Einwurf nach dem Spiel gegen Augsburg

Die Unvollendeten – Borussia fehlen Fokus und Killerinstinkt

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Breel Embolo wollte sich nach dem Abpfiff nur noch verstecken (Foto: imago images / Horstmüller)

Auch gegen den FC Augsburg verpasst es Borussia Mönchengladbach, ein Heimspiel rechtzeitig zu entscheiden. Zum wiederholten Mal fängt man sich ein spätes Gegentor zum Ausgleich – das ist kein Zufall mehr.

Vier Heimspiele hat Borussia Mönchengladbach in dieser Bundesligasaison absolviert. Die Resultate sind ernüchternd: 1:1, 1:1, 1:0, 1:1. Der wegen Corona aus dem Borussia-Park ausgeschlossene Fan mag es vielleicht als tröstlich empfinden, dass er nicht viel verpasst hat. Doch angesichts der durchaus offensiv formulierten sportlichen Ambitionen der Fohlenelf ist diese Zwischenbilanz im eigenen Stadion deutlich zu schlecht.

Auch der Blick auf die Details relativiert da nichts – im Gegenteil. Borussia hat es dreimal nicht geschafft, einen mehr als nur greifbaren Sieg über die Zeit zu bringen. Man hat es zunächst teilweise fahrlässig versäumt, für eine vorzeitige Entscheidung zu sorgen und sich am langen Ende durch späte Gegentore düpieren lassen. Gegen Union Berlin, Wolfsburg und jetzt Augsburg war der Verlauf nahezu identisch. Und auch beim einzigen Heimsieg, ausgerechnet gegen das Topteam aus Leipzig, ging es in der gleichen Konstellation in die Schlussminuten – da konnte der Vorsprung jedoch über die Ziellinie gebracht werden.

Augsburg ist der bisherige Tiefpunkt der unvollendeten Borussia

Gegen Union und Wolfsburg konnte man in der Nachbetrachtung zumindest noch anmerken, dass der Gegner nach hintenraus noch mal richtig Musik gemacht und den Ausgleich zumindest halbwegs erzwungen hat. Jetzt gegen Augsburg war selbst das nicht vorhanden - und damit ist dieses 1:1 der bisherige Tiefpunkt der unvollendeten Borussia. Augsburg war keinesfalls ein schlechter Gegner, doch die bayerischen Schwaben boten den Gladbachern so viel an, dass diese schlichtweg vorzeitig den zweiten und dritten Treffer nachlegen mussten.

Bedingt durch die Unterzahl war Augsburg nicht in der Lage, eine wirkliche Schlussoffensive auf den Platz zu bringen. Dass sich die Borussen dennoch ein Ei ins Nest legen ließen, ist nicht zu entschuldigen. Angesichts der Häufigkeit – bekanntlich gab Borussia auch in der Champions League zwei Siege in den Schlussminuten aus der Hand - ist es auch nicht möglich, derartige Spielverläufe als Zufall abzutun. Um ein wirkliches Spitzenteam zu sein, fehlt den Borussen auf mehreren Ebenen der Fokus. Die Mannschaft ist zu selten in der Lage, mit dem nötigen Killerinstinkt frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Das ist in Liga und Königsklasse bislang nur bei den indisponierten Kölnern und beim Kantersieg über Donezk gelungen.

Borussia darf sich gegen qualitativ schwächere Gegner keine Blöße mehr geben

Und dann zeigt man sich bei engen Spielständen am Ende zu wenig resistent, einen knappen Vorsprung zumindest schmutzig über die Zeit zu verteidigen. Da fehlt es z.B. einem Ginter, Elvedi oder auch Sommer an Präsenz und körperlicher Ausstrahlung, um den Gegenspielern deutlich zu vermitteln, dass sie im Gladbacher Strafraum aber mal überhaupt nichts zu bestellen haben. Stattdessen gibt es ohne Not richtiggehende Panikaktionen, mit denen der Gegner zum Toreschießen eingeladen wird.

Noch ist die Saison zu jung, um einen Abgesang auf die Ambitionen für einen Platz unter den Top-Vier anzustimmen. Doch klar ist auch, dass Borussia gegen Union, Wolfsburg und Augsburg sechs Punkte leichtfertig verdaddelt hat, die auf Strecke nur durch konstante Siegesserien gutgemacht werden können. Oder anders ausgedrückt: Ab jetzt darf sich Borussia gerade gegen die qualitativ schwächeren Gegner keine Blöße mehr geben. Insoweit wird das Gastspiel der sieglosen Schalker am nächsten Wochenende eine wegweisende Angelegenheit.

 


von Marc Basten

 

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