt die Partie im Stile einer Spitzenmannschaft nach Hause zu bringen, verloren die Gladbacher den zuvor mühsam aufgenommen Faden.

Nun war es nicht so, dass Union mächtig auf den Ausgleich drängte, doch die Statik des Spiels hatte sich verändert. Die Borussen mussten mehr reagieren, blieben dabei jedoch erstaunlich abwartend, so dass die Gäste Morgenluft witterten. Auf Seiten der Gladbacher entstand in dieser Phase der Eindruck, als ob bei einigen Spielern der Tank schon ziemlich leer sei. Das ist bei Rekonvaleszenten wie Plea und Thuram erklärbar, hätte aber ansonsten am 2. Spieltag eigentlich kein Thema sein dürfen.

Latent passive Borussen beschwören Ausgleich herbei

Dass mit der Einwechslung von Wendt und der Umstellung auf 3er bzw. 5er-Kette wie in Dortmund das defensive Konstrukt gestärkt werden sollte, ist einerseits eine nachvollziehbare Maßnahme, könnte im Nachhinein aber auch als ein falsches Zeichen gewertet werden. Statt mit zusätzlichen Konterspielern in der vorhandenen Grundordnung auf die Entscheidung zu drängen, hatte die Sicherung des Vorsprungs Priorität.

Dass man nach einem Standard den Ausgleich schlucken musste, hatte grundsätzlich nichts mit dieser Umstellung zu tun, doch aus heiterem Himmel fiel der Treffer nicht. Berlin hatte sich das Tor durchaus verdient, während die Borussen zwar nicht gerade darum gebettelt, es aber durch die latente Passivität irgendwie herbeibeschworen haben.

Es wird darauf ankommen, genau dort wieder hinzukommen

So steht am Ende ein gerechtes Remis, das angesichts der Gladbacher Ansprüche ernüchternd ist. Es war kein richtig schlechtes Spiel der Borussen, aber in vielen Bereichen fehlte die Entschlossenheit, die man gerade zum Ende der letzten Saison an den Tag gelegt hat. Es wird darauf ankommen, genau dort wieder hinzukommen. Ansonsten können die kommenden Aufgaben äußerst unangenehm werden und aus einem Stotterstart wird wirklich ein richtiger Fehlstart.

 


von Marc Basten

 

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